Apple angeblich von Pleite des Saphirglas-Herstellers GT überrascht

Die Insolvenzanmeldung des Saphirglas-Herstellers GT Advanced Technologies hat angeblich auch Apple überrascht. Der iPhone-Hersteller nannte es am Mittwoch „eine überraschende Entscheidung“. Nach einem Bericht des Wall Street Journal soll er noch mit GT zusammengearbeitet haben, um das Unternehmen liquide zu halten. Mehrere Analysten gehen allerdings von einem Zerwürfnis zwischen Apple und GT aus, das für das kleinere Unternehmen den Gang zum Konkursrichter unvermeidlich machte.

Einen Hinweis auf kommende Schwierigkeiten gab schon Apples Entscheidung, Saphirglas nicht wie erwartet für den Schutz der Displays seiner neuen iPhone-Generation einzusetzen, sondern nur für die Linse der rückseitigen Kamera sowie den Fingerabdruckscanner TouchID. Den finanziellen Druck auf GT erhöhte außerdem, dass Apple eine für den Oktober vorgesehene vierte Vorauszahlung in Höhe von 139 Millionen Dollar ausfallen ließ mit der Begründung, bestimmte technische Ziele seien nicht erreicht worden.

Mit dem Aluminiumoxid Saphir geschützte Bildschirme sind angeblich unempfindlicher gegen Kratzer und bieten gleichzeitig ein bessere Lichtdurchlässigkeit als beispielsweise das häufig für Smartphone-Displays genutzte Gorilla-Glas. In der Herstellung ist es aber auch erheblich kostspieliger. Einer Schätzung zufolge kostet es 16 Dollar, eine Bildschirmabdeckung aus synthetischem Saphir herzustellen, während sie mit Gorilla-Glas auf nur rund 3 Dollar kommt.

In seinem Insolvenzantrag nach Chapter 11 des US-Konkursrechts hielt sich der Saphirglas-Hersteller mit Einzelheiten zurück, was die Gründe für den erwünschten Gläubigerschutz angeht. Die Rede ist lediglich von einer „schweren Liquiditätskrise“ aufgrund von Umständen, die in kommenden Anhörungen näher beschrieben werden sollen. Apple findet nicht einmal namentlich Erwähnung in diesem Dokument, das stattdessen eine „Reihe geschäftlicher Abwicklungen mit einem Schlüsselkunden“ anführt.

HIGHLIGHT

Apple Watch: Tim Cooks "One more thing"

Der Apple-Chef bemüht die alte Phrase seines Vorgängers. Anders als dieser kündigte er jedoch nicht etwas Überraschendes an. Eine Apple-Smartwatch hatte schließlich jeder erwartet. Auch die Wahl des Veranstaltungsortes zeigt, dass sich Cook noch nicht von Jobs gelöst hat.

Bevor es sich mit Apple einließ, konzentrierte sich GT auf die Herstellung von Brennöfen, die der Herstellung von synthetischem Saphir dienen – und nicht auf die Saphirproduktion selbst. Im November 2013 erklärte sich Apple zu Zahlungen von insgesamt 578 Millionen Dollar bereit, um GT die Ausstattung eines Werks mit modernsten Brennöfen und das Hochfahren der Saphirglas-Herstellung zu finanzieren. GT wiederum verpflichtete sich, die ausgelegten Mittel ab 2015 an Apple zurückzuzahlen.

Von Marketwatch zitierte Analysten vermuten als Hintergrund ein Zerwürfnis zwischen Apple und dem Saphirglas-Spezialisten. Pavel Molchanov von Raymond James sieht in der Konkursanmeldung ein klares Zeichen für verschlechterte Beziehungen zwischen den beiden Unternehmen. „Unser Rückschluss ist, dass es noch in der letzten Woche Verhandlungen mit Apple gab, es jedoch nicht zum erhofften Durchbruch kam und Chapter 11 der einzig gangbare Weg für GT blieb“, schreibt er in einer Investoreninformation. Um Geld gegangen sei es natürlich, aber wohl auch um die vorgesehene Nutzung der Fabrik.

„Apple ist nicht verpflichtet, Saphir von GT zu kaufen“, schreiben die Analysten von Pacific Crest Securities. GT komme dennoch nicht umhin, die von Apple ausgeliehenen Betrage zurückzuzahlen. „Wir halten es für möglich, dass GT als Ausrüstungslieferant weiterbesteht. Die Apple-Beziehung geht nach unserer Einschätzung wahrscheinlich zu Ende – und Apple wird voraussichtlich die Fabrikausstattung sowie die geistigen Eigentumsrechte von GT übernehmen.“

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Bernd Kling

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