Project Ara: Google zeigt funktionsfähige Version seines modularen Smartphones

Google hat auf seiner Entwicklerkonferenz I/O in San Francisco erstmals einen funktionsfähigen Prototyp seines modularen Smartphones „Project Ara“ vorgeführt. Allerdings verlief die Präsentation nicht sehr erfolgreich: Beim Booten fror das Telefon ein, wie The Verge und Ars Technica berichten. Dafür gab Projektleiter Paul Eremenko einen Überblick über den aktuellen Entwicklungsstand.

Die derzeit verwendeten Prototyp-Module benötigen Eremenko zufolge 70 Prozent des verfügbaren Platzes für Komponenten, die sie überhaupt erst modular machen. Dadurch bleiben nur 30 Prozent für andere Komponenten. Kommende Modulversionen sollen dieses Verhältnis umkehren. Langfristiges Ziel ist ein Overhead von nur 10 Prozent.

Der Projektleiter schilderte auch seine Vorstellungen von möglichen Modulen mit unterschiedlichsten Funktionen. Diese reichen von einem simplen Schlüsselanhänger über eine Nachtsichtfunktion bis zu einer teuren Kamera, die sich mehrere Nutzer teilen könnten. Zudem sucht das Team nach neuen Akkutechnologien, die deutlich leistungsstärker sind als aktuelle Batterien.

Eremenko präsentierte auch einige Designentwürfe für Modulcover, die mit einem 3D-Drucker gefertigt werden. Außerdem wiederholte er vorherige Aussagen, dass es noch einiger Änderungen an Android bedürfe, um Project Ara zu einem Erfolg zu machen. Der gezeigte Prototyp läuft unter einer Fork des Google-Betriebssystems, die Support für Treiber und Hot-Swapping bietet. Schon zuvor hieß es, das Ara-Team wolle im Dezember Android-Treiber verfügbar machen und so die letzte große Hürde nehmen.

Zum Schluss seiner Präsentation kündigte Eremenko noch einen Entwicklerwettbewerb an. Einem Team, das ein funktionierendes Ara-Modul fertigt, welches „etwas kann, was aktuelle Smartphones nicht können“, winken 100.000 Dollar Preisgeld und eine Reise zur nächsten Ara-Entwicklerkonferenz. Dazu bietet Google ein Module Developers Kit (MDK) an.

Den Verkaufsstart des modularen Smartphone hatte der Internetkonzern schon Mitte April für Januar 2015 angekündigt. Die als Gray Phone bezeichnete Basisversion wird rund 50 Dollar kosten.

Das aus Aluminium gefertigte Endoskelett soll für eine fünf- bis sechsjährige Nutzungszeit gut sein. Es hält die Komponenten mit Permanentmagneten fest, und der UniPro-Standard sorgt für die Kommunikation zwischen den Modulen. Die Module sind nur vier Millimeter dick und ermöglichen so ein komplettes Mobiltelefon, das mit insgesamt 9,7 Millimeter nicht wesentlich mehr aufträgt als etwa Samsungs Galaxy S5 (8,1 Millimeter) oder Apples iPhone 5S (7,6 Millimeter).

Die Entwicklung von Project Ara begann bei Motorola in dessen Forschungsabteilung ATAP, die nicht mit an Lenovo verkauft wurde. Hinter dem Projekt steht Googles Vision einer Zukunft, in der die Hardwarekomponenten eines Smartphones wie Apps aus einem App Store zu kaufen sind. Nutzer könnten sich etwa für ein größeres Display entscheiden, eine Tastatur oder eine zusätzliche Batterie. Auch könnten defekte Module erneuert oder innovative neue Module eingesetzt werden, um eine längere Nutzungsdauer als bei heutigen Smartphones zu ermöglichen. Der Austausch von Modulen soll während des Betriebs möglich sein und keinen Neustart erfordern.

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Björn Greif

Björn kam nach seinem Magisterstudium und Ausflügen in den Sportjournalismus 2006 als Volontär zu ZDNet. Im Anschluss wurde er Redakteur und hat mehr als 12.600 Nachrichten zu tagesaktuellen Themen verfasst, mit Schwerpunkt auf Business, Hardware und Mobile.

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