Google: Keine Änderungen an Datenschutzrichtlinien wegen Google Glass

Google hat angekündigt, dass es seine vorhandenen Datenschutzrichtlinien für Google Glass nicht ändern wird. Damit lehnte es eine Forderung des US-Kongressabgeordneten Joe Barton ab. Er befürchtet unter anderem, dass die Computerbrille in der Lage sein wird, persönliche Informationen von Dritten zu sammeln.

Der Suchkonzern betont in einem Brief an den Abgeordneten (PDF), dass es bereits verschiedene Vorkehrungen getroffen habe. Beispielsweise müsse ein Nutzer alle Befehle an Glass laut aussprechen. Damit soll unter anderem verhindert werden, dass umstehende Personen ohne ihr Wissen gefilmt werden. Bei einem Interview von TechWeek mit Rackspace-Mitarbeiter Robert Scoble zeigte sich kürzlich jedoch, dass das Mikrofon der Brille auch geflüsterte Befehle verarbeiten kann.

Schon Anfang Juni hatte Google bestätigt, dass Glass zum Marktstart keine Gesichtserkennung unterstützen wird. Als Grund dafür nannte es datenschutzrechtliche Bedenken. Zudem dürfen Entwickler das Display der Brille nicht abschalten, wenn die Kamera benutzt wird.

Darüber hinaus weist Google darauf hin, dass Glass-Nutzer alle in dem Gerät gespeicherten Daten löschen können. Zudem lässt die Brille bei Verlust oder Diebstahl auch aus der Ferne löschen. Google testet derzeit auch noch Verfahren, um den Flash-Speicher der Brille mit einer Sperre zu versehen.

Barton zeigte sich von Googles Reaktion auf seine Forderungen enttäuscht. „Es gibt Fragen, die nicht adäquat oder gar nicht beantwortet wurden“, sagte Barton. Neue Technologien wie Glass seien in der Lage, die gesellschaftlichen Normen verändern. „Ich glaube, es ist wichtig, dass die Rechte der Menschen geschützt werden, und entscheidend, dass der Datenschutz in das Gerät integriert ist.“

Mitte Juni hatten bereits zehn Datenschutzbehörden weltweit Google in einem gemeinsamen Brief aufgefordert, offene Fragen zu Glass zu beantworten. Zu den Unterzeichnern gehören Datenschutzbeauftragte in Australien, Neuseeland, Kanada, Mexiko, Israel und der Schweiz. Mit Jacob Kohnstamm ist auch der Vorsitzende der Artikel-29-Datenschutzgruppe vertreten, dem unabhängigen Beratungsgremium der Europäischen Kommission in Fragen des Datenschutzes. Ihre Fragen betreffen die Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorschriften sowie die Vorkehrungen, die Google und die App-Entwickler zum Schutz der Privatsphäre treffen.

[mit Material von Tom Brewster, TechWeekEurope]

Tipp: Wie gut kennen Sie Google? Testen Sie Ihr Wissen – mit dem Quiz auf silicon.de.

Stefan Beiersmann

Stefan unterstützt seit 2006 als Freier Mitarbeiter die ZDNet-Redaktion. Wenn andere noch schlafen, sichtet er bereits die Nachrichtenlage, sodass die ersten News des Tages meistens von ihm stammen.

Recent Posts

Datenschutz & LinkedIn

Von über 830 Millionen Mitgliedern weltweit verwaltet das kalifornische Online-Karriereportal LinkedIn inzwischen Daten und Kontakte.…

2 Tagen ago

Matter: Neuer Standard für Smart Home

Die Connectivity Standards Alliance (CSA) will Matter zum neuen Konnektivitätsstandard für Smart Homes machen.

2 Tagen ago

Unverschlüsselte Geräte sind gefährlich

Unverschlüsselte Geräte sind ein Einfallstor für Hacker. Es ist schwierig, den Überblick über sämtliche Endpoints…

2 Tagen ago

Altanwendungen eine Chance geben

Altanwendungen besitzen keinen guten Ruf, obwohl sie viele Jahre treu und zuverlässig funktioniert haben. Es…

3 Tagen ago

Angriffe auf Computerspiele verdoppelt

Spielehersteller und Gamer-Accounts sind durch den Anstieg der Angriffe auf Webanwendungen nach der Pandemie gefährdet.…

3 Tagen ago

Backup-Kosten sparen

Datensicherung ist unabdingbar, kann aber ins Geld gehen. André Schindler, General Manager EMEA bei NinjaOne…

3 Tagen ago