Zehn Jahre Mac OS X – das Beste aus zwei Welten

Parallel arbeitete man weiter an Mac OS X: Am 5. Januar 1999 stellte Steve Jobs entsprechend auf der MacWorld in San Francisco neben neuen iMacs und einem Mac Pro G3 „Yosemite“ auch den Zeitplan für Mac OS X Server vor. Die Servervariante des Betriebssystems sollte im Februar 1999 für Netzwerke zur Verfügung stehen.

Tatsächlich erschien Mac OS X Server 1.0 am 16. März 1999 und basierte auf Rhapsody 5.3, einer Zusammensetzung von Mac OS 8.5.1 und OPENSTEP. Der darin enthaltene Mach-Kernel ließ die für eine Servervariante notwendigen Netzwerkdienste stabil und schnell laufen. Für klassische Mac-OS-Programme gab es die auch für Mac OS X vorgesehene Laufzeitumgebung. Auch WebObjects und NetBoot waren im Serverpaket enthalten. Mac OS X Server lief zudem sowohl auf Intel- wie auch PowerPC-Rechnern und stellte damit einen großen Fortschritt für Netzwerkadministratoren dar.

WebObjects war 1999 im Betriebssystem Mac OS X Server bereits enthalten. (Bild: Gerald Erdmann)
WebObjects war 1999 im Betriebssystem Mac OS X Server bereits enthalten. (Bild: Gerald Erdmann)

Doch die Nutzer zögerten, denn als Steve Jobs am 18. Februar 1999 die MacWorld Expo in Tokio eröffnete, funktionierte die Demonstration von Mac OS X Server nicht – die Vorführung eines Videostreamings von 50 iMacs schlug fehl. Die Skepsis und Fehler machten Updates in kurzer Zeitfolge im April (Mac OS X Server 1.0-1) und Juli 1999 (Mac OS X Server 1.0-2) notwendig.

Neue Namen für Mac OS X

Den nächsten Meilenstein in der Entwicklung von Mac OS X stellte Steve Jobs zusammen mit seinem Entwicklungschef Avie Tevanian schließlich am 10. Mai 1999 auf der WWDC vor: Alle dort anwesenden Entwickler erhielten eine „Developer Preview“ des neuen Betriebssystems, an der sie mitarbeiten konnten. Um den Fortschritt anzuzeigen, benannte man zudem die „Blue Box“ in „Mac OS Classic Environment“, während die „Yellow Box“ zu „Cocoa“ wurde. Nur „Carbon“ blieb weiterhin „Carbon“ und stellte den kleinsten gemeinsamen Nenner beider Welten dar, so dass alle darauf entwickelten Anwendungen sowohl auf Libraries der einen wie auch der anderen Umgebung zugreifen konnten.
Apple rief deshalb alle Entwickler dazu auf, ihre Programme entweder an Carbon anzupassen oder auf dieser Basis zu programmieren. Doch schon auf der WWDC wusste Apple,dass der für das dritte Quartal 1999 anvisierte Veröffentlichungstermin des endgültigen Mac OS X nicht einzuhalten war. Steve Jobs änderte deshalb den Zeitplan und kündigte für Herbst 1999 zunächst eine zweite Entwickler-Preview des Systems an. Die endgültige Fassung aber verschob man erst einmal auf Anfang 2000.

Mit Entwicklerversionen und „Previews“ zeigte Apple, was Mac OS X alles können wird – und nahm den Nutzern damit zunehmend die Angst vor dem neuen Betriebssystem. (Bild: Apple)
Mit Entwicklerversionen und „Previews“ zeigte Apple, was Mac OS X alles können wird – und nahm den Nutzern damit zunehmend die Angst vor dem neuen Betriebssystem. (Bild: Apple)

Mac OS 9 Sonata

Doch auch dieser Termin konnte nicht eingehalten werden. Nebenher engagierte man sich nämlich immer noch für die klassische Mac-OS-Version. Auf der WWDC 1999 kündigte Jobs zusätzlich für Herbst „Sonata“ an, die Weiterentwicklung von Mac OS 8.6. Das Update sollte endlich auch Multiuser-fähig sein und eine verbesserte Sherlock-Suchfunktion beinhalten, zudem wollte man die automatische Erkennung von USB-Peripheriegeräten einbauen. Apple hatte sich also viel vorgenommen, wozu man die Entwicklungsressourcen aufteilen musste.

Am 5. Oktober 1999 stellte das Unternehmen tatsächlich auf einer Sonderveranstaltung den Anwesenden das ab 23. Oktober erhältliche Mac OS 9 „Sonata“ vor. Die finale Version von Apples klassischem Mac OS wurde von Apple als „das beste Internet-Betriebssystem aller Zeiten“ propagiert und dazu mit Sherlock II ausgestattet. In Zeiten, in denen Internet-Suchmaschinen nur einen kleinen Teil des Internets abdeckten, es nur wenige Suchmaschinen überhaupt und noch kein Google gab, konnte man mit Sherlock II ohne Browser das Internet durchsuchen. So ließen sich eine Vielzahl von Suchmaschinen selbst zusammen stellen und der Suchradius deutlich erweitern.

Herausragend für diese Zeit war auch die Mehrbenutzer-Fähigkeit, die unterschiedlichen Benutzern eine eigene Arbeitsoberfläche und eigene Rechte zuwiesen ließ. Hinzu kam eine Auto-Updating-Funktion, File-Encryption mit 56 Bit-Algorithmus und der Schlüsselbund, der vergebene Passwörter bis heute in Mac OS X speichert. Mitgeliefert zu Mac OS 9 wurde außerdem die für Mac OS X wichtige Carbon-Bibliothek.

Während Apple an Mac OS X arbeitete, wurde auch das klassische Mac OS bis Version 9 weiterentwickelt. (Bild: Apple)
Während Apple an Mac OS X arbeitete, wurde auch das klassische Mac OS bis Version 9 weiterentwickelt. (Bild: Apple)

Zeitverzug von Mac OS X

Erst am 13. September 2000 aber stellte man auf der Apple Expo in Paris die erste Public Beta von Mac OS X 10.0 der Öffentlichkeit vor. Die endgültige Auslieferung dauerte noch bis 24. März 2001, also eineinhalb Jahre nach dem eigentlich versprochenen Veröffentlichungstermin. Man hatte unterschätzt, wie umfangreich eine Portierung und Verschmelzung von zwei Betriebssystemen zu einem werden konnte, während man parallel noch die klassische Variante weiter ausbaute. Ein Aufatmen ging deshalb durch die Nutzer-Gemeinde, als am 8. März 2001 bekannt wurde, dass Mac OS X in Produktion ging und damit tatsächlich zum genannten Termin erhältlich sein wird. Doch zum weltweiten Verkaufsstart am 24. März 2001 gab es nur wenige native Anwendungen, darunter iTunes, iMovie 2 und AppleWorks 6.1. Die wichtigsten, darunter Microsofts Internet Explorer und die Office-Suite, waren allerdings erst für Herbst 2001 angekündigt. Dennoch bestand Hoffnung: insgesamt hatten sich schon einige Monate zuvor über 400 Software-Hersteller zu Mac OS X bekannt und alle anderen Anwendungen konnten in der sogenannten Classic-Umgebung zum Laufen gebracht werden.

Zur gleichen Zeit – bis 2001 – wurde Mac OS 9 auf Version 9.2.2 erweitert und optimiert. Die lange Wartezeit hatte aber auch ihr Gutes: Durch die Vorstellung der Public Beta zeigte sich, wie gut Mac OS X werden würde – die zukünftigen Nutzer wurden (neu)gierig.

Die Oberfläche zeigte all die guten Ideen aus den NeXT-Zeiten und hatte doch viele der klassischen Elemente beibehalten. Die „Classic“-Umgebung wurde nahezu transparent eingebunden, blieb dabei aber abgekapselt, so dass eine Classic-Anwendung zwar abstürzen konnte, dabei jedoch nicht das gesamte Betriebssystem mitriss. In der gelben Cocoa-Umgebung aber lag die Zukunft, denn diese reichte tief in die innersten Schichten des Betriebssystems und ließ den Entwicklern viele Möglichkeiten. Für Avie Tevanian lohnte sich die Zeitverzögerung: „Wir bauen hier eine neue Plattform.“ meinte er „Mit dieser Strategie wird Apple die Führungsposition in Sachen Technologie zurück erobern“. Er sollte Recht behalten.

Für Avie Tevanian war bereits 1997 klar, dass man mit der neuen Plattform Mac OS X eine zukunftsweisende Technologie bauen würde. (Bild: Gerald Erdmann)
Für Avie Tevanian war bereits 1997 klar, dass man mit der neuen Plattform Mac OS X eine zukunftsweisende Technologie bauen würde. (Bild: Gerald Erdmann)

Als Mac OS X endlich auf den Markt kam, wollte Apple den Nutzern den Umstieg auf das neue Betriebssystem so leicht wie möglich halten. Aus diesem Grund erhielten Anwender zur 329 DM kostenden Einzelversion (79 DM für Beta-Tester von Mac OS X) noch Mac OS 9 und die Entwickler-Werkzeuge dazu. Schon bald folgten dann die ersten weiteren Mac-OS-X-Anwendungen, darunter Freehand 10, Illustrator und der AOL Instant Messenger.

Und Apple blieb weiter am Ball – am 17. April 2001 gab es bereits das erste Update für Mac OS X auf Version 10.0.1, das den USB-Support und die Stabilität des Systems verbessern sollte. Stabiler wurden die Macs auch durch ein Firmware-Update, das RAM-Bausteine deaktivierte, die außerhalb der Spezifikationen für Speicher-DIMMs lagen. Das sorgte zwar unter vielen Mac-Nutzern zunächst für Aufruhr, das Ausschalten fehlerhafter Speicherbausteine verschaffte aber eine deutlich höhere Laufruhe.

Dieser Beitrag ist ein exklusiver Vorabdruck von Kapitel 25 aus dem Buch „One more thing“ von Charlotte Erdmann, ab Mai im Verlag Addison-Wesley im Buchhandel erhältlich.

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