Internet Explorer 9 Beta: Kann Microsoft wieder in der ersten Liga mitspielen?

Heute veröffentlicht Microsoft die erste Betaversion seines neuen Browsers Internet Explorer 9 (IE9). Die aktuelle Version 8 hat Microsoft im März 2009 herausgebracht. Doch bereits zum Erscheinungsdatum war der IE8 technisch hoffnungslos veraltet. Gegenüber IE7 wurden zwar einige zusätzliche Standards unterstützt, doch andere Browser waren damals schon viel weiter.

Was die Unterstützung von W3C-Standards angeht, kommt der IE8 nicht annähernd an Konkurrenten wie Firefox, Safari und Chrome heran. Hinzu kommt, dass IE8 bei der Geschwindigkeit weit abgeschlagen ist. Obwohl Microsoft in einer Pressemitteilung behauptete, IE8 sei der schnellste Browser auf dem Markt, konnte ZDNet wenige Tage nach Erscheinen das genaue Gegenteil nachweisen.


Microsoft gesteht inzwischen ein, dass es um die Geschwindigkeit von IE8 nicht gut bestellt ist. Mit IE9 will der Softwareriese wieder in der ersten Liga mitspielen (Grafik: Microsoft).

Mit dem neuen IE9 soll sich das alles ändern. So will Microsoft die Standards des W3C einhalten und eine Vorreiterrolle bei HTML5 spielen. Die ersten Ergebnisse der IE9-Platform-Preview-Versionen, die Microsoft in den vergangenen Monaten veröffentlicht hat, sind vielversprechend. So spielt die Platform Preview #4 bei den Benchmarks, etwa dem SunSpider, der die Javascript-Performance misst, wieder in der ersten Liga mit.

ZDNet hat die Beta 1 in zahlreichen Benchmarks getestet.

Auch bei der Einhaltung von Standards kann der IE9 punkten. Während der IE8 beim Acid3-Test, der die Einhaltung der CSS3-Standards überprüft, nur 20 von 100 Tests besteht, kann IE9 Preview #4 immerhin mit 95 bestandenen Tests aufwarten.

Wenn man sich die Versionsgeschichte des Internet Explorers anschaut, handelt es sich beim IE9 um das erste Release mit einem signifikanten technischen Fortschritt seit IE6, was die Geschwindigkeit und die Unterstützung von Standards angeht. Features wie Tabbed Browsing erleichtern zwar die Bedienung, sind jedoch recht einfach zu implementieren.

Die Gründe dafür, dass sich Microsoft mit IE9 so ins Zeug gelegt hat, sind offensichtlich: Internet Explorer hat massiv Marktanteile eingebüßt. Weltweit sind von über 94 Prozent im Jahr 2004 heute nur etwa 60 Prozent übriggeblieben.

In Europa und speziell in Deutschland legen die Nutzer noch höheren Wert auf einen schnellen Browser, der technisch auf dem aktuellen Stand ist. Laut einer Studie vom März muss sich der Internet Explorer in Großbritannien mit 58,09 Prozent zufrieden geben, in Frankreich sind es 49,28 Prozent. In Deutschland gehen nur 26,57 Prozent mit dem IE ins World Wide Web.

Dass Microsoft bis einschließlich IE8 nur mäßige Verbesserungen an seinem Browser vorgenommen hat, hat nicht nur den Grund, dass der Softwareriese wieder einmal so lange auf der faulen Haut gelegen hat, bis es brenzlig für ihn wurde. Dass Microsoft bei genügend Marktdruck durchaus in der Lage ist, seine Produkte zu verbessern, zeigt beispielsweise Windows 7.

Man muss Microsoft auch unterstellen, an einer schnellen technologischen Weiterentwicklung der Browsertechnologie nicht interessiert zu sein. Wenn sich der Komfort von Web-Anwendungen durch stetige Erweiterungen von HTML, Javascript, DOM und CSS langsam aber sicher an native Anwendungen annähert, ist das durchaus eine Bedrohung für Microsofts Geschäftsmodell, denn Microsoft lebt im Wesentlichen vom Verkauf von Softwarelizenzen für lokale Anwendungen.

Andererseits kann es sich Microsoft nicht leisten, den Browsermarkt ganz aufzugeben. Wenn die Redmonder in Zukunft eine Rolle bei Web-2.0- und Cloud-Anwendungen spielen wollen, müssen sie für ihr Betriebssystem einen Browser haben, der mit den Konkurrenten mithalten kann.

Mit IE9 ist das durchaus gelungen. Neben einer beeindruckenden Geschwindigkeitssteigerung gegenüber IE8 kann IE9 mit zahlreichen neuen Features aufwarten. Einer der wichtigsten Faktoren ist die Unterstützung der W3C-Standards.

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ZDNet.de Redaktion

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