Gläserner Nutzer: So sammeln seriöse Firmen private Daten

Google speichert bei bestimmten Einstellungen in seiner Toolbar, die man leicht unachtsam durch die Klicken auf „erweiterte Funktionen“ aktiviert, das gesamte Surfverhalten eines Nutzers, siehe Bild 1. Zudem sind sie Daten mit dem Google-Konto verknüpft.

Wer per WLAN mit dem Internet verbunden ist, riskiert zudem, dass er sehr genau lokalisiert werden kann. Google kennt nämlich den Standort nahezu jedes WLAN-Access-Points. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen privaten Access-Point oder um einen öffentlichen Hotspot handelt. Auch ist es unerheblich, ob die WLAN-Station mit WEP- oder WPA-Verschlüsselung gesichert ist, siehe Bild 2. Dass Google die Standorte privater WLAN-Access-Points ohne Wissen und Zustimmung ihrer Besitzer erfasst, versteht sich von selbst.

Der Nutzen einer Standortbestimmung für den Nutzer wie in Bild 3 ist eher begrenzt. Zwar erhält man lokale Suchergebnisse zum Begriff „Pizza“, jedoch lässt dasselbe Ergebnis auch ohne die Funktion „Mein Standort“ erreichen, indem man zum Beispiel nach „Pizza München“ sucht.

Die Datenschutzbestimmungen zur Funktion „Mein Standort“ gibt es zur Sicherheit nur in „English (US)“, siehe Bild 4. Google verspricht, den Standort nicht mit aufgerufenen URLs zu verbinden, weist aber darauf hin, dass „Mein Standort“ auch für Drittanbieter zugänglich ist. Was die Drittanbieter mit den Informationen machen, entziehe sich Googles Kenntnis und Kontrolle.

Weiter erläutert Google, dass man den Zugriff auf „Mein Standort“ jeder Website einzeln erlauben muss. Zudem könne man das blaue Symbol rechts oben in der Toolbar jederzeit deaktivieren. Der ZDNet-Test ergibt nichts Gutes: Auch bei deaktiviertem Symbol und Neustart des Browsers inklusive Kontrolle mittels Task-Manager auf den Prozess iexplore.exe erscheint der aktuelle Standort der Fritzbox 7270, in deren WLAN der ZDNet-Testrechner eingebunden ist, siehe Bild 5.

Erst die Deinstallation der Toolbar brachte Google Maps dazu, keinen Standort mehr preiszugeben, siehe Bild 6 – jedenfalls gilt das für den Internet Explorer. Für Google Chrome gelten andere Regeln. Bild 7 zeigt, dass auch im sogenannten Inkognito-Modus ohne Anmeldung mit einem Google-Konto eine Standortbestimmung erfolgt. Das gleiche Verhalten zeigt SRware Iron, siehe Bild 8.

Beide Browser installieren ungefragt Google Gears, das wie die Google-Toolbar in der Lage ist, den aktuellen Standort aus der Google-WLAN-Datenbank zu ermitteln. Hat man einmal die Standort-Ermittlung freigegeben, muss man sie explizit unter „Schraubenschlüssel – Optionen – Details – Web-Content – Gears-Einstellungen ändern“ wieder deaktivieren.

Bild 9 zeigt, dass Google Gears den recht genau lokalisierten Standort des Benutzers mit dem Begriff „Speicherort“ umschreibt. Diese Bezeichnung ist für einen unbedarften Nutzer äußerst verwirrend.

Themenseiten: Big Data, Datendiebstahl, Datenschutz, Facebook, Google, Networking, Privacy, Security-Analysen, Soziale Netze, Suchmaschine

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

5 Kommentare zu Gläserner Nutzer: So sammeln seriöse Firmen private Daten

Kommentar hinzufügen
  • Am 16. Februar 2010 um 11:12 von Fraggle

    Sniffer
    Mit Netzwerksniffen kann man zwar den Problemen auf die Spur kommen, leider wird aber nicht erwähnt, daß rechtlich gesehen Sniffer in der Grauzone liegen. Da sie mißbraucht werden können, sind sie eigentlich nach den letzten Jahren illegal. Versteh ein wer will.

    • Am 20. Februar 2010 um 22:27 von O. Wigger

      AW: Sniffer
      Da Herr Edelmann offenbar in den USA tätig, ist, muss er sich nicht um Deutschlands hahnebüchenen Gesetze kümmern. Es gibt dort genug andere von der Sorte :-)

    • Am 23. April 2010 um 20:46 von Thomas F.

      AW: Sniffer
      Wieso sollten Sniffer in der Grauzone liegen?! Im IT-Bereich wird täglich damit gearbeitet, um Datenströme nachvollziehen zu können. Ein Sniffer zeigt ja keine fremden Daten, sondern die Daten, die auf MEINEM PC versandt und empfangen werden. Und das wird mir ja wohl Niemand verbieten wollen/können, diese Daten einzusehen.
      Missbraucht werden (z.B. zum Hacken) können übrigens auch Browser und jede Programmierumgebung, aber in einer Grauzone befinden sie sich deshalb nicht.
      Nur nicht verrückt machen lassen. :-)

  • Am 21. Februar 2010 um 21:26 von firehorse

    Soziale Netzwerke ???
    Müsste dies nicht eigentlich asoziale Netzwerke heißen?

    Nach diesem Bericht – der mir schon weitestgehend geläufig war – wäre es an der Zeit Eigenschaften auch richtig zu definieren!
    Hinzukommt das ein am Aktienmarkt orientiertes Unternehmen niemals wirklich sozial sein wird oder sein kann. Dies widerspricht sich schon im Anspruch hinsichtlich der Dividenten/einer Gewinnmaximierung.

  • Am 8. Januar 2011 um 19:19 von Stefan Wilhelm

    Siehe oben
    Gläserner Nutzer: So sammeln seriöse Firmen private Daten
    Richtig, und zdnet hilft direkt mal mit -.-

    Ohne "gefällt mir-Button" gehts wohl heute nicht mehr -.-

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *