Ghostnet bedroht Regierungen: Webcam und Mikro als Wanze

Die Entdeckung des Ghostnet ist das Ergebnis beispielhafter Detektivarbeit und forensischer Analyse. Als die IWM-Wissenschaftler mit ihrer Arbeit an einzelnen mit Gh0st Rat infizierten Rechnern begannen und schließlich auf die Ghostnet-Kontrollserver stießen, wussten sie anfangs nicht, was sie erwarten würde.

In ihrem Bericht schreiben die Forscher: „In dieser Phase konnten wir durch die Analyse der Daten aus dem Büro des Dalai Lama webbasierte Administrationsschnittstellen auf dem Kontrollserver finden und auf diese zugreifen. Diese Server enthalten Links zu anderen Command-and-Control-Servern, so dass wir weitere solcher Server ausfindig machen konnten.“

Sobald sie in die Kontrollserver eingedrungen waren, konnten sich die IWM-Wissenschaftler allmählich ein Bild davon machen, wie viele Computer ins Ghostnet eingebunden waren. Der Untersuchungsbericht stellt dazu fest: „Insgesamt fanden wir 1295 infizierte Computer in 103 Ländern. Wir konnten mit Sicherheit 397 der 1295 infizierten Computer (26,7 Prozent) identifizieren und mussten jeden als hochrangiges Ziel einstufen. Das war notwendig, weil sie entweder von großer Bedeutung für die Beziehungen zwischen China und Tibet, Taiwan oder Indien waren oder weil es sich dabei um Computer von Botschaften im Ausland, diplomatischen Missionen, Ministerien oder internationalen Organisationen handelte.“

Weiterführende Informationen

Ein Podcast von Jesse Brown (CBC.ca) mit dem Titel Exposing the world’s biggest cyberspy ring gibt weitere interessante Details. Darin interviewt er Mitglieder des IWM-Teams, die direkt an diesem Projekt beteiligt waren. Ebenfalls empfehlenswert ist der offizielle IWM-Bericht Tracking Ghostnet: Investigating a Cyber Espionage Network. Er enthält eine umfangreiche Schilderung des gesamten Untersuchungs- und Ermittlungsverfahrens. Die Zitate in diesem Artikel sind allesamt diesem Bericht entnommen.

Abschließende Gedanken

Man hat das Gefühl, dass sich das Internet allmählich zu einem Kriegsschauplatz entwickelt. Wie verbreitet ist diese Art der elektronischen Spionage? Wer ist davon betroffen? Oder sollte man eher fragen, wer nicht davon betroffen ist? Das Ganze ist eine ziemlich bedrückende Angelegenheit. Aber dennoch machen Organisationen wie der IWM Hoffnung. Durch ihren unermüdlichen Einsatz machen sie das Internet zu einem sichereren Ort.

Themenseiten: Big Data, Datendiebstahl, Datenschutz, Hacker, Privacy, Security-Analysen, Spyware

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2 Kommentare zu Ghostnet bedroht Regierungen: Webcam und Mikro als Wanze

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  • Am 11. Juni 2009 um 23:47 von Ghost Rat

    …wunderbar beschrieben, aber
    WO BLEIBT EINE EMPFEHLUNG ZUM SCHUTZ VOR GRß? WO BLEIBT EINE EMPFEHLUNG FÜR EIN SÄUBERUNGSTOOL?
    …ach ja, es ziehmt sich nicht, mich mit einer Kippe im Ma.ul zu lesen! Also mach das Ding aus oder ich mach deine Festplatte platt ;)

  • Am 2. Februar 2010 um 18:24 von Groundhero

    Staatsverschwörung oder Sparmaßnahmen?
    Danke für den Artikel. Nicht nur, dass Staaten selbst angegriffen werden, nein, ich denke sogar,dass Staaten selbst Techniken nutzen, um sich Zugang zu den Webcams einzelner Rechner zu verschaffen. u.a. durch den Bundestrojaner.
    Da wirft sich bei mir auch gleich die Frage auf, warum kein Laptop/Note-/Netbook eine Abdeckung vor der Webcam hat. Es gab vor einiger Zeit mal ein Notebook bei der man die integrierte Webcam webdrehen konnte. Aber auch dies Möglichkeit des Schutzes taucht an keinem aktuellen Notebook mehr auf. Auf Anordnung des Staates?!? oder einfach doch nur Sparmaßnahmen der Hersteller.
    Ich aufjedenfall habe keine Lust mir ein Klebestreifen vor die Linse meines doch recht teuren Notebooks zu kleben. Habe zum Glück eine etwas elegantere Lösung gefunden (camstop). Natürlich hat nicht nur der Staat Interesse an der Webcam Überwachung. Auch gerade in grosser Konkurrenz stehende Firmen würden sicherlich einiges dafür geben, beim „Nachbarn“ mal über die Schulter zu gucken. Ich denke das Thema sollte noch mal grösser aufgegriffen werden. Denn jeder versucht sich und sein Eigentum mit allen Mitteln zu schützen. Aber wenn es möglich ist, dass dir einer ins Schlafzimmer gucken kann, wollen davon wohl die wenigsten etwas wissen. Obwohl die Lösung doch so einfach ist….

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