Midori nimmt Formen an: Das Ende von Windows ist besiegelt

Realistisch betrachtet hat Windows gleich eine Reihe von Problemen, die die Weiterentwicklung schwierig machen. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass Windows XP erst mit Windows 7 einen "würdigen" Nachfolger bekommt. Windows Vista wird von vielen Anwendern als Beta-Version angesehen, die mit Windows 7 endlich RTM-Qualität erlangt. Die heutigen, auf Windows NT basierenden Windows-Versionen kranken vor allem an drei Dingen:

  • Modularität: Schon 1993 beim Erscheinen von Windows NT staunte die Fachwelt, als es hieß, das neue Windows wäre nur mit dem gesamten grafischen Subsystem hochzufahren. Da Windows NT für damalige Verhältnisse mit 16 MByte recht große Ansprüche an den Hauptspeicher stellte, war es insbesondere als Serverbetriebssystem vorgesehen. Auf Servern ist es üblich, nur eine Textkonsole zu starten. Das grafische Subsystem kann man eventuell später hochfahren.

    Windows NT krankte von Anfang an daran, dass die einzelnen Komponenten viel zu direkt miteinander interagierten. War eine Funktion nicht schnell genug, so ging der Entwickler kurz zum Kollegen ins Büro, und die beiden vereinbarten eine Methode, wie man das Problem lösen kann. Meist endete das darin, dass sich zwei Komponenten gegenseitig direkt aufrufen, die nach dem "Speed-Tuning" nur gemeinsam oder gar nicht lauffähig sind. So wurde aus Dave Cutlers Microkernel-Konzept der Monolith Windows NT, später wurde dafür der Marketingbegriff Hybrid-Kernel geboren.

    Das hat sich bis heute nicht geändert. Windows XP verfügt zwar über eine Recovery Console, die tatsächlich ohne Grafik läuft. Allerdings kann man das Netzwerk nicht starten. Windows Server 2008 kommt mit einer Textmodus-Mogelpackung, die sich Server Core nennt. Aber auch in dieser Version muss das komplette Grafiksubsystem gestartet werden. Einfache Win32-Anwendungen wie Notepad laufen ohne Probleme. Außerdem können viele Serverdienste nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden, da sie eine Administration über ein GUI-Frontend auf der lokalen Maschine benötigen.

  • Erblasten: Anders als Unix ist Windows mit den Jahren immer größer geworden. Dieser Ballast hat sich dadurch angesammelt, dass Microsoft immer wieder neue Techniken implementiert hat, die sich hinterher als nutzlos oder obsolet herausstellten. Dazu gehören beispielsweise MTS oder MSMQ. Diese Technologien müssen jedoch von Version zu Version mitgeschleppt werden, um die Rückwärtskompatibilität zu wahren. Heute nutzt man sie kaum noch. Das gleiche Schicksal wird COM ereilen, da Microsoft nun empfiehlt, .NET-Code statt COM-Komponenten zu entwickeln.

    Unter Erblasten müssen auch strategische Fehlentscheidungen bei der Entwicklung von Windows bezeichnet werden. Dazu die zählt die Registry, die für einen Großteil der Windows-Performanceschwäche verantwortlich ist. Config-Files können das gleiche leisten und bremsen das System nicht aus.

  • Security: Erblasten und mangelnde Modularität sind sicherlich ein spezifisches Problem von Windows. Security hingegen ist ein Problem, das alle modernen Betriebssysteme haben. Pufferüberläufe und Andockpunkte für Rootkits gibt es bei Unix-Betriebssystemen genauso wie bei Windows. Mit Midori will Microsoft das jetzt grundsätzlich ändern.

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ZDNet.de Redaktion

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