Handy-TV: Bringt die Fußball-WM die erhoffte Initialzündung?

An den Endgeräten jedenfalls wird es dieses Mal nicht gelegen haben, sollte das mobile Fernsehen in Deutschland doch nicht bis zur Fußball-WM verfügbar sein. „Sollte einer der Netzbetreiber das V9000 fristgerecht zur WM bestellen, wird es zu diesem Zeitpunkt selbstverständlich auch verfügbar sein“, stellt Björn Bourdin, Marketing Communications Manager bei LG, fest. Sein Unternehmen konnte bereits seit 2004 auf dem Heimatmarkt in Korea Erfahrungen mit DMB sammeln, die nun im V9000, das ein drehbares Display besitzt, für den europäischen Markt umgesetzt werden. Auch für DVB-H entwickelt LG ein Telefon, das aber noch keinen Namen trägt. Der Akku des UMTS-fähigen Geräts soll zwei Stunden Fernsehempfang ermöglichen.

Ebenfalls zweigleisig fährt Samsung. „Wir haben serienreife DMB-Mobiltelefone, die wir in Südkorea und China bereits in großen Stückzahlen ausliefern. Die können wir auch kurzfristig in Europa bereitstellen“, erklärt Anthony Park, Business Development Manager bei Samsung. Dabei setzt Samsung wie LG bei seinem DMB-Handy SGH-P900 auf ein drehbares Display mit einer Diagonalen von 2,2 Zoll und 240 mal 320 Bildpunkten, damit der Nutzer die Fernsehbilder im Querformat betrachten kann. Für zwei Stunden Fernsehempfang soll eine Akkuladung des P900 reichen. Auf DMB alleine möchte sich Samsung jedoch nicht verlassen und präsentierte mit dem SGH-P910 bereits ein Mobiltelefon mit DVB-H-Empfänger. Auch dieses hat ein drehbares Display. Und schließlich verkündete die Elektroniksparte des südkoreanischen Konzerns auch bereits die Entwicklung eines Chipsatzes an, der sowohl DMB als auch DVB-H unterstützen soll.

Alle anderen Hersteller haben sich für DVB-H als Empfangstechnik in ihren Handys entschieden. So sitzt Nokia mit seinem UMTS-Klapp-Handy N92 in den Startlöchern und ist lieferbereit, sobald DVB-H-Netze in Betrieb gehen.

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Der DVB-H-Prototyp, den Siemens in die Ehe mit Benq einbrachte, zeigt, wie man die DVB-H-Bilder mit Zusatzdiensten aufpeppen kann. (Foto: Benq)

My Mobile TV nennt der französische Hersteller Sagem sein Fernseh-Handy, das er auf dem 3GSM World Congress Anfang Februar präsentierte. Es nutzt für die Bildwiedergabe aber im Gegensatz zu den Konkurrenzmodellen einen Touchscreen, der über 320 mal 240 Pixel verfügt. Im Querformat stellte er im Rahmen einer Demonstration nur die Fernsehbilder dar, im Hochformat erscheinen am unteren Bildschirmrand Zusatzinformation zum laufenden Programm. Nach rund 1,5 Stunden Fernsehempfang schaltet das Energiemanagement des My Mobile TV den Fernsehempfang ab und stellt das verbleibende Drittel der Energiekapazität für die Telefonfunktionen zur Verfügung. Mitte des Jahres soll das Sagem-Gerät kommerziell verfügbar sein.

Ebenfalls auf einen berührungsempfindlichen Bildschirm setzt Motorola bei seinem DVB-H-fähigen Prototypen, der in Barcelona zu sehen war. Allerdings wollten die Amerikaner mit keinen Detailinformationen über das Gerät herausrücken. Schließlich engagiert sich auch Sony Ericsson bei DVB-H, wie eine gemeinsame Ankündigung mit Nokia manifestiert, in der über die Aufnahme von Kompatibilitätstest berichtet wird. Last but not least wird Benq die Aktivitäten von Siemens im Bereich Mobile TV fortführen und Ende 2006 oder Anfang 2007 ein DVB-H-Endgerät in den Markt bringen.

Geht es nach den Geräteherstellern kann also die Fußball-WM kommen. Sind die entsprechenden Sendernetze rechtzeitig betriebsbereit, versäumt der Fußball-Fan mit den TV-Handys auch unterwegs kein Spiel. Kritikern, die befürchten, dass man den Ball auf den Minidisplays nicht erkennen könne, nehmen die Hersteller mit entsprechenden Demofilmen in vorauseilendem Gehorsam den Wind aus den Segeln. Nun muss nur noch der Verbraucher mitspielen und zusätzlich zu den durchschnittlich fast vier Stunden, die er ohnehin schon täglich fernschaut auch noch unterwegs auf den Minidisplays der Handys TV-Bilder empfangen wollen.

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