CeBIT 06 ohne die Open-Source-Gemeinde

ZDNet: Ist es ein Vorurteil, wenn man dabei mehr an preiswerte Konfektionsware als an Innovation denkt?

Praxmarer: Das kommt auf die Definition von Innovation an. Aber im Halbleiter-Bereich gibt es in Fernost durchaus Know-how – auch wenn nicht alles dort erfunden wurde. Die asiatischen Firmen haben auf alle Fälle gezeigt, dass sie das Geschäft mit den Konsumenten verstehen, hier sind sie innovativ.

ZDNet: In Hannover nehmen Software und Systeme weit mehr Platz ein als Komponenten.

Praxmarer: Das liegt auch daran, dass die Stände der Asiaten meist viel kleiner sind. Ihnen geht es ja vor allem um Kontakte. Von der Menge der Besucher werden sie trotz ihrer Bedeutung kaum wahrgenommen. Deshalb habe ich auf sie hingewiesen. Tatsächlich geht es mir darum, zu zeigen, dass die CeBIT mehr Facetten hat, als viele wahrnehmen. Die Vielschichtigkeit der Messe wird oft unterschätzt.

ZDNet: Ist der Eindruck richtig, dass die ITK-Branche ihre Impulse momentan aus der Unterhaltungselektronik bezieht?

Praxmarer: Ja, aber die Konsum-Produkte werden von den Arbeitnehmern in die Unternehmen getragen, insbesondere die mobilen Geräte. Sie wollen etwa die Features vom Home-PC oder vom Multimedia-Handy auch in der Firma verwenden und das Firmennotebook nicht nur für die Arbeit nutzen. Dieser Trend treibt dann auch wieder das Geschäft für Integrationswerkzeuge, Sicherheitssoftware und mehr. Sicherheit war schon im vergangenen Jahr ein ganz wichtiger Trend und wird es auch in diesem Jahr sein.

ZDNet: Besteht nicht die Gefahr, dass bei der Konzentration der Hersteller auf dem Consumer-Markt die Interessen der Anwenderunternehmen unter die Räder kommen?

Praxmarer: Nicht notwendig. Die Hersteller entwickeln einfach für den größten Markt. Wie gesagt, diese Geräte finden in aller Regel bald ihren Einsatz im Unternehmen. Denken Sie an WLAN für Büroumgebungen oder UMTS für die Medienbranche. Wenn ein Konzern UMTS auf breiter Ebene einsetzen will, dann wird sich kein Anbieter weigern, die Technik auf die Bedürfnisse des Kunden anzupassen.

ZDNet: Ist es nicht sehr aufwändig für die Hersteller, zwei Produktlinien für Consumer einerseits und Firmenkunden andererseits zu pflegen?

Praxmarer: Sie werden das, wo immer möglich, vermeiden. Angesichts der zunehmenden Bedeutung des Massenmarktes kommen die Produkte für Unternehmen tatsächlich unter Druck. Andererseits versuchen natürlich die Unternehmen auch die Preisvorteile des Konsumermarktes mitzunehmen, der dann oft mit erhöhtem Integrations- und Betreuungsaufwand bezahlt wird.

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