In deutschen Behörden fehlt sogar E-Mail

ZDNet: Gerade haben Sie in Berlin an der Konferenz „Moderner Staat“ teilgenommen – können Sie für uns ein Fazit der Veranstaltung ziehen?

Theis: Aus den Vorträgen und Gesprächen in Berlin habe ich entnommen, dass Bund, Länder und Kommunen konzertierte Angebote von mehreren Anbietern verlangen, keine Einzelinitiativen. Daher bin ich momentan sehr intensiv damit beschäftigt, Gespräche mit anderen Unternehmen über gemeinsame Aktionen für Behörden zu führen. Zum anderen habe ich erkannt, dass die Integration der heterogenen IT-Landschaften in Behörden ein erster, wesentlicher Schritt hin zum schlanken Staat darstellt. Für Symantec hat dies nun oberste Priorität.

ZDNet: Daten- und Applikationsintegration ist in der IT doch ein uralter Hut – warum kommt ein moderner Staat wie Deutschland jetzt erst in die Gänge? Wieso dauert es in Behörden sehr viel länger als etwa in Unternehmen, eine vernünftige IT zu installieren?

Theis: Ein Grund dafür mag das Ausschreibungsverfahren sein: Ein neues IT-Projekt muss öffentlich ausgeschrieben werden. Das dauert bis zur Entscheidung aufgrund von Personalmangel oft viele Monate. In Zeiten knapper Kassen wird dann oft das billigste – und nicht unbedingt das Beste – Angebot angenommen. Das ganze steht einer Modernisierung von Behörden oft im Wege.

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3 Kommentare zu In deutschen Behörden fehlt sogar E-Mail

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  • Am 23. Dezember 2005 um 17:00 von Dipl.-Ing. Christof Langer

    Entbürokratisierung – jetzt geht’s los!
    Meiner Meinung nach kommt der Zug so langsam in Fahrt. Auf Behördenseite gibt es aber häufig noch zu viele Bedenken. Man solle einfach mal anfangen mit "übersichtlichen" Projekten. Das Thema elektronische Formulare (z.B. in PDF) ist bereits heute möglich – leider setzt sich die digitale Signatur als Voraussetzung für den Entfall des Behördenganges oder der Unterschrift erst langsam durch. Mir bekannte positive Beispiele machen aber Mut, dass es aufwärts geht.

  • Am 23. Dezember 2005 um 23:18 von Jast

    E-Mail an Behörden, ja oder nein ?
    Was nützt es wenn eine Gemeinde wie z.Bsp. die Stadt Osnabrück Mitarbeitern eine E-Mail Adresse dienstlich zubilligt der Mitarbeiter aufgrund von einschränkungen aber weder angehängte Pdf öffnen kann ,noch in der Lage ist trotz von der Verwaltung bezahlten Lehrgängen eine Signierte E-Mail überhaupt zu öffnen.

  • Am 27. Dezember 2005 um 8:54 von Karlheinz Benoit

    Gewinnerwartung
    Im Beitrag wird von den erwarteten Einsparungen/Gewinnen durch "Verschlankung" der Prozesse gesprochen. Diese Verschlankung führt unweigerlich zur Reduzierung der Mitarbeiter (gilt nicht nur in den Behörden) und damit auch zu den Auswirkungen, dass immer weniger Menschen arbeiten und somit die Beiträge für unser Sozialsystem erwirtschaften. Wenn Softwarefirmen das Fehlen an IT beklagen bekomme ich leichtes Unbehagen.

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