SAP-Chef: Nur drei IT-Schwergewichte werden überleben

CNET/ZDNET: Gibt es derzeit besondere Umstände, welche die offenbare Fusionsmanie im Bereich Unternehmenssoftware verursachen? Eine der Enthüllungen im Kartellverfahren gegen Oracle ist, dass [Oracle CEO] Larry Ellison noch weit reichende Einkaufspläne hat. Es scheint, dass die Jahre 2004-2005 davon geprägt sein werden. Wie sehen Sie die künftige globale Entwicklung?

Kagermann: Ich glaube, dass aufgrund der sich herausbildenden neuen Architektur – serviceorientierte Architekturen, bei denen Web Services im Mittelpunkt stehen – die Position und die Art und Weise, auf die Unternehmen sich und ihre Angebote präsentieren, eine Veränderung erfahren wird. Offensichtlich stellt man sich selbst in Frage. Unternehmen – auch SAP – fragen sich, welche Werte zukünftig am meisten Gewicht haben werden und wie gut sie in diesen Bereichen positioniert sind. Ich glaube, dass alle IT-Unternehmen ihre strategischen Positionen überdenken. Ich bin stark der Ansicht, dass hier die treibende Kraft liegt [hinter diesen Übernahmetendenzen].

CNET/ZDNET: Ist es also nicht zu vermeiden, dass der Markt für Unternehmenssoftware sich auf eine noch geringere Anzahl von Schlüsselunternehmen reduziert?

Kagermann: Ich glaube, dass es einige wenige große Anbieter mit einem umfassenden Angebot geben wird, an denen sich Unternehmen – insbesondere große Unternehmen – orientieren werden, da die strategische Bedeutung der Beziehung in dem Maße größer wird, in dem wir deren zentrale Geschäftsprozesse unterstützen. Es werden ein paar übrig bleiben – ich weiß nicht, ob es drei, vier oder fünf sein werden, auf jeden Fall nicht ein einziger Anbieter, sondern mehrere. Ich glaube nicht, dass es Raum für mittelgroße Unternehmen geben wird, weil diese sich entweder zu Anbietern umfassenderer Lösungen entwickeln werden oder ihre Nischenposition beibehalten und nicht ausreichend Gewinn erzielen um den Sprung ins Lager der Großen zu schaffen. Diese mittlere Größe ist meiner Ansicht nach ein Auslaufmodell.

CNET/ZDNET: Wo ordnen Sie dabei SAP ein? Brauchen Sie einen Fusionspartner?

Kagermann: Wir wollen zu den Großen gehören. Wir glauben, dass wir dafür positioniert sind. Wir haben den Marktanteil und wir haben den Kundenstamm. Das heißt natürlich nicht, dass man alles abdecken muss, aber wir haben mehr und mehr Kunden, bei denen nun 50, 60 oder 70 Prozent des Unternehmens über SAP laufen. Das bedeutet, dass wir geradezu genötigt sind, unser Angebot an Unternehmensanwendungen zu vervollständigen.

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