Sun StarOffice 6.0

StarOffice deckt die meisten typischen Aufgaben einer Office-Suite ab. Man findet eine Textverarbeitung (Writer), eine Tabellenkalkulation (Calc), ein Programm für Bildschirmpräsentationen (Impress) und ein Zeichenwerkzeug (Draw). Im Gegensatz zu Microsoft Office, Lotus SmartSuite und Corel WordPerfect Office, wird StarOffice jedoch nicht mit einer echten Datenbankanwendung ausgeliefert. Stattdessen integriert Sun ein Tool zur Administration von Datenquellen, das in der Lage ist, Daten oder Daten beinhaltende Dateien, z.B. Kalkulationstabellen, sowohl aus seinen eigenen Anwendungen als auch aus externen Datenquellen, wie SQL-Datenbanken, Kalkulationstabellen und dem E-Mail-Adressbuch zu extrahieren. Aber StarOffice fehlt nicht nur eine Datenbank, nach einem Web-Authoring-Tool wie Microsofts FrontPage oder einem PIM/E-Mail-Client wie Outlook braucht man gar nicht erst zu suchen.

Aber selbst mit seiner nur eingeschränkten Funktionalität hat StarOffice doch einige Tricks in petto. Unser Lieblingstrick ist die Tatsache, dass StarOffice 6.0, weil Sun die Suite auf dem XML-basierten Dateiformat aufgebaut hat, kleine Dateien erzeugt. Ein 540-seitiges Dokument, dass in Microsoft Word 1,2 MB groß ist, wird im XML-Format des StarOffice Writer nur 338 KB Platz benötigen. Das XML-Format ermöglicht auch die Weitergabe der Dokumente zwischen den unterschiedlichen Versionen der Suite für die verschiedenen Betriebssysteme.

Die Version 6.0 beinhaltet auch einige Verbesserungen gegenüber der Vorgängerversion 5.2. Das neu designte Hilfefenster von StarOffice 6.0 ermöglicht einfacheren Zugang und bessere Suchmöglichkeiten. Wie in Microsoft Office öffnet die Druckvorschau von StarOffice nun kein Extrafenster mehr, sondern wird im gleichen Fenster angezeigt, in dem man gerade arbeitet. StarOffice 6.0 gibt es in Versionen für Arabisch, Dänisch, Deutsch, Französisch, Niederländisch und – endlich – asiatische Sprachen, darunter Japanisch und Chinesisch. Es verbindet sich auch mit dem jeweiligen Standard-Mailprogramm des Systems, so dass man Dokumente mit Hilfe des Befehls Datei > Senden direkt aus jeder Anwendung heraus als E-Mail-Anhang versenden kann. Für schnellen Zugriff auf die Anwendungen der Suite platziert StarOffice sogar ein Symbol im System Tray der Windows-Taskleiste.

Trotz seiner Verbesserungen kommt der Funktionsumfang von StarOffice 6.0 nicht an Microsoft Office XP heran. StarOffice verwendet zum Beispiel kaum das Internet und ignoriert Unternehmen, die auf die Zusammenarbeit von Arbeitsgruppen angewiesen sind. Die Tools zur Zusammenarbeit mit Mitarbeitern via Online-Diskussionen oder zum Speichern von Dateien in einem gemeinsam verwendeten Arbeitsbereich im Web wird man vergeblich suchen. Genauso wenig bietet StarOffice die zur Wiederherstellung von Dateien nach einem Systemabsturz nötigen Tools an, wie sie bei Office XP vorhanden sind.

Aber im Gegensatz zu Office XP gilt die Lizenz von StarOffice nicht pro System sondern pro Anwender. Daher kann man sein Exemplar von StarOffice legal auf bis zu fünf verschiedenen PCs installieren, die man benutzt. Office XP darf nur auf zwei Computern installiert werden – ein Punkt, der unter XP-Usern heftig diskutiert wird.

Obgleich StarOffice eine eigene Datenbank fehlt, integriert es doch ein Übernahme-Tool, das Daten aus SQL-Datenbanken und Tabellenblättern extrahieren kann. Der Setup-Prozess braucht jedoch eine gewisse Zeit. Zuerst muss man die jeweils verwendete Datenquelle registrieren – ein umständlicher Vorgang, der zwei separate Dialogboxen erfordert. In Word 2002 wird man im Gegensatz dazu von einem Assistenten durch den gesamten Prozess der Datenabfrage geführt. Da die meisten Anwender dieses Tool hauptsächlich verwenden werden, um PIM- oder E-Mail-Adressbücher nach Adressen zu durchforsten, die in Serienbriefen verwendet werden sollen, so ist dieser Prozess unnötig kompliziert. Im Vergleich dazu ist die Serienbrieffunktion von Microsoft Word einfacher.

StarOffice fehlt auch ein dediziertes Web-Authoring-Tool, wenn auch die Textverarbeitung hier ein wenig aushelfen kann – mit ihr lassen sich Seiten erstellen und als HTML-Dateien abspeichern. StarOffice bietet jedoch keine Hilfe für die Veröffentlichung dieser Seiten auf einem Webserver an.

Da das Dateiformat von Microsoft Office übermächtig ist, steht StarOffice einem riesigen Problem gegenüber. Die Suite erlaubt den Import und die Bearbeitung von DOC- und XLS-Dateien, um nur einige zu nennen, für die Genauigkeit der von StarOffice übertragenen Formate sollte man sich allerdings nicht verbürgen. Bei einfachen Dateien, wie nur wenig formatierten Word-Dokumenten oder einfachen Excel-Tabellen, erbringt StarOffice normalerweise ordentliche Leistungen. Allerdings hatte der Writer Probleme bei der Paginierung eines nur leicht formatierten, wenn auch sehr langen, Word-Dokuments. Versucht man ein Dokument voller Formatierungen und Designs zu konvertieren, kann es sein, dass StarOffice 6.0 daran erstickt. Öffnet man ein Word-Dokument mit Tabellen, Diagrammen und strengen Formular-Formatierungen in StarOffice, und die StarOffice-Version sah ganz anders aus als das Original. In einigen Fällen fügte Writer leere Seiten in das Dokument ein oder Textzeilen wurden abgeschnitten und versetzt.

Aber trotzdem, während viele Office-Suiten aus dem Niedrigkostenbereich am technischen Support sparen, bietet StarOffice eine überraschend große Auswahl an Support-Optionen. Zu Suns Online-Support gehören Diskussionsforen, Problem-Lösungs-Datenbanken mit Suchfunktion, E-Mail- und Telefon-Support. Der telefonische Support erlaubt die kostenlose Behandlung eines Vorfalls, unabhängig davon, wie viele Anrufe zur Lösung des Problems benötigt werden. Danach kostet jeder Vorfall leider 25 USD (17,11 GBP). Benötigt man regelmäßig Hilfe, bietet Sun Paketpreise für Support-Fälle an, allerdings sind die Details noch nicht klar. Zusätzlich bieten zahlreiche Webseiten, wie StarOffice.com (nicht zu Sun gehörend) und die bereits erwähnte OpenOffice.org, Message-Boards und Hilfe-Tools.

StarOffice 6.0 bietet Anwendern von Microsoft Office, die mit Office 2000 oder XP ausgerüstet sind, keinen Grund, umzusatteln. Ebenso macht der Wechsel zu einem bezahlten Modell unser stärkstes Argument für die Verwendung von StarOffice als alternative Office-Suite zunichte. Benötigt man aber einfach eine preiswerte Office-Suite, bietet StarOffice alle fundamentalen Anwendungen – eine Textverarbeitung, eine Tabellenkalkulation, ein Programm zur Erstellung von Präsentationen und ein Zeichenprogramm.

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