Im Bereich Desktop Publishing ist QuarkXPress das führende Programm, und dies aus gutem Grund. Es ermöglicht die präzise Kontrolle über den Schriftsatz und die Farben, so dass Design-Profis problemlos Layouts für jede Art von Vorlagen erstellen können, von der Zeitschrift bis zum Roman. Darüber hinaus verfügt Quark 5.0 nun endlich über Tools zur Tabellenerstellung sowie über umfassende Features für das Design von Webseiten, wie von den Benutzern seit Jahren gefordert. Doch es gibt auch einige Kritikpunkte: Die chronisch unvollständige PDF-Unterstützung von Quark kann ziemlich frustrierend sein. Dennoch hält dieses leistungsstarke Programm weiterhin seine Spitzenposition als beliebtestes Tool für professionelles Desktop Publishing. Hobby-Anwender sollten dagegen den einfacheren Microsoft Publisher verwenden.

Neue Funktionen in altem Gewand

Im Ganzen betrachtet ist Quark 5.0 immer noch das gleiche DTP-Programm, wie es Profi-Designer kennen und lieben. Es bietet nach wie vor umfassende und präzise Funktionen zur Bearbeitung von Texten und Farben. So können beispielsweise Kerning (der Abstand zwischen zwei Zeichen) und Trapping (der Abstand zwischen zwei benachbarten Farben) definiert werden. Der bewährte Vorgang des Dokument-Layouts wurde ebenfalls nicht verändert. Zur Erstellung einer Seite müssen Felder für die Texte und Grafiken eingerichtet werden, die dann nach Bedarf importiert werden können. Außerdem sind die Paletten und die Werkzeugleiste nahezu unverändert geblieben. Sie dienen dem Zugriff auf grundlegende Features wie Farben, Schriftarten und Inhaltsverzeichnisse. Leider ist die Design-Umgebung von Quark noch immer nicht benutzerdefinierbar. Es können keine eigenen Schaltflächen erstellt werden, außerdem lassen sich Tastenfolgen und Menüs nicht verändern. Sowohl bei InDesign als auch in FrameMaker können Tastenfolgen neu zugewiesen werden, wobei FrameMaker sogar die Einrichtung benutzerdefinierter Menüs ermöglicht.

Endlich mit Tabellen

Die Version 5.0 enthält einige eindrucksvolle Neuerungen, so z. B. ein neues Tool zur Erstellung von Tabellen. Für das Layout von Visitenkarten werden Sie diese Option zwar nicht unbedingt benötigen, doch für die Illustration von Verkaufsdokumenten oder technischen Spezifikationen erweist sich ein handliches Tabellen-Tool als sehr hilfreich. In Quark 5.0 lassen sich Tabellen ganz einfach durch Eingabe von Zeilen- und Spaltenanzahl erstellen. Mit dem Tool können außerdem Texte in Tabellen konvertiert, Zeilen und Spalten hinzugefügt und Zellen zusammengefasst werden. Die Größe der Zellen kann bequem durch Anklicken und Verschieben verändert werden, oder man gibt die Abmessungen in der Maßpalette in Form von Zahlenwerten ein. Quark ermöglicht bei Bedarf sogar das Rückkonvertieren von Tabellen in Textlisten.

Quark entdeckt das Internet

In früheren Versionen von QuarkXPress wurde seltsamerweise die Existenz des Internets völlig ignoriert. Daher waren wir hocherfreut, in der Version 5.0 endlich umfangreiche Tools zur Erstellung von Webseiten zu finden. Allerdings ist deren Verwendung etwas umständlich. Im Gegensatz zu anderen Layout-Programmen wie Adobe PageMaker und Microsoft Publisher, in denen ein Dokument erstellt und dann entweder als Ursprungsdatei oder HTML ausgegeben wird, muss in QuarkXPress das gewünschte Ausgabe-Format (Standard, XML oder Web-Dokument) bereits vor dem Beginn eines Projekts festgelegt werden. Durch dieses unflexible Verfahren verdoppelt oder verdreifacht sich der Arbeitsaufwand für Benutzer, die dieselbe Datei für unterschiedliche Anwendungen einsetzen möchten, da dasselbe Projekt für die verschiedenen Ausgabe-Formate jeweils neu erstellt werden muss.

Dennoch haben uns die zusätzlichen Web-Features von QuarkXPress ziemlich beeindruckt, weil damit Webseiten als echte WYSIWYG-Darstellungen eingerichtet werden können, ohne dass man sich mit HTML herumschlagen muss. Außerdem können Grafiken und Texte an beliebigen Stellen innerhalb einer Seite verteilt werden, wobei das Programm die Seite anschließend in HTML umwandelt. In vielen anderen Programmen wie Word und DreamWeaver muss der Benutzer mühsam alle Elemente einer Seite einzeln durcharbeiten.

Die kurze Werkzeugleiste für Web-Anwendungen wird angezeigt, sobald man die Option zum Erstellen von Web-Dokumenten wählt. Sie verfügt über Schaltflächen für die Einrichtung von rechteckigen, ovalen oder Bézier-Bildrahmen, Kontrollkästchen, Pop-Up-Menüs und Optionsfeldern. Text- und Bildfelder können problemlos in einfache Rollover-Schaltflächen (verändern sich beim Darübergehen mit dem Mauszeiger) umgewandelt und über Hyperlinks zu URLs verknüpft werden. Leider ist weder eine Browser-Voransicht möglich, noch sind integrierte Befehle für den Upload auf FTP-Sites enthalten.

Nur ein Schritt zurück

Offenbar machen die Software-Entwickler von Quark keine Fehler. Denn nur so lässt sich erklären, weshalb in diesem Programm nicht mehrere Arbeitsschritte rückgängig gemacht werden können. Egal, wie viele Bearbeitungsstufen ein Projekt durchläuft, man kann immer nur die jeweils letzte Stufe rückgängig machen. Sogar bei Photoshop können mehrere Arbeitsschritte rückgängig gemacht werden. Und obwohl uns das in QuarkXPress verwendete Verfahren für das Layout von Bild- und Textfeldern gefallen hat, wäre es doch wünschenswert, wenn Texte und Grafiken einfach an beliebigen Stellen in eine Seite eingefügt werden könnten, wie dies in PageMaker der Fall ist. Außerdem ist es grotesk, dass Quark nach wie vor nicht über eine integrierte PDF-Engine verfügt, weshalb die Benutzer erst den Adobe Acrobat Distiller kaufen müssen, wenn sie eine Datei als PDF exportieren möchten – ein schwerwiegender Nachteil.

Wer den telefonischen Live-Support in Anspruch nehmen will, kann sich auf eine größere Ausgabe gefasst machen. Die Website von Quark bietet zwar Downloads und Benutzerforen sowie einen E-Mail-Kontakt zum technischen Service, doch die Support-Leistungen stellen das spärlichste Angebot dar, das uns je begegnet ist: Man hat Anrecht auf eine kostenlose telefonische Betreuung, alle weiteren Support-Anfragen erfordern ein Jahres-Abonnement.

Damit wir uns nicht missverstehen: Quark ist nach wie vor im DTP-Bereich ungeschlagen. Wer je mit einer der früheren Versionen von Quark gearbeitet hat, wird sich dieses Upgrade nicht entgehen lassen wollen. Wir können QuarkXPress uneingeschränkt allen Benutzern empfehlen, die ein umfassendes Desktop Publishing-Tool benötigen. Dennoch bleibt zu hoffen, dass Quark noch stärker erweitert wird, so dass seine störenden Einschränkungen irgendwann behoben sein werden.

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