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Deutsche Post macht Filiale in Second Life zu

Peter Marwan
|
12.02.08, 19:13 Uhr
Rückzug nach weniger als einem Jahr

Die Deutsche Post beendet ihr Engagement in der virtuellen Onlinewelt Second Life. Den Schritt will das Unternehmen aber keinesfalls als Niederlage oder Scheitern gewertet wissen. Auf der Webseite heißt es, dass das Unternehmen durch das Engagement die virtuelle Onlinewelt intensiv erforscht, eine innovative Form des Markenauftritts erprobt und die Innovationskraft der Deutschen Post unter Beweis gestellt habe. Es seien also alle Ziele erreicht worden und man ziehe eine positive Bilanz. Die Entwicklung von 3D-Plattformen sei weiterhin ein wichtiges Anliegen, und wenn der geeignete Zeitpunkt gekommen sei, wolle sich die Post auch wieder aktiv an deren Gestaltung beteiligen.

Im Mai 2007 hatte die Deutsche Post mit der Eröffnung des virtuellen Post-Towers auf "Post Island" ihr Engagement in Second Life begonnen. "Unsere Vision ist, mit vielfältigen interaktiven Aktionen eine Brücke von der Online-Welt ins wirkliche Leben zu schlagen", erklärte Ingo Bohlken, Mitglied des Bereichsvorstands Brief, beim Start des Abenteuers damals. Dazu gehörte zum Beispiel die Möglichkeit des Postkartenversands von der virtuellen in die reale Welt.

Bereits als im vergangenen Jahr mehrere große US-Firmen ihr Engagement beendeten, hatten Branchenbeobachter kritisiert, diese Firmen hätten das Wesen und die Möglichkeiten der Online-Welt verkannt, für solche Projekte benötige man einen langen Atem.

Der auf E-Business spezialisierte Unternehmensberater Martin Roell dagegen sagte gegenüber ZDNet bereits vor einigen Monaten: "Aktuell kann man Präsenzen in Second Life nur als Experimente betrachten, um zu lernen, Angebote in 3D-Umgebungen zu entwickeln". Ansonsten sei eine Präsenz in Second Life für Unternehmen nur dann nützlich, wenn sie auch besucht und häufig frequentiert werde. Derzeit seien die Nutzerzahlen aber in der Regel viel zu gering, um Investitionen in Projekte zu rechtfertigen. Der Meinung hat sich wohl nun auch die Deutsche Post angeschlossen. Dazu, wie viel das Experiment gekostet hat, äußerte sich der Logistikkonzern nicht.

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Lesermeinungen zum Artikel

 
von rumble
am 13. Februar 2008, 12:06 Uhr
Dummheit kostet
SL bietet Möglichkeiten - kein Unternehmen nutzt sie. Werbung wird nach ältester Väter Sitte daran gemessen, wieviele Leute gleichzeitig erreicht werden - dafür ist SL komplett ungeeignet, das gibt die Technik schlicht nicht her. SL ist nicht der Ort für Massenevents, sondern eine 24/7-Welt, in der sich das Ganze weit mehr verteilt, zeitlich wie räumlich. Alles eng auf eine Lokation zu konzentrieren und da den Versuch zu wagen, Massenevents zu starten, konnte nicht funktionieren.

Das hätte auch die Post, wie manch anderes Unternehmen, vorher recherchieren müssen. Statt dessen hat man ein bestehendes Werbekonzept aus der realen Welt schlicht 1:1 nach SL übertragen. Unwissen und Unflexibilität versenkt halt Geld, auch wenn der Auftritt an sich definitiv gut gemacht war.

Es wird sich noch manches Unternehmen eine dicke Nase holen, bis die merken, das manch dahergelaufener Hobbyist im SL mehr bewirkt als Werbeleute, die nach dem Motto "haben wir immer so gemacht" vorgehen.

SL ist so oft hoch gelobt worden, wie es totgesagt wurde - beides ist an sich unzutreffend. Tote leben länger, und das hochgelobt muss sich auch erst noch erweisen.

Althergebrachte Methoden werden jedenfalls in dieser Freizeit-Welt scheitern.

Rumble

 
von KMTO
am 15. Februar 2008, 14:38 Uhr
Seltsame Art der Kommunikation
Was soll man dazu sagen... Es lagen andere Konzepte vor, als das, was die Post gemacht hat. Konzepte, die gut begründet haben, warum man es so nicht machen soll.

Egal. Die Nutzerschaft von Second Life hat sich im Verlauf des letzten Jahres vervierfacht. Es sind zur gleichen Zeit genauso viele Leute online, wie auf den ganz großen Web 2.0 Portalen. Aber Second Life ist eben keine Website und kein Fernsehen.

Warum schätzt jeder, der damit zu tun hat, den Auftritt der Post _nicht_ als Erfolg ein? Und wie können Sie dann frech das Gegenteil behaupten, ohne auch nur einen Grund anzugeben?

Es endet, wie es begonnen hat. Mit großen Tönen und ohne Gefühl für das Medium.

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19. März 2010, 19:11 Uhr
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19. März 2010, 18:00 Uhr
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