DDoS-Attacken: Anonymous spannte User per Javascript ein

Das Hackerkollektiv Anonymous hat bei seinen Angriffen, die es wegen der Megaupload-Schließung und SOPA führte, über präparierte Webseiten auch unbeteiligte Nutzer zur Mithilfe verleitet. Bei früheren DDoS-Angriffen nutzten Unterstützer von Anonymous meist die Software Low Orbit Ion Canon (LOIC), die sie herunterladen und gezielt einsetzen mussten. Durch massenhafte und sich ständig wiederholende Zugriffe konnten die angegriffenen Sites offline gebracht werden.

Mit der IP-Adresse des einzelnen Computers, der für Angriffe mit LOIC genutzt wird, kann allerdings der Ausgangspunkt eines Angriffs zurückverfolgt werden. Das setzt die Teilnehmer einer möglichen Strafverfolgung wegen Computersabotage aus und könnte hohe Schadenersatzforderungen nach sich ziehen. Dennoch kam bei der aktuellen Welle von Angriffen auf die Websites von FBI, US-Justizministerium, Universal Music und dem Interessenverband MPAA auch LOIC erneut zum Einsatz, wie hohe Downloadzahlen des Tools belegen.

Anonymous ließ sich diesmal jedoch eine Methode einfallen, die eine Teilnahme mit geringeren Risiken ermöglicht. Bei den jüngsten Attacken auf über ein Dutzend Websites kamen präparierte Webseiten zum Einsatz. Einige Zeilen Javascript-Code genügen dabei, um die Computer der Besucher zu gezielten DDoS-Angriffen zu verleiten. Sie versuchen auf die vorgegebene Adresse zuzugreifen, solange die präparierte Webseite geöffnet ist, selbst wenn der Nutzer nicht wissentlich beteiligt ist.

Die Links zu den präparierten Seiten wurden über Twitter, IRC, Facebook, Tumblr und andere Sites verteilt. Eine Verbindung mit den daraus resultierenden DDoS-Angriffen war vor dem Klick meist nicht zu erkennen, zumal die Webadressen oft noch durch URL-Verkürzer wie Bitly.com verschleiert wurden. Eine andere Version des Tools wandte sich allerdings an bewusste Teilnehmer und wartete auf die Eingabe der IP-Adresse, auf die ein Angriff erfolgen sollte.

Wer versehentlich auf einen solchen Link klickte und dadurch an den Angriffen teilnahm, bekommt wahrscheinlich keine Probleme. Zum einen dürften Ermittler zunächst annehmen, dass die erkannten IP-Adressen zu einem Botnetz kompromittierter Computer gehören. Selbst bei einem konkreten Verdacht gegen eine einzelne IP-Adresse rechnen US-Anwälte nicht mit behördlicher Aufmerksamkeit.

"Wenn Sie ein unwissentlicher Teilnehmer sind, dann sind Sie rechtlich eigentlich nicht verantwortlich, da alle Gesetze - mit engen Ausnahmen - ein Tatbewusstsein voraussetzen, also 'wissentliches' oder 'absichtliches' Handeln", erklärt die auf Computerkriminalität spezialisierte Anwältin Jennifer Granick. "Aber selbst Teil eines Botnetzes zu sein, könnte zu unerwünschter Aufmerksamkeit der Polizei führen. Das ist allerdings unwahrscheinlich, abhängig von der Zahl der Computer, die an einer DDos-Attacke beteiligt sind."

Anders sieht es laut Granick jedoch für die diejenigen aus, die Links zu den für Attacken präparierten Webseiten verteilen: "Wenn Sie Malware verteilen, die eine Site angreift, dann können Sie für allen Schaden verantwortlich sein, der dieser Site durch die Malware entsteht. Es ist ein Gesetzesverstoß, wenn Sie ein Programm verteilen, um Schaden zu verursachen, und dieser dann entsteht."

Anonymous hat Website-Besucher per Javascript-Redirect zu Teilnehmern an seiner Kampagne
Anonymous hat Website-Besucher per Javascript-Redirect zu Teilnehmern an seiner Kampagne "Operation Megaupload" gemacht (Bild: Anonymous).

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
11 von 12 Lesern fanden diesen Artikel nützlich.

Aktuelle Job-Angebote

ZDNet.de Live

Stude ...

Student entrepreneurs develop ID badge alternative t.co/...

22.02.12, 22:00 von ZDNet
Embar ...

Embarcadero Technologies CEO Wayne Williams on how AppWave newly modernizes PCs via App Stor t.co/...

22.02.12, 21:55 von ZDNet
Faceb ...

Facebook Mobile Hack events coming to Asia next month t.co/...

22.02.12, 21:45 von ZDNet
Optus ...

Optus seeks to silence AFL CEO t.co/...

22.02.12, 21:43 von zdnetaustralia
HP's ...

HP's Q1 sales, outlook light; PC unit takes hit t.co/...

22.02.12, 21:25 von ZDNet
Enter ...

Enterprise architecture and enterprise transformation: Related but distinct concepts that ca t.co/...

22.02.12, 21:25 von ZDNet
Displ ...

Display advertising: Facebook first, but Google gaining t.co/...

22.02.12, 21:15 von ZDNet
Apple ...

Apple sued over voicemail 'patent infringement' t.co/...

22.02.12, 21:05 von ZDNet
Bitko ...

Bitkom: Jeder Dritte Deutsche nutzt Software-Download-Angebote t.co/...

22.02.12, 20:20 von zdnet_de
Googl ...

Google Docs for Android app finally gets mobile collaboration t.co/...

22.02.12, 20:10 von ZDNet
MWC: ...

MWC: Samsung gibt Ausblick auf Vierkernchip Exynos 4412 t.co/...

22.02.12, 19:50 von zdnet_de
Googl ...

Google sugarcoated privacy policy changes to mislead users, group charges t.co/...

22.02.12, 19:25 von ZDNet
GROOO ...

GROOOSSSE Freude: "der Speicher Ihres Freemail-GMX Postfachs kann ab sofort von 1.000 MB auf 1.500 MB erweitert werden." - #fail

22.02.12, 19:21 von coke4all
Markt ...

Marktforscher: Apple testet 8-Zoll-iPad erst noch t.co/...

22.02.12, 19:20 von zdnet_de
Micro ...

Microsoft SharePoint 15: A 2012 release target, an app marketplace and more t.co/...

22.02.12, 19:05 von ZDNet
LG ...

LG Optimus 3D Max: neues Smartphone mit altem Betriebssystem t.co/...

22.02.12, 19:00 von zdnet_de
Citri ...

Citrix launches CloudStack 3 beta, version 3.1 and 3.2 also planned for 2012 t.co/...

22.02.12, 19:00 von ZDNet
Broad ...

Broadway engages the Twitterati t.co/...

22.02.12, 18:45 von ZDNet
Adobe ...

Adobe abandons Linux t.co/...

22.02.12, 18:45 von ZDNet