ICANN berät erneut über Porno-Domain

(http://www.zdnet.de/news/41528768/icann-beraet-erneut-ueber-porno-domain.htm)

von Larry Magid und Jan Kaden, 11. März 2010

Die ICM Registry hat erfolgreich Widerspruch gegen eine Entscheidung von 2007 eingelegt. Die Antragsteller wollen mit der .xxx-Domain die Selbstkontrolle unter Porno-Anbietern fördern. Kritik kommt von Familienverbänden und Bürgerrechtlern.

ICM Registry Logo

Am kommenden Freitag wird die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN[1]), die oberste Web-Verwaltung, erneut über den Vorschlag der Organisation ICM Registry[2] diskutieren, eine Porno-Domain einzuführen. Nach dem Willen der ICM Registry sollen Seiten mit pornografischen Inhalten künftig statt oder zusätzlich zu einer .com-Domain eine .xxx-Domain erhalten.

In einem Telefoninterview[3] sagte ICM-Präsident Stuart Lawley, dass sein Einspruch gegen die Ablehnung[4] der ICANN von 2007 erfolgreich war. Das habe den Weg für eine erneute Prüfung des Vorschlags geebnet. Die Einführung einer Porno-Domain war davor bereits 2000 und 2006 von der ICANN abgelehnt worden.

Lawley erklärte in dem Interview: "Es ist kein großes Geheimnis, dass es viele jugendgefährdende Inhalte im Internet gibt. Es ist nicht meine Aufgabe und auch nicht die Aufgabe der .xxx-Domain, diese zu beseitigen." Er hoffe, "dass Anbieter von Erwachsenen-Unterhaltung sie zu ihrer Wunsch-Domain machen, wegen der Vorteile, die sie bietet."

Die .xxx-Domain sei ein Versuch der glaubwürdigen Selbstkontrolle, indem man mit anderen Betroffenen zusammenarbeite. Websites für Erwachsene unter der .xxx-Domain würden sich an strikte Vorgaben halten wie dem Verbot von Kinderpornografie und von Schadsoftware. Betreiber müssten diese Sites mit maschinenlesbaren Tags kennzeichnen. Dadurch entstehe eine "Win-Win-Win-Situation" für Anbieter, Kunden und Eltern, die ihre Kinder vor jugendgefährdenden Inhalten schützen wollten.

Einwände gegen die Porno-Domain gab es schon 2005. Das konservative amerikanische Family Research Council argumentierte damals[5], dass Anbieter "durch die .xxx-Domain noch mehr Möglichkeiten bekommen, unsere Haushalte, Bibliotheken und die gesamte Gesellschaft mit Pornografie zu überschwemmen."

Bürgerrechtsgruppen wie die American Civil Liberties Union (ACLU[6]) befürchten, dass auch politisch missliebige Inhalte in eine .xxx-Domain gezwungen werden könnten. Ein Sprecher sagte 2004: "Es gibt Staaten auf der ganzen Welt, die ganz gewiss versuchen werden, Websites in die .xxx-Domain zu treiben, oder Sites zu sperren, die sie als irgendwie anstößig ansehen."

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.icann.org/
[2] = http://www.icmregistry.com/index.html
[3] = http://radiolarry.com/cnetaudio/stuart_lawley_xxx.mp3
[4] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_telekommunikation_icann_lehnt_xxx_domain_ab_story-39001023-39153256-1.htm
[5] = http://www.politechbot.com/2005/08/16/family-research-council/
[6] = http://www.aclu.org/