Für monatlich 6,25 Euro pro Nutzer will Microsoft Unternehmen ein Paket aus 25-GByte-Exchange-Postfach, Sharepoint und dem Collaboration-Tool Lync anbieten. ZDNet hat sich die Beta des für 2011 angekündigten Dienstes angesehen.
Schon seit einiger Zeit bietet Microsoft unter dem Namen Business Productivity Online Suite[1] (BPOS) gehostete Pakete von Exchange, Sharepoint und Office Communication Server an. Der Nachfolger Office 365[2] soll mit einem griffigeren Namen und den aktuellen Varianten der Server-Produkte überzeugen. ZDNet hat die Small-Business-Version[3] getestet, die monatlich 6,25 Euro (5,25 Euro netto) pro Nutzer kosten soll.
Das Angebot umfasst die 2010er Versionen von Exchange, Sharepoint und der kürzlich vorgestellten[4] Unified-Communications-Lösung Lync. Manche Pakete enthalten auch ein Abo der Desktop-Version von Office 2010 Professional.
Zur Nutzung von Office 365 benötigt man eine Windows Live ID[5]. Derzeit bietet Microsoft den Dienst nur unter einer eigenen Domain an, die Subdomain ist aber frei wählbar. Nachdem man den ersten Account angelegt hat, kann man sich in Office-365-Portal einloggen.
Administratoren und Anwender haben verschiedene Ansichten, erstere erhalten Zugriff auf die Verwaltungstools. Aber nicht alle Werkzeuge werden zur selben Zeit bereitgestellt, die von Sharepoint kommen als letztes. Trotzdem geht der Vorgang deutlich schneller als die Einrichtung eines Sharepoint-Servers. Hier zeigt sich einer der großen Vorteile der Cloud: Man spart sich Zeit bei der Administration und muss sich nicht um die Infrastruktur kümmern.
Nach der Einrichtung von Office 365 stehen die verschiedenen Weboberflächen zur Verfügung. Der Zugriff auf Exchange erfolgt über die Outlook Web App, mit der man E-Mails, Kalender, Kontakte und Aufgaben verwalten kann. Das funktioniert in den meisten modernen Browsern. Jeder Anwender hat 25 GByte Speicherplatz, die Anhänge dürfen maximal 25 MByte groß sein. Eine Lizenz für die Desktop-Version von Outlook ist im Small-Business-Paket nicht enthalten.
Auch bei Sharepoint spielt das Online-Interface eine wichtige Rolle: Mit der Version 2010 wurde das von den Desktop-Produkten bekannte Ribbon-Interface eingeführt. Wer bereits mit Sharepoint gearbeitet hat, wird bei der Online-Version kaum Unterschiede entdecken. Aufgrund der ähnlichen Oberfläche werden sich Office-Nutzer schnell damit zurecht finden. Office 365 unterstützt auch Sharepoint Workspace (früher Office Groove), das die Synchronisierung von Sharepoint-Inhalten ermöglicht. Damit sind sie auch verfügbar, wenn gerade kein Zugriff auf den Server möglich ist.
Sharepoint fungiert im Rahmen von Office 365 aber nicht nur als Collaboration-Tool. Man kann damit auch eine Unternehmenspräsenz fürs Internet zusammenstellen. Ein Klick auf den Button Website bringt einen zu einem Online-Websitedesigner, der mit Widgets schnell wichtige Funktionen wie Karten und Paypal-gestützte E-Commerce-Funktionen bereitstellt. Es handelt sich aufgrund der eingeschränkten Flexibilität aber eher um eine Einsteigerlösung, die eher als Vorstufe einer richtigen Website zu sehen ist. Zudem sollte man die Dokumentation genau lesen, da man ansonsten Gefahr läuft, unbeabsichtigt Intranet-Sites zu veröffentlichen.
Office 365 enthält auch Unified-Communications-Tools in Form von Lync. Aber nicht alle Features der Standalone-Version stehen zur Verfügung. Als VoIP-Telefonanlage mit Festnetz-Anbindung lässt sich die Lösung derzeit nicht nutzen.
Microsoft will diese Möglichkeit in Zusammenarbeit mit Partnern anbieten, einen Zeitplan gibt es aber noch nicht. Die Präsenz- und Collaboration-Funktionen von Lync stehen dagegen schon jetzt zur Verfügung. Man nutzt dafür den Standard-Desktop-Client. Die Konfiguration ist einfach. Neue Nutzer sind mit wenigen Mausklicks eingerichtet.
Die Anbindung von Outlook an Office 365 ist sehr einfach, insbesondere wenn man Outlook 2010 benutzt. Die Exchange-Server in der Cloud sind für den Outlook-Anywhere-Dienst mit konfiguriert, der die Verbindung zwischen Outlook und dem Server über HTTPS abwickelt. Man benötigt also kein VPN. Dank Autodiscover entfällt die Eingabe zahlreicher Konfigurationsdaten, man braucht nur die E-Mail-Adresse und das Passwort.
Wenn man Office 365 auch als Plattform für die Zusammenarbeit nutzt, kann man den Microsoft-Online-Services-Client auf dem Rechner installieren, was im Test aber einige Probleme bereitet. Die Sharepoint-Seite muss im Internet Explorer erst zu den vertrauenswürdigen Sites hinzugeführt werden. Erst dann ist es möglich, sich zu einer Sharepoint-Bibliothek zu verbinden, von Word und Excel auf den Server zu speicher oder mit Sharepoint Workspace Dateien zu synchronisieren.
Zu Funktionsumfang von Office 365 gehören die Office Web Applications. Word-, Excel-, Powerpoint- und Onenote-Dokumente lassen sich so im Browser ansehen und eingeschränkt bearbeiten. Auch die Zusammenarbeit am selben Dokument ist möglich. Zwar können die meisten Dienste von Offce 365 mit einer Reihe moderner Browser genutzt werden können, für die Admin-Tools, insbesondere für die von Exchange, benötigt man aber den Internet Explorer. Die Office-365-Variante von Sharpoint ist derzeit nicht kompatibel zu Windows Phone 7. Microsoft verspricht, dieses Problem zu lösen.
In den Foren zur Office-365-Beta tauchen noch zahlreiche Probleme auf. Microsoft-Mitarbeiter sind dort präsent, was der Beta eine gewisse Transparenz verleiht.
Fazit
Office 365 scheint sich zu einer durchdachten Cloud-Produktivitätslösung zu entwickeln. Die Administrationstools sorgen für einen einfachen Einstieg. Exchange und Sharepoint sind in den Unternehmenswelt bekannte und viel genutzte Tools. Einzig der Nutzen von Lync ist eingeschränkt, da man es aufgrund der fehlenden Festnetz-Integration nicht als Telefonanlage einsetzen kann. Derzeit fungiert das Tool als Päsenz-, Instant-Messaging- und Collaboration-Lösung für den unternehmensinternen Gebrauch.
Neben der getesteten Small-Business-Version für 6,25 Euro pro Monat bietet Microsoft auch eine Enterprise-Version an, die 10,71 Euro kostet. Sie bietet neben internetbasierter Unterstützung auch Telefon-Support sowie die Möglichkeit der Verbindung mit dem Active Directory eines Unternehmens. Wer zusätzlich noch die Desktop-Version von Office 2010 Professional Plus möchte, zahlt monatlich insgesamt 27,07 Euro.
Insgesamt wird deutlich, dass Office 365 auch in der Basisversion deutlich teurer ist als Google Apps for Business. Es kostet pro Jahr und Nutzer 40 Euro. Ein zukünftiger Test wird zeigen, welches Produkt die Nase vorne hat.
Wann Office 365 in den Regelbetrieb überführt wird, ist noch nicht ganz klar. Bislang nennt Microsoft kein konkreteres Datum als 2011.
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