Bis Anfang der Woche war das Thema Mark Hurd noch eine Personalstory nach einer Affäre. Doch mit dem Anheuern beim Kumpel Larry Ellison und der Klage von HP gegen den früheren Chef beginnt eine neue Silicon-Valley-Saga: Im Mittelpunkt steht der Kampf um die Vorherrschaft als Lieferant großer Rechenzentren.
Es ist noch nicht lange her, da haben Hewlett-Packard[1] und Oracle[2] als Partner gut zusammengearbeitet. Von HP kam die Hardware, von Oracle die Datenbank für die Rechenzentren der Kunden. Doch nach der Übernahme von Sun Microsystems für 7,4 Milliarden Dollar durch Oracle im vergangenen Jahr hat sich die Beziehung stark abgekühlt. Durch den fliegenden Wechsel des bei HP in Ungnade geratenen Chefs Mark Hurd zu Oracle[3] flammt jetzt offene Feindschaft auf.
Larry Ellisons Oracle ist nun nicht mehr nur ein Softwarehaus und Erzrivale von SAP, sondern auch ein potenzieller Hardware-Anbieter - und damit vor allem Konkurrent von HP und IBM. Dazu kommen noch Dell und der ebenfalls im Silicon Valley ansässige Netzausrüster Cisco, der seit geraumer Zeit ebenfalls als Serveranbieter auftritt.

Mark Hurd: Im fliegenden Wechsel von Hewlett-Packard zu Oracle (Bild: Hewlett-Packard).
Der Wettbewerb im Kampf um die Rechenzentren der Zukunft[4] ist in vollem Gang. Alle wollen ihre potenziellen Kunden mit einem möglichst großen "Stack of Technology", einem technischen Komplettpaket, überzeugen. Möglichst "alles aus einer Hand[5]. " lautet die uralte Devise der Marketingstrategen in der Computerindustrie, wie sie Big Blue schon seit Jahren verfolgt.
HPs Klage mit wenig Aussicht auf Erfolg
In dieser Wettbewerbsschlacht hat HP am Dienstag vor dem Superior Court in Santa Clara gegen Mark Hurd eine Klage eingereicht[6]. Der Umsatzmarktführer der Computerindustrie wirft seinem Ex-Chef vor, Absprachen eines umfangreichen Abfindungspaketes verletzt zu haben, in dem er den Job als Nummer zwei bei Oracle angenommen habe. In dieser Position komme er nicht umhin, HP-Betriebsgeheimnisse an einen wichtigen Konkurrenten zu verraten.
Doch nach Ansicht von Rechtsexperten im Silicon Valley dürfte es schwer werden, diese Position vor einem Gericht in Kalifornien durchzusetzen. Die dortige Gesetzeslage erlaubt keine "Konkurrenzausschluss-Paragrafen", wie sie in anderen Bundesstaaten der USA, aber auch in Deutschland üblich sind. Daher haben sich kalifornische Gerichte in einer Reihe von Fällen der jüngeren Vergangenheit derartigen Argumenten, wie sie nun HP in diesem Fall vorbringt, nicht angeschlossen. Solche Regelungen würden zu sehr in den weiteren Lebensablauf der Betroffenen eingreifen, so die Begründung.
Mit dem befreundeten Mark Hurd hat Ellison[7] genau den Management-Partner an Bord bekommen, den er für seine Pläne braucht. Der hard- und softwareerfahrene Hurd wird als "Co-President" weitgehend für die IT-technischen Inhalte vor allem bei den Kunden verantwortlich sein. Die Finanzchefin Safra A. Catz bleibt Ellisons rechte Hand innerhalb des Unetrnehmens. Der bisherige, wie Hurd wegen einer Affäre mit einer Schauspielerin ins Gerede geratene[8], Carles E. Philipps hat sofort nach dem Auftauchen von Hurd den Platz als "President" für den Ex-HP-Chef geräumt[3].
Nach 25 Jahren bei NCR, davon drei Jahre als Chef der Datenbankabteilung Teradata sowie fünf erfolgreichen Jahren an der Spitze von HP ist Mark Hurd mit allen IT-Wassern gewaschen, die ein führender Computer-Manager braucht. Er gilt derzeit als erfolgreichster Executive der Branche[9]. Mit Larry Ellison ist er seit Jahren befreundet.
Der 57-Jährige hat das Potenzial, die Nachfolgefrage im Hause Oracle zu lösen, das bisher ausschließlich von dem umtriebigen Gründer Larry Ellison geführt wird. Der 1944 geborene will sich stärker zurückziehen. Das ist ihm bisher aber nicht gelungen - auch deshalb, weil in seinem Schatten zwar sicher fachlich kompetente, aber eben nur wenig charismatische Führungskräfte nach oben gelangten. Der wie Ellison in New York geborenen Hurd ist da ein anderes Kaliber.
Datenbank-Maschinen für die Cloud
Informationstechnisch stehen zunehmend "Datenmaschinen" für den Einsatz in der Service-Wolke (Cloud) im Mittelpunkt der Wettbewerbsbemühungen. Dafür gibt es mehrere Beispiele: So hat sich HP im Bieterwettstreit um den Speicherspezialisten 3Par gegen Dell durchgesetzt. Zusammen mit der geplanten Übernahme eines Softwarehauses für Datenbankautomatisierung gibt es deutliche Hinweise dafür, in welche Richtung sich Rechenzentren strategisch entwickeln werden: zum "Service aus der Wolke".
Dahin dürften auch die Pläne von Larry Ellison mit seiner Software-Hardware-Kombination gehen. Seit der Übernahme von Sun Microsystems[10] setzt Oracle zunehmend auf optimierte Hard- und Software-Lösungen. Eine davon ist die im September 2009 als eine voll integrierte Database Maschine vorgestellte Exadata Version 2. Die Vorgängerversion entstand noch in Zusammenarbeit mit HP[11]. Version 2 jedoch soll mit einem Server von Sun und Software von Oracle nach eigenen Angaben das weltweit schnellste System für Data Warehousing und Online Transaction Processing (OLTP) sein.
Auch IBMs im Juli vorgestellte Mainframe-Kombination zEnterprise kommt als Super-System für große Cloud-Anbieter in Frage, obwohl diese Kombination nicht explizit für diesen Einsatz entwickelt wurde. Sichere Kombinationen von Datenbanken mit Applikationen unter einem Dach scheinen sich jedoch als vielversprechendes Konzept für die Zukunft der Rechenzentren zu erwiesen.

Larry Ellison bei der Vorstellung der Exadata-Version 2 auf der Oracle Open World 2009 - mit Hardware von Sun statt von Hewlett-Packard (Bild: Chris Duckett/ZDNet).
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