Vom 3. bis 8. September sind auf der Leitmesse für Unterhaltungselektronik, Informations- und Kommunikationstechnik vor allem neue 3D-Fernseher, Tablets und Smartphones zu sehen. ZDNet stellt die Highlights vor.
Auf der letztjährigen IFA hätte man schon beinahe den Eindruck bekommen können, die 3D-Technik hat den Durchbruch in der Unterhaltungselektronik längst geschafft. Bei Sony gab es dreidimensionale Playstationspiele, nebenan bei Philips war ein 3D-Film zu bewundern und schließlich konnten bei Fujifilm mit einer 3D-Kompaktkamera eigene Fotos und Videos mit Tiefenwirkung aufgenommen werden. Ein Jahr nach der Messe ist ein Großteil der 3D-Geräte zwar noch nicht auf dem Markt angekommen, aber auch für dieses Jahr wird der große Trend wohl 3D sein.
3D immer noch Trend-Thema
Wenn es nach den Herstellern geht, dann ist die 3D-Technik für Fernseher, Projektoren und Notebooks schon seit ein, zwei Jahren salonfähig. Auf der IFA 2010[1] will praktisch jeder TV-Hersteller mit 3D-tauglichen Geräten glänzen. Wie sinnvoll das angesichts kaum verfügbarer Inhalte und einer Technik ist, die immer noch weit von unkomplizierter Nutzung und realitätsnaher Darstellung entfernt ist, steht allerdings in den Sternen.
Die Situation ist vergleichbar mit dem Aufkommen von HD-Fernsehern vor ein paar Jahren. Die ersten Geräte waren teuer, technisch unausgereift und unterstützten noch nicht die heute üblichen Standards wie Full-HD. Aber vor allem gab es damals weder HD-Programme im Fernsehen noch ausreichende Titel auf HD-DVD[2] oder Blu-ray[3] - und welches dieser Formate sich durchsetzen würde, war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch unklar.

Aufpreis für 3D: Der Philips BDP8000 gibt 3D-Blu-rays wieder und soll ab September für 350 Euro in den Regalen stehen.
Genauso verhält es sich derzeit mit der 3D-Technik in LCD- und Plasma-Fernsehern: Es gibt noch keine echten Standards, die Technik steckt in den Kinderschuhen und das Angebot von Inhalten ist äußerst mager. Ein Haupttrend der IFA wird es trotzdem sein.
Immerhin soll der Aufpreis der neuen 3D-Fernseher-Generation gegenüber vergleichbaren 2D-Geräten bei "nur" wenigen hundert Euro liegen, so dass Interessierte die Technik relativ kostengünstig erwerben können. Nicht zu vergessen sind allerdings die Anschaffungskosten von bis zu 150 Euro pro zusätzlicher Shutter-Brille, die notwendig ist, wenn man nicht alleine fernsehen will. Die meisten 3D-Fernseher setzen auf die Shutter-Technologie, also auf Brillen, die wechselweise jeweils ein Auge abdunkeln. Lediglich LG verwendet beim mit dem LD950 die aus dem Kino bekannte und teurere Polarisationstechnik. Der Vorteil ist jedoch, dass die dafür nötigen Brillen ohne Elektronik auskommen und somit viel leichter und billiger als ihre Shutter-Kollegen sind.
Zudem werden Abspielgeräte und in Fernseher integrierte Lösungen zu sehen sein, die 2D- in 3D-Inhalte umwandeln können. So soll beispielsweise der LG-Fernseher LX6500 gewöhnliche, "platte" Bilder automatisch in 3D hochskalieren. Einige neue Samsung-Fernseher bieten ebenfalls diesen sogenannten 3D-Upscaler und ermöglichen es dem Anwender zudem, die Intensität der Tiefenwirkung selbst zu steuern. Im Test des Samsung UE55C8790[4] konnte die Pseudo-3D-Funktion allerdings nicht überzeugen.
Immerhin regt sich in Sachen Standards etwas: Das DVB-Konsortium erarbeitet derzeit eine 3D-Erweiterung des digitalen Fernsehens, der Blu-ray-Standard wurde im Dezember 2009 um 3D erweitert, und erste Sender proben Ausstrahlungen in 3D. Auch die Telekom will zur IFA 2010 über ihr Internet-Fernseh-System Entertain 3D-Filme anbieten. Zudem verhandelt der Telekommunikationsriese derzeit mit der Deutsche Fußball Liga (DFL) über eine Ausstrahlung von Bundesliga-Spielen in 3D – aber erst ab 2013. Die große Content-Welle bleibt also noch aus.Ein weiteres großes, aber vergleichsweise wenig im Rampenlicht stehendes Thema dürfte die zunehmende Vernetzbarkeit von Heimelektronik sein. Viele neue Geräte bieten einen Internetzugang von der Wohnzimmer-Couch aus und können einfach per Kabel oder WLAN ins heimische Netzwerk eingebunden und mit Inhalten versorgt werden. USB-Schnittstellen, um unkompliziert externe Laufwerke für Wiedergabe und Aufnahme zu nutzen, sind inzwischen Standard.
Die lokale Vernetzung ist zu einem Thema geworden, mit dem recht unaufgeregt umgegangen wird. Vernetzte Geräte werden zwar beworben und angepriesen, aber der Marketing-Fokus der Anbieter liegt auf Aspekten mit mehr "Sexappeal". So wird nicht mehr jeder USB-Anschluss als das Highlight schlechthin gefeiert. Aus Nutzersicht sind solche Features selbstverständlich Teil eines Komplettangebots. Ab einer gewissen Preisklasse erwartet man eine Netzwerkschnittstelle - es fällt dann eher auf, wenn sie nicht vorhanden ist.

Vernetzt, 3D und mobil: Der Samsung BD-C8000 ist ein wahrer Alleskönner. Mit einem US-Preis von 500 Dollar ist er allerdings nicht günstig.
Ein klein wenig anders stellt sich die Situation beim Internetzugang via Fernseher dar. Die meisten Geräte bieten nur proprietäre Lösungen, die lediglich den Zugriff auf vom Hersteller limitierte Angebote und Services, aber kein freies Surfen im Internet gestatten. Philips behauptet beispielsweise von sich, dass sein "CE HTML" der derzeit einzige offene Internetzugang ist. Ziel ist es aber, die proprietären Lösungen durch Industriestandards abzulösen. So wird es auf der Messe bereits etliche Geräte geben, die den im Juni 2010 verabschiedeten Standard HbbTV[5] - Hybrid Broadcast Broadband TV - unterstützen.
Auf der IFA 2010 sollen auch die ersten Fernseher mit eingebauten Kameras und Mikrofonen zu sehen sein, mit denen man dann beispielsweise via Skype videotelefonieren kann. Und für ausreichend Content für Fernseher sorgen alle möglichen Streaming-Lösungen unterschiedlichster Formen sowie diverse IPTV- und Video-on-Demand-Angebote.
Ein weiteres Feld der Vernetzung stellt die zunehmend leichtere Steuerung der Wohnzimmertechnik via Internet und portablen Geräten wie iPhone 4[6] und iPad[7] sowie die Wiedergabe auf Smartphones, portablen Mediaplayern und - im Falle von Samsung - sogar Fernbedienungen dar. Selbst Kopfhörer sind davon nicht ausgenommen: Das neueste Sennheiser-Modell verbindet sich per Bluetooth mit beliebigen Zuspielern.

Der Trekstor TV ist ein kompakter Mediaplayer, der alle gängigen Audio- und Videoformate beherrschen soll und sich mit externen Speichern, dem heimischen Netzwerk und dem Internet verbindet. Anschaffungskosten: 135 Euro.
Technisch liegen die Highlights der Messe auf hohem Niveau. HDTV hat sich endgültig durchgesetzt und jeder gute Fernseher löst Full-HD auf. Eingebaute Digitalempfänger für Satellit, Kabel und Antenne sind in der gehobenen Geräteklasse eine Selbstverständlichkeit. Blu-ray hat sich endgültig als neuer Standard im Heimkino etabliert und löst bei den Neugeräten die DVD-Technik komplett ab. Außerdem wird es vermehrt Wireless-HD-Lösungen geben, die HD-Bilder und Mehrkanalton unkomprimiert und verlustfrei an den Fernseher übertragen. Netgear hat beispielsweise einen Wireless-Router angekündigt, der im 5-GHz-Bereich per Dual-Band Full-HD-Videos überträgt. Eine andere Alternative für die Content-Übertragung ist Powerline. Hier zeigt ebenfalls Netgear einen Vier-Port-Switch, der die Priorisierung von HD-Streams erlaubt.Bildschirme mit LED-Hintergrundbeleuchtung - zur letztjährigen IFA noch eine Seltenheit - setzen sich durch. Erzielte Toshiba noch Anfang 2010 15 Prozent seines TV-Umsatzes mit LED-TVs, sollen es spätestens Ende 2010 bereits 50 Prozent sein. Sie bieten ein besseres Helligkeits- und Kontrastverhalten und sparen zudem noch Energie. Die qualitativ bessere Direct-Variante verteilt die LEDs dabei direkt hinter dem Schirm, während die günstigere Edge-Version nur vom Rand her einstrahlt.
LG wird einen Nano-Full-LED-TV präsentieren[8], der mit 7,8 Millimeter Tiefe unter einem Zentimeter bleibt. Zudem werden die Südkoreaner Großbildfernseher vorstellen, die inklusive LED-Hintergrundbeleuchtung, Wireless-Anbindung und 5-GHz-HDMI weniger als drei Zentimeter tief sind. Auch Samsung zeigt mit dem C9090 einen 55-Zoll-Fernseher, dessen Panel nur 7,98 Millimeter tief ist.

Der 3D-fähige Samsung C9090 ist gerade einmal 7,98 Millimeter dick. Im Lieferumfang ist eine Fernbedienung mit Touchscreen-Display enthalten.
Displays auf Basis der OLED-Technik, die letztes Jahr bestenfalls als kleine Einzelmodelle oder als Prototypen zu sehen waren, sollen in Form von Seriengeräten und sogar in größeren Formaten zu sehen sein. Dennoch: Abgesehen von Sonys bereits knapp zwei Jahre alten XEL-1 ist derzeit nur der OLED-Fernseher LGs 15EL9500 im Handel erhältlich. 15 Zoll Bilddiagonale kosten hier rund 1400 Euro.
Wer sich übrigens mehr für technische Innovationen als für konkrete Produkte interessiert, sollte einen Blick in das "TechWatch"-Areal in Halle 8.1 werfen. Hier demonstriert unter anderem das Fraunhofer Institut Berlin Themen wie 3D-Live-Übertragung und interaktive Steuerung in Verbindung mit Head-Tracking. Smartphones werden in rauen Mengen auf auf der IFA zu sehen sein. Apples iPhone 4[6] kann man bei der Telekom bewundern, während andere Größen wie HTC und Samsung ihre eigenen Topmodelle zeigen. So wird man unter anderem einige Geräte in die Hand nehmen können, die mit Gigahertz-Prozessoren und Android 2.2 ausgestattet sind. Motorola ist zwar nicht mit einem eigenen Stand vertreten, aber bei Vodafone werden zwei neue Geräte der Amerikaner zu sehen sein. Das Milestone 2 zum Beispiel kommt mit Android 2.2, ausziehbarerer QWERTZ-Tastatur und 1-GHz-CPU. Das Motorola DEFY ist IP67-Zertifiziert und somit Stoß- und Wasserfest. Es bietet, GPS, WLAN, HSDPA und 5-Megapixel-Kamera. Als Betriebssystem wird Android 2.1 genutzt.

Das Samsung Galaxy Tab soll am 2. September offiziell vorgestellt werden.
Noch interessanter dürften die Neuerscheinungen bei den Tablets sein. Zwar gab es in diesem Bereich bereits auf der letztjährigen IFA ein paar Geräte zu sehen, doch richtig salonfähig wurden die Touchscreen-Mini erst, als Apple mit dem iPad die Vorreiterrolle einnahm. Das Highlight wird wohl Samsungs Galaxy Tab sein, das gerüchtehalber ein 7 Zoll großes Super-AMOLED-Display und Android 2.2 mitbringt. Aber auch Neofonie mit dem WeTab[9], Archos mit seiner Generation 8 und Viewsonic mit seinen ViewPads[10] werden versuchen, ein Stück vom Tablet-Kuchen zu ergattern. Um ein eventuelles "gPad", das HTC im Auftrag von Google bauen soll, ranken sich zahlreiche Gerüchte - eine offizielle Meldung seitens der Taiwaner gibt es dazu allerdings noch nicht. Dafür hat Hannspree ein Tablet mit Tegra-2-Chip und Android 2.2 angekündigt[11]. Auch Samsung wird sein Galaxy Tab auf der IFA vorstellen[12] und Toshiba könnte ein Tablet ankündigen. Technische Daten und Fotos zum Folio 100[13] kursieren schon im Internet.
Vodafone zeigt mit dem R201 einen mobilen WLAN-Hotspot auf HSDPA-Basis, mit dem sich fünf Handys per WLAN ins Internet einwählen können. Die großen Mobilfunkprovider informieren zudem über den aktuellen Stand zum anstehenden Ausbau der Mobilfunknetze mit LTE. Die Technik soll das mobile Internet von derzeit mit HSPA maximal möglichen 7,2 MBit/s auf bis zu 300 MBit/s beschleunigen soll.

Macht aus dem iPad ohne 3G ein iPad 3G: Der mobile UMTS-Hotspot Vodafone R201 verbindet bis zu fünf Endgeräte mit dem Internet. Der Akku soll bis zu vier Stunden lang durchhalten.

Das Navigon 70 Premium Live soll im Herbst ab rund 300 Euro im Handel erhältlich sein. Neben Echtzeitinformationen zu Tankstellen, Veranstaltungen & Co. in der unmittelbaren Umgebung bietet es 3D-Darstellung und Sprachsteuerung.
Bei den Notebooks wird es ebenfalls etliche Neuheiten zu sehen geben. Dazu gehören unter anderem 3D-fähige Geräte mitsamt Shutter-Brillen und die ersten Dual-Core-Netbooks mit der neuen Intel-Atom-N550-CPU. Toshiba wird mit dem Libretto W100 ein Netbook mit zwei 7-Zoll-Displays zeigen. Der Cloud Companion - ebenfalls von Toshiba - bietet ein 10,1-Zoll-Display und setzt auf das Betriebssystem Android.

Toshibas Libretto W100 bringt anstelle einer physikalischen Tastatur ein zweites 7-Zoll-Display mit. Dreht man den Windows-7-Rechner um 90 Grad, soll er als E-Book-Reader im vertrauten Zeitschriftenformat dienen.
Highspeed und 3D: Was Kameras im Herbst 2010 bieten
Während sie bei DSLRs die CCD-Sensoren bereits völlig verdrängt haben, kommen CMOS-Chips nun auch bei Kompaktkameras zunehmend zum Einsatz. Der Vorteil von CMOS kiegt in der höheren Aufnahmegeschwindigkeit. Hosentaschenkompatible Digicams, die zehn 10-Megapixel-Fotos pro Sekunde schießen oder Full-HD-Videos einfangen, sind diesen Herbst keine Seltenheit mehr. Das beeindruckende Aufnahmetempo ermöglicht den Herstellern außerdem eine Reihe weiterer Tricks, von Schwenkpanorama-Funktion über HDR-Automatik bis hin zu Touristen-Radierern.

Schwenkt der Fotograf die Sony Cyber-shot DSC-WX5 einmal quer über das Motiv, bannt die Kompaktkamera ein dreidimensionales Panorama auf die Speicherkarte.
In zunehmenden Maße werden für die Kamerahersteller GPS-Sensoren interessant. So lässt sich bei den Fotos später nicht nur der exakte Aufnahmezeitpunkt, sondern auch der Ort nachvollziehen. Außerdem steigt der Anteil der Touchscreen-Digicams stetig. Auf ein Modell mit kapazitivem Display, dass sich so flüssig bedienen lässt, wie man es von aktuellen Top-Smartphones[14] gewohnt ist, muss der Kunde aber noch warten.
Selbst die digitalen Video- und Fotokameras kommen nicht um den 3D-Trend herum. Fujifilm zeigt seine zweite 3D-Kompaktkamera Real 3D W3. Panasonic hat einen Consumer-Camcorder mit 3D-Objektiv sowie eine 3D-Linse für seine Micro-Four-Thirds-Kamera-Serie angekündigt. Sonys aktuelle Modelle WX5, TX9, A55V, A33, NEX-3 und NEX-5 fangen allesamt mit einem einzigen Kameraschwenk ein 3D-Panoramabild ein.
Fazit
Knapp zwei Wochen nach dem Ende der IFA 2010 öffnet die Photokina in Köln ihre Pforten - Fotopuristen werden sich hier sicherlich eher in ihrem Element fühlen als auf der IFA. Wer sich jedoch für Unterhaltungselektronik aller Art begeistert, kommt an der IFA nicht vorbei. In ganz Europa ist die Berliner Messe die einzige Chance, sich auf einen Schlag einen kompletten Überblick über den aktuellen Stand der Technik zu verschaffen. Abgesehen von der CES in Las Vegas hat man selten die Gelegenheit, sich in allen Bereichen der Unterhaltungselektronik gleichzeitig umzusehen.
Ein interaktiver Geländeplan[15] mit Informationen zu den Hallen und Ausstellerbereichen der IFA steht auf der Homepage zur Messe bereit.
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