Facebook-Integration und HD-Videoconferencing im Messenger, Geotagging in der Fotogalerie sowie Remote-Zugriff aus dem Web - Windows Live Essentials 2011 bringt viele Neuerungen. Einige lassen aber noch zu wünschen übrig.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Trotz der noch für dieses Jahr geplanten Veröffentlichung hat auch die Beta 2 von Windows Live Essentials noch nicht alle für die Final geplanten Features. Microsoft-Direktor Dharmesh Mehta sagte, dass noch Funktionen hinzukommen sollen. Auch eine weitere Beta sei denkbar. In einigen Bereichen gibt es tatsächlich noch erheblichen Entwicklungsbedarf.
Zu Windows Live Essentials gehören die Programme Messenger, Mail, Fotogalerie, Movie Maker, Family Safety und Bing Bar. Zwar können alle Bestandteile einzeln installiert werden, die Software kommt aber mit einem gemeinsamen Installer. Die neueste Variante unterstützt nur noch Windows Vista und Windows 7. Nutzern des nach wie vor weit verbreiteten Windows XP bleibt das Upgrade verwehrt.
Seit gestern ist die Beta 2 von Windows Live Essentials 2011[1] erhältlich. Es handelt sich um die erste Vorabversion, die auch in deutscher Sprache angeboten wird. ZDNet hat getestet, was die Software bietet.
Windows Live Messenger
Der Windows Live Messenger ist das wohl am häufigsten genutzte Tool aus den Essentials. In der neuen Version hat Microsoft den Fokus erweitert: Die Software soll nicht mehr nur als Instant Messenger fungieren, sondern auch als Zentrale für Social Networking mit Facebook und MySpace. Neben der klassischen Ansicht, die eine Liste der IM-Freunde zeigt, gibt es daher eine erweiterte Ansicht, die den Facebook-Feed darstellt. Da die Einträge nebeneinander gelistet werden, fühlt man sich ein wenig an eine Zeitung erinnert. Man kann von Kontakten gepostete Fotos und Nachrichten kommentieren und auch eigenen Content hochladen. Zudem ist es möglich, über die Kontakteliste mit Facebook-Freunden zu chatten.
Die Facebook-Integration wird aber sicher nicht bei allen Nutzern gut ankommen, wirkt der Messenger dadurch doch ein wenig überfrachtet. Durch das Umstellen der Ansicht kommt man aber zur klassischen Messenger-Optik zurück.
Zu den weiteren Neuerungen gehören HD-Videoconferencing, die Organsation von Konversationsfenstern als Tabs sowie die Möglichkeit, anderen Anwendern Videonachrichten zu hinterlassen. Im neuen Messenger kann man zudem komfortabel gemeinsam Fotos und Videos ansehen: Ein im Nachrichtenfenster eingefügter Youtube-Link zeigt das Video direkt an.
Nach dem Vorbild von Tabbed Browsing organisiert Windows Live Messenger Unterhaltungen im selben Fenster. Der Screenshot zeigt, dass man sich auch mit Facebook-Kontakten unterhalten kann (Bild: Microsoft).
Wie Google Picasa und Apples iPhoto integriert jetzt auch die Fotogalerie eine Gesichtserkennung. Sie funktioniert sehr ordentlich und ermöglicht es, Fotos mit bestimmten Personen schnell aufzufinden. Bei allen Suchfunktionen reicht es, die Maus kurz über den Button zu bewegen, um eine Vorschau des Ergebnisses zu erhalten.
Die Funktion Foto Fuse soll dabei helfen, aus mehreren schlechten ein gutes Foto zu machen: So lassen sich beispielsweise auf einem Gruppenbild Personen markieren, die in verschiedene Richtungen schauen. Am Ende erhält man durch automatisches Kopieren am Ende ein Foto, auf dem alles passt.
Künftig entfernt die Fotogalerie auch Störungen wie Kratzer aus dem Bild. Die Kontrollmöglichkeiten sind jedoch stark eingeschränkt. Alle Änderungen können auf mehrere Fotos angewandt werden. Leider erlaubt es die Fotogalerie nach wie vor nicht, ein Fotoalbum zu erstellen, das heißt, Bilder aus verschiedenen Ordnern individuell zu kombinieren.
Erstmals bietet die Windows Live Fotogalerie die Möglichkeit, Fotos mit Geoinformationen zu versehen, falls diese durch die Kamera noch nicht vorhanden sind - ein im Prinzip sehr praktisches und bei der Konkurrenz geschätztes Feature. Leider ist die Umsetzung bislang miserabel: Die Zuordnung von Ortsinformationen ist nämlich nicht über einer Karte möglich, sondern nur durch Eingabe des Ortes, was im Hintergrund eine Datenbankabfrage auslöst. Präzise Angaben sind so nicht möglich, häufig wird der Ort auch nicht gefunden. Wünschenswert wäre eine Karte, auf der man mit einem Pin die Auswahl trifft. Derzeit können nur die Ortsinformationen eines einzelnen Fotos in einer Bing-Karte im Browser angezeigt werden. Eine Übersicht ist so nicht möglich. Es bleibt zu hoffen, dass Microsoft an diesem Feature noch deutlich Hand anlegt. Die aktuelle Version ist eher als Blamage einzustufen.

Windows Live Fotogalerie mit mangelhaftem Geotagging-Support: Bislang ist es nicht möglicht, den Ort über eine Karte zuzuweisen (Bild: Microsoft).
Das neue Live Mail unterstützt jetzt wie das HTML-basierte Hotmail-Interface Diskussionsstränge, was für mehr Übersichtlichkeit im Postfach sorgt. Nochmals erweitert hat Microsoft die Gestaltungsmöglichkeit von Foto-E-Mails. Die Designs sehen jetzt deutlich attraktiver aus.

Windows Live Mail organisiert E-Mails nach Diskussionsstrang und sorgt so für mehr Ordnung im Postfach (Bild: Microsoft).
Windows Live Sync
Windows Live Sync ermöglicht wie bisher die Synchronisation von Ordnern zwischen verschiedenen Rechnern und bietet dazu eine übersichtliche Oberfläche. In der neuen Version ist es erstmals möglich, Einstellungen von Office (Vorlagen, E-Mail-Signaturen) und Internet Explorer (Favoriten) zu synchronisieren.
Microsoft positioniert Windows Live Sync als Nachfolger von Live Mesh, das nicht mehr separat weitergeführt wird. Daher finden sich in der Software auch einige von Mesh bekannte Features: So kann man aus dem Internet über devices.live.com[2] oder von einem anderen Rechner künftig auf seinen PC zugreifen. Dazu reicht es, das jeweilige Rechner-Icon doppelzuklicken. Auch Drag and drop wird unterstützt.
Die Synchronisation mit Windows Live Skydrive, das 25 GByte kostenlosen Speicherplatz in der Cloud bietet, ist leider eine Mogelpackung: Microsoft stellt nämlich nur einen 2 GByte großen, vom Rest abgetrennten Bereich zur Verfügung. Wer auf einen nahtlosen Übergang zwischen Online und Offline hofft, wird enttäuscht.

Windows Live Sync synchronisiert neben Ordnern auch Einstellungen (Bild: ZDNet).
Windows Live Movie Maker und andere Anwendungen
Der Windows Live Movie Maker wurde bereits in der letzten Version auf das Ribbon umgestellt. Neu ist die Möglichkeit, aus einer Sammlung von Fotos und Videos per Knopfdruck einen Film erstellen zu lassen. Auch Effekte und Übergänge wurden erweitert.
Im Essentials-Paket sind auch die Kinderschutzsoftware Family Safety, die Bing-Browser-Toolbar und das Blogging-Tool Windows Live Writer enthalten. Die drei Anwendungen wurden bislang nicht getestet.
Ausblick
Microsoft hat die Windows Live Essentials einem umfangreichen Update unterzogen. Einige Features, etwa die Integration von Facebook, HD-Videoconferencing und der einfachere Bildertausch, sind zu begrüßen. In einigen Bereichen gibt es aber erhebliche Defizite: Insbesondere die Implementierung von Ribbon und Geotagging in der Fotogalerie kann nicht überzeugen. Auch der abgetrennte Online-Speicher in Windows Live Sync enttäuscht.
Noch sind die Windows Live Essentials aber noch nicht auf dem Markt. Microsoft sollte die Zeit bis zur Markteinführung nutzen, um die Schwachstellen zu beseitigen.
Download:
- Windows Live Essentials 2011 Beta 2[1]
[1] = http:/
[2] = http:/