Viele Nutzer stören sich am spiegelnden Screen ihres Notebooks. Und wer unterwegs ist, hat oft ungebetene Mitleser. Displayfolien können beide Ärgernisse beseitigen. ZDNet stellt Lösungen vor und gibt Tipps, wie man sie anbringt.
Das Thema Displayfolien wird oft belächelt. Aber wer auf dem Screen seines neuen Notebooks einen Kratzer entdeckt hat, bei Sonnenlicht vor lauter Reflexionen nichts mehr erkennt oder sich in Flugzeug oder Bahn darüber ärgert, dass der Sitznachbar ungeniert mitliest, sollte sich damit beschäftigen.
Displayfolien sind für die verschiedensten Einsatzbereiche erhältlich: Hardwareschutz, Entspiegelung und Sichtschutz. Es gibt allerdings keine Lösung, die alle drei Bereiche gleichzeitig abdeckt.
Entspiegelungsfolien
Fast alle Consumer-Notebooks haben mittlerweile spiegelnde Displays, um die Nachteile der meist eingesetzen, billigen TN-Panels bei Farbdarstellung und Kontrast auszugleichen. Störende Spiegelungen sind die Folge.
Wie deutlich sich dieser Effekt in der Praxis auswirkt, zeigt der Praxisvergleich[1] zwischen zwei Apple Macbook Pro - eines mit spiegelndem, eines mit mattem Display.
Abhilfe schaffen Entspiegelungsfolien. Sie werden auf das originale Display aufgebracht und bieten eine ein- bis zweifache Entspiegelung. Die Folie wird in der Regel vom Anwender selbst angeklebt und kann auch wieder entfernt werden.
Die bekannteste Entspiegelungsfolie und gleichzeitig Referenz in dieser Klasse ist die 3M Vikuiti ARMR200[2]. Sie hat einen Großteil der noch vor einem oder zwei Jahren am Markt befindlichen Folien für Notebooks verdrängt. Sie kostet abhängig von der Größe zwischen 15 Euro (6,5 Zoll) und 85 Euro (22 Zoll).

Der mehrschichtige Aufbau der 3M Vikuiti ARMR200 ermöglicht die Kombination verschiedener Funktionen (Bild: 3M).
Die aus mehreren Schichten aufgebaute, leicht montierbare und restlos entfernbare Folie schützt Displays - sogar resistive Touchscreens - vor Schmutz, Staub und Kratzern bis zur Bleistifthärte 2-3H. Die oberste Schicht ist dafür zuständig, dass die Folie öl- und wasserabweisend ist. Fingerabdrücke lassen sich mit einem einfachen Tuch abwischen und selbst wasserfeste Folienstifte hinterlassen keinen bleibenden Eindruck.
Gleichzeitig sorgt die 3M Vikuiti ARMR200 dank doppelter Entspiegelung für eine reflexionsfreie Darstellung. Die zweite Schicht streut einfallendes Licht und eliminiert den Großteil der Spiegelungen. Sie leistet bereits das, was bei anderen Folien die komplette Entspiegelung darstellte. Die verbleibenden Spiegeleffekte werden in den tiefer liegenden Schichten entfernt, die der Folie bei ausgeschaltetem Display auch ihre typische, leicht violette Färbung verleihen.
Der Aufbau der Vikuiti ARMR200 sorgt nicht nur für eine hervorragende Entspiegelung, sondern für eine klare und scharfe Darstellung. Laut 3M wird sogar eine leichte Verbesserung von Helligkeit, Kontrast und Ablesbarkeit erzielt. Auf jeden Fall verschlechtert sich der Bildeindruck gegenüber dem Zustand ohne Folie nicht. Bei anderen Folien, die lediglich eine Anti-Reflektionsschicht besitzen, sieht das Display in der Regel etwas dunkler als ohne Folie aus und hinterlässt einen leichten Eindruck von Unschärfe. Auch im Bereich der Blickschutzfolien dominiert 3M und steht mit seinem Vikuiti Blickschutzfilter[3] praktisch konkurrenzlos da. Eigentlich handelt es sich eher um ein dünne Kunststoffplatte, die nicht direkt aufs Display aufgeklebt wird, sondern bei Bedarf an sechs am Rahmen angebrachten Führungen eingesteckt wird. Beim Transport kann die dünne Scheibe herausgenommen werden.
Der Vikuiti Blickschutzfilter besteht aus zwei Platten, zwischen denen sich 18 Mikrometer große und auf ein Grad genau positionierte Mikrolamellen befinden. Pro Quadratzentimeter tummeln sich laut 3M bis zu 143 Stück dieser Lamellen. Sie stehen hochkant und sind mit der schmalen Längsseite zum Benutzer hin orientiert. Wer direkt vor dem Laptop sitzt oder über den Kopf des Nutzers schaut, kann ungehindert Einblick nehmen. Der Blickschutzfilter kostet zwischen 30 Euro (7 Zoll) und 160 Euro (30 Zoll).

Nur wer direkt vor einem Laptop mit eingeschobenem 3M Vikuiti Blickschutzfilter sitzt, kann die dargestellten Inhalte sauber erkennen. Wer daneben sitzt, sieht je nach Modell eine schwarze oder goldene Fläche (Foto: 3M).
Je weiter sich der Beobachtungspunkt vom zentralen Sichtzentrum entfernt, desto mehr Seitenflächen, die sich zunehmend überdecken, sieht man. Abhängig davon, ob die normale oder die Gold-Version des Vikuiti-Blickschutzfilters genutzt wird, sieht man bei seitlichem Einblick letztlich nur eine schwarze oder eben goldene Fläche. Bereits bei rund 30 Grad Abweichung zur Sichtachse ist sehr wenig zu erkennen, spätestens bei 60 Grad sieht man gar nichts mehr.
Ein perfektes Produkt ist aber auch der Vikuiti-Blickschutzfilter nicht. Durch die Mikrolamellen, die ja praktisch einem superdünnen Gitterwerk vor dem Auge des Betrachters entsprechen, wird die vom Anwender wahrgenommene Displayhelligkeit auf etwa die Hälfte reduziert, Kontraste und Farben saufen etwas ab. Da man den Filter aber jederzeit entfernen kann, ist das kein echtes Problem. Zudem wird man den Filter ohnehin nur dann nutzen, wenn man die Neugier anderer abblocken will - in dem Fall muss man eben Prioritäten setzen.Wer auf Entspiegelung keinen Wert legt oder über ein Notebook mit mattem Display verfügt, wird auf zwei andere 3M-Produkte aufmerksam: Als reine Schutzfolien bietet sich Vikuiti DQC160[4] an. Der Preis liegt abhängig von der Größe zwischen 15 Euro (6,5 Zoll) und 85 Euro (22 Zoll).
Die DQC160 verfügt über die gleiche Adhäsivschicht wie die ARMR200 zur Entspiegelung, kann also nach dem Aufbringen korrigiert und irgendwann rückstandslos entfernt werden. Sie bietet eine noch höhere Kratzfestigkeit (bis 5H) und ist noch schmutzabweisender als die ARMR200. Sie empfiehlt sich damit für alle jene Anwender, die ohne Rugged-Notebook unter harten Außenbedingungen arbeiten.
Auf dem Markt gibt es so genannte Sprühfolien, die per Spraydose aufgebracht werden, mit Seifenlauge abwaschbar sind und Schmutzfestigkeit sowie Entspiegelung bieten wollen. Von solchen Lösungen kann man nur abraten: In der Praxis ist der Kratzschutz gleich null und eine annähernd effektive Entspiegelung kaum festzustellen. Die Schmutzabweisung verbessert sich zwar, aber nur leicht. Man sollte lieber zur teureren Folie greifen, da man mehr davon hat.Die Montage einer Displayschutzfolie ist nicht wirklich kompliziert, man sollte aber auch bei optimalem Vorgehen nicht auf einer perfektes Ergebnis hoffen. Die wichtigste Voraussetzung ist passend konfektioniertes, bereits vom Hersteller zugeschnittenes Material.
Man sollte davon absehen, Schutzfolien selbst zuzuschneiden. Sie lassen sich nämlich selbst schwer schneiden und man bekommt nie wirklich gerade Kanten. Außerdem wölben sich die Kanten beim Aufbringen immer auf und liegen nicht glatt am Display an. Am besten kauft man Folien, die nicht nur für eine bestimmte Displaygröße, sondern für ein ganz bestimmtes Notebookmodell zugeschnitten wurden.
Wichtig ist außerdem die Reinigung der zu beklebenden Oberflächen. Sie müssen unbedingt staubfrei sein. Auch Wasser- und Ölflecken sowie andere Verunreinigungen gehören entfernt. Manche Folien, beispielsweise die Vikuiti ARMR200 und die Vikuiti DQC160, können nach dem Aufbringen korrigiert werden, andere wie die Vikuiti CV8 dagegen nicht. Entsprechend umsichtig sollte man dabei sein. Bei der CV8 sollen Luftbläschen nach 24 Stunden von allein verschwunden sein, bei der ARMR200 und der DQC160 sollte man sie im Idealfall ganz vermeiden oder direkt nach dem Aufbringen ausstreichen.
Das beste Ergebnis kommt zustande, wenn man die Folie bei einem Dienstleister wie TDComponents[5] unter Reinraumbedingungen aufbringen lässt. Denn dieses so genannte Laminieren erzielt dank Reinraumbedingungen, modernen Maschinen und spezialisierten Mitarbeitern ein Ergebnis, dass man in Eigenregie so nicht hinbekommt.
Aber aufgepasst: Da das Display zum Laminieren ausgebaut wird, kann die Herstellergarantie flöten gehen. Die Entspiegelung eines 15,6-Zöllers kostet 87,20 Euro, bestehend aus dem Aus- und Einbau des Screens (19,99 Euro), der Folie inklusive Aufbringen (50,55 Euro) und dem Versand (16,66 Euro). Für ein 17-Zoll-Notebook werden 93,77 Euro fällig.
Die Anbringung des Blickschutzfilters ist gegenüber der Folie einfacher: Man muss nur die Haltenippel am Displayrahmen aufkleben, dann die Filterplatte einschieben, fertig.Displayfolien sind eine praktische Sache. Sie können neugierige Nachbarn abschrecken, das Notebookdisplay vor Schaden schützen oder die Ablesbarkeit vor allem bei hellen Lichtquellen im Rücken enorm verbessern.
Eine Entspiegelungsfolie empfiehlt sich für alle Anwender, die viel im Freien unterwegs sind und über ein spiegelndes Display verfügen. Aber auch Büroarbeiter mit hellem Raumlicht profitieren davon. Eine Privacyfolie ist dagegen für Geschäftsleute sinnvoll, die mit ihrem Notebook viel Zeit im Zug oder an Flughäfen verbringen. Aber auch Privatanwender, die Nachbarn nicht in privaten E-Mails mitlesen lassen wollen, werden sich über einen Blickschutzfilter freuen.
Die Aufbringung einer Entspiegelungsfolie sollte man für ein perfektes Ergebnis dem Fachmann überlassen. Wer selbst klebt, klebt zwar günstig, aber eben nicht perfekt.
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