Aus Multifunktionsgeräten werden Alleskönner

(http://www.zdnet.de/magazin/41535239/aus-multifunktionsgeraeten-werden-alleskoenner.htm)

von Peter Marwan, 26. Juli 2010

Mit Touchscreen und Web-Anbindung wollen HP und Lexmark Multifunktionsgeräte für Privatanwender und kleine Büros attraktiver machen. ZDNet untersucht, was die Funktionen heute schon können und wohin die Reise geht.

Anbieter von Druckern und Multifunktionsgeräten haben es besonders im unteren Preissegment schwer. Das Geschäftsmodell, die Geräte günstig abzugeben, aber am Verbrauchsmaterial zu verdienen, hat Drucker in den Augen der Käufer völlig entwertet. Außerdem funktioniert es in vielen Bereichen nicht, kaufen doch bei weitem nicht alle Gerätebesitzer so regelmäßig und häufig Verbrauchsmaterial, wie bei der Preiskalkulation für das Gerät angenommen.

Versuche den Spieß umzudrehen, etwa von Kodak[1], indem der Gerätepreis deutlich erhöht dafür aber das Verbrauchsmaterial günstig abgegeben wird, sind bisher gescheitert[2]. Auch die Idee von Epson[3], einen teureren Drucker mit großer Tintenpatrone und Pfand anzubieten, das bei der Rückgabe erstattet wird, stieß beim Verbraucher auf wenig Gegenliebe[4].

Offenbar sind Drucker im Bewusstsein der Verbraucher so fest als Wegwerfprodukt verankert, dass sich diese Einstellung nicht ohne weiteres ändern lässt. Dazu mag auch beitragen, dass der eine oder andere Hersteller zur Sicherung seiner Marktanteile auch nicht davor zurückscheut, einzelne Typen unter Wert über die Lebensmittel-Discounter und andere Handelsketten zu verschleudern. Auch die Versuche mancher Hersteller in der jüngeren Vergangenheit, Drucker durch verbessertes Design aus ihrem Schattendasein neben dem Schreibtisch im Arbeitszimmer hervorzuholen, haben die Einstellung der Verbraucher nicht grundsätzlich geändert: Ein schickes Design nimmt man gerne mit - sofern es zum gewohnt günstigen Preis erhältlich ist.

Was können die Hersteller also tun, um Drucker wieder aufzuwerten? Hewlett-Packard und Lexmark versuchen es jetzt mit Touchscreens. Damit wandert eben wieder mal ein von großen Arbeitsgruppen- und Etagendruckern bekanntes Ausstattungsmerkmal in eine darunterliegende Produktkategorie - könnte man denken. Es ist aber etwas komplizierter, denn der Touchscreen soll nicht lediglich als Ersatz für die bisher genutzten Bedienelemente fungieren, er soll vielmehr Türöffner für ganze neue Einsatzszenarien sein und durch die (zumindest eingeschränkte) Web-Anbindung der Geräte ergänzt werden.

Die japanischen Mitbewerber sehen diese Entwicklung derzeit noch mit gelassener Distanz. Das liegt vielleicht auch an den sehr bescheidenen Verkaufszahlen der bisher verfügbaren Modelle der neuen Produktkategorie. Kommt das Konzept in der Zielgruppe der ambitionierten Privatanwender und der kleinen Firmen an, dürfte es technisch kein Problem sein, das bisherige Bedienfeld durch einen Touchscreen zu ersetzen. Schwieriger ist es schon, die Web-Anbindung sauber zu implementieren und sinnvoll zu nutzen. Aber dafür könnten sich die Japaner dann am Vorbild der amerikanischen Hersteller orientieren. ZDNet zeigt, was diese bisher vorgestellt haben, was sie noch planen, sowie für wen die neuen Möglichkeiten interessant sind.

Hewlett-Packard[5] experimentiert schon länger[6] mit Touchscreens an Druckern. Und die Idee des Druckens mit Webanbindung hat der Konzern bereits im vergangenen Jahr in die Tat umgesetzt. Erstes Produkt war der HP Photosmart Touchsmart Web[7].

Über ein WLAN-Modul kann das 4-in1-Multifunktionsgerät ohne PC-Anschluss eine Verbindung ins Web herstellen. Mit Hilfe eines 4,3 Zoll großen LCD-Touchscreen greifen Anwender auf Web-Applikationen zu, mit deren Hilfe sich entsprechend aufbereitete Dokumente drucken lassen. Voraussetzung zur Nutzung sind sogenannte, linuxbasierende "HP-Apps".

Mit den webfähigen TouchSmart-Modellen sucht Hewlett-Packard neue Verwendungsmöglichkeiten für Drucker (Bild: Hewlett-Packard).
Mit den webfähigen TouchSmart-Modellen sucht Hewlett-Packard neue Verwendungsmöglichkeiten für Drucker (Bild: Hewlett-Packard).

Zweiter Schritt waren Drucker mit eigener E-Mail-Adresse. Diese lassen sich derzeit an dem kleinen "e" in der Produktbezeichnung erkennen. Sie liefert HP mit einer ihnen zugewiesenen E-Mail-Adresse aus. Schickt man an diese von einem Smartphone, Tablet oder einem anderen mit dem Web verbundenen Gerät eine Nachricht, druckt sie das Gerät aus. Verkürzt gesagt sparen sich damit zumindest Privatkunden auch Probleme mit Druckertreibern - sofern sie die Mail-Adresse nicht vergessen.

In Deutschland ist der erste davon, der HP Photosmart Wireless e-All-in-One[8], bereits für 130 Euro lieferbar. Weitere folgen voraussichtlich im September. Andere Drucker mit Webanbindung[9], die es bereits vorher gab, waren mehr oder weniger Ausgabegeräte für den HP-eigenen Online-Fotodienst Snapfish[10]. Die Fähigkeiten der neuen Modelle gehen deutlich darüber hinaus.

Die Druckplattform HP ePrint

In den USA wurde das Angebot bereits ausgebaut. Unter dem Namen ePrint bietet HP inzwischen einen webbasierten Druckdienst. Dieser ermöglicht es Nutzern, jederzeit beliebige Dokumente per E-Mail von einem Smartphone, Tablet oder Laptop aus an einen internetfähigen Drucker weiterzuleiten und auszudrucken. Nach Unternehmensangaben werden dafür keine Treiber benötigt. Zur Verwaltung dient das HP ePrintCenter[11].

Für die Druckplattform hat HP vier internetfähige, mit Touchscreens ausgestattet Drucker angekündigt. Verfügbar ist davon auch einer, der HP Photosmart Premium TouchSmart Web All-in-One Printer[12]. Er kann laut Hersteller 33 Seiten pro Minute in schwarz und bis zu 32 Seiten in Farbe ausdrucken.

Attraktiv machen sollen ihn aber nicht nur die technischen Leistungsmerkmale, sondern vor allem die Druckplattform, die sich mit Apps erweitern lässt. Es gibt beispielsweise Anwendungen von Yahoo[13] und MSNBC.com[14] für den Zugriff auf Nachrichten, auf Malvorlagen für Kinder von Crayola[15] und KoL.com[16] sowie eine Anbindung zu Googles Bilderdienst Picasa[17]. Weitere Partner sind Facebook[18] und MapQuest[19].

Video: HP Photosmart Premium TochSmart Web im Kurztest

Und - möglicherweise um die Kosten zu senken - hat HP auch schon ein Pilotversuch mit Yahoo[20] durchgeführt: Dabei wurde lokalisierte und personalisierte Werbung auf den Touchscreen des Druckers übermittelt. Wie HP an den darüber erzielten Werbeeinnahmen beteiligt werden könnte, wollten die beiden Unternehmen nicht preisgeben. Alleine auf ein erhöhtes Druckaufkommen zu spekulieren, lohnt sich aber wohl nicht.

Anwendungen für Geschäftskunden geplant

HP hat aber auch Anwendungen für Geschäftskunden geplant, beispielsweise um Dokumente zu scannen und ohne PC auf Google Docs[21] zu veröffentlichen. HP hofft, dass bis zum Jahresende mehrere Hundert Applikationen zur Verfügung stehen. Zudem soll das Paradigma "Print anywhere" auf weitere Geräte aus der Photosmart-Reihe, aber auch auf solche aus der Officejet- sowie der Laserjet-Serie ausgeweitet werden. Was genau die geplante Ausstattung einiger HP-Drucker mit dem von Palm übernommenen Betriebssystem WebOS[22] bringen soll, ist noch unklar. Unterm Strich erweitert HP damit jedoch sicherlich die Funktionsvielfalt.

Lexmark[23] hat im September 2009 All-In-One-Geräte mit Internet-Schnittstelle und Touchscreen-Bedienpanel vorgestellt. Sie richten sich an mittelständische Unternehmen, kleine und mittlere Arbeitsgruppen sowie Nutzer im Home Office. Ergänzend zu den Tintenstrahlern bietet Lexmark als "SmartSolutions" vermarktete kostenlose Zusatzsoftware an, mit der sich die Drucker an unterschiedliche Einsatzzwecke anpassen lassen.

Mit der Internet-Schnittstelle hat Lexmark zunächst die Geräte "Platinum[24]", "Prestige[25]" und "Interact[26]" ausgestattet. Sie unterstützen WLAN (802.11n, b und g) und schaffen beim Schwarzweiß-Druck laut Hersteller im Entwurfsmodus bis zu 33 Seiten pro Minute, beim Farbdruck höchstens 30. Im Normalmodus sind 18 beziehungsweise 11 Seiten das Maximum. Kopiert werden bis zu 25 Seiten pro Minute in Schwarzweiß und 21 in Farbe. Die Auflösung beim Schwarzweißdruck liegt bei 2400 mal 1200 dpi, beim Farbdruck erreicht sie bis zu 4800 mal 1200 dpi.

Der
Der "Platinum" gehört zu den Profi-Geräten unter webfähigen Lexmark-Druckern (Bild: Lexmark).

Im Mai 2010 kam das Multifunktionsgerät Pinnacle[27] hinzu. Es druckt im Normalmodus laut Hersteller 16 Schwarzweiß- und 10 Farbseiten und kostet 299 Euro. Für das 4-in-1-Modell "Platinum" verlangt der Hersteller 399 Euro, das 3-in-1-Gerät "Prestige" liegt bei 319 Euro. Der UVP für das Home-Office-Geräte "Interact" beträgt 219 Euro.

Die "SmartSolutions[28]" können Besitzer der neuen Drucker nach einer Registrierung kostenfrei von einer Lexmark-Website herunterladen. Die Programme bieten vor allem Funktionen zur Optimierung von Dokumenten-Workflows. Externe Entwickler haben zudem die Möglichkeit, kundenspezifische Anwendungen zu schreiben. Sofern ein PC und ein Router angeschlossen sind lassen sich RSS-Feeds direkt auf den Drucker liefern und dort entweder automatisch oder nach manueller Auswahl ausdrucken. Wie mit dem PC zu browsen ist allerdings nicht möglich - aber auch gar nicht beabsichtigt.

Brant Nystrom, leitender Entwickler für die Tintenstrahltechnologie bei Lexmark, kennt natürlich die HP-Drucker. Als Vorbild für die eigene Entwicklung sieht er sie jedoch nicht. Bei Lexmark liege der Fokus für die mittels Touchscreen zu bedienenden Anwendungen ganz klar auf Anforderungen von Unternehmen, an Malvorlagen denke man nicht. Ziel sei es vielmehr, regelmäßig wiederkehrende Aufgaben zu vereinfachen und statt mit zahlreichen Handgriffen mit einer Berührung zu erledigen - sozusagen Makros für Multifunktionsgeräte.

Ein wichtiger Aspekt dabei ist es, Arbeitsschritte ohne angeschlossenen PC durchführen zu können. Das sei besonders für Arbeitsplätze interessant, an denen ein Rechner bisher lediglich als teure Bedienkonsole für den Drucker benutzt wurde, wie dies etwa im Service- und Logistikbereich oder bestimmten Verwaltungsarbeitsplätzen vielfach der Fall sei.

Video: Lexmark Interact S605 im Kurztest

Neben Scan-to-Email und Scan-to-Folder lassen sich beispielsweise mit der vorinstallierten Funktion "Ausweiskopie" Dokumente mit Vorder- und Rückseite ohne weitere Einstellungen auf eine Papierseite kopieren. Dazu scannt der Drucker erst die Vorderseite des Ausweises, wartet bis die Vorlage gedreht wurde und kopiert im Anschluss Vorder- und Rückseite auf dieselbe Seite des Papiers. Und auch bei Lexmark lassen sich über das SmartSolutions Center RSS-Feeds abonnieren, die dann direkt aus dem Internet ohne PC auf dem Touchscreen erscheinen.

Eine weitere Anwendungsmöglichkeit hat Lexmark erst kürzlich vorgestellt[29]. Durch eine Kooperation mit dem Online-Reiseorganisator TripIt[30] können Geschäftsreisende ihre Reisepläne ohne PC ausdrucken - vorausgesetzt, die Applikation auf dem Touchscreen des Druckers ist mit einem TripIt-Account verbunden.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.channelpartner.de/unternehmenundmaerkte/283174/index2.html
[2] = http://www.druckerchannel.de/artikel.php?ID=2797&seite=1&t=kodak_schummelt_dreifach_update
[3] = http://www.zdnet.de/it_business_technik_50_euro_pfand_wie_umweltfreundlich_ist_epsons_neuer_drucker_story-11000009-39195656-3.htm
[4] = http://www.channelpartner.de/index.cfm?pid=55&pk=279772&p=1
[5] = http://www.hp.com/de
[6] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_investition_hardware_hp_stellt_kompakten_fotodrucker_mit_touchscreen_vor_story-39001021-39157554-1.htm
[7] = http://www.hp.com/hpinfo/newsroom/press/2009/090622a.html
[8] = http://h10010.www1.hp.com/wwpc/de/de/ho/WF05a/18972-18972-238444-410635-410635-4022328.html
[9] = http://h10010.www1.hp.com/wwpc/de/de/ho/WF05a/18972-18972-238444-410635-410635-3984414.html
[10] = http://www.snapfish.de/
[11] = http://h30495.www3.hp.com/printers/
[12] = http://h10010.www1.hp.com/wwpc/us/en/sm/WF05a/18972-18972-238444-421635-410635-3984415.html
[13] = http://www.yahoo.de
[14] = http://www.MSNBC.com
[15] = http://www.crayola.com
[16] = http://www.KoL.com
[17] = http://picasaweb.google.de
[18] = http://www.Facebook.com
[19] = http://www.mapquest.de
[20] = http://news.cnet.com/8301-17938_105-20008076-1.html
[21] = www.google.com/google-d-s/intl/de/tour1.html
[22] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_investition_hardware_hewlett_packard_will_webos_auch_fuer_drucker_nutzen_story-39001021-41532175-1.htm
[23] = http://www.lexmark.de
[24] = http://www.lexmark.de/lexmark/product/home/340/0,6970,1879_653293766_1378769236_de,00.html
[25] = http://www.lexmark.de/lexmark/product/home/586/0,6970,1879_653293766_1356706378_de,00.html
[26] = http://www.lexmark.de/lexmark/product/home/780/0,6970,1879_653293766_1356710668_de,00.html
[27] = http://www.lexmark.de/lexmark/product/home/694/0,6970,1879_653293766_1463766710_de,00.html
[28] = https://smartsolutions.lexmark.com/
[29] = http://www.lexmark.de/lexmark/pressrelease/home/0,6930,1879_653271419_1476239832_de,00.html
[30] = http://www.tripit.com