Halten Stromspar-Adapter, was sie versprechen? Und wie einfach sind sie zu installieren und zu bedienen? ZDNet hat ein Set für kleine Büros und Privathaushalte von Plugwise getestet und sagt, ob sich die Anschaffung bezahlt macht.
Eine Durchschnittsfamilie mit zwei Kindern verbraucht jährlich etwa 4000 Kilowattstunden (kWh) Strom. Dies belastet das Haushaltsbudget bei einem Preis von 20 Cent pro kWh mit rund 800 Euro. Eine Menge Geld, die sich durch den jährlichen Wechsel des Stromanbieters drücken lässt, weil man auf diese Weise stets einen Neukundenbonus in der Größenordnung von rund 100 Euro kassiert.
Doch die Wechselformalitäten sind mitunter mühsam und damit nicht jedermanns Sache - schon gar nicht im Business-Alltag. Wäre es da nicht charmanter, einfach Strom und damit Geld einzusparen? Genau das verspricht die niederländische Firma Plugwise[1] für ihre intelligenten Steckdosenadapter. Sie messen den Stromverbrauch der elektrischen Geräte kontinuierlich und lassen sich drahtlos vom PC fernsteuern.
So spürt man schnell Energieverschwender auf und kann sie per Mausklick gezielt ausschalten. Zudem lässt sich für jedes Gerät ein individueller Schaltplan erstellen. So bleiben beispielsweise Fernseher, Stereoanlage und Festplattenrecorder gezielt nur zwischen 18 und 24 Uhr betriebsbereit. Die übrige Zeit ist alles ausgeschaltet - und zwar richtig, und nicht etwa im so genannten Standby-Modus. Größeren Firmen bietet Plugwise[2] weitergehende Beratung und individualiserbare Lösungen an.
Einsparpotenzial im Büro deutlich größer als zuhause
Auf mindestens 11 Prozent schätzt die Deutsche Energieagentur (DENA[3]) die Standby-Verluste bezogen auf den gesamten privaten Stromverbrauch. Das macht bei 800 Euro Stromkosten rund 90 Euro, die sich jährlich einsparen lassen, so das halbstaatliche Institut.
Noch deutlich größer dürfte das Einsparpotenzial selbst in kleinen Büros sein. Denn hier ist es vielfach verbreitete Praxis, elektrische Geräte Tag und Nacht laufen zu lassen. Gründe dafür gibt es genug: Zum einen ist es eben bequemer, wenn man nicht allabendlich Drucker, PCs, Bildschirme, Kopierer, Kaffeemaschine, Radio und ähnliches einzeln abschalten muss. Zum anderen ist es vielen Angestellten schlicht egal, ob die Geräte nachts weiterlaufen oder nicht – schließlich ist es ja nicht ihr Geld.
Wer morgens keine Lust hat, zehn Minuten zu warten, bis der eigene Rechner im nur mittelmäßig konfigurierten Firmennetzwerk angemeldet ist, lässt seinen Arbeits-PC permanent laufen. In einem solchen Fall beträgt das Einsparpotenzial bei einer täglichen Arbeitszeit von acht Stunden fast zwei Drittel. Oder in harte Währung umgerechnet mehr als 50 Cent am Tag, legt man einen Durchschnittsverbrauch von 180 Watt für PC und Monitor sowie 15 Stunden "Leerlaufzeit" zugrunde. Alleine auf die jährlichen Arbeitstage hochgerechnet kostet diese Bequemlichkeit weit über 100 Euro pro Jahr - vorausgesetzt der Angestellte bequemt sich zumindest Freitagnachmittag, für das Wochenende alles abzuschalten.
Deutlich einfacher soll sich die Einsparung mit den "klugen Steckdosen" von Plugwise realisieren lassen. Um zu überprüfen, ob das in der Praxis funktioniert, wurde das Paket "Home Basic" für rund 370 Euro inklusive Mehrwertsteuer einem mehrwöchigen Test unterzogen. Dieses Paket besteht aus neun Steckdosenadaptern, einem USB-Funk-Stick zur Steuerung der Adapter sowie der zugehörigen Software.
Die insgesamt zehn Hardware-Teile kommunizieren über ein drahtloses ZigBee[5]-Netzwerk. Der Hersteller gibt dafür einen Einsatzradius zwischen fünf und zehn Metern an. In diesem Bereich lassen sich die Adapter dann vom PC über den Funk-Stick nicht nur gezielt steuern, umgekehrt melden sie auch permanent den Stromverbrauch des jeweils angeschlossenen Gerätes an die Software zurück.
Das alles funktionierte einwandfrei, insbesondere gab es auch bei Entfernungen von deutlich mehr als zehn Metern sowie zwischen zahlreichen Wänden keinerlei Kommunikationsprobleme – während WLAN im gleichen Bereich kaum noch zu gebrauchen ist. Positiv ist zudem zu vermerken, dass der PC mit dem installierten Auswerte- und Steuerprogramm keineswegs die gesamte Zeit laufen muss. Vielmehr merken sich die Stromspar-Adapter ihre Verbrauchswerte und senden sie später an die Software.
Software bietet eine gute Übersicht
Die installierte Software von Plugwise bietet eine ausführliche grafische Übersicht, wahlweise zu jedem Gerät, zu jedem Raum oder jeder Gerätegruppe, beispielsweise "PCs" oder "Beleuchtung". Auf diese Weise sehen auch Nicht-Techniker nach ein oder zwei Wochen Betrieb sofort, wo die tatsächlichen Stromfresser stecken.
Neben dem manuellen Ein- und Ausschalten lässt sich jeder Adapter mit einem individuellen Schaltplan für jeden Wochentag versehen. Beim Fernseher im Wohnzimmer wäre es natürlich unerfreulich, wenn sich plötzlich um Mitternacht alles abschaltet, während man ausnahmsweise einen Spätfilm zu Ende sehen möchte. Hier hilft die Einstellung "Standby-Killer". Diese Option sorgt dafür, dass jeder Adapter mit einem individuell definierbaren Grenzstrom einstellbar ist, unter dem er sich nach kurzer Zeit völlig abschaltet. Hat man diesen Modus im Geräteschaltplan gewählt und möchte im Beispielfall noch nach 24 Uhr weiter fernsehen, kann man das TV-Gerät nach der Sendung per Fernbedienung auf Standby schalten. Plugwise sorgt nach weiteren 15 Minuten automatisch für die vollständige und energiesparende Stromunterbrechung.
Einsatzszenarien und Amortisierungszeitraum
Angesichts der Vielzahl von Elektrogeräten daheim und im Büro erscheinen neun Adapter auf den ersten Blick nicht allzu üppig bemessen. Andererseits lassen sich mehrere zusammenhängende Geräte über einen Mehrfachstecker mit einem Adapter steuern: in der Büroküche Kaffeeautomat und Radio, daheim im Wohnzimmer Fernseher, Stereoanlage, Festplattenrecorder und Multimedia-Center. So kommt man mit dem Set Home Basic für 370 Euro doch vergleichsweise weit. Zudem kann man es für jeweils 36,50 Euro um einen zusätzlichen Adapter erweitern.
Wie groß das individuelle Einsparpotenzial tatsächlich ist, hängt von vielen Faktoren ab. Wer seine Mitarbeiter dazu bewegen kann, sämtliche Bürogeräte ohnehin immer manuell abzuschalten, kann sich die Ausgabe sparen. Der Hersteller selbst nennt als Zeitraum für die Amortisierung zwei bis fünf Jahre. Das entspricht bei einem Anschaffungspreis von 370 Euro für das Set ziemlich genau unseren Berechnungen: 90 Euro jährlich im Familienhaushalt, im Büro unter Umständen sogar deutlich mehr. Nicht zu unterschlagen ist dabei auch der Eigenstromverbrauch des Sets von rund 8 W. Das macht aufs Jahr hochgerechnet immerhin 70 kWh oder 14 Euro.
Also alles bestens? Nein, mitnichten. Denn erst bei der Installation der Software und damit erst nach dem Kauf realisiert der Käufer, welche Rechte er dem Hersteller einräumen muss. Wenn überhaupt – denn die Option "Meine Nutzungsdaten dürfen gesendet werden" ist völlig unauffällig und zudem in der Voreinstellung bereits aktiviert. Hier hat man schnell auf "Weiter" geklickt, ohne die Dimension seines Handelns überhaupt erfasst zu haben.
Zwar versichert Plugwise, dass die gesammelten Daten nur anonym ausgewertet und für die technische Weiterentwicklung verwendet werden, was aber tatsächlich mit diesen Daten passiert, ist nicht zu überblicken. So schreibt der Hersteller selbst: "Alle technischen Daten werden anonymisiert auf dem Server gehostet, welcher von einem unabhängigen Dritten professionell verwaltet wird."
Diejenigen, die die Information zum Datensammeln überhaupt zur Kenntnis nehmen und nicht damit einverstanden sind, erhalten folgenden Hinweis: "Durch Deaktivieren des anonymisierten Uploads sind Sie nicht in Übereinstimmung mit der Lizenzvereinbarung. Sie werden keine Updates und keinen Support von Plugwise erhalten…."
Die bayerische Verbraucherzentrale[6] ist "kritisch", ob dies mit deutschem Recht übereinstimmt. Auch bei Plugwise Deutschland ist man sich der rechtlichen Probleme bewusst. Nachgebessert werden soll in Kürze zumindest an einer Stelle. So soll für die Software, die integraler Bestandteil des Systems ist, eine deutsche Bedienungsanleitung verfügbar sein. Fehlt die wie bisher, gilt dies nach deutschem Recht als Produktmangel, der den Käufer zur Wandlung des Geschäfts berechtigt: Er kann das Set also zurückgeben, wenn er möchte.
So hinterlässt das Stromsparpaket von Plugwise einen zwiespältigen Eindruck. Auf der einen Seite funktioniert das System äußerst zuverlässig und präzise. Zudem lässt es sich selbst von technisch wenig versierten Menschen einfach aufsetzen. Zu den kleinen Schwächen zählen manche nicht gelungene Übersetzung genauso wie die Beschränkung auf Windows-PCs. Denn auf dem Mac oder unter Linux läuft die Software von Plugwise nicht.
Auf der anderen Seite darf in Zeiten, in denen Verbraucher sensibel auf die Sammelwut von Google und Facebook reagieren, kein Unternehmen Daten von seinen Kunden erheben, ohne diese ausreichend darüber zu informieren. Das macht Plugwise aber nicht einmal ansatzweise. Wen das nicht stört, der bekommt ein Gesamtpaket, welches auf sehr einfache Art und Weise beim Stromsparen zuhause und im Büro hilft.
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