Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels hat die in seinem Auftrag von TNS Infratest gezogene Zwischenbilanz des Jahres 2010 vorgestellt. Ergebnis: Der Branche geht es gut. Und die im vergangenen Herbst insolvent gegangene Branchengröße Quelle vermisst niemand.
2010 geben die Deutschen voraussichtlich 24,3 Milliarden Euro im Internet aus, zwölf Prozent mehr als 2009. Diese Zahlen hat das Forschungsinstitut TNS Infratest im Auftrag des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels (BVH[1]) im Rahmen einer repräsentativen Verbraucherstudie ermittelt.
Von den 24,3 Milliarden Euro entfallen 17,8 Milliarden auf den Handel mit Waren (plus 15 Prozent). 6,5 Milliarden Euro werden durch digitale Dienstleistungen wie Downloads und Online-Reisebuchungen erwirtschaftet. "Die Prognose zeigt eindrücklich, dass sich weder die Finanz- oder Wirtschaftskrise noch die Insolvenz des Versandhauses Quelle negativ auf die Gesamtbranche ausgewirkt haben", sagte BVH-Präsident Thomas Lipke anlässlich der Vorstellung der Studienergebnisse.
Das Web bringt den Löwenanteil des Warenumsatzes in die Kassen der Versender. Es ist inzwischen auch der mit Abstand beliebteste Bestellweg: Voraussichtlich 71 Prozent aller Versandhandelskunden werden 2010 die gewünschten Waren online einkaufen. Das sind zehn Prozent mehr als 2009. Das Internet baut damit seinen Vorsprung als meist genutzter Bestellweg zum Telefon (19 Prozent), Brief beziehungsweise Postkarte (5 Prozent) sowie E-Mail (3 Prozent) weiter aus.
Das meiste Geld geben die Kunden der Versandhändler für Bekleidung, Textilien und Schuhe aus. Der für diese Warengruppe für 2010 prognostizierte Umsatz beträgt 13,4 Milliarden Euro. Davon entfallen voraussichtlich 5,2 Milliarden auf den Online-Handel. Auch bei Medien, Bild- und Tonträgern liegen die Ausgaben der Verbraucher im ersten Halbjahr 2010 leicht über denen im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bei Büchern nehmen Online-Bestellungen besonders stark zu.
Der BVH erwartet, dass der E-Commerce durch neue Technologien weiter gestärkt wird. Mit der raschen Ausbreitung von Smartphones werde das mobile Internet und damit auch Mobile Commerce zur Alltagsanwendung. Einige Versender testeten zudem Social-Media-Kanäle wie Facebook, StudiVZ oder Twitter bereits auf ihre Tauglichkeit als Vertriebskanal.
Zudem tragen neue Einkaufsformen im Internet nach Ansicht des Verbandes bald dazu bei, die Popularität des Einkaufs im Web zu erhöhen. Dazu zählt der Verband Online-Shopping-Clubs oder sogenannte "Grouponing[2]"-Plattformen. Bei letzteren wird pro Stadt täglich ein Angebot vorgestellt. Es ist allerdings erst gültig, wenn eine zuvor festgelegte Käuferzahl erreicht und dem teilnehmenden Unternehmen dadurch ein bestimmter Absatz sicher ist. Tritt dieser Fall ein, erhalten Käufer einen Gutschein zugesandt, den sie beim Händler vor Ort oder Online einlösen.
Ein oft genannter Vorteil des Online-Handels ist die Möglichkeit, Kunden in aller Welt zu erreichen. Aber für fast die Hälfte der im Rahmen des Projekts E-Commerce-Leitfaden[4] durch IBI Research[5] befragten Händler sind Kunden aus ihrer Region immer noch sehr wichtig.
Etwa die Hälfte der für diese Studie befragten Händler betreibt neben einem Webshop auch ein Ladengeschäft. Zwei Drittel davon bieten regionalen Kunden an, bestellte Waren versandkostenfrei im Laden abzuholen. Jeder zweite ermöglicht den Umtausch bestellter Waren im Ladengeschäft.
Interessant ist, dass selbst ein Drittel der Händler ohne Ladengeschäft besonderen Wert auf Kunden aus der Region legt. Sie locken regionale Kunden zum Beispiel durch Verzicht auf Versandkosten in einem bestimmten Umkreis, durch besondere Vergünstigungen oder Probierpakete, Installationsservice, Abholung ab Lager oder ähnliche Leistungen.
Für die Kunden bietet die Kombination aus Online-Shop und Laden den Vorteil, dass sie sich vor dem Online-Kauf im Laden oder erst im Laden beraten lassen und später Online kaufen können. Wie die Ergebnisse der Umfrage zeigen, werden beide Möglichkeiten genutzt. Im Durchschnitt informieren sich jedoch mehr Kunden vorab Online und kaufen dann im Laden als umgekehrt.
Aufschlussreich ist auch eine aktuelle Umfrage unter Surfern von Fittkau&Maass[6]. Deren Fazit: Die Bedeutung von Suchmaschinen für den Kaufvorbereitungsprozess ist groß, aber nicht so übermächtig wie allgemein angenommen. In seiner aktuellen W3B-Studie stellte Fittkau&Maass deutschen Internet-Shoppern die Frage, wo sie bei ihrem letzten Einkauf mit der Online-Suche nach passenden Produkten begonnen haben. 43 Prozent davon steuerten ohne Umwege den Webshop an, in dem sie letztlich auch gekauft haben. Die Übrigen haben zunächst in Suchmaschinen recherchiert (28 Prozent), Preisvergleichsseiten (7 Prozent) oder Hersteller- beziehungsweise Marken-Websites (4 Prozent) abgefragt.

Laut der aktuellen W3B-Umfarge von Fittkau&Maass wird die Bedeutung von Suchmaschinen und Preisvergleichsseiten für Webshops überschätzt. Der Großteil wendet sich inzwischen direkt an den Online-Shop seines Vertrauens (Grafik: Fittkau&Maass).
Bedeutung regionaler Kunden nimmt noch zu
Die meisten Händler erwarten, dass die Bedeutung des Geschäfts mit regionalen Kunden insgesamt weiter zunimmt. Nur sechs Prozent sind anderer Ansicht. Dementsprechend richten die Händler auch ihr Marketing aus. Als wichtigste Werbemöglichkeit zur Gewinnung von Kunden aus der Region nannten jeweils etwa ein Drittel Hinweise im Ladengeschäft und regionale Zeitungen. Etwa ein Viertel wirbt auf regionalen Online-Portalen, ein weiteres Viertel engagiert sich bei Veranstaltungen in der Region.
Bei 35 Prozent der von IBI Research befragten Händler sind die Umsätze im Online-Shop deutlich höher als im Ladengeschäft. Für 43 Prozent ist das Ladengeschäft das Hauptstandbein. 11 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, dass die Umsätze sowohl Online als auch im Laden gleich sind.

Händler, deren Kunden fast ausschließlichaus der Region stammen oder für die das Geschäft mit regionalen Kunden sehr wichtig ist, nutzen überwiegend noch traditionelle Werbeformen, um auf ihr Angebot aufmerksam zu machen (Grafik: IBI Research, E-Commerce-Leitfaden).
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