Immer mehr Innovationen sickern nicht aus den Unternehmen in die Haushalte, sondern gehen den umgekehrten Weg. Eine Studie im Auftrag von Unisys hat jetzt untersucht, wie weit der Prozess fortgeschritten ist, und wie Firmen darauf reagieren.
Die sogenannten "Millennials[1]" - also Menschen der Jahrgänge 1977 bis 1994, die heute zwischen 15 und 33 Jahre alt sind -, charakterisiert, dass sie mit Internet und mobilen Endgeräten aufgewachsen sind. Und sie sind vor kurzem in die Berufswelt eingetreten, beziehungsweise werden es in absehbarer Zeit tun.
Diese Gruppe hat einen hohen Anspruch an Technologie[2]: Für 65 Prozent der Schüler und Studenten sowie 67 Prozent der bereits Berufstätigen ist bei der Wahl ihres Arbeitgeber entscheidend, ob er seinen Mitarbeitern "neueste Technologie und State-of-the-art-Equipment" zur Verfügung stellt, so ein Ergebnis einer 2009 durchgeführten Untersuchung von Accenture[3] zu dem Thema.
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| Die sogenannten Millennials nutzen die IT-Einrichtungen an ihrem Arbeitsplatz (gelber Balken), die sie wollen - ob diese von der IT-Abteilung unterstützt werden (grauer Balken), ist ihnen dabei oft gleichgültig (Bild: Accenture). |
Auch ihre Kommunikationsgewohnheiten wollen die 570 befragten Millennials der repräsentativen Umfrage im Arbeitsleben nicht ändern: Sie erwarten als Mitarbeiter, Kunden oder Geschäftspartner webbasierte Echtzeit-Interaktion und die Nutzung der neuen Plattformen für internetgestützte Zusammenarbeit. In ihrem Privatleben ist E-Mail längst obsolet. Sie kommunizieren über Instant Messaging und Social Networks.
Soweit die Vorstellungen und Wünsche der neuen oder künftigen Mitarbeiter. Wie aber sieht die Wirklichkeit in den Unternehmen aus? Inwieweit lassen diese sich auf das Abenteuer ein oder müssen sie neue Technologien weitgehend unterdrücken[4], um ihre IT-Landschaft überhaupt beherrschbar zu halten und das Ausspähen der Mitarbeiter[5] einzugrenzen? Diesen und anderen Fragen ging jetzt eine großangelegte, von Unisys[6] bei IDC[7] in Auftrag gegebene Studie[8] nach.
Im Rahmen der Studie wurden fast 1000 sogenannte iWorker, also Endanwender, die IT häufig nutzen, sowie gut 200 CIOs und IT-Leiter aus Großbritannien, Deutschland, Belgien und den Niederlanden befragt. 95 Prozent gaben an, dass sie mindestens ein selbst angeschafftes Endgerät auch beruflich nutzen.
In Deutschland nutzen 31 Prozent der befragten iWorker Smartphones für die Arbeit. Nur 14 Prozent der befragten Arbeitgeber glauben jedoch, dass dies getan wird. In den Niederlanden setzen 27 Prozent der Befragten private Smartphones auch geschäftlich ein, 18 Prozent Netbooks und Tablet-PCs. Diese Zahlen liegen deutlich höher, als die Arbeitgeber und IT-Abteilungen annehmen: Jeweils nur 9 beziehungsweise 4 Prozent wissen, dass ihre Mitarbeiter diese Technologien nutzen.
Social-Media-Plattformen am Arbeitsplatz
Mit ihrer Einschätzung der Nutzung von Social-Media-Plattformen am Arbeitsplatz durch die Mitarbeiter liegen die Verantwortlichen ebenfalls falsch – aber mit anderen Vorzeichen. In Deutschland sagen 54 Prozent des IT-Managements, dass die Angestellten während der Arbeitszeit privat soziale Netzwerke nutzen. Glaubt man den Arbeitnehmern, sind es jedoch nur 37 Prozent.
Die Studie zeigt dennoch deutlich, dass aus dem Konsumentenumfeld stammende IT am Arbeitsplatz schneller Einzug hält, als die meisten erwartet haben. Unisys ist der Ansicht, dass Unternehmen es sich nicht erlauben können, diesen Trend zu ignorieren. Und mit strikten Vorschriften dagegen anzugehen, werde nicht ausreichen, um ihn aufzuhalten. "Stattdessen sollten Unternehmen versuchen zu gewährleisten, dass ihre Arbeitnehmer Zugriff auf die Daten bekommen, die sie brauchen, ohne dabei ein Sicherheitsrisiko eingehen zu müssen."
"Die Konsumerisierung des IT Arbeitsplatzes in den Unternehmen wird heute nicht vom Management getrieben. Vielmehr sind es die Arbeitnehmer, die technische Innovationen Zuhause privat nutzen und daher auch beruflich nutzen möchten, um dadurch effizienter arbeiten zu können. Diese positive innovative Energie der Mitarbeiter wird heute noch viel zu wenig in den Unternehmungen genutzt", sagt Karl Anzböck, Vice President und General Manager Central Europe bei Unisys.
Unternehmen in Deutschland hätten noch ein ganzes Stück Weg vor sich, um ihre Mitarbeiter im Bezug auf technische Innovationen einzuholen. Aus diesem Potenzial sollten Unternehmen versuchen, einen Vorteil zu ziehen, indem sie schnell und beherzt geeignete Richtlinien definieren, Support aufbauen und ausreichend Sicherheit sowohl für die Daten des Unternehmens als auch der einzelnen Mitarbeiter gewährleisten.
Die Unisys-Umfrage zeigt außerdem, dass Unternehmen neue Modelle für den Einkauf von IT in ihren Unternehmen zumindest ausprobieren. Beispielsweise gaben 40 Prozent der deutschen IT-Leiter an, Rabatte und Vergütungen zu bieten, wenn Mitarbeiter eigene IT für den Arbeitsplatz anschaffen. 43 Prozent erstatten Mitarbeitern ihre Einkäufe und decken zudem unternehmensbezogene Nutzungskosten.
Durch die geschäftliche Nutzung von Consumer-Endgeräten und -Anwendungen können viele Unternehmen Anwender aber bei technischen und bei Sicherheitsfragen nicht mehr ausreichend unterstützen. Die befragten iWorker bewerteten ihre Unternehmen beim Support von Consumer-Technologien schlecht. IT-Leiter sind sich dessen im Wesentlichen bewusst, sie schätzen ihn nur geringfügig besser ein.
Neue Aufgaben für den Helpdesk
Unisys-Manager Karl Anzböck stellt bereits eine Reaktion auf diesen Sachverhalt fest. Schließlich wenden sich die Mitarbeiter auch mit den Problemen ihrer privat angeschafften aber beruflich genutzten Geräte an den Helpdesk der Firmen – der dadurch häufig überfordert sei. Dadurch wandele sich der gesamte Bereich der Enduser-Services, in dem auch Unisys aktiv ist. Anzböck erwartet, das vor allem Konzerne diesen Bereich wegen der wachsenden Aufgabenvielfalt verstärkt auslagern.
Aber auch die Dienstleister müssten sich anpassen. Anzböck erwartet durch die Konsumerisierung auch bei SaaS und On-Demand-Diensten eine verstärkte Nachfrage. Außerdem treibe der Trend die Anwendungsmodernisierung voran, liefere er doch zusätzliche Argumente dafür, alte und proprietäre Anwendungen webfähig zu machen. "Ziel ist es, dass sich der User um das Endgerät kümmert und die Firma die Schnittstellen bereitstellt."
Das sei aber nicht nur Zukunftsmusik. "Die Procurement-Prozesse für Desktops- und Notebooks sind in den meisten Firmen immer noch in der Vergangenheit verhaftet. Heute wollen die Mitarbeiter aber nicht mehr nur eine graue Schachtel von Hersteller X", so Anzböck. Alle Firmen, die sich derzeit über die Umstellung auf Windows 7 Gedanken machten, sollten die veränderten Voraussetzungen schon berücksichtigen.
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» zur Bildergalerie ...[11]Dabei gelte es zu Bedenken, wie sich Beschaffung und Gerätemanagement ändern müssen, aber auch was die neuen Szenarien für die Sicherheit bedeuten. "Bisher haben die Firmen mit ihren Sicherheitskonzepten sich selbst geschützt. Der Schutz der Mitarbeiter ist noch zu wenig verbreitet", sagt Anzböck.
Arbeit und Privatleben verschmelzen
Das bedeutet zwar zunächst einen – zumindest konzeptuell – hohen Aufwand, der könnte sich aber je nach Geschäftsfeld schon kurzfristig lohnen. Für 43 Prozent der Berufstätigen in Deutschland sind durch Internet und Handy schon heute die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben gefallen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Bitkom[12]. Für 31 Prozent von ihnen überwiegen dabei die positiven Seiten, 16 Prozent bewerten die Entwicklung eher negativ. 53 Prozent sehen Vor- und Nachteile. Die größte Zustimmung erfahren die Veränderungen bei berufstätigen Frauen (37 Prozent). Bei ihren männlichen Kollegen sind es nur 27 Prozent.
Die Folge der Verschmelzung: Zwei Drittel der Berufstätigen sind auch nach Büroschluss regelmäßig für Kunden, Kollegen oder den Chef per Internet oder Handy erreichbar. Andererseits verwenden 43 Prozent das Web auch während der Arbeit für private Zwecke. Um den Betriebsfrieden zu wahren, rät der Bitkom Unternehmen, klare Regeln für die private Internet-Nutzung im Job und für die Erreichbarkeit der Mitarbeiter außerhalb der regulären Arbeitszeit zu formulieren.
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