Die Heimvernetzung per Stromkabel verspricht einfache Installation und hohe Datenraten. Aber wie schnell sind die Adapter wirklich? ZDNet hat sechs Starterkits mit bis zu 1 GBit/s Nennleistung unter Praxisbedingungen getestet.

Powerline wird oft zur Vernetzung von Räumen genutzt, die sich per WLAN nicht mehr anbinden lassen (Grafik: Devolo).
Da die meisten Haushalte weder eine Ethernet-Verkabelung noch Leerrohre haben und die Verlegung über Putz auch nicht in Frage kommt, ist die Vernetzung per Stromkabel eine Alternative. Die Lösungen wurden in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Ältere Produkte mit 14 und 85 MBit/s sind im Abverkauf. Mainstream sind derzeit Adapter mit 200 MBit/s.
Das Ende der Fahnenstange ist damit aber noch nicht erreicht: So hat Belkin schon Ende 2009 einen 1000-MBit/s-Powerline-Adapter auf Basis proprietärer Technik eingeführt, erste standardisierte Lösungen mit 500 MBit/s sind im Herbst zu erwarten. Alle Hersteller von Powerline-Lösungen bieten Starterkits mit zwei Adaptern an. Anders als bei Ethernet-Equipment kann man schließlich nicht davon ausgehen, dass Anwender einen Teil des Equipments bereits besitzen.
Fünf der Starterkits basieren auf dem Standard Homeplug AV[1] und sind mit 200 MBit/s (25 MByte/s) spezifiziert. Sie verfügen aber nur über einen Ethernet-Port, der maximal 100 MBit/s überträgt. Wie die Tests später zeigen, stellt das aber keinen Flaschenhals dar.
Belkin setzt bei seinem Gigabit Powerline HD Starterkit auf einen Chip von Gigle Networks[2], der Homeplug-AV-kompatibel ist, durch ein proprietäres Verfahren aber bis zu 1 GBit/s unterstützt. Die Adapter haben als einzige Gigabit-Ethernet-Schnittstellen.
Tabelle anzeigen: Powerline-Starterkits in der Übersicht
Produktübersicht | ||||||
| Belkin | Devolo | Telekom | MSI | Netgear | Belkin | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Produktname | Powerline AV-Starterkit | dLAN 200 AV smart+ Powerline Starter Kit | Speedport Powerline 100 Duo T-Home | HomePlug ePower 200 AV+ Kit Version II | Powerline AV+ 200 Netzwerkadapter-Set | Gigabit Powerline HD Starterkit |
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| Nennleistung | 200 MBit/s | 200 MBit/s | 200 MBit/s | 200 MBit/s | 200 MBit/s | 1000 MBit/s |
| Ethernet-LAN-Port | 1 x RJ45, 10/100 MBit/s | 1 x RJ45, 10/100 MBit/s | 1 x RJ45, 10/100 MBit/s | 1 x RJ45, 10/100 MBit/s | 1 x RJ45, 10/100 MBit/s | 1 x RJ45, 10/100/1000 MBit/s |
| Verschlüsselung | 128 Bit AES | 128 Bit AES | 128 Bit AES | 128 Bit AES | 128 Bit AES | 128 Bit AES |
| Schlüsseländerung per Knopfdruck | ja | ja | ja | ja | ja | ja |
| Schlüsseländerung per Software | nein | ja | nein | ja | ja | nein |
| Durchsteckdose | nein | ja | ja | ja | ja | nein |
| LED-Statusleuchten | 3, nur frontal gut sichtbar | nein | 3, nur von rechts gut sichtbar | 3, sehr gut erkennbar | 3, grün, sehr klein | 3, nur frontal gut sichtbar |
| LC-Display | nein | ja, der sog. dLAN-Screen | nein | nein | nein | nein |
| Größe (Millimeter) | 97 x 70 x 78 | 130 x 65 x 75 | 147 x 68 x 75 | 130 x 68 x 78 | 138 x 65 x 88 | 115 x 86 x 80 |
| Gewicht (Gramm) | 155 | 230 | 240 | 250 | 300 | 195 |
| LAN-Kabel | 2 x 120 cm CAT5e, Plastikstecker | 2 x 200 cm CAT5e, Metallstecker | 2 x 300 cm, CAT nicht angegeben, Plastikstecker | 2 x 180 cm, CAT nicht angegeben, Plastikstecker | 2 x 200 cm, CAT nicht angegeben, Plastikstecker | 2 x 120 cm CAT5e, Plastikstecker |
| Handbuch | 12 Seiten PDF auf CD | 36 Seiten PDF auf CD, sehr gut | 22 Seiten Print-Büchlein | 23 Seiten PDF auf CD, sehr gut | nein, nur Quickstart-Anleitung | 12 Seiten PDF auf CD |
| Quickstart-Anleitung | Faltblatt | 1 Faltblatt | keine | PDF und Booklet | Faltblatt und PDF | Faltblatt |
| Software | keine | Tool auf CD | keine | Tool auf CD | Tool auf CD | keine |
| Preis (Euro) | 89* | 139* | 99* | 79* | 95* | 109* |
* = Die angegebenen Preise sind Richtwerte. Aufgrund erheblicher Schwankungen können sie deutlich nach unten abweichen.Der zierlichste Adapter ist der Belkin (200 MBit/s). Er wiegt nur 155 Gramm, dafür heizt er sich an heißen Sommertagen so stark auf, dass man beim Berühren der schwarzen Frontplatte spontan die Hand zurückzieht. Auch das 195 Gramm schwere 1-GBit-Produkt von Belkin wird sehr heiß. Der Devolo wiegt 230 Gramm, der T-Home 240, der MSI 250 und der robuste Netgear bringt satte 300 Gramm auf die Waage. Letzterer wird auch an heißen Tagen nur mäßig warm.
Durchsteckdosen
Powerline-Adapter sollte man nur direkt in die Wandsteckdose stecken. Dort bringen Sie die beste Leistung. Damit die Steckdose nicht für andere Verbraucher verloren ist, haben bis auf die von Belkin alle Geräte so genannte Durchsteckdosen.
LED-Statusleuchten versus LC-Display

Bei den Adaptern von Devolo zeigt ein LC-Display die Größe und den Zustand des aktuellen Powerline-Netzwerkes an. Das bietet kein anderes Gerät im Test (Foto: Devolo).
Als einziges Testgerät hat das Devolo ein LC-Display. Es zeigt Zustand, Art und Anzahl der Powerline-Geräte im gesamten Hausnetz an. Das ist besonders hilfreich, wenn man mehr als zwei Adapter betreibt. Alle anderen begnügen sich mit drei LED-Statusleuchten. Schön groß und aus allen Blickwinkeln sehr gut erkennbar sind jene von MSI und Netgear.
Beim Telekom-T-Home-Adapter sind die ebenfalls kräftigen LEDs dagegen nur von rechts erkennbar. Belkin wiederum hat seinen schicken Adaptern nur winzige LED-Pünktchen spendiert, die zudem noch so tief liegen, dass man sie nur erkennt, wenn man genau im rechten Winkel von vorne auf die Frontplatte schaut.
Sicherheit
Alle Powerline-Adapter können ihre Datenströme nach den 128-Bit-AES-Verfahren verschlüsseln. Der Nachbar erhält also übers Stromnetz keinen Einblick in den eigenen Laptop. Die Hälfte der Hersteller gibt aber nicht an, ob die Sicherheitseinstellungen ab Werk überhaupt eingeschaltet sind. Deshalb sollte man die Adapter gleich nach dem Auspacken per Knopfdruck neu miteinander verbinden. Von außen sieht man den Adaptern aber nicht an, ob sie die Datenströme auf der Stromleitung nun wirklich verschlüsseln oder nicht.
Devolo, MSI und Netgear legen immerhin eine Software bei, mit der man die Verschlüsselung managen kann. Doch zumindest bei MSI klingt die Security Utility zum Teil exotisch. Belkin und die Deutsche Telekom legen gleich gar kein Utility bei.
Der Test erfolgt in einer Wohnung mit mehreren Räumen. Um die Geschwindigkeit zu messen, werden zehn 1-GByte-Dateien von einem schnellen NAS-Speicher (LG NAS N4B2[3]) auf einen Sony-Laptop kopiert. Beide verfügen über Gigabit-Ethernet-Schnittstellen. Als Router kommt eine AVM Fritz Box 7390 zum Einsatz, die über Gigabit-Ports verfügt.
Das LG-NAS liefert große Testdateien mit mindestens 500 MBit/s an die Fritzbox 7390. Sie gibt die Daten mit dem Powerline-Adapter in das hausinterne Stromnetz weiter. Die Gegenstelle bildet ein Sony-Laptop (Foto: Harald Karcher).
Alle Komponenten sowie die Kabel sind so ausgewählt, dass sie bei der Powerline-Übertragung keinen Flaschenhals darstellen. Beim Direktzugriff ohne Stromkabel sinkt die Transferrate nicht unter 500 MBit/s. Wie sich herausstellt, erreicht diesen Wert keine der Lösungen auch nur annähernd.
Folgende Tests ermitteln die Übertragungsraten:
- Test 1 erfolgt in der gleichen Mehrfach-Steckdosen-Leiste.
- Test 2 überbrückt eine 5-Meter-Strecke zum Nebenraum.
- Test 3 sendet Daten über ein 20 Meter langes Stromkabel.
Geschwindigkeitsvergleich | ||||||
| Belkin | Devolo | Telekom | MSI | Netgear | Belkin | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Produktname | Powerline AV-Starterkit | dLAN 200 AV smart+ Powerline Starter Kit | Speedport Powerline 100 Duo T-Home | HomePlug ePower 200 AV+ Kit Version II | Powerline AV+ 200 Netzwerkadapter-Set | Gigabit Powerline HD Starterkit |
| Nennleistung | 200 MBit/s | 200 MBit/s | 200 MBit/s | 200 MBit/s | 200 MBit/s | 1000 MBit/s |
| Ethernet-Port | 1 x RJ45, 10/100 MBit/s | 1 x RJ45, 10/100 MBit/s | 1 x RJ45, 10/100 MBit/s | 1 x RJ45, 10/100 MBit/s | 1 x RJ45, 10/100 MBit/s | 1 x RJ45, 10/100/1000 MBit/s |
| Test 1 über 10 cm (MBit/s) | 64 - 73 | 64 - 69 | 60 - 68 | 64 - 69 | 64 - 69 | 118 - 272 |
| Test 2 über 5m (MBit/s) | 40 - 42 | 38 - 43 | 40 - 44 | 40 - 44 | 42 - 68 | 87 - 208 |
| Test 3 über 20m (MBit/s) | 23 - 25 | 30 - 37 | 30 - 32 | 28 - 38 | 30 - 33 | 25 - 35 |
Wer keine Sonderwünsche hat, kann einfach das Kit mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis nehmen. Das bietet im Vergleichstest MSI. Rundum solide wirkt auch die Lösung von Netgear. Wer auf ein gutes Handbuch, ausgefeilte Software und ein LC-Display Wert legt, kommt an Devolo nicht vorbei. Wer von all dem gar nichts hören will, vertraut den einfachen Adaptern der Deutschen Telekom.
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