Microsoft will 2012 die nächste Windows-Version einführen. Jetzt aufgetauchte Dokumente zeigen, woran in Redmond gearbeitet wird. Geplant sind Gesichtserkennung, schnellerer Bootvorgang, App Store und im Internet gespeicherte Profile.
Das Internet entwickelt sich schnell zum Gravitationszentrum der IT-Branche. Viele Anwendungen sind mittlerweile Webdienste, die auf verschiedenen Plattformen laufen. Trotzdem feiert Microsoft mit dem im Herbst 2009 eingeführten Windows 7 große Erfolge: 150 Millionen Lizenzen wurden mittlerweile verkauft. Auch Unternehmen - viele haben Vista übersprungen - wollen umsteigen.
Größere Änderungen an Windows 7 plant Microsoft nicht. Das kürzlich zum geschlossenen Betatest[1] freigegebene Service Pack 1 fungiert hauptsächlich als Sammlung der bis dahin veröffentlichten Updates.
Größere Neuerungen sind erst wieder mit Windows 8 zu erwarten. Darüber gibt es bislang aber keine Informationen. Jetzt sind Präsentationen aufgetaucht, die offenbar von Microsoft stammen.
Sie wurden von den Bloggern Francisco Martin Garcia[2] (seine bei Microsoft gehostete Website ist nicht mehr erreichbar) und Stephen Chapman (Microsoft Kitchen[3]) veröffentlicht. Die Präsentationen wurden offenbar mit dem Ziel erstellt, OEMs wie Dell und Hewlett-Packard über die Pläne der Windows-Abteilung zu informieren. ZDNet hat einen Blick darauf geworfen.
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Geheimsache Windows 8: Microsoft arbeitet am Cloud-Desktop[4]
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Microsoft will bei Windows 8 Fortschritte in den Bereichen Performance, Stabilität und Sicherheit erzielen. Von einer neuen Codebasis, die in den letzten Jahren als Midori bekannt wurde, ist in den Präsentationen aber nicht die Rede. Offenbar soll die bestehende Architektur ein weiteres mal aufpoliert oder in Teilen ausgetauscht werden.
Mit Caching-Mechanismen und Systemoptimierungen wollen die Entwickler den Bootvorgang (Kaltstart) beschleunigen. Standby- und Sleep-Modi sollen auf der Oberfläche prominenter platziert werden.
Software-Reset
Windows 8 soll endlich eine bessere Trennung von Anwendungen, Nutzerdaten und Betriebssystem bringen. Ein Reset-Button könnte das OS in den Auslieferungszustand zurücksetzen. Die Dateien und Einstellungen des Anwenders blieben dabei erhalten.
Sensoren
In Windows 7 hat Microsoft eine Sensor-Plattform eingeführt, eine Schnittstelle für die Integration von GPS-Modulen und Helligkeitsmessern. Der Nachfolger soll dieses Thema weiter vorantreiben.
Die Unterlagen beschreiben ein Szenario, in dem ein Rechner im Standby einen in den Raum kommenden Anwender erkennt. Der PC wacht auf und ermöglicht per Gesichtserkennung den Log-in. Verlässt der Nutzer den Rechner, wechselt er wieder in den Standby. Wenn man sich ansieht, was Microsoft mit der Kinect-Technologie[5] im Herbst für die Xbox auf den Markt bringt, ist ein solches Szenario durchaus vorstellbar.
Auch Ortsinformationen sollen eine große Rolle spielen. Ein Notebook könnte so beispielsweise erkennen, dass es nicht sinnvoll ist, mitten auf der Straße ein Backup zu starten. Die Unterlagen nennen einen Dienst namens Orion, der auf Basis von WLAN-Hotspots ortsinformationen liefert.
Identität
In Windows 8 will Microsoft Anwendern bei der Verwaltung von Passwörtern unter die Arme greifen. Der Windows-Account soll nicht mehr an einen Rechner gebunden sein, sondern wahlweise in der Cloud gespeichert werden können. Damit würden die persönlichen Einstellungen auf verschiedenen PCs zur Verfügung stehen.
App Store
Am erfolgreichen App-Store-Konzept von Apple kommt auch Microsoft nicht vorbei. Nach Windows Mobile beziehungsweise Windows Phone 7 soll auch die Desktop-Version ein Marktplatz erhalten.
PC-Formfaktoren
In den Präsentation taucht mehrfach der Slate-Formfaktor auf, ein Tablet ohne physikalische Tastatur. Der bekannteste und erfolgreichste Vertreter ist Apple iPad. Microsoft will durch Optimierungen der Windows-Oberfläche für eine verbesserte Unterstützung bieten. Die Entwickler gehen davon aus, dass ein Slate von mehreren Anwendern genutzt wird. Hier könnte der Login auf Basis der Gesichtserkennung helfen.
Derzeit verfolgen die Redmonder allerdings die Strategie, den Tablet-Markt mit einer speziellen Version von Windows CE anzugehen. Wie sich dieser Widerspruch auflöst, muss sich erst noch zeigen.Mehrfach nehmen die Folien auch auf den Konkurrenten Apple Bezug. Zwar ist dessen Anteil am gesamten Desktop- und Notebookmarkt nach wie vor relativ klein, aber schnell wachsend. Gerade in den margenträchtigen, höheren Preisbereichen kann Steve Jobs Microsoft und seinen Partnern Kunden abspenstig machen.
In Redmond hat man das Problem erkannt. Die Marke Apple steht für hohe Qualität und Einfachheit, ist in der Präsentation zu lesen. Produkte seien so gestaltet, dass sie Anwendern dabei helfen, einen echten Mehrwert zu generieren. Das führe zu einer hohen Kundenzufriedenheit, wofür diese auch etwas mehr bezahlen.
An anderer Stelle wird auf den Wert guten Designs als Differenzierungs- und Kundenbindungsfaktor hingewiesen. Auch die Konsistenz der Oberflächen hebt die Präsentation hervor.
Es ist zu erwarten, dass sich Microsoft mit künftigen Windows-Versionen mehr an Apple orientiert. Man darf gespannt sein, wie erfolgreich die Bemühungen sein werden. Zwar wurden mit Windows 7 erhebliche Fortschritte gemacht, an der Finesse von Apple-Produkten kommt Microsoft-Software aber meist nicht heran.Welche Features im Endprodukt zu finden sein werden, ist natürlich offen. Erst kürzlich hat der Blogger Long Zheng von Istartedsomething.com ein Dokument[6] aus dem Jahr 1993 veröffentlicht, das Pläne zu einer Windows-Version Namens Cairo beschreibt. Das meiste davon, darunter WinFS, wurde weder in Windows NT noch in einer anderen Variante realisiert.
Gerüchten zufolge soll Windows 8 2012 eingeführt werden, drei Jahre nach Windows 7. Wenn das tatsächlich zutrifft, ist die erste Beta in rund zwölf Monaten zu erwarten. ZDNet.com-Bloggerin Mary-Jo Foley[7] mit gewöhnlich guten Kontakten zu Microsoft-internen Quellen berichtet, dass die Entwicklung von Windows 8 Milestone 1 erreicht hat.
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