Trotz Konsolidierung des Marktes und Integration von BI-Funktionen in die Standardsoftware-Suiten verzeichnen kleine Anbieter enormen Zulauf. Dazu gehört die Open-Source-Fraktion um Jaspersoft und Pentaho. Beide wollen durch mehr als gute Preise bei den Kunden punkten.
Durch die Konsolidierung der Softwarepartner bei den Unternehmen sieht Dan Sommer, Senior Research Analyst bei Gartner, auch im Markt für Business Intelligence[1] eine Konzentration auf wenige große Anbieter. Dennoch sei der Markt abseits der allumfassenden, unternehmensweiten Lösungen noch sehr bewegt. Akteure mit ganz unterschiedlichem Hintergrund und technischem Ansatz - klein und groß, Open Source oder propietär, On-Premise oder cloudbasiert - bemühten sich vor allem um die Fachabteilungen.
Mit einigem Erfolg, denn genau diese investierten auch in erheblichem Umfang. "Line-of-Business-Lösungen verbuchen ein rapides Umsatzplus - nicht weiter verwunderlich angesichts von Dashboard- und Data Discovery-Tools mit leistungsstarker In-Memory-Analyse- und benutzerfreundlichen Visualisierungsfunktionen. Die machen sie zu einer ebenso attraktiven wie lukrativen Alternative zur herkömmlichen IT. Die in diesem Segment aktiven Anbieter und die überaus rege Open-Source-Gemeinde sind die stärksten Antriebsmotoren für den boomenden BI-Markt", so Sommer.

Dan Sommer, Senior Research Analyst bei Gartner (Bild: Gartner)
Die Beobachtungen des Gartner-Experten Sommer bestätigt auch Lünendonk[2]. Das deutsche Beratungs- und Marktforschungshaus hatte bereits im vergangenen Jahr festgestellt[3], dass trotz des scheinbaren Übergewichts der IT-Riesen Spezialisten durchaus noch eine Chance haben.
Auch in einer aktuelleren, vom IT-Beratungshaus Cirquent[4] zusammen mit Professor Arnold Picot[5], vom Münchner Institut für Information, Organisation und Management[6] durchgeführten Umfrage unter 150 Unternehmen steht Business Intelligence als Management-Tool ganz oben auf der Liste strategischer Themen. Im praktischen Einsatz zeigen sich aber oft Defizite, da die Unternehmen häufig verschiedene BI-Werkzeuge nebeneinander einsetzen.
Die Autoren der Studie sehen das als Problem, die Anbieter von Open-Source-Lösungen als Chance, die sie jetzt nutzen wollen. Allen voran die beiden US-Anbieter Jaspersoft[7] und Pentaho[8]. Während ersterer schon länger mit eigenem Personal auch in Deutschland aktiv ist, baut letzterer sein Büro hierzulande gerade erst auf. Ambitioniert sind jedoch beide.Laut Brian Gentile, CEO von Jaspersoft, gehört der Aspekt "Kosten" in Umfragen zu Auswahlkriterien für Business-Intelligence-Werkzeuge regelmäßig zu den vier am häufigsten genannten Kriterien. Interessanterweise sei es aber nie der wichtigste Punkt. Da - je nach Lösung und Analystenhaus - die Gesamtkostenosten für Open-Source-BI rund 80 bis 90 Prozent unter denen proprietärer Lösungen liegen, erstaunt das auch nicht weiter. In der Regel fallen Flexibilität und Integrationsmöglichkeiten mehr ins Gewicht[9], so Gentile.
Dirk Möller, seit dem Frühjahr für den Pentaho-Vertrieb in Deutschland zuständig, sieht das ähnlich: Der Preis sei zwar immer ein Verhandlungspunkt mit den Kunden, er denke aber, dass sein Unternehmen letztendlich doch mit Funktionalität und Flexibilität punkte. Der Anbieter hat sich daher auch zunächst darauf konzentriert, das Produkt zu komplettieren und bei der internationalen Ausrichtung etwas auf die Bremse getreten.
Diese Zeit ist jetzt vorbei: Man fühlt sich gut gerüstet, um den Sprung über den großen Teich zu wagen. Das Europahauptquartier wurde untypischerweise in Stockholm aufgeschlagen, die Niederlassungen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien werden gerade aufgebaut. Außerdem arbeitet man am lokalen Sprachsupport.
Die Abrenzung zu den anderen, bereits in Europa vertretenen Open-Source-BI-Anbietern ist für Möller auch klar: Während sich Jaspersoft seiner Ansicht nach auf Reporting und Analyse konzentriert, ist Talend[10] ganz auf ETL ausgerichtet. Pentaho dagegen könne beides. Auch Angst vor den Großen der Branche hat Möller nicht. Bei SAP-Kunden ließen sich gerade wegen der starken Ausrichtung der Walldorfer BI-Lösungen auf ERP genügend Ansatzpunkte für Pentaho finden, wo genau dieser Aspekt eben nicht verlangt sei. Bei Oracle-Kunden lasse die datenbankzentriertheit des Anbieters ebenfalls genügend Raum für Zweitlösungen.
On-Demand gehört heute dazu
Beide Open-Source-Firmen bieten ihre Software auch On-Demand an, Jaspersoft schon seit Release 3.5[11] im Frühjahr vergangenen Jahres, Pentaho seit einigen Tagen. Dabei geht es den Anbietern gar nicht in erster Linie darum, selbst Kunden zu finden, die ihre Software in diesem Bereitstellungsmodell nutzen wollen. Interessanter ist es vielmehr, wenn Drittanbietern die Möglichkeit nutzen, um in ihre Anwendungen Business Intelligence einzubauen. Als ein Beispiel dafür nennt Jaspersoft-CEO Gentile den Facebook-Spieleentwickler Crowdstar.
Von potenziellen Kunden direkt wird zwar nach SaaS und On-Demand immer wieder gefragt, aber nur wenige, sehr mutige wollen es auch sofort nutzen. Das sind dann entweder Großkonzerne, die das Angebot als einen Bereich zum Experiementieren nutzen, oder sehr kleine Firmen. Letztere haben weder die nötigen Fachkräfte, um selbst etwas aufzusetzen, noch hohe Sicherheitsanforderungen. Für viele Entscheider ist es eher wichtig zu sehen, dass sie irgendwann in der Zukunft bei dem von ihnen gewählten Anbieter bleiben könnten, wenn von ihnen verlangt werden sollte, auf On-Demand-Dienste umzustellen.
Mobilität wird erst noch Pflicht
Das seit der Übernahme von Sybase[12] bei SAP hoch gehandelte Thema Mobile Business Intelligence[13] decken sowohl Jaspersoft als auch Pentaho bereits mit einigen Angeboten ab. Beispielsweise bietet Pentaho seit einem Jahr eine iPhone-Applikation[14] an und bietet seit kurzem auch die Nutzung auf dem iPad[15].
Jaspersoft ist in diesem Bereich etwas zurückhaltender. Gentile sieht mobil vor allem für Teilfunktionen von BI einen Bedarf. Außerdem müsste der mobile Nutzer anders durch die Anwendung geführt werden. Es sei also eher etwas für Spezialszenarien als für den typischen BI-Nutzer im Unternehmen, und im Augenblick noch ein nice-to-have. In einem Jahr allerdings sei es ein must-have, so der Manager.
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