Am vergangenen Donnerstag hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) den "neuen Personalausweis" vorgestellt, siehe Bild 1. Ab November diesen Jahres werden nur noch die neuen Identitätskarten ausgestellt. Ursprünglich sollte das Dokument "elektronischer Personalweis" (ePA) heißen. Aufgrund zahlreicher Kritik einigte man sich später auf den Namen "neuer Personalausweis" (nPA).
Unabhängig vom Namen ist der neue scheckkartengroße Ausweis gespickt voll mit Elektronik. Die Kommunikation erfolgt mittels RFID-Technik. Auf der elektromagnetischen Ebene werden die Standardverfahren nach ISO 18000-3 und ISO 14443 eingesetzt. Dabei wird die Frequenz 13,56 MHz benutzt. Die meisten RFID-Karten, etwa für das Öffnen der Bürotür, der Tiefgarage oder Sperre am Skilift nutzen die genannten ISO-Protokolle. Es gibt daher schon zahlreiche Lesegeräte - eigentlich Lese- und Schreibgeräte - auf dem Markt.
Oberhalb der elektromagnetischen Kommunkationsebene werden dieselben Protokolle wie bei ISO 7816 eingesetzt. ISO 7816 ist das bei Chipkarten übliche Protokoll. Es kommt bei Krankenversichertenkarten sowie bei EC- und Kreditkarten zum Einsatz. Chip- und RFID-Karten stehen also in etwa im gleichen Verhältnis wie LAN und WLAN. Während die elektromagnetische Ebenen (Funk beziehungsweise Kontakt) unterschiedlich sind, sind die unteren logischen Schichten, die dem LLC-Teil des OSI-Layers 2 entsprechen, hingegen identisch.
Man hätte den neuen Personalausweis daher nicht notwendigerweise als RFID-Lösung implementieren müssen. Eine Lösung mit Kontaktchip hätte das gleiche leisten können. Die drahtlose RFID-Technik löst bei den Bürgern die meisten Vorbehalte gegen den neuen Personalausweis aus. Es besteht eine gewisse Angst vor dem "Datenklau aus der Hosentasche", wenn man den Ausweis beispielsweise in der Brieftasche trägt.
Von der Versichertenkarte kennt man etwa das Verhalten, dass die Karte nur in das Lesegerät beim Arzt geschoben werden muss, um Daten wie Namen, Anschrift, Geburtsdatum und Krankenkasse auszulesen. Würde dasselbe unverschlüsselte Protokoll bei einer RFID-Karte eingesetzt, wäre es ein Leichtes, in der U-Bahn zahlreiche Identitäten aus der Hosentasche zu stehlen.

Lesermeinungen zum Artikel
Eine Sache, die mir sehr wichtig erscheint:
Da wird von "Cyberkriminellen" gesprochen - das fordert meine Kritik heraus. Es vermittelt das Gefühl, dass Schwachstellen des nPA nur aus dem Internet aus ausnutzbar wären, während sich die Missbrauchsgefahr nicht nur im Netzgebrauch sondern auch im Gebrauch innerhalb der physischen Welt besteht. Durch die Formulierung könnten viele Offliner denken "Ach ja gut, die Cyberkriminellen wieder.... ich bin ja eh nicht im Netz unterwegs, also bin ich von etwaigen Schwachstellen nicht betroffen". Das wäre ein riesiger Trugschluss, darauf muss hingewiesen werden!
Ach ja, und auf Seite 2 oder 3 ist die Rede von Computing-Cloud. Gemeint ist "Cluster". Mit Cloud hat das alles nichts zu tun.
Aber ansonsten super Artikel :-)
In dem Zusammenhang noch eine Leseempfehlung meinerseits. Kai Biermann schrieb Anfang dieser Woche auch zum nPA. In seinem Artikel macht er darauf aufmerksam, dass man bis 1. November noch einen neuen "alten Pass" beantragen kann - beispielsweise im Falle eines Diebstahls oder Verlustes des Persos: www.zeit.de/...
Viele Grüsse, Peter
twitter.com/...
Das geht auch gar nicht anders, weil die Lesegräte an den EU-Flughäfen außer BAC nichts unterstützen. Ohne BAC-Support könnte der nPA nicht als Reisedokument, sprich Passersatz, genutzt werden. Deswegen der Kompromiss, dass per BAC nur das Lichtbild und die MRZ-Daten auslesbar sind, nicht aber Anschrift, Fingerabdrücke, etc.
EAC habe ich nicht erwähnt, da das Protokoll weder im deutschen ePass noch im nPA verwendet wird.
Der nPA hat definitiv keine BAC
Geichtsbild und Finerabdruck lassen sich nur über PACE und nachfolgende Terminal-/Chipauthentication auslesen
Für den Abruf von Daten wie Lichtbild und MRZ-Datei ist die PIN, die nur der Besitzer kennt, nicht erforderlich. Das Sniffen in der Nähe eines Lesegerätes wird dadurch erschwert, dass mit einem kurzen Schlüssel wie der sechsstelligen CAN ein langer Schlüssel mittels DH-Keyexchange ausgetauscht wird, was die Sicherheit stark erhöht.
Um alle Daten inklusive Fingerabdrücke per Funk auszulesen, benötigt man ein gestohlenes Zertifikat von einer Behörde wie Polizei, Steuerfahndung oder Einwohnermeldeamt sowie die CAN oder MRZ (beides auf dem Ausweis aufgedruckt).
BAC kommt weiterhin zum Einsatz beim "elektronischen Aufenthaltstitel" (eAT), der in Deutschland lebenden Ausländern quasi als Ersatz für den Personalausweis ausgestellt wird.
Um auf Gesichtsbild und/oder Fingerabdruck zugreifen zu können benötigt man den zugehörigen geheimen Schlüssel. Dieser befindet sich aber in besonders geschützten hoheitlichen Lesegeräten (sog. Inspektionssystemen)
Das wird nicht allzulange dauern, bis sich da jemand dran zu schaffen macht.
die fingerabdruck-daten werden nach fertigstellung
und ausgabe des nPAs aus der datenbank gelöscht,
welche die daten hostet - bis sie auf den nPA
übertragen werden! ... das gehört sich auch so!!
mfg Jens
Jedoch hat auch jeder die Möglichkeit sich davor zu Schützen, zumindest mal vor dem möglichen Datenklau. Es gibt eine RFID Schutzhülle, die man sich kaufen kann. Diese schirmt die RFID Frequenz einfach ab und man kann die Karten nicht mehr auslesen, geschweige denn kopieren. Wir haben es getest und es ist eine sehr gute Lösung sich vor Datenklau zu schützen.
Was im Netz jedoch noch alles passieren kann ist noch fraglich.
Viele Grüße
Rebeca