Datenbanken: Was die dritte Generation bringt

(http://www.zdnet.de/magazin/41532459/datenbanken-was-die-dritte-generation-bringt.htm)

von Jakob Jung, 31. Mai 2010

Der Markt für Datenbanken steht vor einem gründlichen Wandel. Für frischen Wind sorgen In-Memory-Technologie und Appliances. Auch Übernahmen verändern die Positionierung der Anbieter. ZDNet gibt einen Überblick.

Datenbank-Administratoren bekommen ein neues Berufsbild: "Alles, was ihr bisher wusstet, ist falsch", so die etwas zugespitzte Aussage der Marktforscher von IDC[1]. In den kommenden fünf Jahren werden die großen Datenbanken zusätzliche Skalierbarkeit durch Clustering erhalten, die OLTP-Datenbanken werden durch In-Memory-Datenbanken ergänzt oder gleich ganz in den Speicher verlegt. "Randtechnologien werden zunehmend zum Mainstream", prognostiziert IDC-Analyst Carl Olofson.

Besonders aktiv spricht derzeit SAP über die daraus erwachsenden Möglichkeiten[2]. Immer wieder betont das Management, wie sich durch spaltenbasierende Datenbanktabellen die Geschwindigkeit erhöht und welche Veränderungen sich durch In-Memory-Analyse von In-Memory-Datenbanken ergeben. Der Wettbewerb, der schon länger leistungsfähige Datenbank anbietet, und vielleicht deshalb weniger aufgeregt agiert, setzt zwar etwas andere Akzente, strebt aber ähnliche Verbesserungen an. Bei Oracle und IBM stehen derzeit jedoch eher die Kombination aus hauseigener Hard- und Software im Vordergrund. Insgesamt machen aber alle großen Hersteller bereits jetzt weit ausholende Schritte in die Datenbank-Zukunft.

Die Oracle Datenbankmaschine V2[3] setzt auf das Grid als Basisarchitektur und besteht aus den Grundkomponenten Datenbank-Server, Storage-Zellen und Netzwerk. Das Infiniband-Netzwerk erlaubt eine Geschwindigkeit von 40 Gigabyte pro Sekunde. Als Prozessor wird der Intel Xeon 5500 (Nehalem) verwendet. Gegenüber der Vorgängerversion sind Netzwerkdurchsatz und Plattenkapazität verdoppelt, die Geschwindigkeit des Hauptspeichers verdreifacht worden.

Oracle verwendet jetzt den neuen Flash-Cache als Second-Level-Cache. Dieser kann entweder ohne Zutun des Anwenders erfolgen, Tabellen lassen sich aber auch explizit für Flash-Cache-Nutzung aktivieren.

Der neue Storage-Index optimiert den Zugriff dadurch, dass bestimmte Plattenbereiche automatisch und transparent von vorne herein ausgeschlossen werden. Der Storage-Index wird im Haupt-Speicher der Storage-Zelle vorgehalten und dynamisch aufgebaut. Der Netto-Effekt: Weniger Lesen, weniger Verarbeiten.

Die im September 2009 erschienene Oracle Datenbank 11g R2 baut teilweise auf der Datenbankmaschine auf und enthält die neue Funktion RAC One Node, also die Möglichkeit, Real Application Cluster (RAC) auf einem einzigen Knoten aufzubauen. Außerdem ist die Grid-Infrastruktur laut Oracle jetzt per Plug and play verfügbar und es gibt einen neuen Installer, der die Einrichtung der Datenbank spürbar vereinfacht.

Beachtenswert sind die neuen Kompressionsmöglichkeiten: Built-In Compression und Avanced Compression Option sowie die Exadata Hybrid Columnar Compression. Sie ermöglichen es, bis zu 80 Prozent Plattenplatz und damit eine Menge Geld zu sparen. Günter Stürner, Vice President Sales Consulting bei Oracle, schätzt, dass sich durch die neuen Kompressionsmöglichkeiten bis zu 16.000 Euro pro Terabyte und Jahr einsparen lassen.Auch Microsoft[4] hat aktuell eine neue Version seiner Datenbank auf den Markt geworfen. Der SQL Server 2008 R2[5] ist mit aktuellen Technologien für Datenintegration und -transformation, Data Warehousing und multidimensionale Analyse ausgestattet.

Die Funktion SQL Server Master Data Services unterstützt die Datenkonsistenz in heterogenen Systemen, bietet also eine integrierte Stammdatenverwaltung. SQL Server Stream Insight ermöglicht hochskalierbare, komplexe Event-Stream-Bearbeitung. Zudem unterstützt die Lösung Szenarien für Hardware mit bis zu 256 logischen Prozessoren.

Die kommende Version SQL Server 2008 R2 Parallel Data Warehouse beherrscht laut Microsoft dann bis zu mehrere hundert Terabytes. Außerdem können Administratoren multiple Datenbankanwendungen, -instanzen oder -server zentral überwachen und verwalten. SQL Server 2008 R2 beschleunigt auch die Entwicklung sowie Installation von Anwendungen und bietet eine verbesserte Unterstützung von Hyper-V mit Live Migration in Windows Server 2008 R2.

"Der SQL Server 2008 R2 bietet sich für kleine Szenarien an, 4 bis 48 Terabyte. Für mittlerer Ansprüche arbeiten wir mit Hardware-Herstellern wie HP, Dell oder Bull, die vorkonfigurierte Pakete ihrer Hardware zusammen mit genau abgestimmter Microsoft-Software offerieren", skizziert Tobias Schmidt, Produktmanager bei Microsoft, die dreigleisige Strategie der Redmonder in Sachen Data-Warehouse.

Modernisierung ist auch bei IBM[6] angesagt. Bei der Mainframe-Variante DB2 for z/OS geht bereits die Version 10 in den Beta-Test. IBM verspricht dabei je nach Workload bis zu 20 Prozent Einsparungen gegenüber der Vorgängerversion. Bei DB2 for Linux, Unix, Windows (LUW) wird es dagegen bis zur neuen Version 10 noch etwas länger dauern. Aktuell ist die Version 9.7 verfügbar.

Neu ist aber das Purescale Application System, ein vorkonfiguriertes Hard- und Software-Bundle für transaktionale Workloads. Dabei läuft die Datenbank DB2 in der Purescale-Variante auf Power-Servern mit der Middleware WebSphere Application Server 7, PowerVM und Infiniband-Netzwerkverbindung.

Derzeit ist Purescale auf dem Betriebssystem AIX verfügbar, eine Linux-Variante soll bald folgen. Und für die hat IBM-Datenbank-Guru Boris Bialek große Hoffnungen: "Das wird ein absoluter Knaller. Eine Kompletthochleistungsdatenbank für etwa 20.000 Euro kann sonst niemand anbieten." Purescale soll die Leistung der Oracle-Datenbankmaschine noch übertreffen. "Oracle hat Latenzzeiten von Millisekunden, wir dagegen erreichen Mikrosekunden", sagt Bialek.Beschleunigung ist auch bei Teradata[7] ein großes Thema. Der Anbieter hat sich vom traditionellen SQL verabschiedet. Jetzt sind die Analyse-Tools vom Partnerunternehmen SAS in der Datenbank 13 fest eingebaut. Auch geospatiale Analyse ist nun nativ in Teradata 13 integriert. Zum Einsatz kommt die Teradata-Datenbank in erster Linie in den hauseigenen Appliances.

Die Einstiegslösung für mittelständische Unternehmen ist die "Data Mart Appliance 551", die auf Intels 64-Bit-Xeon Quad-Core-Prozessoren beruht. Als Betriebssysteme werden entweder Novell Suse 64-Bit SLES Linux oder Windows 64-Bit Server genutzt. Das ganze System ist in einem einzigen Rack untergebracht und kommt mit bis zu zwei Teradata 6287 Storage Arrays, die bis zu 64 Festplatten ansprechen können. Die maximale Speicherkapazität beträgt fünf Terabyte.

Durch die Übernahme seitens SAP[8] ist auch Sybase[9] wieder stärker in den Blickpunkt gerückt. Zuletzt hat das Unternehmen im Januar die neue Version 15.5 seiner Datenbank ASE vorgestellt. Sie bietet zwei zusätzliche Optionen, nämlich In-Memory Databases (IMDB) und Advanced Backup Service. Mit letzterem wird die Anbindung des Tivoli Storage Manager (TSM) von IBM erleichtert.

Von Seiten von IBM droht Sybase nun aber Ungemach. Während die Konzernoberen bei Big Blue noch die ausgezeichnete Partnerschaft zu SAP, der künftigen Mutter von Sybase, beschwören, wetzen die Vertriebsteams im Hintergrund längst die Messer: IBM startet eine Migrationsoffensive, um Sybase-Kunden zum Umstieg auf DB2 zu bewegen. Erleichtert wird dies durch ein neues Feature von DB2 9.7 namens SQL Skin, das seit 28. Mai verfügbar ist und die Umstellung von Sybase ASE auf DB2 in wenigen Wochen ermöglichen soll. "Die meisten Sybase-Kunden verwenden Sun-Hardware. Das wird für uns ein Riesengeschäft und wir werden viele Firmen überzeugen, auf unsere Hard- und Software zu wechseln", ist sich Bialek sicher.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.idc.com/germany
[2] = http://www.zdnet.de/it_business_hintergrund_sap_erhebt_wieder_einen_fuehrungsanspruch_story-11000006-41532274-4.htm
[3] = http://www.oracle.com/de/index.html
[4] = http://www.microsoft.de
[5] = http://www.microsoft.com/germany/sql/2008/default.mspx
[6] = http://www-01.ibm.com/software/de/data/udb.html
[7] = http://www.teradata.com/t/products-and-services/database/teradata-13/
[8] = http://www.sap.com/germany/index.epx
[9] = http://www.sybase.com/products/databasemanagement/adaptiveserverenterprise/ase15-5