Studie: Anspruch und Wirklichkeit bei Business Intelligence

(http://www.zdnet.de/magazin/41531521/studie-anspruch-und-wirklichkeit-bei-business-intelligence.htm)

von Peter Marwan, 4. Mai 2010

Das IT-Beratungshaus Cirquent und Professor Arnold Picot von der Universität München haben über 150 Unternehmen nach ihren Business-Intelligence-Praktiken befragt. Demnach sind Basisanforderungen zwar weitgehend abgedeckt, eine wirkliche Strategie haben jedoch nur wenige.

"Es gibt zwar jede Menge Studien über die strategische Bedeutung von Business Intelligence[1], doch kaum eine geht der Frage nach, warum sich so wenig tut in deutschen Unternehmen, wenn es um das rasche Bereitstellen entscheidungsrelevanter Informationen geht", sagt Ulrich Auer, Vice President Finance Transformation beim IT-Beratungshaus Cirquent[2]. Also ging sein Unternehmen in Zusammenarbeit mit Professor Arnold Picot[3], Leiter des Instituts für Information, Organisation und Management[4] an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Frage in einer eigenen Studie nach.

Dafür wurden über 150 Unternehmen aus den Branchen Banken, Versicherungen, Handel und Dienstleistung zu ihrem Umgang und ihren Plänen mit Business Intelligence befragt. Demnach steht Business Intelligence als Management-Tool zwar ganz oben auf der Liste strategischer Themen, aber im praktischen Einsatz zeigen sich oft Defizite.

Eine ähnliche Ansicht hat Gartner-Analyst Andreas Bitterer bereits vor etwas über einem Jahr vertreten[5]: "Wir machen schon so lange Business Intelligence, und seit vielen Jahren ist es in Befragungen regelmäßig das Top-Thema der CIOs für das kommende Jahr - aber der Erfolg bleibt bisher aus". Der Vorsatz, sich auf Business Intelligence zu konzentrieren, sei zwar da, frage man jedoch genauer nach, liege so gut wie nirgends eine vernünftige Strategie vor. Es gebe in den Firmen weder eine Roadmap für die Weiterentwicklung und den Ausbau der vorhandenen Business-Intelligence-Lösungen noch Competence Center oder einen Business Case für Business-Intelligence-Projekte.

Bitterers Kritik wird durch die Studie von Cirquent und Picot untermauert. Für die dafür Befragten sind Business-Intelligence-Anwendungen ein wesentlicher Faktor für leistungsfähiges Reporting und damit fester Bestandteil der IT-Unterstützung der Unternehmenssteuerung. Die meisten Unternehmen erfüllen auch die fachlichen Basisanforderungen an das Reporting. Allerdings setzen sie häufig verschiedene BI-Werkzeuge nebeneinander[6] ein. Dies führe zu Mängeln in der Konsistenz, der Datenqualität sowie einer geringeren Effizienz bei der Bereitstellung von Berichten. Entsprechend hoch sei der Nachbearbeitungsaufwand, um zu einer einheitlichen und verbindlichen Interpretation der Daten zu kommen.

Nach Ansicht der Befragten könnte eine zentrale Stelle für Business Intelligence zu mehr Leistung verhelfen, indem sie die Anforderungen über Hierarchieebenen und Unternehmensfunktionen hinweg abgleicht, priorisiert und umsetzt. Ein solches "Business Intelligence Competence Center" fehlt aber oft. Zudem mangelt es vielen in diesem Bereich an einer Strategie, die auf längere Sicht eine Verbesserung bewirken könnte.Das effiziente Bereitstellen von Berichten ist für viele der Befragten nach wie vor die zentrale Aufgabe. Der Bedarf an weitergehenden Analyse- und Reportingfunktionen wächst jedoch. Bisher nutzen sowohl Data Mining als auch sogenannte What-if-Analysen jeweils rund ein Viertel der befragten Unternehmen. 49 beziehungsweise 56 Prozent sind daran jedoch "sehr interessiert". Auch auf Real Time Reporting haben die teilnehmenden Unternehmen durchaus ein Auge geworfen. Sie lassen allerdings erkennen, dass dafür bislang keine großflächige Nutzung geplant ist.

Einer irgendwie gearteten Auslagerung von Business-Intelligence-Systemen und -Prozessen stehen die Befragten Firmen kritisch gegenüber. Nur fünf Prozent nutzen derzeit Software-as-a-Service-Angebote für diese Aufgaben. Immerhin sind jedoch 21 Prozent daran "sehr interessiert". Die Mehrzahl der Teilnehmer begründet ihre eher ablehnende Haltung mit dem Risiko das damit verbunden ist, Unternehmensdaten in fremde Hände zu geben.

Open-Source-Produkte für Business Intelligence[7] nutzt derzeit jedes siebte der befragten Unternehmen. Jedes dritte zeigt sich daran "sehr interessiert". Über die Hälfte will sich damit jedoch nicht beschäftigen oder kennt keine entsprechenden Produkte.

Insgesamt zeigen die Studienergebnisse, dass die Datenqualität in den Unternehmen hinter den Anforderungen an ein leistungsfähiges Berichtswesen zurückbleibt. Auch der Ausbau der Analysefunktionalität, etwa in Bezug auf Szenariotechniken, sowie die Steigerung der Anwenderfreundlichkeit der genutzten Werkzeuge steht in den kommenden Jahren auf der Agenda. Als weitere Herausforderung nennt die Studie die Systemintegration von Daten, die zur strategischen Steuerung benötigt werden.

Die Unternehmen erkennen die genannten Mängel zwar durchaus, zögern aber, sie entschlossen mit neuen Konzepten anzugehen. Hier spricht die Studie von einem Dilemma, vor dem viele Unternehmen stehen: Sollen sie sich eher auf die Konsolidierung einer heterogenen Landschaft konzentrieren oder ohne Verzögerung neue Verfahren einführen, um dem aktuellen Bedarf zu genügen? Um diese Frage zu beantworten, schlägt die Studie vor, grundlegend zu überprüfen, welchen Reifegrad die anvisierte Lösung fachlich, technisch und organisatorisch erreicht hat. Auf dieser Basis ließen sich dann gezielt Maßnahmen planen, um die Lösung auf einen insgesamt hohen Stand zu erreichen.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/artikel_zum_thema_business_intelligence_thema-39002356-39000773o0o0-1.htm
[2] = http://www.cirquent.de
[3] = http://de.wikipedia.org/wiki/Arnold_Picot
[4] = http://www.iom.bwl.uni-muenchen.de/index.html
[5] = http://www.zdnet.de/it_business_hintergrund_business_intelligence_firmen_fehlt_ein_vernuenftiger_plan_story-11000006-39201526-1.htm
[6] = http://www.zdnet.de/it_business_hintergrund_business_intelligence_spezialisten_behaupten_sich_noch_story-11000006-41004871-1.htm
[7] = http://www.zdnet.de/it_business_technik_wettbewerbsfaehig_open_source_loesungen_fuer_business_intelligence_story-11000009-41500583-1.htm