Ein Schritt in die Cloud: SAP Business One 8.8

(http://www.zdnet.de/magazin/41529797/ein-schritt-in-die-cloud-sap-business-one-8-8.htm)

von Markus Reppner, 31. März 2010

SAP will Version 8.8 von Business One Ende April auf den Markt bringen. Die wichtigsten Neuerungen sind die Integration in das Partner-Ökosystem, Analysefunktionen aus dem Business-Objekts-Portfolio, Web-2.0-Anwendungen und eine benutzerfreundliche Oberfläche.

Noch befindet sich das aktuelle Release der Version 8.8 von "Business One[1]" in der Ramp-up-Phase, in der ausgewählte Kunden die Stabilität und Praxistauglichkeit testen. SAP spricht mit der Software schwerpunktmäßig Unternehmen an, in denen zwischen 5 und 15 Anwender mit damit arbeiten. Business One eignet sich als Standalone-Lösung, ist aber auch für Niederlassungen von großen Konzernen gedacht. In diesem Segment ist der Konzern nicht Marktführer, sondern einer von vielen Anbietern. Er konkurriert etwa mit Microsoft, Sage und anderen.

Die Versionsbezeichnung "8.8" lässt auf den ersten Blick eher auf reine Kosmetik und Pflege anstatt auf durchgreifende Änderungen schließen. Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass die Walldorfer in vielen Bereichen ihre Hausaufgaben gemacht und einige Defizite gegenüber der Konkurrenz wettgemacht haben. "SAP hat mit dieser Version einen Schritt nach vorne gemacht", sagt Christian Hestermann, Research Director ERP beim Analystenhaus Gartner.

Friedrich Neumeyer, SAPs Chief Operating Officer für den Mittelstandsvertrieb weltweit (Bild: SAP).
Friedrich Neumeyer, SAPs Chief Operating Officer für den Mittelstandsvertrieb weltweit (Bild: SAP).

Verbessert wurde in erster Linie die Einbindung in das Partner-Ökosystem. "Wir wollen vor allem die Innovationskraft und Schnelligkeit unserer Partner für die Entwicklung von Business One nutzen", sagt Friedrich Neumeyer, SAPs Chief Operating Officer für den Mittelstandsvertrieb weltweit.

Seiner Ansicht nach wollen Kunden bestimmte ergänzende Applikationen nicht mehr mühsam aussuchen und implementieren müssen. "Softwarebereitstellung wird in Zukunft immer mehr nach dem Vorbild des Multimedia-Verwaltungsprogramms iTunes erfolgen - gekauft im Internet, betrieben in einer Cloud-Umgebung und bezahlt auf Mietbasis. Unsere Vision ist es, diese Entwicklungen zu beschleunigen und auszubauen."

Partner wie der IT-Dienstleister Coresystems[2] machen es vor: Die Schweizer bieten über SAPs Integrationsframework "B1 i" in einer Cloud-Umgebung Business-One-Kunden beispielsweise einen Webshop an. Der Webshop, mit dem die Unternehmen einen zusätzlichen Vertriebsweg aufbauen können, ist, laut Anbieter, innerhalb von sechs Schritten aktiviert - ohne dass ein Berater ins Haus kommen und die Software installieren muss. Der Kunde hat dabei die Wahl zwischen einer Einsteiger- und einer erweiterten Version, die er mieten oder kaufen kann. Aufträge aus dem Webshop können Nutzer direkt per Drag-and-Drop in Business One einbetten.

In der Version 8.8 hat SAP nun Berichte auf Basis der Crystal-Report-Technologie integriert. Zeigt eine Umsatzauswertung beispielsweise einen deutlichen Rückgang bei einem Produkt, hat der Anwender die Möglichkeit, auf der Ebene von Transaktionen die Gründe dafür zu untersuchen. Falls der Preis für das Produkt in Vergleich zur Konkurrenz zu hoch sein sollte, kann er diesen korrigieren und entsprechend anpassen. In der Vorgängerversion war das nicht möglich.

"Die neuen Analysefunktionen aus dem Business-Objects-Portfolio sind eine sinnvolle Ergänzung", sagt Rüdiger Spies, Independent Vice President Enterprise Applications beim Analysten-Haus IDC. "Bei einem neuen Produkt gehören diese Funktionen zum Standard."

Hervorzuheben sind laut Gartner-Analyst Hestermann dagegen die Visualisierungen, die Dashboards, die Möglichkeit, Web-2.0-Anwendungen in die Benutzeroberfläche zu integrieren, sowie die verbesserte Integration in die Business Suite. "Diese Technologien sind sicherlich führend am Markt", meint Hestermann.

Das Release 8.8 liefert im Unterschied zur Vorgängerversion vorgefertigte Funktionen und erweiterte Methoden, um Daten und Prozesse von Niederlassungen, die Business One im Einsatz haben, in das SAP-System des Mutterkonzerns leichter zu integrieren.

Überarbeitete Benutzeroberfläche

Zudem ist die Benutzeroberfläche stärker an die anderen SAP-Systeme angepasst. Der Anwender kann seinen Arbeitsplatz individuell gestalten. Die für ihn wichtigen Funktionalitäten wie Umsatzentwicklung, Warenbestand oder Auftragseingang stellt er in Fenstern zusammen.

In diese Fenster kann er auch nützliche Elemente wie Wetterberichte, Routenplaner oder Rohstoffpreise integrieren. Version 8.8 verfügt außerdem über eine Freitexteingabe für die Google-ähnliche Suchfunktion.

iPhone-Anbindung

Über die iPhone-Anbindung haben Außendienstmitarbeiter zudem mobilen Zugriff auf Business One. Bekommt ein Mitarbeiter einen Serviceauftrag per E-Mail, kann er diesen direkt auf das iPhone jenes Servicetechnikers weiterleiten, der sich gerade in der Nähe des Kunden befindet.

Der Auftrag erscheint auf dem mobilen Gerät. Hat der Servicemitarbeiter den Auftrag erledigt, dokumentiert er die Ergebnisse seiner Arbeit und schickt sie zurück an das zentrale System. Dort wird der Serviceauftrag in Business One automatisch eingepflegt.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.sap.com/germany/sme/solutions/businessone/index.epx
[2] = http://www.coresystems.ch/