Für Windows XP naht das letzte Stündlein. Auch hat Windows 7 alle Kinderkrankheiten überwunden. Es ist daher für Unternehmen an der Zeit, über eine Migration nachzudenken. ZDNet zeigt, wie Software von Drittanbietern dabei hilft.
Windows Vista[1] war ein Flop und die meisten deutschen Unternehmen sind bei Windows XP als Basis ihrer Anwendungen stehengeblieben. Aber das Lebensende für Windows XP ist in Sicht: Im Februar hat Microsoft bekannt gegeben[2], dass am 13. Juli der Support für Windows XP mit dem Service Pack 2 sowie Windows 2000 ausläuft. Um weiter in den Genuss von Security Updates zu kommen, müssen die Anwender auf Windows XP Service Pack 3 umstellen.
Da bietet es sich an, gleich Nägel mit Köpfen zu machen, und einen Wechsel auf das modernere Windows 7[3] in Erwägung zu ziehen. Windows 7 ist zwar auch kein perfektes System und es haben sich schon einige Probleme gezeigt, vor allem bei der ewigen Baustelle Sicherheit, aber es ist doch sehr viel leistungsfähiger als seine Vorgänger. Bevor aber eine Migration ins Auge gefasst wird, sollten sich die IT-Entscheider gründlich vorbereiten und einige wichtige Fragen stellen:
- Arbeitet bestehende Hardware problemlos mit dem neuen Betriebssystem zusammen?
- Lassen sich alte Anwendungen weiter verwenden?
- Wie lange dauert das Migrationsprojekt. Wie viel Aufwand ist für das Training von Administratoren und Anwendern zu veranschlagen?
- Welche Vorteile lasse sich erzielen, wenn gleichzeitig mit einer Migration auch die Standardisierung vorangetrieben wird?
- Bietet eine Migration echte finanzielle Vorteile?
- Wie sieht es mit der Sicherheit aus?
Um diese Fragen hinreichend zu beantworteten, sollte zunächst einmal eine genaue Bestandsaufnahme der IT im Unternehmen vorgenommen werden.
Denn eine Migration ist auch eine Chance, um Über- oder Unterlizenzierung[4] von Software zu erkennen und zu beseitigen. Als nächstes sollte ein Kompatibilitätstest der vorhandenen Software vorgenommen werden: Gerade bei Fachanwendungen und Individualsoftware kann es zu Problemen kommen. Glücklicherweise ist diese Schwierigkeit nicht mehr so gravierend wie bei früheren Updates, denn mittlerweise ist es möglich, diese Klippe mit Virtualisierung zu umschiffen. Windows 7 bringt hierzu schon Bordmittel mit, etwa die so genannte Anwendungskompatibilitätsliste[5].
Auch der Windows XP Mode[6] soll dafür sorgen, dass auch Problemkinder laufen. Das klappt aber nur eingeschränkt[7]. Bei Anwendungen, für die Windows-7-Treiber fehlen, kommt es meist auch im XP-Mode zu Problemen. Oft fehlt schlicht und einfach die DirectX-Unterstützung im Virtual PC 7.
Der Windows-7-XP-Mode funktionierte bis vor kurzem nur auf Rechnern mit hardwareseitiger Virtualisierungsunterstützung. Microsoft hat die Hardwarebeschränkung des Windows 7 XP Mode inzwischen jedoch aufgehoben[8]. Der Kompatibilitätsmodus für Microsofts älteres Betriebssystem kann somit nun auch auf Computern ausgeführt werden, die keine Hardwarevirtualisierung wie Intel VT oder AMD-V unterstützen oder bei denen diese Funktion im BIOS nicht aktiviert ist.
Gavriella Schuster, Leiterin des Bereichs Windows Commercial Product Management, räumte in einem Telefoninterview mit ZDNet ein, dass die Frage, ob ein PC Hardware-Virtualisierung unterstütze oder nicht, bei einigen Kunden für Verwirrung gesorgt habe. Um mehr Nutzern die Möglichkeit zu geben, die Vorteile des XP-Modus zu nutzen, habe Microsoft einen Weg gefunden, auf die Hardwarevirtualisierung auf BIOS-Ebene zu verzichten.
Microsoft sieht vor allem Geschäftskunden als potenzielle Nutzer des XP-Mode. Firmenadministratoren müssen sich jedoch darüber im Klaren sein, dass sich durch den XP-Mode die Anzahl ihrer zu verwaltenden PCs schlicht und einfach verdoppelt. Ein virtueller Computer verursacht den gleichen Verwaltungsaufwand wie ein physischer.
Daneben können Virtualisierungslösungen von Drittanbietern wie VMware[10], Citrix[11] und anderen Anbietern von Desktop-Virtualisierung[12], für größere Kompatibilität sorgen. VMware wirbt mit der Aussage, der Einsatz des Produktes ThinApp[13] könne Windows-7-Migrationen um 40 Prozent beschleunigen. ThinApp 4.5 beseitige zudem Konflikte zwischen verschiedenen Betriebssystemen.
"Virtualisierung wird bei allen Migrationen eine sehr wichtige Rolle spielen, egal ob Backend oder Frontend. Nicht zu vergessen ist unter dem Begriff Virtualisierung die Möglichkeit, alte Softwareprogramme quasi im "XP-Mode" unter Windows 7 lauffähig machen zu können", so Norbert Riepl von T-Systems[14].

Andreas Essing, Director Microsoft Consulting Practice bei Siemens IT Solutions and Services (Bild: Siemens).
Ein durchschnittliches Unternehmen muss laut den Marktforschern von Gartner mit einer Projektdauer[15] von zwölf bis 18 Monaten für eine Migration von Windows XP zu Windows 7 rechnen. Laut Gartner sollten Firmen spätesten 2012 mit der Umstellung beginnen.
Migrationswillige Amerikaner
Eine im Januar von Dimensional Research[16] im Auftrag des von Dell[17] übernommenen Anbieters von Systems-Management-Lösungen KACE[18] unter 923 Unternehmen durchgeführte Studie zeigt[19] nicht nur eine positivere Einstellung gegenüber Windows 7 als gegenüber Windows Vista, sondern auch einen Aufwärtstrend im Vergleich zu einer Umfrage vor neun Monaten.
Auch Matt Rosoff, Analyst bei Directions on Microsoft[20], stützt die Ergebnisse der Umfrage. "Ich glaube, dass Windows 7 alle Einwände beseitigt, die gegen Vista erhoben wurden." Er beobachte zwar keinen Ansturm auf das Betriebssystem und nur eine schrittweise Einführung im Zug der Anschaffung neuer PCs. Das sei aber ein deutlicher Fortschritt gegenüber Vista, das viele Unternehmen aktiv im Rahmen eines Downgrades gegen Windows XP getauscht hätten.
Migrationsinteressierte Deutsche
Marco Schirmer, Practice Leader Messaging & Collaboration Solutions bei Computacenter[21] verzeichnet auch in Deutschland ein hohes Interesse der Kunden. "Derzeit gibt es eine Reihe von laufenden Migrationsprojekten, die sich in unterschiedlichen Stadien befinden. Bei den Kunden stehen dabei Themen wie Anwendungskompatibilität im Vordergrund, was eine wichtige Voraussetzung ist, um Migrationsprojekte auf Windows 7 zu starten."
"Die meisten Unternehmen befinden sich aktuell noch in den Überlegungs- und Planungsphasen. Zum Zeitpunkt des Rollouts in den Unternehmen wird dann auch das erste Service Pack vorliegen – die große Welle wird da wohl erst in der zweiten Jahreshälfte starten", glaubt Andreas Essing, Director Microsoft Consulting Practice bei Siemens IT Solutions and Services[22]. Generell sollte man bei der Migration nicht nur die technischen Aspekte im Auge behalten, sondern auch die Mitarbeiter einbeziehen, die sich schließlich an die neue Benutzeroberfläche erst gewöhnen müssen. Der eigentliche Roll-Out sollte nach und nach erfolgen, am besten abteilungsweise.
Seiner Erfahrung nach setzen sich Unternehmen mit der Migration auf Windows 7 auseinander, "um damit IT-Kosten reduzieren zu können, mittel bis langfristig eine stabile Client-Infrastruktur zu bewahren und auch neuere Herausforderungen abdecken zu können, etwa die Integration von User Owned Devices."
Am effektivsten kommen die Vorteile des neuen Betriebssystems zur Geltung, wenn auch auf der Server-Seite eine Umstellung erfolgt und der aktuelle Windows Server 2008 R2[23] eingeführt wird, der auf Windows 7 abgestimmt ist und Funktionen wie Remote-Zugriff und Direct Access erlaubt. Der neue Windows Server läuft allerdings nur auf 64-Bit-Maschinen, was oft Hardware-Anschaffungen erfordert. Auch sind die Client Access Licenses (CALs) der Vorgängerversion nicht mehr gültig, so dass auch zusätzliche Lizenzkosten anfallen.Für eine erfolgreiche Migration auf Windows 7 sind so genannte Client Management Suiten sehr hilfreich, die Kompatibilität sicherstellen und den eigentlichen Roll-Out erleichtern. Dazu gehören Produkte von Matrix42[24], Baramundi[25], Aagon[26], Avocent[27], Symantec[28], Frontrange[29], Materna[30] und natürlich Microsoft[31] selbst.
Matrix 42 bietet ein "Rundum-Paket" für den Betriebssystemwechsel[32] mit den Produkten Empirium und Changebase an. So ist für die Migration der betroffenen Software nur noch ein Mausklick nötig, was Aufwand und Kosten erheblich senken soll - laut Hersteller um bis zu 80 Prozent.
Das Augsburger Softwarehaus Baramundi bietet für den Wechsel des Betriebssystems[33] die Module "Baramundi OS-Install" zur automatischen Installation von Betriebssystemen und mit "Baramundi Deploy" eine Softwarekomponente zur Verteilung der gewünschten Applikationen. Bei Aagon ist das Basissystem der Software kostenlos. Für die Migration von Betriebssystemen sind aber aber weitere Module erforderlich, nämlich die ACMP Pro-Version und das Betriebssystem-Deployment-Programm ACK[34].
Frontrange hat seit der Übernahme von Enteo ebenfalls Werkzeuge im Portfolio[35], die für die Migration von Windows XP nach Windows 7 geeignet sind. Dazu gehören das Inventarisierungsmodul "Discovery", die Betriebssystem-Installation "OSD", die Softwareverteilungs- und Paketierungssoftware "Netinstall" und "LiveManage" zur Sicherung und Wiederherstellung von Benutzereinstellungen und Daten.
Die Symantec Altiris Client Management Suite[36] bietet Tools, die auf ITIL (IT Infrastructure Library) basieren. Dadurch können Prozesse besser an die bewährten Verfahren der Branche angepasst werden. Dies wiederum ermöglicht es, Client-Systeme effizienter zu verwalten.
Materna unterstützt den Wechsel zu Windows 7 mit seinem Produkt DX-Union[30], das auch die Inventarisierung von Hard- und Software sowie die Überwachung von Plug-and-Play-Geräten ermöglicht.
Zusammenfassend bietet die Umstellung auf Windows 7 eine Chance, die Desktop Infrastruktur weiterzuentwickeln. Sinnvoll ist es, gleichzeitig mit einem Migrationsprojekt auch Desktop-Virtualisierung voranzutreiben und die Umstellung der Unternehmens-PC auf 64-Bit-Systeme in Angriff zu nehmen.

Frontrange bietet einen Assistenten, der die Kosten für ein Betriebsssytem-Upgrade schätzt (Bild: Frontrange).
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