Mit 12Sprints bietet SAP ein Cloud-Tool für die bessere Zusammenarbeit in Teams. Die Einstiegsvariante ist kostenlos, die Integration in andere Lösungen möglich, aber nicht notwendig. ZDNet untersucht Positionierung und Nutzen des Angebots.
Wie es endgültig heißen wird weiß auch David Meyer, Vice President Emerging Technologies von SAP BusinessObjects, im Augenblick noch nicht. Vorerst heißt es 12Sprints[1] und ist für SAP der Schritt in eine neue Welt. Das Werkzeug soll Cloud-basiert die Zusammenarbeit von Teams verbessern. Und zwar nicht – wie von SAP gewohnt unternehmensweit, integriert und übergreifend – sondern ganz bescheiden und pragmatisch in kurzen, schnell konfigurierbaren und einfachen Nutzungsszenarien.
Kompliziert wird es später noch, verspricht Meyer, denn dann soll 12Sprints in andere SAP-Software integriert und mit weiterer Standardsoftware verknüpft werden. Stand heute ist aber zunächst einmal eine Betaversion verfügbar. Deren Ziel ist es, eine möglichst große Zahl von Nutzern anzusprechen und mit den Funktionen und der Idee dahinter vertraut zu machen. Der Zugang aus Deutschland wird laut Meyer Ende März oder Anfang April freigeschaltet. Nutzer aus den USA können sich bereits seit Anfang Februar anmelden.

Die Positionierung von 12Sprints im Vergleich zu den Angeboten anderer Branchengrößen aus Sicht von ZDNet-Autor Dion Hinchcliff[2] (Grafik: Dion Hichcliff).
Zu den endgültigen Preisen will Meyer derzeit keine Aussagen machen. Es seien aber drei Preisstufen geplant, davon eine kostenlose Variante mit begrenztem Funktionsumfang. Die Abrechnung wird monatlich erfolgen.
12Sprints ist trotz seiner zahlreichen Web-2.0-Anklänge klar als Business-Tool positioniert, aber – zumindest derzeit – ohne eine unternehmensweite Lösung zu sein. Vergleichbar ist es mit den in Arbeit befindlichen Enterprise-Kollaborations-Angeboten von IBM[3] (Project Vulcan[4]), Salesforce[5] (Chatter[6]), Tibco[7] (Tibbr[8]) und ansatzweise auch mit Google Wave[9]. Zu Microsoft SharePoint 2010 ist es eher eine Ergänzung als Konkurrenz.
Das Hauptaugenmerk von 12Sprints liegt darauf, die gemeinsame Entscheidungsfindung schneller, einfacher, transparenter und nachvollziehbar zu machen. Um 12Sprints zu nutzen, müssen Anwender eine "Aktivität" anstoßen. Die Zahl der generierbaren Aktivitäten ist nicht beschränkt. Eine Suchfunktion und mehrere Zeitleisten helfen, den Überblick zu behalten.
Derzeit lassen sich sieben Aktivitätstypen auswählen:
- Etwas priorisieren: gemeinsame Ziele festlegen, nach Bedeutung ordnen und deren Ergebnis festhalten.
- Ein Projekt planen: einen Ablaufplan erstellen und Schritte festlegen.
- Eine Entscheidung treffen: eine Situation definieren, die eine Entscheidung erfordert, die Wahlmöglichkeiten umreißen, Konsens herstellen, eine endgültige Entscheidung treffen und diese abzeichnen lassen.
- Diskussionen: ein Thema festlegen, eine gegliederte Diskussion abbilden, die Ergebnisse dokumentieren.
- Versammlungen organisieren: ein Treffen vereinbaren, protokollieren, Entscheidungen festhalten und weitere Schritte festlegen.
- Eine Recherche anstoßen: ein Thema umreißen, relevante Informationen und Dokumente sammeln und Teammitgliedern zur Verfügung stellen.
- Frei gestaltbare Aktivität: eine andere als die obengenannten Teamaufgaben anstoßen und begleiten.
12Sprints versucht nicht, die beste und umfassendste Lösung für jeden Einsatzbereich zu sein. Das ist auch gut so, macht dieser Anspruch doch die großen Unternehmenslösungen oft so unhandlich und schwerfällig.
Das SAP-Tool lässt sich aber mit den gängigen Programmen kombinieren, die in Unternehmen heute vorhanden sind oder genutzt werden – unabhängig ob von SAP oder nicht. So sind etwa WebEx[10] und Evernote[11] von Haus aus integriert, Scribd [12] lässt sich über ein Erweiterungsprogramm anbinden. Mittels Erweiterungen können Entwickler übrigens auch andere Ergänzungen in eine Art App Store einstellen und so die Plattform abrunden.

Bei 12Sprints lassen sich unterschiedliche Aktivitäten anstoßen und verfolgen, die zunächst in einer einfachen Liste angezeigt werden (Screenshot: Dion Hinchcliff, ZDNet).
So wie es jetzt ist, eignet sich 12Sprints in erster Linie für Personen, die in ihrem Unternehmen keine funktionierenden Kollaborationstools nutzen können oder die sich häufig mit Externen abstimmen müssen, die auf die hausinternen Werkzeuge keinen Zugriff haben. In beiden Fällen werden heute überwiegend E-Mail und Instant Messaging verwendet – mit leicht erkennbaren Nachteilen gegenüber 12Sprints:
- Die Kommunikation ufert schnell aus oder dreht sich im Kreis.
- Durch den Zeitversatz zwischen Fragen und Antworten überschneiden sich diese teilweise, wodurch die Teilnehmer aneinander vorbeireden.
- Informationen stehen - je nachdem wer auf Kopie gesetzt wird und wer nicht - möglicherweise nicht allen Beteiligten zur Verfügung.
- Nicht jedem ist immer unbedingt klar, ob er nur informiert wird, oder sich aktiv beteiligen soll.
- Im Nachhinein ist oft nur schwer festzustellen, wie die Entscheidung im Detail aussah und wer sie getroffen hat – und welcher der verschickten Dateianhänge die finale Version darstellt.
Zu Lösungen wie Microsoft Project, Webkonferenzen sowie Systemen für Knowledge- und Dokumentenmanagement stellt 12Sprints keine direkte Konkurrenz, sondern eher eine Ergänzung dar.
Kein Google Wave für Firmen
Der seit der Vorstellung Anfang Februar oft bemühte Vergleich von 12Sprints mit Google Wave hinkt etwas. In der aktuell vorliegenden Beta-Version des SAP-Angebots ist die Zusammenarbeit nicht ganz so flüssig und nahtlos wie bei Google Wave. Für die allermeisten Teamaufgaben sind Funktionsumfang und der Grad an Parallelität aber völlig ausreichend. Und 12Sprints ist wesentlich einfacher zu benutzen als Google Wave.
Noch ist nicht nur den Unternehmen selbst sondern auch Experten unklar, wie sich Web-2.0-Angebote und Social Software bestmöglich in den Firmenalltag integrieren lassen: Ist es sinnvoll von den vorhandenen Softwarelösungen auszugehen und die gewünschten neuen Funktionen dort zu integrieren oder werden die Anwender liebgewonnene externe Anwendungen und Dienste in die Unternehmen einschleppen?
SAPs weitere Pläne für 12Sprints
12Sprints kann beides sein. Als entweder kostenloser oder monatlich abzurechnender Cloud-Dienst ist er schnell aufgesetzt und nutzbar. SAP hat aber auch Pläne, ihn in seine anderen Produkte einzubauen. Als ein Anwendungsbeispiel nennt Meyer, dass sich aus einer ERP-Lösung heraus etwa eine kurze Diskussion über einen außergewöhnlichen, einem Kunden zu gewährenden Rabatt anstoßen, durchführen und dokumentieren lässt.
Wem solche Entscheidungen in der Cloud nicht geheuer sind, der muss nicht lange warten. Ende des Jahres will SAP eine On-Premise-Variante von 12Sprints anbieten. Außerdem ist die Einbindung digitaler Zertifikate geplant, um Hybridlösungen (Cloud und On-Premise) sicher nutzbar zu machen. Und schließlich soll 12Sprints mit weiteren Business-Intelligence-Funktionen von SAP angereichert werden, damit für die zu treffenden Entscheidungen eine auf zuverlässigen Daten beruhende und für alle gleiche Grundlage geschaffen wird.
Eine 12Sprints-Demonstration von David Meyer, Vice President Emerging Technologies von SAP BusinessObjects, bei YouTube.
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