Der Webhoster Strato bietet Plattenplatz von 100 bis 5000 GByte in seinem Rechenzentrum an. Die Nutzung als Laufwerk ist genauso möglich wie der Zugriff mit einem Browser. ZDNet hat das Angebot auf seine Praxistauglichkeit getestet.
Seit dem 1. März bietet Strato eine Online-Festplatte an. Unter dem Namen HiDrive lassen sich bei Europas zweitgrößtem Hoster Kapazitäten von 100 GByte bis 5000 GByte (4,88 TByte) anmieten. Die Preise liegen zwischen 3,90 Euro pro Monat für 100 GByte und 149 Euro für 5000 GByte.
Neben der Möglichkeit, den angemieteten HiDrive-Festplattenplatz als Netzwerklaufwerk mit dem SMB/CIFS-Protokoll[1] zu nutzen, bietet Strato eine ganze Reihe weiterer Zugriffsmöglichkeiten an. Dazu gehören FTP[2], FTPS[3], SFTP/SCP[4], HTTP[5], HTTPS[6] und RSYNC[7].
Das bietet Zugriff auf die Dateien mit nahezu jedem Endgerät. Selbst Handys und Smartphones können mit ihrem Browser per HTTP auf die Dateien zugreifen. So lassen sich beispielsweise ein paar persönliche MP3-Dateien auch unterwegs auf das Handy oder das Smartphone herunterladen.
HTTP und HTTPS sind mit WebDAV[8] erweitert. Das ermöglicht das sogenannte webbasierte Filesharing[9] als Alternative zum Standard-Windows-Filesharing mit SMB/CIFS. Bei der Auswahl des richtigen Zugriffsprotokolls auf seine Online-Festplatte sollte man sich ruhig ein paar Gedanken machen.
Auch wenn der Zugriff vom PC über Windows-Filesharing einfach zu realisieren ist, hat das Protokoll durchaus Nachteile, wenn es im Internet genutzt wird. Ein Problem besteht darin, dass es unverschlüsselt arbeitet. Bei der Authentifizierung sind zwar die Hashwerte des Passworts mittels eines Challenge-Response-Verfahrens[10] geschützt, jedoch werden die Nutzdaten immer unverschlüsselt übertragen. Wer auf diese Weise etwa eine Datei mit der Liste seiner Zugangskennungen überträgt, riskiert einen Identitätsdiebstahl.
Produktvarianten von Strato HiDrive im Überblick | ||||||
| Variante | Kapazität | User | Monatspreis | Monatspreis/GByte | ||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Media 100 | 100 GByte | 1 | 3,90 Euro | 3,90 Cent | ||
| Media 500 | 500 GByte | 5 | 9,90 Euro | 1,98 Cent | ||
| Media 1000 | 1000 GByte | 10 | 19,90 Euro | 1,99 Cent | ||
| Media 2000 | 2000 GByte | 10 | 29,90 Euro | 1,50 Cent | ||
| Pro 1000 | 1000 GByte | 25 | 39,90 Euro | 3,99 Cent | ||
| Pro 2500 | 2500 GByte | 60 | 99,00 Euro | 3,96 Cent | ||
| Pro 5000 | 5000 GByte | 120 | 149,00 Euro | 2,98 Cent | ||
Bildergalerie
So lässt sich Stratos Online-Festplatte HiDrive einsetzen[11]
» zur Bildergalerie ...[11]Dasselbe Verhalten zeigen einige Internet-Provider, beispielsweise Kabel BW[12]. Auch der Kabelanbieter spielt Oberlehrer und weist in seinen FAQ[13] darauf hin, dass er aus Sicherheitsgründen Windows-Filesharing unterbinden muss.
Die Befürchtungen von Kabel BW und AVM sind nicht unbegründet. Die Entscheidung darüber, ob man ein bestimmtes Protokoll verwendet oder wegen Sicherheitsbedenken darauf verzichtet, sollte man jedoch dem Nutzer überlassen.
Es käme auch niemand auf die Idee, FTP zu verbieten, das noch unsicherer ist, da neben den Nutzdaten auch die Zugangsdaten unverschlüsselt übertragen werden. Wer seine Strato-HiDrive-Festplatte absichern möchte, kann in der Weboberfläche unverschlüsselte Protokolle mit einem Klick deaktivieren.
Um die Probleme mit dem unverschlüsselten SMB-Protokoll zu vermeiden, bietet Strato an, sich per OpenVPN verschlüsselt einzuwählen. OpenVPN ist für Windows, Linux und Mac OS verfügbar. Fertige Konfigurationsdateien bietet Strato zum Download[14] an. Trotzdem ist das Verfahren umständlich.
Im Test macht die Online-Festplatte einen fast ausschließlich positiven Eindruck. Als erstes fällt auf, dass Strato, anders als die Hersteller von Festplatten und Speicherkarten, die richtige Meinung vertritt, dass 1 GByte 1024³ Byte entspricht. Auf einer 500-GByte-Platte von Strato sind 536 Milliarden Bytes verfügbar. Die Clustergröße[15] des Filesystems ist mit 1024 Bytes erfreulich gering. Lokale NTFS-Festplatten derselben Größe haben normalerweise eine Clustergröße von 4096 Bytes.
Zur Geschwindigkeitsmessung verwendet ZDNet einen Server im Strato-Rechenzentrum mit einer 100-MBit/s-Anbindung an das Strato-Hochgeschwindigkeitsnetz. Diese Testmethode eliminiert Effekte, die durch Durchsatzprobleme mit der Internetverbindung entstehen können.
Die Protokolle HTTP, HTTPS, SMB und SFTP zeigen zu allen Tages- und Nachtzeiten einen guten Durchsatz. Die gemessenen Nettowerte bei der Übertragung einer 7,5 GByte großen Videodatei liegen zwischen 7890 und 10.531 KByte pro Sekunde. Berücksichtigt man den Protokolloverhead der OSI-Layer zwei bis sieben, entspricht das etwa einer Bruttorate von 75 bis 100 MBit/s, wobei die Obergrenze von 100 MBit/s vom Limit des Testservers herrührt. Es lässt sich festhalten, dass ein Interanschluss mit 80 MBit/s, sofern er diesen Durchsatz tatsächlich dauerhaft leistet, mit der Strato-Festplatte leicht ausgereizt werden kann.
Bei der Übertragung mittels FTP muss man allerdings festhalten, dass die hervorragende Durchsatzleistung der anderen Protokolle nicht erreicht werden kann. Bei einem Test nachmittags um 14 Uhr erzielt ZDNet einen Durchsatz von nur 268 KByte/s. Damit lässt sich nicht einmal ein DSL3000-Anschluss auslasten. Selbst nachts um 3 Uhr lassen sich nur 2241 KByte/s messen.
Wer einen asymmetrischen Internetanschluss mit geringem Upstream besitzt hat die Möglichkeit, bei Strato eine externe Festplatte anzufordern, die man an seinen Rechner anschließt und mit bis zu 500 GByte Daten befüllt. Anschließend sendet man die Festplatte an Strato zurück, wo die Daten auf die Online-Festplatte gespielt werden. Dieser Service kostet 30 Euro in den Media-Produktvarianten, die sich an Privatleute richten. In den Pro-Angeboten für Geschäftskunden ist dieser Service im Preis enthalten.
Bei den Zugriffsberechtigungen, die sich für jeden User einstellen lassen, bietet HiDrive gerade für Businessanwender zu wenig Möglichkeiten. Die Pro-Angebote beinhalten zwischen 25 (Pro 1000) und 120 Benutzer (Pro 5000). Jeder Benutzer erhält ein eigenes Verzeichnis, auf das nur er zugreifen kann. Darüber hinaus gibt es ein Verzeichnis "Public", bei dem ein Administrator Lese- und Schreibrechte für andere Benutzer setzen kann.
Diese Rechte gelten aber für den gesamten Public-Bereich. Die Einrichtung von Unterverzeichnissen, auf die nur bestimmte Mitarbeiter Zugriff haben, ist nicht möglich. Auch ist es nicht machbar, dass ein Benutzer einem Kollegen Leserechte auf ein bestimmtes Verzeichnis in seinem persönlichen Bereich geben kann. Hier besteht eindeutig noch Verbesserungsbedarf am Produkt.
One-Click-Hosting-Funktionalität
Stratos Online-Festplatte hat eine limitierte One-Click-Hoster-Funktionalität[16], vergleichbar mit Rapidshare. Auf jede Datei lässt sich ein öffentlicher Link setzen, der jedermann den Download einer Datei erlaubt, der den Link kennt. Allerdings haben Links nur eine begrenzte Gültigkeit. Sie verfallen nach einigen Tagen und erlauben nur eine begrenzte Zahl von Downloads.
Im Angebot Media 500 gilt ein Link beispielsweise maximal 30 Tage. Ebenso wird der Link nach maximal 50 Downloads ungültig. Unbegrenzt gültige Links gibt es nur im Angebot Pro 5000 für 149 Euro pro Monat.
Mit seinen neuen Produkten HiDrive Media und HiDrive Pro bietet Strato eine Online-Festplatte, die preislich sehr attraktiv ist. Die Geschwindigkeit ist ausgezeichnet. Ein Internet-Anschluss mit 80 MBit/s lässt sich zu jeder Tages- und Nachtzeit voll ausnutzen. Außerhalb von Spitzenzeiten sind in der Regel 100 MBit/s und mehr möglich. Lediglich bei der Nutzung von FTP zeigt Stratos Online-Festplatte Performance-Probleme.
Hervorzuheben ist die Vielzahl an Protokollen, mit denen man den Online-Speicherplatz bei Strato erreichen kann. Das ermöglicht unter anderem den Zugriff per Netzwerklaufwerk mit einem PC oder auch den Download von Dateien über HTTP mit dem Handy. Die Nutzung von unverschlüsselten Protokollen lässt sich bequem vom Webinterface aus verbieten.
Geschäftskunden werden feststellen, dass die Möglichkeiten zur Rechteverwaltung für viele Anwendungsfälle zu wenig differenziert sind. So ist es beispielsweise nicht möglich, einen Bereich einzurichten, auf den nur Mitarbeiter einer bestimmten Abteilung Zugriff haben.
Auf einzelne Dateien lässt sich nach dem Prinzip One-Click-Hosting ein Link setzen, mit dem jeder, der den Link kennt, eine Datei herunterladen kann. Allerdings ist diese Funktion limitiert. Nach einer bestimmten Anzahl von Tagen und nach einigen erfolgten Downloads wird der Link automatisch ungültig. Als Ersatz für P2P-Filesharing lässt sich diese Funktion daher nicht verwenden. Sie ist jedoch praktisch, um einzelne Dateien an Freunde oder Geschäftspartner weiterzugeben.
Auch wenn einige wenige Funktionen wie die Performance des FTP-Transfers und die Rechteverwaltung noch verbesserungsbedürftig sind, hat Strato ein gutes Produkt auf den Markt gebracht. Wer einen schnellen Internetzugang mit zweistelligen Megabitraten besitzt, sollte über Stratos-HiDrive-Festplatte als Alternative zum Consumer-NAS-System oder zu einem Home-Server nachdenken.
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