Internet-Telefonie als Dienst: Skype und Sipgate im Vergleich

(http://www.zdnet.de/magazin/41526699/internet-telefonie-als-dienst-skype-und-sipgate-im-vergleich.htm)

von Moritz Jäger, 2. Februar 2010

Kommunikation per Voice over IP spart Kosten. Doch kleine und mittlere Unternehmen scheuen Integration wie auch Administration. ZDNet vergleicht zwei Hosting-Angebote von Skype und Sipgate, die sich einfach implementieren lassen.

Voice over IP ist erwachsen geworden: War die Kommunikationstechnologie vor einigen Jahren noch ein Hype- und Nischenthema, kommt VoIP inzwischen vor allem in großen Unternehmen zum Einsatz[1]. Kein Wunder, bringt die Internet-Telefonie doch neben Kosteneinsparungen weitere Vorteile. So umgeht man beispielsweise eine zusätzliche Verkabelung für Telefone - wahlweise lässt sich WLAN oder Ethernet nutzen. VoIP bringt außerdem zusätzliche Funktionen rund um das Thema Unified Communications mit sich. Solange der Nutzer Zugriff auf das Internet hat, ist er unter der gleichen Nummer erreichbar - egal ob er sich in den New York, Tokio oder München aufhält. Zusätzlich lassen sich beispielsweise Präsenz-Funktionen integrieren, Instant-Messaging-Accounts mit VoIP verbinden oder Videogespräche führen.

Allerdings bringen VoIP-Installationen auch Nachteile: Beispielsweise steigt die Komplexität der Netzwerkverwaltung deutlich an, was mehr Arbeit für Systemadministratoren bedeutet. So ist Voice-Traffic bevorzugt zu behandeln, den Sprachpaketen muss per Quality-of-Service Vorrang vor allen anderen Datenübertragungen gewährt werden.

Ein weiteres Thema ist die Sicherheit. Dazu gehören nicht nur Konzepte zur Ausfallsicherheit (ist das LAN offline, funktioniert auch VoIP nicht mehr), sondern auch die Verschlüsselung. Unverschlüsselte VoIP-Telefonate lassen sich mit einfachen Mitteln im Netzwerk abhorchen und aufzeichnen - ein Sniffer wie Wireshark reicht dazu bereits aus. Abhilfe schaffen Lösungen wie SIP TLS, müssen allerdings auch konfiguriert und gewartet werden.

Ein anderes Problem sind Notrufe. Da sich ein VoIP-Endpunkt theoretisch überall auf der Erde aufhalten kann, ist eine Ortung durch Polizei, Rettungsdienst oder Feuerwehr nicht ohne weiteres möglich. Die Anbieter weisen auf diese Tatsache auch hin und liefern teilweise Behelfslösungen. So kann man etwa bei Sipgate eine Adresse hinterlegen, die bei einem Notruf übermittelt wird.

Trotz der genannten Einschränkungen überwiegen die Vorteile von Voice over IP. Die Technologie wird zudem bereits im Backend eingesetzt - viele Telekom-Unternehmen routen die Gespräche bereits über IP, ohne dass der Nutzer davon etwas mitbekommt. Zwar wird VoIP schon in großen Unternehmen und im privaten Umfeld rege genutzt, doch kleinere und mittlere Unternehmen setzen weiter auf herkömmliche Telefonanlagen. Dieses Kundensegment haben sowohl Skype als auch Sipgate im Blick: Sie bieten mit Skype Business beziehungsweise Sipgate Team Lösungen an, mit denen kleine und mittlere Teams VoIP nutzen können, ohne dass die Unternehmen dazu eine komplett neue Telefonanlage brauchen - VoIP as a Service.

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VoIP als Service[2]

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Sipgate und Skype mögen oberflächlich die gleiche Dienstleistung anbieten - Telefonieren über das Internet - sie unterscheiden sich aber deutlich in der Technologie. Die verschiedenen Ansätze beeinflussen zusätzliche Features sowie mögliche Endgeräte.

Sipgate setzt für seinen Dienst auf Session Initiation Protocol, kurz SIP. Dabei handelt es sich um einen offenen Standard, der allen VoIP-Anbietern und Hardware-Herstellern zur Verfügung steht. Skype nutzt dagegen ein eigenes, proprietäres Protokoll für die Übertragung der Sprachdaten, welches der Anbieter nicht öffentlich zugänglich macht.

Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile. Kommt SIP zum Einsatz, kann der Nutzer zwischen verschiedenen Herstellern und Diensten wählen. Zudem können die Anbieter recht einfach untereinander kooperieren um etwa kostenlose Gespräche zwischen verschiedenen SIP-Netzen zu realisieren. Soll das Protokoll aber mit neuen Funktionen, etwa einer Verschlüsselung, erweitert werden, können sich die Verhandlungen und Ratifizierungen lange hinziehen. Skype dagegen verfügt über die Voraussetzungen, neue Funktionen relativ einfach zu integrieren. Da der Hersteller die komplette Kontrolle über das Protokoll hat, sind zusätzliche Funktionen wie eine 256-Bit-Verschlüsselung der Übertragungen oder das Upgrade des genutzten Sprach-Codecs kurzfristig möglich. Dafür wartet Skype mit deutlich weniger kompatiblen Endgeräten auf, auch gibt es keine Kooperationen mit anderen VoIP-Anbietern.

Im Enterprise-Umfeld haben SIP-basierte Lösungen die Nase vorn, da sie sich einfacher und flexibler in die bestehende IT-Architektur integrieren lassen. Diesen Trend hat auch Skype erkannt und bietet seit einiger Zeit die Beta-Version Skype for SIP[3] zum Test an. Damit lassen sich VoIP-PBX-Systeme oder Asterisk mit dem Skype-Netzwerk koppeln. Sipgate[4] bietet die Team-Lösung in verschiedenen Paketen an. Sie sind wahlweise für 3, 5, 10, 25, 50 oder 100 Benutzer zu kaufen. Auch monatlichen Kosten staffeln sich, drei Nutzer schlagen zum Beispiel mit 14,95 Euro zu Buche. Hinzu kommen die Kosten für Verbindungen, SMS und verschickte Faxe. Eine komplette Preisliste[5] gibt es auf der Website von Sipgate. Die komplette Verwaltung von Nutzern und Telefonen läuft über das Webinterface. Hier lassen sich neue Nutzer oder Gruppen anlegen, die Nutzerdaten verwalten, Rufnummern verteilen und die Einstellungen für Endgeräte abrufen.

Zusammen mit den Accounts erhält man bei Sipgate Team generische Nummern aus dem 01801-Pool. Über das Webinterface lassen sich bestehende Rufnummern portieren oder neue Nummernblöcke bestellen. Wer neue Nummern ordert, hat die Wahl zwischen nationalen oder internationalen Rufnummern. Sipgate nutzt die hinterlegten Standorte, um eine Vorwahl zuzuweisen. Die eigentlichen Rufnummern lassen sich anschließend in Blöcken erwerben, zur Wahl stehen eine, vier, zehn oder 100 Rufnummern. Die einmaligen Kosten beginnen bei 4,90 Euro für eine Nummer, 100 kosten 189 Euro. Die Rufnummer wird anschließend im Portal den jeweiligen Nutzern zugewiesen.

Sipgate Team zeigt eindrucksvoll die Vorteile der VoIP-Administration. Auch wenn sich die Endgeräte mit vielen Funktionen versehen lassen, die eigentliche Intelligenz steckt in der gehosteten Sipgate-Telefonanlage. Denn egal ob man beispielsweise ein VoIP-fähiges Telefon anschließt oder eine Software wie X-Lite einsetzt, die Einstellungen werden stets vom Server bezogen. So kann man beispielsweise im Büro ein "normales" Telefon nutzen, ist unterwegs aber unter der gleichen Rufnummer erreichbar.

Praktisch ist, dass sich einzelne Telefone auch anlegen lassen, ohne dass sie einem spezifischen Nutzer zugewiesen sind. Damit ist es beispielsweise möglich, allgemeine Telefone für Konferenzräume einzurichten. In jedem Fall zeigt sich, beim Thema Endgeräte liegt die wahre Stärke des SIP-Standards. Es gibt nicht nur für nahezu jedes mobile Betriebssystem, beispielsweise Symbian, iPhone OS oder Android einen Client, auch die Auswahl an VoIP-Geräten[6] ist beeindruckend. So liefern Anbieter wie Linksys, Cisco, Siemens oder Snom SIP-fähige Telefone, alternativ gibt es Adapter, mit denen sich bestehende Telefone VoIP-fähig machen lassen. Ein weiterer Vorteil von Sipgate ist der Fax-Drucker, der ebenfalls im Angebot enthalten ist. Anders als Sipgate setzt Skype bei seiner Business-Version[7] in erster Linie auf den eigenen Client. Der Vorteil ist, dass sich der Skype-Business-Client nur minimal von der Standard-Version unterscheidet - er ist als MSI-Paket verfügbar und kann so leichter verteilt werden. Auch den Nutzerkonten stehen alle gewohnten Funktionen zur Verfügung. Instant-Messaging, Telefonie und Video zwischen den verschiedenen Skype-Nutzern sind enthalten. Hinzu kommen die verschiedenen Zusatzfunktionen wie das Screen Sharing.

Der Skype Business Account ist grundsätzlich kostenlos. Jeder Skype-Nutzer lässt sich über das Web-Interface vom Administrator einladen und der Firma hinzufügen. Im Grunde dient das Portal dazu, die kostenpflichtigen Funktionen von Skype zentral für diese Nutzer zu verwalten. Dazu gehören Funktionen wie SkypeIn und SkypeOut, mit dem sich den verschiedenen Accounts Rufnummern zuweisen lassen. Die Preisliste für Anrufe im In- und Ausland ist auf der Internetseite von Skype hinterlegt[8].

Sind die Rufnummern an die entsprechenden Skype-Nutzernamen geknüpft, werden eingehende Anrufe weitergeleitet. Auf der Administrations-Seite lässt sich ein zentrales Guthabenkonto anlegen, aus diesem Topf wird anschließend Geld an die einzelnen Nutzer verteilt. Möglich ist dabei auch eine automatische Aufladung - fällt das Konto eines Users unter einen bestimmten Wert, erhält er zusätzliche Mittel, ohne dass der Admin manuell eingreifen muss.

Über die Verwaltungsoberfläche kann man jederzeit nachvollziehen, wie viel Geld für welche Skype-Dienste ausgegeben wurde, seien es Telefonate oder zusätzlich gekaufte Komponenten. Die Oberfläche selbst ist klar strukturiert, man findet sich nach relativ kurzer Zeit zurecht. Auf den ersten Blick könnte man Skype Business und Sipgate Team als direkte Konkurrenzprodukte sehen, allerdings ist das nicht ganz korrekt. Beide bieten zwar Telefonie über das Internet an, die Zielgruppe ist allerdings unterschiedlich. Sipgate Team eignet sich hauptsächlich für Unternehmen, deren Mitarbeiter wenig unterwegs sind oder die vor allem klassische Telefon-Hardware weiter nutzen möchten. Dank SIP steht ein großes Angebot an Endgeräten zur Verfügung. Das Softphone ist zudem eine Alternative, die sich vor allem unterwegs lohnt. Funktionen wie Instant Messaging, Screen-Sharing oder Videotelefonie sind zwar im Paket nicht enthalten, lassen sich aber mit zusätzlichen Produkten oder separater Hardware nachrüsten.

Skype Business setzt dagegen in erster Linie auf Collaboration-Features und ermöglicht eine kostengünstige Kommunikation über Landesgrenzen hinweg. Mit dem Skype-Client sieht man auf einen Blick, ob das Gegenüber gerade erreichbar ist. Neben den praktischen IM-Funktionen lassen sich darüber auch zusätzlich Dateien austauschen oder Videotelefonate führen. Ein Plus ist die Verschlüsselung der Übertragungen. Der Client für den PC ist ausgereift und zudem für sämtliche Betriebssysteme verfügbar - er bindet den Nutzer allerdings für die meisten Funktionen an Notebook oder Desktop. Skype-fähige Endgeräte und Smartphone-Clients gibt es zwar, die Auswahl ist aber begrenzt[9]. Zudem werden nicht alle Funktionen unterstützt. Negativ ist ferner, dass man nicht ohne weiteres einen allgemein zugänglichen Account einrichten kann, der etwa in einem Konferenzraum genutzt wird. Es spricht in der Praxis allerdings nichts gegen den Einsatz beider Dienste.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/mobiles_internet_drahtloses_arbeiten_status_voice_over_ip_nicht_mehr_wegzudenken_story-39001620-39188738-1.htm
[2] = http://www.zdnet.de/galerie/41526734/voip-als-service.htm#sid=41526699
[3] = http://www.skype.com/intl/de/business/products/pbx-systems/sip/
[4] = http://www.live.sipgate.de/
[5] = http://www.live.sipgate.de/rates
[6] = http://www.sipgate.de/voipshop/
[7] = http://www.skype.com/intl/de/business/
[8] = http://skype.com/intl/de/prices/callrates/#allRatesTab
[9] = http://shop.skype.com/intl/de/