Ein neuer Anlauf für die digitale Schiefertafel

(http://www.zdnet.de/magazin/41526373/ein-neuer-anlauf-fuer-die-digitale-schiefertafel.htm)

von Rudi Kulzer, 27. Januar 2010

Seit Wochen überschlagen sich die Medien mit spekulativen Vorberichten zu Apples neuem Wundergerät - dem Tablet der neuesten Generation. Jetzt ist es da, das iPad. Der Traum von der digitalen Schiefertafel ist jedoch nicht neu - und war bisher eine Geschichte voller Flops.

Microsoft-Chef Steve Ballmer glaubte, der Ankündigung von Apple-Chef Steve Jobs zuvorkommen zu müssen. Also brach er Anfang Januar, am Vorabend der Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas, wieder einmal eine Lanze für Tablet-PCs[1]. Das hat der Mitgründer von Microsoft, Bill Gates, schon 2001 auf der damals noch existierenden PC-Messe Comdex - ebenfalls in Las Vegas - versucht.

Ging es bei Gates' Tablet-PC noch um einen besonderen PC ohne Tastatur - um einen Bildschirm-PC mit elektronischer Stifteingabe - scheint es sich bei den Tablets der CES 2010[2] eher um multimdeial begabte Konkurrenten von Amazons E-Book "Kindle" zu handeln. Diese Geräte gehören zur Gruppe digitaler Lesegeräte und nicht zu elektronischen Schreibgeräten. Das gilt auch, wenn Steve Jobs bei der Vorstellung des iPad[3] als Beispielanwendungen unter anderem E-Mail und Facebook zeigte: Geschrieben werden darf, aber lesen beziehungsweise betrachten steht im Vordergrund.

Mobiles, digitales Lesen scheint die Hoffnung der Stunde zu sein, auf die Gerätehersteller, Softwarehäuser und die Zeitschriften- und Buchverlage gleichermaßen setzten. Der Stift oder Finger wird hier auf einem Berührbildschirm anstelle der Maus als Zeigegerät benutzt, aber kaum als Schreibgerät.

Der nach langem Rätselraten jetzt endlich bekannte - und wenig überraschende - Name "iPad" ist eigentlich genau so falsch wie der lange kursierende Name für Apples neues Wundergerät, "iSlate". "Pad" heißt im Englischen Notizbuch, "Slate" ist die Schiefertafel. Damit stehen beide eher für ein Schreibgerät. Das zeigt auch die ebenfalls heute von Jobs angekündigte neue App namens iBook. Sie ist auf dem Display als Bücherregal dargestellt und macht das iPad zum E-Book-Reader. Mit zahlreichen Verlagen wurden bereits Verträge geschlossen.

Das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung vom 26. Januar 2010 über die Geschichte der Schiefertafel schreibt zwar "die Schiefertafel funktioniert wie ein Arbeitsspeicher, den man immer neu überschreiben kann", doch damit ist die Tafel immer noch ein Eingabespeicher, und kein Lesegerät eines externen Inhaltsspeichers. Und bei der neuen Generation der Tablets geht es eindeutig mehr um Ausgabe als um Eingabe. Was auch die Hoffnungen der Verlage[4] in das Produkt erklärt.

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Apple stellt seinen Tablet-Mac iPad vor[5]

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Die erste Idee eines elektronischen Stiftes und der maschinellen Erkennung von Handschriften tauchte erstmals 1888 auf. Bis es erste Computer mit elektronischem Eingabestift gab, dauerte es dann aber noch einige Jahrzehnte. Die ersten hießen damals Pen Computer. Der Begriff Tablet-PC selbst wurde wie erwähnt 2001 von Microsoft eingeführt.

Das erste Konzept zu einem tragbaren Computer mit intuitiver Benutzeroberfläche stammte von Alan Kay aus dem Labor Xerox PARC in Palo Alto. In Arbeiten der 70er Jahre war von einem Dynabook[6] die Rede. Einer der ersten echten Computer mit Stifteingabe war der 1993 vorgestellte Newton von Apple. Das DIN-A5 große Gerät war wegen seiner Größe (als PC zu klein, für die Hemdentasche zu groß) und der damals noch zu schwachen Prozessorleistung als Personal Computer ein Flop, aber doch ein wichtiger Vorläufer der PDAs.

Zwischen 1992 und 1994 präsentierten etwa Fujitsu, IBM und NCR, die sogenannten "Pen Computer". Diese liefen entweder unter Microsofts "Windows for Pen Computers" oder "PenPoint" der GO Corporation liefen. Pioniere von Pen-PCs waren GRiD und die GO Corporation, Unternehmen, die heute nur noch IT-Historiker kennen. 1995 nahmen alle Hersteller ihre penbasierten Produkte für Endverbraucher vom Markt. Als Eingabegeräte der Industrie für die Betriebsdatenerfassung spielen sie bis heute jedoch eine wichtige, wenn auch wenig beachtete Rolle.

Microsoft dagegen glaubte weiter an stiftbediente Computer, wie Bill Gates auf der Comdex 2001 demonstrierte. Daher veranlasste Gates 2002 die Tablet-PC-Erweiterung des Betriebssystems Windows XP. Seither sind eine Vielzahl von Endgeräten, unter anderem von Dell, Fujitsu-Siemens, Hewlett-Packard, Lenovo und Toshiba, erhältlich. Die Nachfrage scheint aber nicht besonders hoch zu sein. Anbieter wie Acer haben sich 2007 bereits wieder aus dem Geschäft mit Tablet PCs zurückgezogen.

Ob es Apple mit seinem multimedialen Lesegerät wieder, wie schon beim iPhone, gelingt, Zeichen zu setzen, und einen ganzen Markt neu zu definieren, bleibt fraglich. Und es ist entgegen aller Spekulationen vielleicht eher eine Generationen- als eine reine Preisfrage.

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25 Jahre Macintosh-Rechner: Die wichtigsten Stationen in Bildern[7]

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URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_investition_hardware_ces_microsoft_stellt_tablet_pcs_mit_windows_7_vor_story-39001021-41525307-1.htm
[2] = http://www.zdnet.de/it_business_technik_ces_highlight_tablet_pcs_sind_wieder_da_story-11000009-41525373-1.htm
[3] = http://www.zdnet.de/news/mobile_wirtschaft_tablet_von_apple_steve_jobs_stellt_ipad_offiziell_vor_story-39002365-41526362-1.htm
[4] = http://www.sueddeutsche.de/computer/165/501421/text/9/
[5] = http://www.zdnet.de/galerie/41526384/apple-stellt-seinen-tablet-mac-ipad-vor.htm#sid=41526373
[6] = http://de.wikipedia.org/wiki/Dynabook
[7] = http://www.zdnet.de/galerie/39201516/25-jahre-macintosh-rechner-die-wichtigsten-stationen-in-bildern.htm#sid=41526373