Mobilfunk-Trends 2010: vernetzter, schneller, grüner

(http://www.zdnet.de/magazin/41526280/mobilfunk-trends-2010-vernetzter-schneller-gruener.htm)

von Yvonne Göpfert, 26. Januar 2010

Mitte Februar trifft sich die Mobilfunkbranche auf dem Mobile World Congress in Barcelona, um dort die neuesten Entwicklungen in Sachen Telekommunikation vorzustellen. ZDNet zeigt, was den Verbraucher erwartet.

Im Jahr 2009 wurden dem Marktforschungsinstitut Gartner[1] zufolge weltweit etwa 1,2 Milliarden Mobiltelefone verkauft. 2010 soll der Absatz um neun Prozent wachsen.

Um die Erfolgsstory fortzusetzen, müssen die Handyhersteller das Innovationstempo weiter steigern. ZDNet skizziert die wichtigsten Entwicklungen.

Mobile Anwendungen

Im App Store[2] stehen aktuell mehr als 100.000 Programme und Spiele zum Download bereit. Damit ist Apple erfolgreicher Vorreiter in puncto Software für das Handy. Der App Store ist zudem einer der wichtigsten Gründe für die Popularität des iPhone OS.

Der zweite große Online-Shop für Handy-Software ist der Android Market[3]. Laut Androlib.com[4] gibt es derzeit knapp über 26.000 Apps zum Herunterladen. Microsoft[5], BlackBerry[6] und Nokia[7] investieren ebenfalls kräftig in ihre Download-Plattformen, die sie nach dem Apple-Vorbild eingerichtet haben. Alle Anbieter erwarten ein stark wachsendes Angebot.

Zudem ist anzunehmen, dass das Preisniveau aufgrund komplexerer Anwendungen steigen wird. Die Navigationslösungen von Tomtom oder Navigon werden schon heute für deutlich mehr Geld verkauft.

Ein weiteres Indiz, dass Handy-Software 2010 eine große Rolle spielen wird: Auf dem im Februar stattfindenden Mobile World Congress[8] gibt es dieses Jahr erstmals den App Planet[9] mit Fokus auf mobile Anwendungen. Dort präsentieren sich mehr als 50 Aussteller.

Vor einem guten halben Jahr hat HTC[10] sein neues Bedienkonzept HTC Sense vorgestellt. Herzstück der Nutzeroberfläche ist das Adressbuch als Kommunikationszentrale. Egal, ob der Anwender einen Freund anrufen, ihn per SMS oder E-Mail kontaktieren oder einfach nur dessen Facebook-Status abrufen will - es reicht, den Namen im Adressbuch aufzurufen. Zu jeder Kontaktperson wird die komplette Konversationshistorie bereitgestellt.

Vodafone[11] geht mit seinem Vodafone-360-Portal[12] noch einen Schritt weiter. Das Adressbuch mit dem Namen "People" bildet das Zentrum auf jedem Vodafone-360-Handy. Es überprüft regelmäßig alle Kontakte aus dem Adressbuch, die auch bei Facebook, Google Talk und Windows Live Messenger gelistet sind. Bei Änderungen von Adressen oder Telefonnummern holt sich das System die neuen Daten automatisch.

HTC Sense sowie Vodafone 360 sind nur zwei Ansätze, um die Kommunikation einfacher zu gestalten. Auf den meisten Handys ist die Handhabung verschiedener sozialer Netzwerke und der Datenabgleich immer noch ein mühsames Unterfangen. Nur Facebook oder Twitter vorzuinstallieren reicht 2010 nicht mehr aus. Im Laufe des Jahres sind hier innovative Lösungen zu erwarten.

LG[13] und Samsung[14] haben in der zweiten Jahreshälfte 2009 die ersten Solar-Handys auf den Markt gebracht. Beim Samsung E1170 Crest Solar handelt es sich um ein ganz einfaches Dual-Band-Handy, das sich nur zum Telefonieren und SMS verschicken eignet. Das LG GD510 Pop[15] und das Samsung Blue Earth S7550[16] sind dagegen besser ausgestattete Mobiltelefone mit Touchscreen und 3-Megapixel-Kamera. Das Samsung Blue Earth bietet sogar WLAN.

Während LG für das GD510 Pop das Solarpanel als Austauschschale nur optional anbietet, sind die Solarzellen bei Samsung fest in das rückwärtige Cover integriert. Die Leistung der Solarzellen lässt allerdings noch zu wünschen übrig. So muss das Samsung Blue Earth S7550 beispielsweise mehr als eine Stunde in der Sonne liegen, um ein 10 Minuten-Telefonat führen zu können.

Doch die Forschung bleibt nicht stehen und so werden 2010 weitere Solar-Handys auf den Markt kommen. Samsung hat sein Engagement in diesem Segment bekräftigt und weitere Modelle aus seiner Öko-Handy-Reihe Blue Earth angekündigt. Derzeit können Smartphone-Nutzer in weiten Teilen des deutschen Mobilfunknetzes mit maximal 3,6 MBit/s surfen. Nur an vielbesuchten Orten wie Flughäfen oder Bahnhöfen funktioniert werden schon Geschwindigkeiten von bis zu 7,2 MBit/s erreicht. Für anspruchsvolle Inhalte wie Videos reicht das aber nicht aus. Eine Lösung ist bereits in Sicht.

O2[17] hat am 3. November 2009 den Live-Betrieb seines mobilen HSPA+ Datennetzes in München[18] gestartet. HSPA+ ermöglicht den Download mit bis zu 28 MBit/s und den Upload mit bis zu 5,76 MBit/s. In einer ersten Phase können O2-Kunden im Zentrum und im Westen von München das neue mobile Breitband-Internet testen. Dazu erhalten sie einen USB-Stick von Huawei mit einer Daten-Flatrate. Vorerst lässt sich die neue Technik nur mit dem Laptop nutzen, Handys bleiben derzeit außen vor.

T-Mobile[19] und Vodafone[11] haben auf der CeBIT 2009 erste Experimente mit LTE[20] (Long Term Evolution), der nächsten Mobilfunkgeneration nach UMTS und HSDPA, durchgeführt. Mittelfristig sollen mit dieser Technik Downstream-Raten von bis zu 100 MBit/s möglich werden, langfristig sind sogar 300 MBit/s geplant. 2010 werden die ersten kommerziellen LTE-Netzwerke vorgestellt. Laut einer Prognose von ABI Research wird es bis 2012 rund 32 Millionen LTE-Anschlussinhaber geben, allein 20 Millionen davon in Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Gerüchten zufolge stellt Steve Jobs Ende Januar einen Tablet-Rechner[21] vor. Dabei soll es sich um ein Touchscreen-Tablet handeln, das allen möglichen Geräten vom Netbook bis zum E-Book-Reader Konkurrenz machen soll. Es wird spekuliert, dass es größer als das iPhone und kleiner oder genauso groß wie ein Netbook sein wird.

Zwar konnte sich die erste Tablet-Generation mit Windows nicht durchsetzen. Trotzdem hat Microsoft-Chef Steve Ballmer zur Eröffnung der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas Tablet-Computer[22] vorgestellt. Sie sollen die Lücke zwischen Smartphones und Notebooks schließen und noch 2010 auf den Markt kommen. Alle Geräte laufen unter Windows 7, bieten einen Touchscreen und unterstützen Multi-Touch.

Ballmer empfiehlt die Tablets vor allem zum Surfen im Internet oder als Multimediaplayer. Darüber hinaus lassen sie sich als E-Book-Reader einsetzen. Technische Details oder Preise sind noch nicht bekannt.

Weitere Hersteller dürften dem Trend folgen. Zudem bekommt die IT-Industrie Unterstützung von Verlagen. Diese haben bereits Interesse an Geräten bekundet, die sich als Grundlage für digitale Zeitungen auf Abonnementbasis eignen.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.gartner.com/technology/home.jsp
[2] = http://www.apple.com/de/iphone/apps-for-iphone/
[3] = http://www.android.com/market/
[4] = http://de.androlib.com/appstats.aspx
[5] = http://www.microsoft.com/de/de/default.aspx
[6] = http://de.blackberry.com/
[7] = http://www.nokia.de/
[8] = http://www.mobileworldcongress.com/index.htm
[9] = http://www.mobileworldcongress.com/exhibition/app_planet.htm
[10] = http://www.htc.com/de/
[11] = http://www.vodafone.de/
[12] = http://www.vodafone.de/privat/360.html
[13] = http://www.lge.com/de/index.jsp
[14] = http://www.samsung.de/de/default.aspx
[15] = http://www.zdnet.de/news/mobile_wirtschaft_lg_kuendigt_optionales_solarpanel_fuer_mobiltelefon_gd510_pop_an_story-39002365-41515751-1.htm
[16] = http://www.zdnet.de/news/mobile_wirtschaft_samsung_stellt_touchscreen_handy_mit_integriertem_solarmodul_vor_story-39002365-41522682-1.htm
[17] = http://www.o2online.de/
[18] = http://www.zdnet.de/mobiles_arbeiten_telekommunikation_telco_umts_flott_wie_nie_zuvor_auf_messtour_mit_hspa_story-20000104-41523448-1.htm
[19] = http://www.t-mobile.de/
[20] = http://de.wikipedia.org/wiki/Long_Term_Evolution
[21] = http://www.zdnet.de/news/mobile_wirtschaft_tablet_launch_analysten_erwarten_arm_basiertes_design_von_apple_story-39002365-41525984-1.htm
[22] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_investition_hardware_ces_microsoft_stellt_tablet_pcs_mit_windows_7_vor_story-39001021-41525307-1.htm