Desktop-Virtualisierung: Die Auswahl wird größer

(http://www.zdnet.de/magazin/41525728/desktop-virtualisierung-die-auswahl-wird-groesser.htm)

von Jakob Jung, 18. Januar 2010

Desktop-Virtualisierung heißt nicht immer nur VMware, Microsoft oder Citrix. Auch andere Hersteller haben den Trend erkannt und bieten innovative und konkurrenzfähige Lösungen an. ZDNet stellt einige davon vor.

Desktop-Virtualisierung, oder auf Englisch Virtual Desktop Infrastructure (VDI), steckt trotz des Medienrummels um das Thema noch in den Kinderschuhen. Dennoch haben schon über 100 Firmen zu diesem Thema Lösungen im Angebot, so die Zählung des auf diesen Bereich spezialisierten Analysten Brian Madden[1].

"VDI wird dort eingesetzt, wo viele homogene Arbeitsplätze bestehen, beispielsweise in Helpdesks oder Callcenter. Eine Häufung sehen wir in der Automobil- und Finanzbranche sowie allgemein bei Call Centern", sagt Stefan Hölzl, General Manager EMEA bei Parallels[2].

Lutz Federkeil, System Consultant beim Virtualisierungsanbieter Quest Software[3], bestätigt diese Einschätzung im Großen und Ganzen: "Vor allem in Call Centern von Banken und Versicherungen werden derzeit VDI-Projekte in Angriff genommen."

Ein zweites wichtiges Feld, in dem eine starke Nachfrage[4] zu verzeichnen sei, sind externe Programmierer, die virtuell an die Unternehmensinfrastruktur angebunden werden sollen. "Generell denken sowohl kleine als auch große Unternehmen über VDI nach. Die beginnenden Migrationen auf Windows 7 werden diesen Trend verstärken", so Federkeil.

Selbstverständlich denken viele Unternehmen, die sich mit dem Gedanken der Virtualisierung von Clients tragen, zunächst einmal über die Angebote von Microsoft und VMware nach - schließlich sind Produkte dieser Hersteller schon überall im Haus.

Es lohnt sich aber durchaus auch ein Blick auf die weniger bekannten Mitbewerber. Denn das sind nicht alles nur Trittbrettfahrer oder Anbieter von Speziallösungen. Es gibt darunter auch eine Reihe von Herstellern, die auf innovative Konzepte setzen. ZDNet stellt vier davon vor.Zu den Firmen, die sich Virtualisierungswillige gerade im Mittelstand einmal näher anschauen sollten, zählt das hierzulande noch wenig bekannte Unternehmen Kaviza[5]. Die Kaviza VDI in a Box 2.1 ist auf die Bedürfnisse kleinerer Unternehmen ausgerichtet. Die Kaviza-Software wird auf einem dedizierten Server aufgesetzt und verzichtet auf Shared Storage. Das reduziert die Komplexität und ermöglicht eine preisgünstige Lösung.

"Während mit VMware View erst ab etwa 1000 Rechnern und einer Investition von einer Million Dollar echte Kostenvorteile zu erzielen sind, sind wir schon ab 25 PCs sinnvoll einsetzbar", behauptet Kumar K. Goswami, CEO von Kaviza. Die Software VDI in a Box setzt auf dem VMware-ESX-Server auf, die Unterstützung von Microsofts Hyper-V ist für Mitte des Jahres geplant. Das Kaviza-Produkt gibt es im Bundle mit Thin Clients von Wyse[6] und Servern von IBM[7] oder Dell[8]. In Deutschland übernimmt die Wiora Software GmbH[9] den Vertrieb, ein Auftritt auf der CeBIT ist geplant.

Quest Software hat aktuell schon die Version 7.0 seiner Suite vWorkspace[10] im Angebot. Wie die hohe Versionsnummer zeigt, blickt vWorkspace schon auf eine lange Geschichte zurück. Die Software begann als Ergänzung für Citrix Xen App[11]. Vor zwei Jahren wurde die Produktfamilie von Quest übernommen und kann mittlerweile auch in Deutschland einige Referenzen vorweisen. Dazu gehört unter anderem eine große Bausparkasse, bei der 1500 Arbeitsplätze virtualisiert wurden.

Der besondere Vorteil von vWorkspace ist laut Federkeil die Multi-Monitor-Fähigkeit. Zudem sei inzwischen eine Klippe bei Multimedia-Dateien umschifft: Bild und Ton bei Flash-Dateien laufen jetzt synchron. Die Linux-basierten Thin Clients des Herstellers Liscon[12] unterstützen ab dem nächsten Release auch die Lösung vWorkspace von Quest Software, die das Management von virtualisierten IT-Umgebungen erheblich vereinfachen soll.

Mit der aktuellen Version 7.0 unterstützt die Software auch die Microsoft-Produkte Windows 7, Windows Server 2008 und 2008 R2, Windows Vista, System Center Virtual Machine Manager 2008 R2 sowie den Virtuozzo Container (x86 und x64) von Parallels.

Mit Parallels pflegt Quest ohnehin eine enge Partnerschaft: Da Parallels keinen eigenen Connection Broker anbietet, verwendet man in der Regel einen Broker von Drittanbietern wie Quest. Damit wird die Einbindung von Gegenständen wie lokale USB-Geräte oder Mikrofon ermöglicht, sowie die Videoübertragung unterstützt.Parallels bündelt seine Virtualisierungssoftware Virtuozzo Containers mit mehreren Automatisierungs- und Verwaltungswerkzeugen zu einer VDI-Suite. Mit Virtuozzo verwendet Parallels eine andere Virtualisierungstechnologie als Citrix[13], Microsoft[14] und VMware[15]. Während bei allen drei Mitbewerbern die Hardware virtualisiert und auf dieser jeweils das Betriebssystem installiert wird, nutzt Parallels eine einmal installierte Instanz des Host-Serverbetriebssystems.

Diese von Parallels "Container" genannten virtuellen Maschinen benötigen deutlich weniger[16] CPU-Ressourcen, Speicher- und Plattenplatz. Der Overhead liegt nach Angaben des Herstellers lediglich bei zwei Prozent, während bei den Hypervisor-Techniken um die zehn Prozent üblich sind.

Ebenfalls positiv: Bei der Lizenzierung von Windows wird Parallels Virtuozzo Containers wie ein Terminalserver lizenziert, nicht wie ein Client-OS. Das heißt, mit nur einer Datacenter-Lizenz hat man automatisch unbegrenzt viele virtuelle Desktops lizenziert. Eine sogenannte VECD-Lizenz[17], die bei Hypervisor-Lösungen erforderlich ist, wird in dem Parallels-Szenario nicht benötigt.

Außerdem ist eine integrierte Lösung für Backups auf File-Ebene - für das schnelle Sichern eines VDI-Containers - enthalten. Eine Antivirus-Lösung muss nur einmal zentral auf dem Host installiert werden. Sie überwacht alle Container – sprich virtuellen Desktops - auf dem Host, so dass auch dafür nur eine einzige Serverlizenz notwendig ist.

Nachteile gibt es aber auch: Mit Parallels kann nur das Host-Betriebssystem virtualisiert werden, die Mischung von mehreren Plattformen, etwa Linux und Windows, auf einem physischen Server ist nicht möglich. Als Workaround reserviert man für jede Plattform einen eigenen Server oder Cluster.

Da Virtuozzo Windows- oder Linux-Serverbetriebssysteme virtualisiert, stellt Parallels den Benutzern ein Server-Betriebssystem bereit. Damit bei den VDI-Benutzern keine Verwirrung aufkommt, ist für sie einheitlich beispielsweise das Windows-XP-Theme voreingestellt. Der Support von Windows Server 2008 R2 und damit die Bereitstellung der Windows-7-Funktionen und -Optik ist für das erste Quartal 2010 mit der nächsten Virtuozzo-Version (5) geplant.

Die VDI-Lösung von Parallels umfasst eine PVC-Lizenz sowie eine vWorkspace-Lizenz von Quest mit unterschiedlichen Modulen für Drucken, Webportale und SSL-Gateways. Parallels berechnet die Lizenzgebühren je User. Beispielsweise kosten 100 User, VDI komplett inklusive vWorkspace von Quest rund 13.800 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Anders als bei reinen Virtuozzo basierten Lizenzen ist der Web-basierte Parallels Infrastructure Manager bereits enthalten.

Auch die Hardware-Hersteller sehen sich gut aufgestellt, um vom Trend hin zu DVI zu profitieren: "Die Desktop-Virtualisierungs-Projekte ziehen uns nach oben", sagt etwa Frank Lampe, vom deutschen Anbieter Igel Technology[18]. "Denn Thin Clients können in diesem Umfeld ihre Stärken noch besser ausspielen als bisher". Zu diesen Stärken zählen etwa die geringeren Betriebs- und Energiekosten[19] gegenüber herkömmlichen PCs.

Aber da gerade deutsche Unternehmen ihre alten Rechner nicht vorzeitig abschreiben wollen, hat Igel den "Universal Desktop Converter" entwickelt. Der erlaubt es, von vorhandener PC- und Thin-Client-Hardware zu einer homogenen Igel-Universal-Desktop-Thin-Client-Infrastruktur zu migrieren. Neben der einheitlichen Fernadministrierbarkeit bieten die migrierten Clients Zugriff auf Cloud Computing Services, Server-Based-Computing-Anwendungen und virtuelle Desktop-Umgebungen. Sie ermöglichen so die schrittweise Einführung dieser Technologien. Und das – so die Meinung fast aller Experten – ist der Weg, den die meisten Unternehmen beschreiten werden.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.brianmadden.com/
[2] = http://www.parallels.com/de/
[3] = http://www.quest.com
[4] = http://www.zdnet.de/it_business_technik_drei_trends_machen_in_firmen_dem_desktop_pc_den_garaus_story-11000009-39190101-1.htm
[5] = http://www.kaviza.com
[6] = http://www.wyse.de/
[7] = http://www.ibm.de/
[8] = http://www.dell.de/
[9] = http://www.wiora.eu
[10] = http://www.vworkspace.com/
[11] = http://www.citrix.com/xenapp
[12] = http://www.liscon.com
[13] = http://www.citrix.de
[14] = http://www.microsoft.de
[15] = http://www.vmware.de
[16] = http://www.zdnet.de/zentrale_speicherung_und_rechenleistung_storage_server_in_unternehmen_virtualisierung_ohne_einbussen_virtuozzo_containers_4_0_im_test_story-20000003-39192252-1.htm
[17] = http://www.microsoft.com/germany/lizenzen/sa/services/nutzung/vecd.mspx
[18] = http://www.igel.de/
[19] = http://www.zdnet.de/it_business_technik_drei_trends_machen_in_firmen_dem_desktop_pc_den_garaus_story-11000009-39190101-4.htm