Ausblick 2010: neue Chancen und Aufgaben der IT

(http://www.zdnet.de/magazin/41524814/ausblick-2010-neue-chancen-und-aufgaben-der-it.htm)

von Peter Marwan, 28. Dezember 2009

Die Marktforscher sind sich weitgehend einig: 2010 wird besser als 2009, bleibt aber schwierig. Für Unternehmen ist es daher wichtig, sich an die neuen Verhältnisse anzupassen. IT ist ein Werkzeug dafür - wenn man sie richtig nutzt.

Glaubt man den Prognosen der Marktforscher – und in dem Fall tut man es sicher einmal gerne –, haben die IT-Branche und die Unternehmen in Deutschland das Schlimmste überstanden. Der Branchenverband Bitkom[1] etwa geht davon aus, dass sich der ITK-Markt im kommenden Jahr europaweit stabilisiert. Er beruft sich dabei auf aktuelle Daten des European Information Technology Observatory (EITO[2]).

Demnach wird der Umsatz mit Produkten und Diensten der Informationstechnik, Telekommunikation und Consumer Electronics in der EU im Jahr 2010 um 0,5 Prozent auf rund 714 Milliarden Euro zurückgehen. Im Jahr 2009 beträgt das Minus jedoch noch 2,2 Prozent.

"Die globale Wirtschaftskrise trifft den ITK-Sektor weniger als viele andere Branchen", sagt Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. "Der Aufschwung der Gesamtwirtschaft im kommenden Jahr wird auch zu einer Belebung der Hightech-Märkte führen." Insbesondere die Nachfrage der Unternehmen werde dann wieder anziehen. Derzeit warten viele stark von der Wirtschaftskrise betroffene Unternehmen, zum Beispiel aus dem Maschinen- oder Fahrzeugbau, mit dem Start neuer IT-Projekte ab, bis sich die Lage bessert.

Etwas optimistischer als EITO und Bitkom sind die Marktforscher der Experton Group[3]. Ihre positivere Einschätzung begründen sie mit Daten einer Befragung von IT-Entscheidern deutscher Unternehmen. Von diesen erwartet fast die Hälfte der IT-Entscheider für 2010 einen Rückgang des IT-Budgets. Ein Drittel plant mit konstantem und ein knappes Fünftel mit einem steigenden IT-Budget. Neben der Wirtschaftskrise wurden in der Erhebung auch das vorsichtige Herangehen an Innovations- und Wachstumsthemen sowie die Verschiebung und Streckung von IT-Projekten als Ursachen ausgemacht.

Die seit Kurzem wieder verstärkt festzustellenden Übernahmeaktivitäten - mit ihren nachgelagerten IT-Umstrukturierungen - und die Bereitstellung öffentlicher Gelder im Rahmen des Konjunkturpakets II für IT-Infrastrukturprojekte für Organisationen der öffentliche Hand allein könnten dem Markt nicht die notwendigen Impulse verleihen, um an die Wachstumsraten der vergangenen Jahre anzuknüpfen, so die Experton-Analysten. Sie gehen daher davon aus, dass "ein signifikantes Wachstum für den IT-Markt 2010 nicht festzustellen sein wird". 2011 erwarten sie dagegen wieder eine Zunahme des Marktvolumens von knapp 3,5 Prozent.

Noch ein bisschen positiver als die Experton Group blickt IDC[4] in das kommenden Jahr. "Durch den wirtschaftlichen Aufschwung lässt der Druck auf die Ausgaben um einiges nach, sodass, wenn es 2010 wieder aufwärts geht, einige Wendepunkte erreicht werden können, die die Umgestaltung der Branche vorantreiben", sagt Frank Gens, Senior Vice President und Chief Analyst bei IDC.Aufgrund des Wirtschaftsaufschwungs prognostiziert IDC für das Jahr 2010 eine Wachstumsrate von 3,2 Prozent für die IT-Ausgaben. Allerdings bezieht sich diese Aussage auf den weltweiten IT-Markt. Die Branche würde damit wieder den Stand von Jahr 2008 erreichen. Die Segmente Hardware, Software und Services sollen jeweils um zwei bis vier Prozent wachsen. Das 2009 besonders stark eingebrochene Hardwaregeschäft soll die höchsten Zuwächse verzeichnen.

Motor des Wachstums sind aber nicht die USA oder Europa: Über die Hälfte des IT-Neugeschäfts wird laut IDC 2010 in den Schwellenländern erwirtschaftet. In Brasilien, Russland, Indien und China erwarten die Marktbeobachter Wachstumsraten zwischen 8 und 13 Prozent.

Dennoch ruft[5] IDC-Analyst Joachim Benner die Firmen dazu auf, sich nicht nur auf den inzwischen gut eingeübten Dreiklang aus "Kosten einsparen, standardisieren und konsolidieren" zu konzentrieren.

"Was in der Krise sinnvoll erscheinen mag, kann sich als Bremsschuh im nahenden Aufschwung erweisen. Wer die IT zu rigoros beschneidet und Investitionen auf ein Minimum zurückfährt, verliert schnell seine Innovationsfähigkeit und riskiert unter Umständen einen Rückgang der Produktivität." Um nicht von der Konkurrenz abgehängt zu werden, sei es entscheidend, den Aufschwung nicht zu verschlafen und wieder Geld für IT-Investitionen in die Hand zu nehmen.

Als Bereiche, in denen es sich zu investieren und mit denen es sich für IT-Leiter zu beschäftigen lohnt, sieht IDC Cloud Services in ihren unterschiedlichen Ausprägungen[6], die Einbindung mobiler Endgeräte, die immer stärker mit PCs um die Rolle als primäre Client-Plattform rivalisieren.

Den von IDC nur gestreiften Aspekt "Restrukturierung" stellen die Experten des Beratungs- und Marktforschungshauses Lünendonk[7] in den Mittelpunkt ihres Jahresausblicks 2010. Ihrer Ansicht nach ist im Krisenfolgejahr 2010 Restrukturierung für Unternehmen nötiger denn je. Denn auch das kommende Jahr sei trotz verhalten optimistischer Prognosen ein Jahr der großen Herausforderungen für Unternehmen in Deutschland. Es sei daher umso wichtiger, dass Firmen frühzeitig ihre strategische und wirtschaftliche Situation analysierten und rechtzeitig die Weichen für eine erfolgreiche Entwicklung stellten.Anhaltspunkte dafür kann ein kostenlos auf der Website des Beratungsunternehmens zum Download stehendes 70-seitiges "Themendossier[8]" geben, das gemeinsam mit den Managementberatungen Droege[9], Goetzpartners[10] und Kienbaum[11] erarbeitet wurde. Darin sind auch die wichtigsten Erfolgsfaktoren für Restrukturierungen aufgelistet.

Inwieweit in solchen Szenarien IT ein Erfolgsfaktor sein kann, haben im Rahmen einer Podiumsdiskussion in München bereits im November Führungskräfte von Adobe, Cisco, Computacenter, HP und Microsoft erörtert. Als größte Herausforderung sahen sie die steigende Komplexität von IT-Lösungen. Tenor: Ganzheitliche Infrastrukturen, die ein anwenderfreundliches, plattformübergreifendes Arbeiten und Kommunizieren ermöglichen, seien immer noch nicht umfassend etabliert.

Aber, so die einhelligen Meinung der Diskussionsteilnehmer, die Unternehmen hätten gerade durch die schwierige wirtschaftliche Situation der letzten Monate erkannt, dass und wie IT zum Erfolg beitragen kann. Als Folge dieser Erkenntnis erwarten auch sie für 2010 wieder mehr Investitionen.Als Trends, die viel Aufmerksamkeit erfahren werden, sahen die Teilnehmer der Expertenrunde Cloud Computing[12] und Collaboration. "Diejenigen, die es verstehen, Geschäftstransaktionen in Richtung multimediales, interaktives und benutzerfreundliches Erlebnis zu entwickeln, werden sich gegenüber ihren Wettbewerbern durchsetzen", sagt etwa Harald Esch, Vertriebsleiter Zentraleuropa bei Adobe Systems[13].

Und Michael Ganser, Senior Vice President DACH und Vorsitzender der Geschäftsführung von Cisco Deutschland[14], nennt Virtualisierung, den Aufbau privater Clouds, Videotechnologien und Collaboration als wichtigste Investitionsfelder 2010.

Ähnlich wie Lünendonk sieht auch Ganser "Business Transformation" als das Schlagwort im kommenden Jahr. "Die Aufgabe der IT wird 2010 sein, das Kerngeschäft der Unternehmen erfolgreicher zu machen, Innovationen zu fördern und gegebenenfalls Geschäftsmodelle zu verändern. Dazu müssen Insellösungen in den Unternehmen konsolidiert und Infrastrukturen vereinfacht werden."

Oliver Tuszik, Chief Executive Officer und Vorstandsvorsitzender beim Dienstleister Computacenter[15], glaubt, dass Unternehmen 2010 und danach zwar weniger für die klassische IT-Infrastruktur ausgeben, aber dafür mehr in neue Modelle der Zusammenarbeit und Mobilität[16] investieren. Der Manager liegt mit seiner Einschätzung also auf derselben Wellenlänge wie IDC.

"Auch wenn bei unseren Kunden aktuell Lösungen im Vordergrund stehen, mit denen sich unmittelbare Kostensenkungen realisieren lassen, wird die Informationstechnologie wieder stärker als Innovationstreiber und Unterstützer des Business gesehen", so Tuszik. "Die Bereitstellung von Plattformen und Applikationen unabhängig von der Infrastruktur und dem Endgerät wird uns zunehmend beschäftigen. IT gibt es nicht um der IT Willen, sondern zum Nutzen des Unternehmens und der Anwender. Wozu braucht der Anwender die IT und wie kann ich ihm die Usability bieten, die er sich wünscht?" Das seien die Fragen, mit denen sich die IT 2010 auseinandersetzen müsse.

Bildergalerie

Cloud Computing in Deutschland[17]

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URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.bitkom.org
[2] = http://www.eito.com/
[3] = http://www.experton-group.com/
[4] = http://www.idc.com/germany/
[5] = http://www.searchdatacenter.de/specials/research-zone/kommentare/articles/244077/
[6] = http://www.zdnet.de/it_business_technik_cloud_computing_zwischen_wunsch_und_wirklichkeit_story-11000009-39202000-1.htm
[7] = http://www.luenendonk.de
[8] = http://www.luenendonk.de/informationsanforderung.php
[9] = http://www.droege-international.com/
[10] = http://www.goetzpartners.com/
[11] = http://www.kienbaum.com/
[12] = http://www.zdnet.de/artikel_zum_thema_cloud_computing_thema-39002356-39001558o0o0-1.htm
[13] = http://www.adobe.com/de/
[14] = http://www.cisco.de
[15] = http://www.computacenter.de/
[16] = http://www.zdnet.de/it_business_strategische_planung_mittelstand_nutzt_potenzial_mobiler_loesungen_nur_teilweise_story-11000015-39197997-1.htm
[17] = http://www.zdnet.de/galerie/41005206/cloud-computing-in-deutschland.htm#sid=41524814