Handy weg? Diese Dienste löschen Daten aus der Ferne

(http://www.zdnet.de/magazin/41522730/handy-weg-diese-dienste-loeschen-daten-aus-der-ferne.htm)

von Yvonne Göpfert, 13. November 2009

Wer sein Handy verliert oder verlegt, läuft Gefahr, dass Adressen und andere wichtige Informationen in die falschen Hände geraten. Da hilft nur Schadensbegrenzung mit regelmäßigen Backups und Löschen per Fernsteuerung.

Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmen Gartner[1] wurden im dritten Quartal 2009 weltweit 41 Millionen Smartphones verkauft. Das ist ein Anstieg von 12,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum - und der Trend soll anhalten. Es kommen also immer mehr mobile Begleiter in Umlauf, die nicht nur Kontaktdaten, sondern auch E-Mails, Dokumente und Präsentationen speichern. Das macht die Geräte interessant für Datendiebe.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich 42 Prozent aller Handydatenverluste auf gestohlene oder liegengelassene Handys zurückführen lassen. Das hat zumindest eine Studie im Auftrag von Symantec ergeben.

Um Unannehmlichkeiten zu vermeiden, können Vertragsdokumente, Marketing- und Budgetpläne sowie Kundendaten auf dem Smartphone auch aus der Ferne per Remote-Wipe-Befehl gelöscht werden. Voraussetzung: Die IT-Administration hat die notwendige Applikation installiert. Via Microsoft Exchange oder BlackBerry Enterprise Server sind die Daten mit einem Knopfdruck vernichtet und können nicht mehr in falsche Hände gelangen.

Privatpersonen setzen lieber auf Cloud Computing. In diesem Fall liegen Kontaktdaten, E-Mails, der Kalender und Dokumente auf dem Webserver des Dienstleisters. Auf dem Handy neu hinzugefügte Daten gleicht das System dann per Mobilfunk mit dem Online-Account ab. Einige Anbieter haben sogar hilfreiche Anwendungen für den Diebstahlsfall entwickelt. Sie ermöglichen das Orten eines Handys oder das Löschen sämtlicher Daten auf dem Gerät.

Apple[2] hat mit MobileMe das erste Portal dieser Art ins Leben gerufen, Microsoft[3] mit My Phone nachgezogen. Auch Palm[4] bietet - jedoch in reduzierter Form - ein Online-Backup mit Diebstahlfunktion. Auf den folgenden Seiten stellt ZDNet vor, welche Dienste bei Handyverlust helfen und mit welchem mobilen Betriebssystem sie genutzt werden können. Der BlackBerry-Hersteller Research In Motion[5] (RIM) hat als erster eine Sicherheitslösung für seine Smartphones ins Programm genommen. Schon seit der ersten BlackBerry-Enterprise-Server-Lösung können IT-Adminstratoren über Remote Wipe (Löschen aus der Ferne) Daten von einem Gerät endgültig zu entfernen. Der Administrator sucht den verlorenen BlackBerry aus der Liste aller Unternehmens-Smartphones heraus und drückt auf den Löschen-Knopf. Sofort werden alle Daten auf dem Smartphone siebenfach mit Nullen und Einsen überschrieben. Der Zerstörungsvorgang kann je nach Größe des Datenspeichers mehrere Minuten dauern. Selbst Datenrettungsanbieter wie Kroll Ontrack[6] haben nach diesem Procedere keine Möglichkeit mehr, die Daten wieder herzustellen.

Sollte der BlackBerry gerade in dem Moment abgeschaltet werden, in dem der Löschbefehl ergeht, bleiben die Daten gespeichert. Sobald sich das Gerät wieder ins Netz einloggt, erfolgt die Ausführung binnen Millisekunden. Ein Dieb hat somit kaum die Möglichkeit, diesen Vorgang zu stoppen und die Handydaten auszulesen.

Um die gelöschten Informationen später auf einen neuen BlackBerry bringen zu können, bietet RIM seine Desktop-Manager-Software an. Sie speichert sämtliche Dokumente, Kontakte inklusive Klingelton, Profile und Hintergrundbilder als Backup. So kann der Anwender das neue Smartphone an den PC anstecken und sich sämtliche Daten wieder aufspielen.

Voraussetzung ist allerdings ein regelmäßiges manuelles Backup, so dass die Daten auf dem aktuellen Stand sind. Pressesprecher Arno Glompner von RIM empfiehlt, einmal pro Woche die Daten zu sichern - egal ob privat oder geschäftlich genutzter BlackBerry. Eine Systemadministration hat derzeit nämlich keine Möglichkeit, diesen Prozess für alle BlackBerrys eines Unternehmens zu automatisieren.

Das Wiederfinden eines verlorenen BlackBerrys gestaltet sich nicht so einfach wie bei einem iPhone. Eine Ortungsfunktion bietet der kanadische Hersteller nämlich nicht an. Zwar kann jedes Gerät anhand seiner PIN-Nummer identifiziert werden, aber RIM hat keine Möglichkeit, das Smartphone im GSM- oder UMTS-Netz zu orten. Das wäre nur möglich, wenn sich der Dieb bei einem Netzbetreiber für die BlackBerry-Push-Mail-Lösung anmelden würde. Denn nur Funkprovider wie T-Mobile oder Vodafone haben Zugriff auf das Handynetz und könnten das Gerät innerhalb der Funkzellen orten.

Besser wäre es für diesen Fall, wenn der Nutzer sich das Diebstahlschutz-Programm Anti-Theft von Roblock[7] aufspielt. Die Anwendung identifiziert sofort jede neue SIM-Karte, die ins Handy gesteckt wird. Danach übermittelt das Programm die Handynummer der neuen SIM sowie die Zell-ID im Mobilfunknetz an eine vorher gespeicherte Telefonnummer. Dann kann der Bestohlene eine SMS abschicken, die das Löschen sämtlicher Daten auf dem Handy veranlasst.

iPhone Applikation: 3Satz
Das iPhone lässt sich bei Diebstahl oder Verlust auf zweierlei Arten schützen: Ist es an einen Microsoft Exchange Server (Exchange 2007) gekoppelt, sorgt der Server für ein regelmäßiges Backup von E-Mails, Kalender und Kontaktdaten. Geht das Apple-Handy verloren, kann der Systemadministrator oder der Besitzer des Smartphones den Remote-Wipe-Befehl zum Löschen aller Daten auslösen.

Dazu meldet er sich über Outlook Web Access (OWA) an und wählt im Navigationsbereich die Option "Mobile Geräte". Von dort aus lässt sich ein Löschbefehl an das Telefon senden. Es wird sofort ein Neustart ausgelöst, das Handy bootet nur bis zum Erscheinen des Apfel-Logos. Anschließend ist es nicht mehr zu gebrauchen. Erst bei der nächsten Verbindung zu iTunes wird der Löschvorgang abgeschlossen.

Für den privaten Gebrauch empfiehlt sich MobileMe[8]. Dahinter verbirgt sich ein Angebot von Apple, um Fotos, PDFs und Office-Dokumente als Backup des iPhone im Internet zu speichern. Für die Datenauslagerung vom Desktop-PC ins Netz hat sich der Begriff "In the Cloud" eingebürgert. Durch dieses verfahren sichert sich der Nutzer Zugriff auf seine Daten von überall in der Welt - via Handy oder PC. Den externen Speicherplatz im Web nennt Apple übrigens iDisk. Auf einem Mac wird iDisk sogar als eigenes Laufwerk im Dateimanager angezeigt.

Der Vorteil von MobileMe besteht darin, dass jede Änderung im Adressbuch oder im Kalender sofort mit dem iPhone synchronisiert wird - und umgekehrt. Interessant wird ein MobileMe-Konto besonders dann, wenn das iPhone abhanden gekommen ist. Der MobileMe-Account bietet die Funktionen "Mein iPhone suchen" und "Alle Daten löschen".

Um das Handy aufzuspüren, muss "Mein iPhone suchen" in den MobileMe-Einstellungen auf dem iPhone aktiviert sein. Die Funktion ist ab iPhone OS 3.0 voreingestellt. Dennoch muss der Anwender die Ortung in den Einstellungen erlauben. Damit ein unehrlicher Finder die Lokalisierungsfunktion nicht deaktiviert, sollte zusätzlich noch die Code-Sperre des Geräts eingeschaltet sein.

Wer sich auf me.com[8] einloggt, kann auf einer Karte die ungefähre Position seines Handys sehen. Allerdings ist es möglich, dass der tatsächliche Ort, an dem sich das Telefon befindet, um mehrere Hundert Meter abweicht. Angezeigt wird nur die Funkzelle.

Noch interessanter ist die Fernlöschfunktion. Damit lässt sich das iPhone auf die Werkseinstellungen zurücksetzen. Sollte das Apple-Handy dann doch wieder auftauchen, besteht die Möglichkeit, alle E-Mails, Kontakte und den Kalender wiederherzustellen, indem der MobileMe Account auf dem iPhone aktiviert wird.

Doch der Verlust des Mobiltelefons bleibt ein Wettlauf gegen die Zeit: Wenn der Dieb die Datenverbindung ins GSM- oder UMTS-Netz unterbindet, kann er das Telefon hacken. Dann wird die Fernlöschung versagen. Das gleiche gilt, wenn der Akku leer ist oder aus dem Gerät entfernt wurde.

Wer MobileMe nutzen möchte, kann den Dienst 60 Tage lang kostenlos in Anspruch nehmen. Anschließend zahlt der Anwender 79 Euro pro Jahr. Es gibt auch eine Familienlizenz für 119 Euro im Jahr.
iPhone Applikation: 3Satz
Microsofts Cloud-Service My Phone[9] erlaubt das Kopieren aller Daten ins Internet. Der kostenlose Dienst ermöglicht ein automatisiertes Backup von Fotos, Musik, Kontakten und SMS direkt von einem Windows-Mobile-Smartphone aus. Er synchronisiert sowohl den Datenspeicher des Handys als auch den Inhalt einer Speicherkarte. Wie bei MobileMe hat der Anwender via Web überall und jederzeit Zugriff auf seine Daten. Zudem besteht die Möglichkeit, aus My Phone heraus Fotos direkt in Windows Live, Facebook, MySpace und Flickr zu laden.

Neben dem kostenlosen Angebot unterstützt das kostenpflichtige Premiumpaket den Kunden beim Verlust des Telefons. Der Anwender kann über das Internet sein Telefon sperren und einen Text einblenden lassen, der mit den Worten "Wenn Sie dieses Telefon gefunden haben, dann ..." beginnt. Außerdem hat er wie bei MobileMe die Möglichkeit, ein Klingeln des Handys zu veranlassen. Der Dauerklingelton funktioniert übrigens auch, wenn nur der Vibrationsalarm aktiv oder das Handy stumm geschaltet ist.

Als letzte Schutzlösung gibt es die Option, sämtliche Daten des Telefons löschen zu lassen. Das ist mit Windows Mobile 6.0, 6.1 und 6.5 möglich. Wer die Software noch nicht auf dem Smartphone installiert hat, kann sie im Browser über http://myphone.microsoft.com/install[10] herunterladen.

My Phone Premium ist bis zum 30. November 2009 kostenlos. Danach kostet der 7-Tage-Zugang 4,99 Euro. Je nach Mobilfunkvertrag können bei Nutzung des Dienstes zusätzliche Kosten für die Datenübertragung anfallen.

Nokia stellt zur Datensicherung für Smartphones, die unter Symbian S60 laufen, das Online-Portal Ovi[11] bereit. An Diebstahl oder Verlust haben die Finnen aber weniger gedacht und bieten bislang keine Ortungsfunktion im Stil von My Phone oder MobileMe an. Auch für Android-Smartphones gibt es noch keine In-the-Cloud-Lösungen. Die Nutzer dieser Plattformen können jedoch auf Sicherheitssoftware von F-Secure[12] beziehungsweise SMobile[13] zurückgreifen.

F-Secure Mobile Security[14] verhindert den Missbrauch vertraulicher Informationen, falls das Gerät verloren geht oder gestohlen wird. So lässt sich das Handy per Remote-Sperre mit einer SMS blockieren. Die Diebstahlsicherung blockiert das Telefon auch, wenn die SIM-Karte ausgewechselt wird. Remote Wipe löscht alle Daten vom Mobiltelefon. Allerdings wird diese Funktion derzeit nur bei Symbian-S60-Geräten (Version 3 und 5) unterstützt. Alle anderen Funktionen laufen auch unter Windows Mobile ab Version 5.0. Eine Jahreslizenz von Mobile Security, die zugleich eine Virenschutz-Software fürs Handy beinhaltet, schlägt mit 40 Euro zu Buche. Eine Zweijahreslizenz kostet 60 Euro.

SMobile Anti-Theft and Identity Protection[15] läuft neben Symbian S60 auch auf Windows Mobile 6 und 6.1, BlackBerry OS sowie Android. Diese Lösung bietet mit der Lokalisierung des verlorenen Smartphones auf einer Online-Karte eine zusätzliche Funktion. Natürlich können auch SMobile-Nutzer ihr Gerät per Fernzugriff außer Betrieb setzen und persönliche Daten löschen. Zudem sorgt die Software für ein Datenbackup per Funkschnittstelle. Sie kostet 20 US-Dollar pro Jahr.

Auch Palm schützt vor Datenverlusten durch Synchronisation mit einer Cloud. Wer beispielsweise einen Palm Pre[16] kauft, wird beim Einrichten dazu aufgefordert, ein Palm-Profil anzulegen. Damit lässt sich automatisch von ausgewählten Daten ein Backup erstellen. Erfasst werden Kontakte, Kalender, Memos und Aufgaben, die nicht mit einem anderen Dienst wie Google synchronisiert werden. Sogar Anwendungen aus dem App Catalog und Fotos lassen sich abgleichen.

Außerdem kann der Besitzer unabhängig vom verwendeten E-Mail-System per Fernzugriff Daten zerstören. Dabei werden alle Informationen auf dem Telefon gelöscht - auch Dateien, die im USB-Laufwerksmodus gespeichert wurden. Der Befehl zum Löschen im Fernverfahren wird per SMS gesendet und muss innerhalb von 24 Stunden aktiviert werden. Wie bei allen Fernzugriffen kann auch Palms Löschaktion nur erfolgen, wenn das Smartphone ins Mobilfunknetz eingebucht ist. Bei Geschäftskunden setzt Palm eine Löschfunktion via Microsoft Exchange ein.

Einen Ortungsservice, wie ihn My Phone oder MobileMe bietet, hat Palm bisher nicht im Programm. Ob einer in Arbeit ist, wollte das Unternehmen nicht bestätigen.

Damit Daten im Fall eines verlorenen Smartphones nicht in falsche Hände gelangen, gibt es verschiedene Schutzmöglichkeiten. Firmenhandys, die an Microsoft Exchange oder einen Blackberry-Enterprise-Server angebunden sind, können über die Systemadministration aus der Ferne gelöscht werden.

Für alle anderen Handy-Nutzer sind In-the-Cloud-Dienste wie MyPhone von Apple, Palm Profil oder Microsofts My Phone empfehlenswert. Sie erleichtern vor allem auch das Datenbackup. Muss ein Smartphone ersetzt werden, ist das Einspielen der alten Daten kein großer Aufwand. Zudem sorgen die Services dafür, dass ein Dieb keinen Zugriff auf vertrauliche Daten erhält. My Phone und MobileMe bieten zusätzlich die Ortung des Handys an.

Dennoch ist der Diebstahlschutz nicht ohne Tücken: Wenn der Akku zur Neige geht, Roaming deaktiviert ist oder das Gerät keinen Netzempfang hat, versagt der Remote-Wipe-Befehl. Und wer die SIM-Karte zu früh sperren lässt, verhindert den Löschvorgang ebenfalls.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.gartner.com/technology/home.jsp
[2] = http://www.apple.com/de/
[3] = http://www.microsoft.com/de/de/default.aspx
[4] = http://www.palm.com/de/de/
[5] = http://www.rim.com/
[6] = http://www.ontrack.de/
[7] = http://www.youtube.com/watch?v=19mbCpHgFP0
[8] = http://www.me.com
[9] = http://myphone.microsoft.com/
[10] = http://myphone.microsoft.com/install
[11] = http://www.ovi.com/
[12] = http://www.f-secure.com/de_DE/
[13] = http://www.smobilesystems.com
[14] = http://www.f-secure.com/de_DE/products/mobile/mobile-security/
[15] = http://www.smobilesystems.com/anti_theft.php
[16] = http://www.zdnet.de/mobiles_arbeiten_mit_handheld_pda_handy_smartphone_getestet_palm_pre_mit_dem_neuen_betriebssystem_webos_review-20000153-41005058-1.htm