Windows 7 ist fertig: viel Licht und etwas Schatten

(http://www.zdnet.de/magazin/41515964/windows-7-ist-fertig-viel-licht-und-etwas-schatten.htm)

von Joachim Kaufmann, 21. Oktober 2009

Seit Windows 95 hat es um keine Version des Microsoft-OS einen solchen Hype gegeben wie um Windows 7. Tatsächlich sind gegenüber dem Vorgänger Vista deutliche Fortschritte erkennbar. Auch XP-Fans sollten ein Upgrade erwägen.

"Ich habe gar keinen Computer, aber ich musste es einfach haben", sagte ein Windows-95-Käufer zum Marktstart am 24. August 1995, als er das wolkenblaue Paket in die TV-Kameras hielt. Trotz vieler Vorschusslorbeeren wird es Microsoft mit Windows 7 aber nicht so einfach haben.

Die schlechte Nachricht vorab: Ein grundsätzlicher Technologiewechsel zu einem neuen Unterbau findet auch mit Windows 7 nicht statt. Das Microsoft-OS bleibt ein sehr komplexes System, das früher oder später für kleinere oder größere Probleme sorgen wird.

Ansonsten sind die Veränderungen zum Vorgänger überwiegend sehr erfreulich: Zwar basiert Windows 7 auf dem gescholtenen Vista, da sich Treiber und Anwendungen bereits an diesem abgeschliffen haben, sind kaum Kompatibilitätsprobleme zu befürchten. Zudem hat Microsoft intensiv mit Hard- und Softwarewareherstellern zusammengearbeitet, um optionale Neuerungen wie WDDM 1.1 von Anfang an umzusetzen.

Die wohl interessanteste Neuerung von Windows 7 ist das verbesserte Antwortverhalten. Das System reagiert durchweg schneller auf Mausklicks und ermöglicht so eine spürbar flüssigere Bedienung. Bei Vista hat man dagegen immer ein wenig das Gefühl, mit angezogener Handbremse zu arbeiten. Den Unterschied kann man gar nicht deutlich genug betonen.

Ebenso willkommen wie die höhere Performance sind die Neuerungen der Oberfläche: Da die transparenten Fenster auch im Vollbild-Modus nicht dunkel eingefärbt werden, wirkt das OS optisch insgesamt freundlicher als Vista - ein nicht zu unterschätzender psychologischer Effekt. Dass die Sidebar verschwunden ist, wird den meisten Nutzern dagegen nicht auffallen. Sie war ohnehin meistens abgeschaltet. Die Gadgets gibt es unter Windows aber weiter. Sie werden einfach auf dem Desktop abgelegt.

Die neue Taskleiste ermöglicht nach kurzer Umgewöhnung einen bislang unter Windows unbekannten Komfort beim Wechsel zwischen Fenstern sowie beim Zugriff auf Dateien und Funktionen. Der Infobereich auf der rechten Seite stellt allzu nervige Programme ruhig und gibt dem Anwender eine bessere Kontrolle darüber, wann sich welche Software melden darf.

Der Explorer wirkt dank einer neuen Strukturierung auf der linken Seite übersichtlicher. Bibliotheken ermöglichen es, Dateien an verschiedenen physikalischen Speicherorten zu verwalten. Die Suchbox unterstützt den Anwender bei der Erstellung komplexer Abfragen.

Auch im Netzwerkbereich gibt es einige Neuerungen: Das chronisch ladegehemmte WLAN-Fenster wird durch eine Liste ersetzt, die per Mausklick sofort erscheint. Homegroups erleichtern das Erstellen von Heimnetzwerken und das Auffinden freigegebener Ressourcen.

Die erwünschte Entschärfung der Benutzerkontensteuerung, die die Arbeit tatsächlich deutlich seltener unterbricht, geht allerdings mit einem gesunkenen Sicherheitsniveau einher. Microsoft konnte diesen Zielkonflikt offenbar nicht lösen.

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass Windows 7 tatsächlich fast alles besser macht als Vista. Die Umgebung wirkt zwar neu, aber doch vertraut. Anwender sollen einen Umstieg daher ernsthaft prüfen.

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Windows 7: die Top-Features in Bildern[1]

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Einen echten Zwang zum schnellen Umstieg auf Windows 7 gibt es für XP-Nutzer nicht. Auch die Heimanwender-Versionen Home und Media Center werden bis 2014 mit kritischen Sicherheitsupdates versorgt.

Trotzdem lohnt es sich, das neue OS unter die Lupe zu nehmen: Zwar wurde XP mit mehreren Service Packs modernisiert, diese sorgen aber vor allem im Bereich Sicherheit für Fortschritte. Defizite gibt es dagegen im Bereich der Grafik. Weder DirectX 10 noch das neue DirectX 11, das dank verbessertem Multithreading gerade auf modernen Multi-Core-Rechnern mehr Performance bringt, können unter XP installiert werden. Auch die kostspieligen SSDs entfalten unter dem Oldie nicht ihr volles Potential.

Ein weiterer Grund, einen Umstieg zu prüfen, könnte die neue Oberfläche sein. Gerade die überarbeitete Taskleiste mit Sprunglisten und dem ruhig gestellten Infobereich sowie der flexiblere Explorer machen die Arbeit deutlich produktiver - wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat.

Das Upgrade eines XP-Rechners birgt aber technisch gesehen Herausforderungen: Zwar erlaubt die Windows-7-Lizenz eine Aktualisierung von XP, das OS muss aber komplett neu aufgesetzt werden. Windows Easy Transfer hilft bei der Übertragung von Daten und Einstellungen auf den neuen Rechner. An der erneuten Installation der Programme kommt man jedoch nicht vorbei.

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Windows 7: So funktioniert das Upgrade mit einem XP-Rechner[2]

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Die meisten neuen PCs werden ohnehin mit Windows 7 ausgeliefert - der Anwender hat also nicht die Wahl. Wer ein bestehendes XP- oder Vista-System upgraden möchte, sollte die Hardwareanforderungen des neuen OS beachten. Generell gilt: Wo Vista läuft, funktioniert auch Windows 7 - und zwar besser. Optimierungen unter der Haube haben den Hardwarehunger etwas gedämpft.

Auch viele XP-Rechner lassen sich auf Windows 7 aktualisieren. Als sinnvolle Untergrenze gilt das typische Netbook mit 1,6-GHz-Atom und 1 GByte RAM. Darauf ist die Ausführungsgeschwindigkeit zwar nicht berauschend, man kommt ab damit zurecht.

Bedenkenlos kann man das OS auf den unzähligen Athlon-XP- (ab 2 GHz) und Pentium-4-Maschinen (ab 2 GHz) installieren, so lange sie über mindestens 1 GByte RAM verfügen. Eine Speichererweiterung auf 2 GByte ist aber empfehlenswert. Weitere Auskünfte gibt der Windows 7 Upgrade Advisor[3].

Zwar sind in Windows 7 vieler Verbesserungen enthalten, einige Hausaufgaben hat Microsoft aber nicht erledigt. Noch immer gibt es keine saubere Trennung von Betriebssystem, Anwendungen, Nutzerdaten und Konfigurationseinstellungen. So sind Probleme mit der Registry in den letzten Jahren seltener geworden. Trotzdem verhindert sie beispielsweise ein einfaches Kopieren von Programmen auf einen neuen Rechner, wie das unter Mac OS X möglich ist.

Auch mit der Modularität ist es nicht weit her. Zahlreiche Abhängigkeiten der Komponenten verhindern eine Anpassung an schwächere Hardware wie Smartphones. Dafür muss Microsoft mit Windows CE ein weiteres, inkompatibles System unterhalten. Mac OS X ist dagegen flexibel genug, um auch auf dem iPhone zu laufen.

Trotz dem an allen Orten sichtbaren Feinschliff und der sinnvoll weiterentwickelten Taskleiste hat Windows im GUI-Bereich nach wie vor Schwächen. Alles, was mit der Konfiguration des Systems zu tun hat, kann nicht überzeugen. Zwar wurde die Systemsteuerung einmal mehr neu strukturiert, verschiedene Navigationskonzepte verwirren aber den Nutzer. Gerade in diesem Bereich wäre ein großer Wurf nötig. Angeblich kümmert sich darum für Windows 8 das Team, das schon die Taskleiste geliftet hat.

Das neu eingeführte Wartungscenter bündelt zwar Meldungen und Einstellungen zu Sicherheit, Wartung und Backup, wirkt aber teilweise etwas unstrukturiert. Schade auch, dass die Anzeige von Windows-Updates nicht ebenfalls integriert ist.

Der Explorer zeigt, dass Windows nicht das Kind einer vernetzen Welt ist: Zieht man das Netzwerkkabel ab, sind Netzwerkressourcen trotzdem noch minutenlang sichtbar. Da bringt einen auch der neue Troubleshooting-Assistent nicht weiter. Zum Vergleich: Unter Mac OS X verschwindet die Anzeige der nicht mehr erreichbaren Rechner sofort.

Wiegt man Stärken und Schwächen von Windows 7 gegeneinander ab, überwiegt ganz klar das Positive. Nicht nur Vista-, sondern auch XP-Nutzer sollten ein Upgrade ernsthaft in Betracht ziehen. Der verbesserte Unterbau und viele neue Features[4] rechtfertigen den Umstieg, der aufgrund der kompletten Neuinstallation etwas beschwerlich sein kann. Eile ist aber nicht geboten.

Trotz der teils großen Fortschritte stehen Microsoft in den nächsten Jahren in Windows weitere Aufräumarbeiten ins Haus. Die teilweise Erneuerung der Oberfläche, insbesondere im Bereich Systemsteuerung, dürfte da noch das geringste Problem sein.

Spätestens mittelfristig steht der Abschied von der betagten NT-Codebasis an - mit drastischen Konsequenzen für die Kompatibilität. Ob die Zukunft einem Managed-Code-basierten System wie Midori[5] gehört, muss sich aber erst noch zeigen.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/galerie/41515963/windows-7-die-top-features-in-bildern.htm#sid=41515964
[2] = http://www.zdnet.de/galerie/41516460/windows-7-so-funktioniert-das-upgrade-mit-einem-xp-rechner.htm#sid=41515964
[3] = http://www.zdnet.de/windows_system_verbessern_windows_7_upgrade_advisor_download-39002345-288412-1.htm
[4] = http://www.zdnet.de/betriebssysteme_in_unternehmen_linux_vista_xp_unix_mac_die_wichtigsten_windows_7_funktionen_auf_dem_pruefstand_story-20000004-41000280-1.htm
[5] = http://www.zdnet.de/sicherheits_analysen_midori_nimmt_formen_an_das_ende_von_windows_ist_besiegelt_story-39001544-41003020-1.htm