Frankfurter Buchmesse: Wo stehen E-Book-Reader?

(http://www.zdnet.de/magazin/41515935/frankfurter-buchmesse-wo-stehen-e-book-reader.htm)

von Markus Strehlitz, 19. Oktober 2009

Weil die Reader immer besser werden und sich Standards wie Epub allmählich durchsetzen, prognostizieren Analysten den digitalen Büchern eine erfolgreiche Zukunft. Fallende Displaypreise könnten die Geräte noch attraktiver machen.

Ein zweites Kapitel sei im E-Book-Markt aufgeschlagen worden, glauben die Analysten von Gartner[1]. Denn anders als in der Vergangenheit geben die Marktbeobachter dieser Technologie jetzt gute Chancen, sich tatsächlich durchzusetzen. Bis 2013 werde das weltweite Geschäft mit E-Books für Privatnutzer auf 2,3 Milliarden Dollar anwachsen.

Damit sind die Gartner-Mitarbeiter Allen Weiner und Mike McGuire wesentlich optimistischer als andere Marktbeobachter[2]. Einige der Gründe, die die Gartner-Experten in ihrem Bericht als Grundlagen des Erfolgs anführen, waren in den vergangenen Tagen auf der Buchmesse in Frankfurt[3] zu besichtigen.

So treibt zum einen die attraktive Hardware das Geschäft an. Die E-Ink-Technologie ermöglicht ein angenehmes und entspanntes Lesen. Die Reader selbst bieten Funktionen, die von anderen Marktrennern schon bekannt sind. So lassen sich zum Beispiel auf den Geräten aus Sonys Reader "Touch Edition" die Seiten mit einer Fingerbewegung ähnlich umblättern wie auf dem iPhone. Zudem geben die Geräte mit Touchscreen dem Nutzer die Möglichkeit, nicht nur zu lesen, sondern auch zu schreiben. Will heißen: Er kann das Dokument mit Anmerkungen versehen oder Textstellen markieren. Allerdings ist bei den Touchscreen-Readern der Kontrast noch etwas schlechter als bei den herkömmlichen Geräten, ihre Lesbarkeit daher noch verbesserungswürdig.

Eine weitere wichtige Voraussetzung für einen Erfolg der E-Book-Reader ist die Konnektivität. Viele der Geräte. verfügen über WLAN-Funktion oder bauen sogar eine UMTS-Verbindung auf, etwa Amazons Kindle. "Der ständige Zugang zu Dokumenten ist extrem wichtig", erklärt Christophe Maire, CEO des deutschen Start-ups txtr[4], das auf der Buchmesse mit dem "txtr reader" ein eigenes Lesegerät präsentierte[5]. Schließlich stelle der Zugang ins Internet die Möglichkeit bereit, relativ einfach neue Bücher auf den E-Book-Reader zu laden.

Einfacher wird es für die Anwender wohl auch, wenn es um die Formate der E-Books geht. Im vergangenen Jahr war diesbezüglich noch keine einheitlich Linie bei den Reader-Herstellern zu erkennen. Mittlerweile scheinen sich aber Epub[6] und PDF als De-facto-Standards durchzusetzen, da sie von fast allen Geräten unterstützt werden. Nur Amazons Kindle verweigert sich noch dem Epub-Format, das speziell für Anwendungen auf mobilen Lesegeräten entwickelt wurde.

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Marktüberblick zu E-Books[7]

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Die Standardisierung ist für die Analysten Weiner und McGuire ein wichtiger Faktor, damit sich E-Books durchsetzen. Auch die Verleger hätten sich wesentlich schneller auf bestimmte Standards festgelegt, als dies bei der ersten Generation von E-Books der Fall gewesen sei, so die Gartner-Experten. Dazu zählen sie nicht nur das Epub-Format, sondern auch das DRM-System von Adobe. Denn um die Verbreitung der E-Books zu reglementieren, unterstützen mittlerweile die meisten Reader auch die Adobe-Lösung.

So gibt es für die Leser von E-Books zwar weniger Probleme bei der Entscheidung für das richtige Format, dafür sind sie aber an spezielle Online-Shops gebunden - abhängig davon, welchen Reader sie nutzen. Der Kindle ist – wenig überraschend – mit Amazons Internetbuchladen verknüpft. Anwender der Sony-Geräte können ihre digitalen Bücher von Libri.de[8] beziehen. Und die Online-Plattform Libreka[9] vertreibt den E-Book-Reader Cybook Opus[10] von Bookeen[11]. Diese Bindung der Hardware an bestimmte Web-Shops ist eine Hürde, die E-Books erst noch überwinden müssen.

Ein weiterer Punkt, der dem Markterfolg im Wege stehen könnte, sind die noch immer relativ hohen Preise der Reader. Mit 249 Euro ist das Cybook Opus noch eines der günstigeren Geräte. Der Wisereader[12] des chinesischen Herstellers Hanvon[13] kostet immerhin nur 190 Euro. Doch die meisten Geräte bewegen sich in einem Spektrum zwischen 250 und 300 Euro, der "txtr reader" liegt mit 319 Euro etwas darüber. Höherklassige Reader können bis zu 700 Euro kosten.

Um massentauglich zu sein, müssten die Preise aber noch deutlich fallen, so Gartner. Doch die Marktbeobachter geben hier Anlass zur Hoffnung: Denn sie gehen davon aus, dass die Preise für die Hardware-Komponenten – vor allem für die E-Ink-Displays – fallen werden. Somit sollten auch die Geräte insgesamt billiger werden.

Neben den günstigeren Anschaffungskosten könnte auch eine technische Verbesserung den Markt noch vorantreiben. Doch dafür ist etwas Geduld notwendig. Denn laut txtr-CTO Andreas Steinhauser plant E-Ink[14], erst 2011 auch farbige Displays auf den Markt zu bringen.

Vor allem der Preis wird laut Gartner aber künftig darüber entscheiden, an welche Zielgruppe sich ein E-Book-Reader richtet. So werde es künftig speziell Geräte für Privatnutzer geben, die weniger als 300 Dollar kosten und über eine eingeschränkte Akkuleistung sowie begrenzten Speicher verfügen.

Mit High-End-Geräten werden sich die Hersteller nach Ansicht der Analysten dagegen an Geschäftsanwender richten. Diese Reader werden mehr Speicherplatz, eine längere Akkulaufzeit und spezielle Funktionen zur Verfügung stellen, um persönliche Dokumente zu lesen und zu bearbeiten. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Digital Reader 1000 S[15] von iRex[16]. Er ist so groß wie eine DIN-A-Seite und erlaubt es, Dokumente mit Anmerkungen zu versehen. Laut iRex nutzen vor allem professionelle Anwender wie Anwälte oder Ärzte, die sehr viel mit PDF-Dokumenten arbeiten, dieses Gerät.

Daneben könnte sich eine weitere Gerätegruppe im E-Book-Markt breit machen. Bereits jetzt gibt es Angebote, Bücher auf Smartphones wie dem iPhone zu lesen. Einige Experten sind sogar der Meinung, dass diese Geräte den E-Book-Readern den Rang ablaufen werden, noch bevor diese den Massenmarkt erobern können. Doch die Gartner-Analysten gehen davon aus, dass sich E-Books nur in der High-End-Klasse der Smartphones durchsetzen werden.

LG hat im Rahmen des International Meeting on Information Display (IMID) im südkoreanischen Seoul den Prototypen eines solarbetriebenen E-Book-Readers vorgestellt. Das Gerät verfügt über ein 6 Zoll großes Display. Die Massenproduktion ist nicht vor 2012 geplant (Bild: LG Electronics).
LG hat im Rahmen des International Meeting on Information Display (IMID) im südkoreanischen Seoul den Prototypen eines solarbetriebenen E-Book-Readers vorgestellt. Das Gerät verfügt über ein 6 Zoll großes Display. Die Massenproduktion ist nicht vor 2012 geplant (Bild: LG Electronics).

Bei den meisten Geräten sei der Bildschirmgröße einfach zu klein für eine solche Anwendung. txtr-CEO Maire sagt zudem, dass das Lesen von digitalen Büchern auf einem Smartphone nur für die 18- bis 39-jährigen Nutzer interessant sei. Mit den E-Book-Readern spreche man dagegen eine viel größere Zielgruppe an – nämlich im Alter von 8 bis 75 Jahren. Letztlich sei es dank der E-Ink-Technologie wesentlich angenehmer, einen Text auf einem Reader zu lesen als auf einem iPhone-Bildschirm mit Hintergrundbeleuchtung.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.gartner.com
[2] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_investition_hardware_studie_e_book_reader_sind_nach_wie_vor_ein_nischenprodukt_story-39001021-41502659-1.htm
[3] = http://www.buchmesse.de/de/fbm/
[4] = http://txtr.com/
[5] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_investition_hardware_e_book_reader_von_txtr_erscheint_anfang_dezember_story-39001021-41515837-1.htm
[6] = http://de.wikipedia.org/wiki/EPUB
[7] = http://www.zdnet.de/galerie/41515939/marktueberblick-zu-e-books.htm#sid=41515935
[8] = http://www.libri.de
[9] = http://www.libreka.de/
[10] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_investition_hardware_buchplattform_libreka_bringt_e_book_reader__cybook_opus_story-39001021-41502569-1.htm
[11] = http://www.bookeen.com/
[12] = http://www.hanvon.com/de/products/EPD-applications/WISEreader-N516.html
[13] = http://www.hanvon.com/de/index.html
[14] = http://www.eink.com/
[15] = http://www.irextechnologies.com/irexdr1000
[16] = http://www.irextechnologies.com/