Bürosoftware: Was leistet Microsoft Office im Web?

(http://www.zdnet.de/magazin/41515561/buerosoftware-was-leistet-microsoft-office-im-web.htm)

von Joachim Kaufmann, 9. Oktober 2009

Microsoft will von Office 2010 erstmals eine webbasierte Version anbieten, die im Browser ausgeführt werden kann. Der ZDNet-Test klärt, welche Features zur Verfügung stehen und wie die Arbeit in der Praxis funktioniert.

"Die Hölle ist zugefroren", kommentierte Steve Jobs von einigen Jahren die Vorstellung von iTunes für Windows. Dieses Ereignis steht der IT-Branche 2010 möglicherweise ein zweites Mal bevor: Dann bringt Microsoft von seiner Cash Cow Office 2010 eine webbasierte Variante. Der Desktop-König wagt sich auf neues Terrain.

Zweifelsohne ist der Schritt eine Reaktion auf Google und andere Anbieter webbasierter Produktivitätstools. Da der Hype um diese zumindest bislang größer ist als ihre Nutzung, stellt sich mancher die Frage, ob es Microsoft überhaupt ernst meint, und nicht nur eine Alibi-Lösung als Internet-Explorer-Anhängsel dabei herauskommt.

Der Start ist schon mal etwas holprig: Im Rahmen der ersten öffentlichen Demo auf der Professional Developers Conference im November 2008 hat Microsoft eine Testversion für Ende 2008 versprochen. Diese stand aber erst neun Monate später zur Verfügung.

Dabei handelt es sich auch nur um eine frühe Vorabversion in Form einer Technical Preview, die nicht nur Feinschliff, sondern auch viele für die Final angekündigte Funktionen vermissen lässt. ZDNet hat getestet, was die Office Web Applications zu bieten haben.

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Überblick: Microsoft Office Web Applications[1]

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Mit Office Web Applications wagt Microsoft den Weg in Netz - aber nur halb: Die Lösung ist als Ergänzung der Desktop-Version positioniert, aber keineswegs als Ersatz.

Zu den wichtigsten Zielen gehört, online eine möglichst originalgetreue Anzeige der Office-Dokumente zu erreichen, die auch nach einer Bearbeitung gewahrt bleiben soll. Zudem sollen Oberfläche und Verhalten der Desktop-Version ähnlich sein, damit Anwender nicht umlernen müssen. Microsoft wird aber nicht den kompletten Funktionsumfang online implementieren. Was wegfällt, ist derzeit aber noch offen.

Entgegen ursprünglicher Befürchtungen scheint man in Redmond das Thema Plattformunabhängigkeit ernst zu nehmen. Während das bisherige Outlook Web Access – eine Art Vorhut der Web Applications – nur im Internet Explorer seinen kompletten Leistungsumfang zeigt, soll das webbasierte Office auch in Firefox und Safari unter Mac und Windows richtig funktionieren. Googles Chrome wird offiziell nicht unterstützt. Unternehmen haben zwei Möglichkeiten, Office Web Applications zu nutzen: Als On-Demand-Lösung, die in Microsoft-Rechenzentren gehostet wird, sowie als Sharepoint-Aufsatz, der auf eigenen Servern läuft. Das ist ein wichtiger Wettbewerbsvorteil zu Google und anderen, die eine Speicherung von Dokumenten in ihren Rechenzentren voraussetzen – wovon nicht jeder begeistert ist.

Während Firmen für das webbasierte Office in Form von Abos oder anderen Lizenzmodellen bezahlen müssen, bekommen Privatanwender kostenlosen Zugriff. Die Applikationen werden im Rahmen von Windows Live bereitgestellt.

Die von ZDNet getestete Privatkundenversion ist Teil der Webfestplatte Skydrive, die Microsoft schon seit einige Zeit mit 25 GByte Speicher kostenlos zur Verfügung stellt. Die Teilnahme am Test ist derzeit nur ausgesuchten Betatestern möglich.

Online sind derzeit Word, Excel und Powerpoint - aber nur die letzten beiden erlauben die Bearbeitung von Dateien. Onenote soll später erscheinen.

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Microsoft Office Web Applications selbst testen[2]

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Aufgrund ihres frühen Entwicklungsstadiums ist ein umfangreicher Test der Webversionen von Word, Powerpoint und Excel derzeit wenig sinnvoll. Hier ein kurzer Überblick über ihre derzeitigen Funktionen.

Word

Word beherrscht im Moment nur die Anzeige einer Word-Datei. Erfreulicherweise erfolgt die Darstellung mit hoher Genauigkeit und die Suche ist ähnlich komfortabel wie die der Desktop-Version. Microsoft will den Funktionsumfang von Word in der kommenden Beta erheblich ausweiten und Bearbeitungsmöglichkeiten schaffen.

Powerpoint

PowerPoint ermöglicht das Anlegen und die Bearbeitung von Präsentationen. Im derzeitigen Stadium bietet das Tool aber nur einen geringen Leistungsumfang. So lassen sich neue Folien anlegen und mit Text beschreiben, der Menüpunkt zum Einfügen eines Bilds ist aber ausgegraut. Die Anzeige fertiger Präsentationen ist aber vielversprechend: Schriften und Animationen werden wie beim Desktop-Pendant angezeigt. Abstriche gibt es aber bei der Qualität der Grafiken.

Excel

Excel ist von den drei verfügbaren Tools am weitesten gediehen. Es stellt Tabellen originalgetreu dar. Diagramme, bedingte Formatierungen und die neuen Sparklines werden aber nicht immer tadellos präsentiert. Ab und zu trifft man auf fehlene Schriften und Farbverläufe. Hinterlegte Formeln bleiben erhalten. VBA-Makros funktionieren online aber nicht. Die Bearbeitungsmöglichkeiten sind noch sehr eingeschränkt: Von den sieben Tabs der Desktop-Version sind nur zwei – Start und Einfügen – vorhanden. Im Start-Tab können Tabellen formatiert werden, Einfügen bietet lediglich Links und speziell formatierte Tabellen mit Drop-down-Menüs an. Bislang ist Excel die einzige Webapplikation, die eine gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten erlaubt. Der Weg dahin ist jedoch ungewöhnlich: So kann man nicht die Tabelle zur gemeinsamen Bearbeitung freigeben, sondern nur den Skydrive-Ordner, in dem sie sich befindet. Möchte man also nur eine Tabelle bereitstellen, muss man dafür einen neuen Ordner anlegen.

Die gemeinsame Bearbeitung wird automatisch gestartet, wenn zwei Anwender die Tabelle zur selben Zeit geöffnet haben. Ein gelbes Pop-up zeigt an, wenn ein zweiter Nutzer hinzukommt. Änderungen an der Tabelle werden innerhalb weniger Sekunden bei allen Teilnehmern sichtbar.

Sinnvoll wäre eine Integration des Windows Live Messenger, um sich abstimmen zu können. Ob Planungen in diese Richtung bestehen, ist aber noch unklar. Zwar sind die Funktionen der Office Web Applications noch spärlich, die Lösung ist aber schon jetzt vielversprechend: Besonders gefällt, dass die Oberfläche – abgesehen von fehlenden Tabs - dem Desktop-Pendant Office 2010 sehr nahe kommt. Die Webanwendung fühlt sich vertraut an und man hat nach kurzer Zeit vergessen, dass man im Browser arbeitet. Es fällt einem nur auf, wenn keine Reaktion auf Rechtsklicks erfolgt.

Das Antwortverhalten aller Office Web Applications liegt derzeit spürbar hinter dem der Desktop-Versionen. Je großer die Datei, desto deutlicher der Unterschied. Bei einer 10-MByte-Powerpoint-Datei muss man häufiger warten, bis die Folien geladen sind. Mit Fortschreitender Reife sind in dieser Disziplin zwar Verbesserungen zu erwarten, auf Desktop-Niveau wird man aus technischen Gründen aber wohl nicht kommen.

Das neue Office gehört sicherlich zu den umfangreicheren AJAX-Applikationen. Bei der Nutzung in der Praxis stellt sich heraus, dass der Dienst im Safari oder Firefox etwas flüssiger läuft als im hauseigenen Internet Explorer. Letzterer bildet bei der für Webapplikationen so wichtigen Java-Script-Performance das Schlusslicht.

Ein Test der Office Web Applications im Safari-Browser auf dem Mac verläuft zufriedenstellend: Ein Kurztest hat keine Einschränkungen im Vergleich zur Windows-Variante ergeben. Das Versprechen einer gewissen Plattformunabhängigkeit scheint Microsoft also einzulösen.

Silverlight ist keine Voraussetzung zur Ausführung des neuen Office. Es wertet die Plattform aber in einigen Bereichen auf: So werden unter Powerpoint Animationen etwas flüssiger dargestellt und Text unter Word - insbesondere wenn er vergrößert wird - hat eine bessere Qualität. Auch hier bleibt abzuwarten, wie sich das Thema weiter entwickelt. Browser starten, Adresse eingeben, fertig – wie andere Webapplikationen erfreuen auch die Office Web Applications mit einer einfachen Nutzung. Komplexe Rollouts und Updates sind nicht notwendig. Auch die weitgehende Portierung der Desktop-Oberfläche gefällt. Man möchte schließlich für die Arbeit im Browser nicht umlernen.

Trotz der positiven Anzeichen ist nicht zu übersehen, dass die mehrfach verzögerten Office Web Applications eine Großbaustelle sind. Zahlreiche erfolgskritische Punkte sind noch offen: Wie viele Funktionen der Desktop-Version werden tatsächlich portiert? Kann Microsoft tatsächlich eine originalgetreue Anzeige und verlustfreie Bearbeitung auch komplexer Dokumente garantieren? Welche Verbesserungen sind auf Performance-Seite möglich? Und wie gelingt die Verbindung mit den Desktop-Versionen, um beispielsweise nicht zwei Wörterbücher für die Rechtschreibkorrektur pflegen zu müssen?

Wenn Microsoft seine Hausaufgaben macht, steht Nutzern im zweiten Quartal 2010 ein relativ leistungsfähiges Web-Office zur Verfügung, das mit bestehenden Kenntnissen genutzt werden kann. Umfangreichere Dateien, ob längere Texte oder großer Powerpoint-Dateien, wird man wohl aber auch künftig aus Performancegründen lieber am Desktop bearbeiten.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/galerie/41515624/ueberblick-microsoft-office-web-applications.htm#sid=41515561
[2] = http://www.zdnet.de/galerie/41515635/microsoft-office-web-applications-selbst-testen.htm#sid=41515561