SAP-Anwender fordern Klarheit und Alternativen beim Support

(http://www.zdnet.de/magazin/41510713/sap-anwender-fordern-klarheit-und-alternativen-beim-support.htm)

von Markus Strehlitz, 5. Oktober 2009

Die Support-Konditionen für SAP-Systeme treiben die Nutzer nach wie vor um. Man habe das Thema nicht optimal kommuniziert, räumt Deutschland-Chef Volker Merk ein. Der Konzern will jedoch an den Preisen festhalten.

"Wir haben schon viel erreicht", stellt Karl Liebstückel, Vorstandsvorsitzender der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe DSAG[1], fest. Er meint damit die Zugeständnisse[2], die seine Organisation SAP in Bezug auf den Enterprise Support abgerungen hat.

Unter anderem wurde die geplante Zeitspanne für die stufenweise Preiserhöhung dieses Modells verlängert. Statt in vier Jahren soll die höhere Quote jetzt erst in sieben Jahren erreicht werden. Doch das Grundproblem bleibt: Nach Ansicht der DSAG bietet SAP den Anwendern keine echte Wahlmöglichkeit zwischen einem abgespeckten Standard Support und dem Enterprise Support. Denn auch der Standard Support wird teurer - und zwar gemäß Lohnkostenindex zurück berechnet bis zum Vertragsbeginn.

SAP-Chef Léo Apotheker hält Enterprise Support für das Wartungskonzept der Zukunft (Bild: DSAG).
SAP-Chef Léo Apotheker hält Enterprise Support für das Wartungskonzept der Zukunft (Bild: DSAG).

Volker Merk, Geschäftsführer von SAP Deutschland, beteuert zwar, dass dabei kein höherer Betrag herauskommt, als für den Enterprise Support fällig wäre. Denn die konkreten Konditionen würden mit jedem Unternehmen individuell festgelegt. Doch der stellvertretende DSAG-Vorstandsvorsitzende Andreas Oczko befürchtet trotzdem Nachteile für die Anwenderfirmen: "Wir sind nicht gegen den Enterprise Support, doch es muss für die Nutzer eine Alternative dazu geben." Die DSAG sei daher weiterhin in harten Verhandlungen mit SAP, um die Rückrechnung auf maximal ein Jahr zu beschränken. Grundlage soll der Lohnkostenindex 2010 sein.

Auf Anbieterseite sieht es jedoch nicht nach einem Einlenken aus. In seiner Keynote beim Anwendertreffen in Bremen ging SAP-Chef Léo Apotheker auf das umstrittene Thema kaum ein. Er bekräftigte lediglich, Enterprise Support sei das Wartungskonzept der Zukunft. Marktbeobachter sehen das anders: So hat etwa RAAD Research gerade erst Umfrageergebnisse[3] veröffentlicht, wonach das Interesse am neuen Support-Modell gering ist.

Er reagierte stattdessen gereizt auf die Öffentlichkeitsarbeit der Anwendergruppe. Es sei besser, weniger über die Presse zu gehen, und stattdessen die Diskussionen zwischen DSAG und SAP hinter verschlossenen Türen zu führen. Die Anwendergruppe hatte in der vergangenen Zeit verstärkt den Weg in die Öffentlichkeit gesucht, da dies in ihren Augen für sie das wirksamste Werkzeug ist, um ihr Anliegen durchzusetzen.

Ein wenig SAP-Selbstkritik kommt immerhin von Deutschland-Geschäftsführer Merk: "Die Änderung des Support-Modells wurde von unserer Seite nicht optimal kommuniziert." Mittlerweile habe sich allerdings die Emotionalität bei diesem Thema gelegt und die Diskussionen zwischen DSAG und SAP hätten ein "konstruktives Niveau" erreicht.

Die Strategie des Walldorfer Software-Anbieters wird künftig für die Anwender klarer sein, wenn man den Ankündigungen von Apotheker glauben darf. Denn unter dem Motto "Clear Enterprise" will SAP den drei Leitlinien Transparenz, Kundennähe und Nachhaltigkeit folgen.

Für Vorstandssprecher Apotheker steht hinter den ersten beiden Begriffen vor allem, dass die Anwender mehr Informationen über die Produktentwicklung erhalten und es einfacher für sie sein wird, mit SAP Geschäfte zu machen.

Karl Liebstückel, Vorstandsvorsitzender der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe, forderte in Bremen die Möglichkeit, Lizenzen zurückgeben zu könnnen (Bild: DSAG).
Karl Liebstückel, Vorstandsvorsitzender der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe, forderte in Bremen die Möglichkeit, Lizenzen zurückgeben zu könnnen (Bild: DSAG).

Mehr Klarheit wird indes von den Nutzern auch verlangt. Denn zur Roadmap einiger Produkte - etwa der Business Suite - fordern DSAG-Vertreter wie Vorstandsmitglied Waldemar Metz noch bessere und verlässlichere Informationen. Mehr Transparenz sollte es nach dem Willen der DSAG auch bei der Preispolitik geben. Zudem fordert Liebstückel in diesem Bereich mehr Flexibilität: "Es sollte auch möglich sein, Lizenzen wieder zurückzugeben."

Generell will SAP laut Apotheker für die Anwender "ein verlässlicher Partner bleiben". Die Folgen der Wirtschaftskrise, welche die Walldorfer hart getroffen habe, sollen keinen Einfluss auf die Anwender haben. So behauptet Apotheker: "Der Stellenabbau ging nicht zu Lasten unserer Kunden." Inwieweit die Aussage tatsächlich zutrifft, wird sich jedoch erst in einiger Zeit zeigen. Die Krise hat aber auf jeden Fall das Verhalten der Anwender verändert. So berichtet Merk, das derzeit eher kleinere Projekte angegangen werden. Die Unternehmen achteten verstärkt auf den Wertschöpfungsbeitrag eines Produktes. Zudem seien sie bestrebt, Lizenzkosten über mehrere Jahre zu verteilen. SAP habe dafür entsprechende Modelle entwickelt, zum Beispiel On-Demand-Angebote. Außerdem gewähre der Softwareanbieter Finanzierungshilfen.

Gute Möglichkeiten für SAP sieht Merk in Branchen, die nicht so stark von der Krise betroffen sind. Dazu zählt der Manager die Versorgungsindustrie sowie den gesamten öffentlichen Bereich. Auch bei Banken und Versicherungen gebe es mittlerweile größere Bereitschaft, in SAP-Lösungen zu investieren: "Da geht es jetzt wieder los", so Merk.

Eine größere Nachfrage hatte Merk unlängst vor allem bei Mittelständlern gesehen. Speziell für Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die zu dieser Zielgruppe gehören, hat SAP nun ein Starter-Paket geschnürt, das den Firmen den Einstieg in Business Intelligence erleichtern soll. Es umfasst Kernfunktionen der Business-Objects-Produkte für bis zu 100 User. Das Paket wird im Laufe des Herbstes verfügbar sein. Der Preis für eine Server-Lizenz beträgt 35.000 Euro.

Ein Drittel der von RAAD befragten Nutzer des Enterprise Supports sieht keine Vorteile im Vergleich zum Standard Support. Bei Unternehmen, die sich mit dessen Inhalten auseinandergesetzt haben ihn aber noch nicht nutzen (linke Säule), fällt die Kritik am Enterprise-Support-Angebot noch deutlich schärfer aus (Grafik: RAAD Research).
Ein Drittel der von RAAD befragten Nutzer des Enterprise Supports sieht keine Vorteile im Vergleich zum Standard Support. Bei Unternehmen, die sich mit dessen Inhalten auseinandergesetzt haben ihn aber noch nicht nutzen (linke Säule), fällt die Kritik am Enterprise-Support-Angebot noch deutlich schärfer aus (Grafik: RAAD Research).

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.dsag.de/dsaghome/dsag.html
[2] = http://www.zdnet.de/it_business_strategische_planung_sap_schlussstrich_unter_die_debatte_um_wartungsgebuehren_story-11000015-41005163-1.htm
[3] = http://www.zdnet.de/it_business_hintergrund_studie_geringes_kundeninteresse_an_saps_enterprise_support_story-11000006-41503344-1.htm