Cloud Computing ist noch lange nicht abschließend definiert. Eines ist aber bereits klar: Der bereits begonnene Bedeutungsverlust des PCs wird durch die Cloud noch beschleunigt. Andere Konzepte gewinnen dagegen an Attraktivität.
Viel wird momentan über das Thema "Cloud Computing[1]" diskutiert. Interessant dabei ist, dass es bis heute keine klare Definition dieses Begriffes gibt und von ganz alltäglichen Web-Anwendungen, über Daten- und Applikations-Services bis zum Virtual Desktop vieles darunter verstanden wird[2].
Beschäftigt man sich nicht primär mit den Eigenschaften der Cloud, sondern geht einfach einmal der Frage nach, welche Rolle der PC in ihr in Zukunft spielen wird, lässt sich folgende Definition für die über das "normale" Internet hinausgehende Funktionen als Arbeitsgrundlage verwenden:
- Daten und Applikationen werden über ein Web-Interface zur Verfügung gestellt und auf Servern in der Cloud ausgeführt
- Applikationen werden in der Cloud ausgeführt und über kleine Applets oder Programme auf Clients dargestellt
- Betriebssystem und Applikationen werden in der Cloud ausgeführt und über "Remote Sessions" auf Clients projiziert
- Daten werden zentral vorgehalten und/oder gesichert
- Mit der sehr weiten Verbreitung von Breitband- und 3G-Verbindungen ist ein "Immer-Online-Betrieb" realisierbar
Unter diesen Voraussetzungen stellt sich die Frage, auf welche Art der Zugriff auf die Cloud erfolgen wird. Wir sind daran gewöhnt, dass es auf diese Frage nur eine Antwort gibt: via PC. Über die letzten 20 Jahre hat sich die installierte Rechenleistung von Mainframes über Mini-Computer hin in die PCs verlagert, mit der Folge, dass diese immer höhere Rechenleistung benötigten und Daten auf den lokalen PCs sehr dezentral, oft unkontrolliert und ohne Backup verwaltet werden. Der PC entwickelte sich aufgrund seiner offenen Architektur und Vielfältigkeit mit der Zeit zum "Schweizer Messer" der IT-Industrie.
Ein neuer Paradigmenwechsel
Betrachtet man die oben genannte Definition von Cloud Computing näher, fällt auf, dass ein erneuter Paradigmenwechsel stattfindet. Applikationen, die früher auf jedem einzelnen PC ausgeführt wurden, sind jetzt im Web verfügbar und zwar basierend auf Browser-Schnittstellen, zum Beispiel Google Apps[3].
Verschiedene Betriebssysteme werden auf Firmen-Servern oder auch zentral in der Cloud auf virtualisierten Servern, zum Beispiel der IBM Virtual Client Solution[4], zur Verfügung gestellt und auf die Clients projiziert. Ein wichtiger Vorteil ist die zentrale Verwaltung von OS, Daten und Applikationen, ein anderer die Möglichkeit, statt immer leistungsstärkerer PCs auch Thin Clients einsetzen zu können.
PC nicht mehr die einzige Lösung
Diese basieren aber in den meisten Fällen immer noch auf der etablierten PC-Architektur mit x86-CPU, einem Microsoft-Betriebssystem und bieten eine eingeschränkte, aber völlig ausreichende Leistung. Außerdem erlauben sie eine verbesserte Kostenstruktur und haben einen geringeren Energiebedarf.
Es ist aber interessant zu beobachten, dass das geliebte "Schweizer Messer" PC nicht mehr die einzige und unter Umständen auch nicht mehr die beste Lösung ist. Zum ersten Mal seit langem bietet sich die Möglichkeit einer Diversifizierung des Client-Marktes mit klaren Vorteilen für die Anwender.
Die Vorteile lassen sich an einigen Beispielen schon recht gut verdeutlichen. Mobiltelefone, die lange ihre Entwicklungsmöglichkeiten im Dogma "immer kleiner mit immer längerer Laufzeit" sahen, werden intelligenter. Sie nehmen mehr und mehr Funktionen an, die stark auf der Leistung des Internets basierend und bisher PCs vorbehalten waren.
Das iPhone ist dafür sicher das beste Beispiel. Es zeigt auch, wie es möglich wird, der Softwareindustrie ein komplett neues Geschäftsmodell zur Verfügung zu stellen, indem kleine Firmen mit geringem Aufwand sehr leistungsfähige Applikationen entwickeln und vertreiben können. Immer weitere Hersteller von Mobiltelefonen springen zurzeit auf den Smartphone-Zug auf, so dass es zu einem intensiven und aus Sicht der Endanwender guten Wettbewerb kommt.
Netbooks folgen demselben Trend, kommen jedoch von der anderen Seite der Skala. PCs, die sich bisher über immer höhere Leistung definierten, besitzen nun weniger Leistung und Funktionen, dafür aber neue Formfaktoren, einen besseren Preis und längere Batterielebensdauer - wiederum darauf vertrauend, dass eine Verbindung zur Cloud fast immer besteht.
Auch hier ist ein intensiver Wettbewerb zu beobachten. Er führt dazu, dass weitere Formfaktoren eingeführt werden, etwa Tablet-PCs und viele Mischformen. Sie haben unterschiedliche Anwendungsschwerpunkte, die von gelegentlicher Internet- und E-Mail-Nutzung, über typische Büroanwendungen bis hin zu Multimedia-Applikationen reichen.
Frischer Wind im Büro
Aber auch im Büro ist ein Aufbrechen des homogenen PC-Client-Marktes zu beobachten. Treibende Kraft sind an dieser Stelle virtualisierte Server, die ihr Leistungspotenzial erstmals wirklich nutzen können, die Einsicht, dass bei den meisten Büro-Anwendungen eine weitere Leistungssteigerung des PCs unnötig ist und nicht zuletzt der immer größeren Druck auf die "Total Cost of Ownership".
Darüber hinaus wenden sich die großen IT-OEMs immer mehr dem Servicegeschäft zu und sehen die Client-Hardware nicht mehr als zentralen Gewinnbringer. IBM hat diesen Weg mit dem Verkauf seiner PC-Sparte an Lenovo zuerst und am radikalsten eingeschlagen. HP ist mit dem Kauf von EDS gefolgt und Dells Übernahmeangebot für Perot Systems[6] ist die jüngste, aber sicherlich nicht letzte Nachricht, in diese Richtung.
Alle diese Entwicklungen führen dazu, dass Thin-Client-Konzepte, basierend auf einer Low-Cost-PC-Architektur oder sogar rein hardwarebasierenden Lösungen, wie sie beispielsweise von NComputing[7] angeboten werden, immer öfter Anwendung finden[8]. Letztendlich wird der Gewinner dieses Trends der private und geschäftliche Kunde sein. Ihm wird in Zukunft nicht mehr nur eine "one size fits all"-Lösung angeboten, sondern er kann auf eine Vielzahl von optimierten Geräten zurückgreifen, die auf ganz unterschiedliche Weise den Zugang zur Cloud ermöglichen.
Die x86 basierende Architektur wird künftig eine von mehreren sein, aber mit ARM[9], MIPS[10] und anderen im Wettbewerb stehen. Mit Android[11], Chrome, anderen Linux-Derivaten und Mac OS X[12] wird auch Windows stärkere Konkurrenz bekommen[13], da es für den Nutzer dedizierter Lösungen unerheblich ist[14], worauf die verwendeten Applikationen basieren.
Der IT Markt wird erwachsen. Anwender können Entscheidungen mehr nach dem wirklichen Nutzen einer Vielzahl von diversifizierten Clients treffen, anstatt auf für sie oft unverständlichen und in die Irre führenden technischen Daten. Neue Hardwareanbieter - von Mobiltelefonherstellern bis zu typischen Consumer-Elektronik-Firmen - erhalten eine Chance, und neue Geschäftsmodelle für die Entwicklung und den Vertrieb von Software entstehen. Kurzum: Die Karten werden neu gemischt.
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