Web-2.0-Inhalte sollten einfach zu erstellen und zu managen sein. ZDNet vergleicht mit dem Open-Source-Projekt Joomla und Microsoft Sharepoint zwei Lösungen, die dazu völlig unterschiedliche Ansätze verwenden.
Die ersten Content-Management-Systeme zielten primär auf große Print-Verlage, die ein Online-Angebot aufbauen wollten. Heutzutage gibt es sehr gute CMS auch für kleinere Websites, etwa für Webauftritte von Vereinen und kleinen Firmen, die auch Web-2.0-Inhalte managen können.
Die auf dem Markt befindlichen Content-Management-Systeme unterscheiden sich allerdings in Konzeption und Struktur gewaltig. Daher ist es wichtig, sich vor einer Entscheidung über ein CMS genau mit den Funktionen und Möglichkeiten vertraut zu machen.
ZDNet vergleicht mit Joomla 1.5 und Microsoft Sharepoint Services 3.0 zwei Content-Management-Systeme, die beide für sich in Anspruch nehmen, von jedermann ohne jegliche technische Einführung benutzt werden zu können.
Joomla ist eine Open-Source-Lösung, die in PHP geschrieben ist und als Download[1] zur Verfügung steht. Als Datenbank kommt MySQL zum Einsatz. Somit ist Joomla an kein bestimmtes Betriebssystem gebunden. Als Basis ist jedoch ein Webserver erforderlich. Offiziell unterstützt wird nur Apache. Möglich ist jedoch auch Microsoft IIS[2] ab Version 6.
Dennoch ist die Betriebssystemfreiheit zu relativieren. Joomla lebt von Zusatzmodulen, die teilweise auf Libraries wie ImageMagick[3] zurückgreifen. Diese Zusatzmodule laufen ohne eine Anpassung nur unter Unix-Betriebssystemen wie Linux oder Mac OS, wenn die notwendige Library vorhanden ist. Obwohl ImageMagick auch für Windows verfügbar, fehlt es meist am entsprechenden PHP-Interface-Modul.
Die Microsoft Sharepoint Services 3.0, nicht zu verwechseln mit dem kostenpflichtigen Office Sharepoint Server[5], sind ebenfalls als kostenloser Download in 32-Bit[6] und 64-Bit[7] erhältlich. Sie erfordern einen Windows-Server mit mindestens IIS 6.0. Als Datenbank wird Microsoft SQL-Server verlangt. Falls bei der Installation festgestellt wird, dass der Datenbankserver nicht vorhanden ist, installiert das Setup-Programm den kostenlosen SQL Server Express.
Für die Sharepoint-Installation sind unbedingt Administratorrechte erforderlich. Anders ist das bei Joomla. Wer ein Shared-Hosting-Paket mit PHP und MySQL-Datenbank gebucht hat, kann Joomla ohne Root-Rechte installieren. Generell sind beide Systeme einfach und problemlos aufzusetzen.
Joomla ist von seinem Ursprung her ein CMS, das zum Aufbau öffentlicher Websites dient. Die Grundfunktionalität besteht darin, dass ein begrenztes Autorenteam Content bereitstellt, der öffentlich abrufbar ist. Dabei unterscheidet Joomla zwischen Content und Templates. Ein Template besteht im Wesentlichen aus CSS-Stylesheets. Es bestimmt das Aussehen der Website.
Eine typische Joomla-Website kann beispielsweise aussehen wie in Bild 1[8] gezeigt. Mit einem anderen Template bekommt dieselbe Website einen anderen Look verpasst, siehe Bild 2[9]. Für Joomla gibt es zahlreiche Templates zum Download. Eine gute Sammlung findet sich etwa auf der deutschen Joomla-Download-Site[10].
Um Templates anzupassen, kommt man nicht umhin, sich mit CSS-Stylesheets zu befassen, siehe Bild 3[11]. Grundsätzlich ist es jedoch möglich, seine eignen Elemente wie Bilder und Logos einzubringen oder eine andere Schriftart zu wählen.
Das Erstellen von Content hingegen ist ohne jede Vorkenntnisse möglich, siehe Bild 4[12]. Mit entsprechender Autorenberechtigung kann jeder angemeldete Benutzer Artikel erstellen. Das geschieht mit einem einfachen HTML-Editor. Eine Copy-and-Paste-Übernahme aus Microsoft Word zeigt im ZDNet-Test zwar keine perfekten, aber brauchbare Ergebnisse. An der einen oder anderen Stelle musste nachgearbeitet werden. Wer möchte, kann in die Source-Code-Ansicht wechseln und seinen HTML-Text selbst gestalten.
Verbesserungsbedürftig ist die Rechteverwaltung für Autoren. Es gibt nur drei Rollen mit festen Rechten, die nicht verändert werden können: Autor, Editor und Publisher. Ein Autor kann einen Beitrag verfassen, ihn aber nicht veröffentlichen. Dazu bedarf es der Genehmigung durch einen Publisher.
Ein Editor hat dieselben Rechte wie ein Autor, kann aber bestehende Artikel nach Belieben verändern, unabhängig davon, ob sie veröffentlicht sind oder nicht. Dieses eingeschränkte System soll in Joomla 1.6, das sich derzeit im Alpha-Stadium befindet, erweitert werden.
Die Sharepoint Services sind rechtemäßig in die Active Directory Services integriert. Eine eigene Benutzerverwaltung unabhängig vom Betriebssystem ist anders als bei Joomla nicht möglich. Die Inhaltserstellung ist ähnlich einfach wie bei Joomla, siehe Bild 5[13]. Allerdings gilt das nur für Nutzer des Internet Explorers. Der HTML-Editor ist ein ActiveX-Control. Firefox-User kommen ohne HTML-Kenntnisse nicht weiter, wenn sie den Artikel eines IE-Users editieren möchten, siehe Bild 6[14].
Das Rechtesystem ist gegenüber Joomla ausgereifter. Ob ein Beitrag vor der Veröffentlichung genehmigt werden muss, wird im jeweiligen Content-Element festgelegt. Darüber hinaus lassen sich in den Content-Elementen einzeln Ausnahmen zu einer generellen Rechtestruktur definieren.
Während Joomla ohne Zusatzprodukte im Wesentlichen darauf beschränkt ist, Artikel bereitzustellen, besitzt Sharepoint eine ganze Reihe von Content-Elementen. Dazu gehören Dokumentenordner, Bildergalerien, Kalender, Bulletin-Boards und vieles mehr, siehe Bilder 7 bis 11[15]. Bildergalerien werden allerdings nur im Internet Explorer optimal dargestellt.
Um mit Joomla zusätzliche Funktionalität zu bekommen, muss man auf die zahlreichen Erweiterungen zurückgreifen. Eine echte Social-Networking-Funktionalität bekommt man beispielsweise mit Community Builder[16], siehe Bilder 12 bis 14[17]. Zur gemeinsamen Terminverwaltung eignet sich JEvents[18]. Ein gutes Diskussionsforum bekommt man mit Agora[19], siehe Bild 15[20]. Zur Dokumentenverwaltung lässt sich Phoca Download[21] einsetzen, siehe Bild 16[22].
Mit Sharepoint bekommt man hingegen Funktionalität, die für Joomla nicht verfügbar ist und deren Vorteile erst auf den zweiten Blick offensichtlich werden. Dazu zählt der sogenannte Explorer View. Komponenten wie Fotogalerien und Dokumenten-Libraries können im Windows Explorer als Verzeichnisse verwendet werden, so dass sich Dateien einfach von einem anderen Laufwerk hineinkopieren lassen.
Sharepoint integriert Web und Netzwerklaufwerke
Unter Windows ab Vista ist es möglich, diese Verzeichnisse auch mittels Web-Filesharing[23] als Netzwerk-Laufwerke zu mounten. Dahinter steckt mehr als das reine Kopieren. Mittels Web-Filesharing ist es möglich, hinter einem Netzwerklaufwerk Funktionalität zu implementieren, wovon Sharepoint auch Gebrauch macht.
In einer Bildergalerie generiert Sharepoint beispielsweise automatisch Bilder in der Größe 640 mal 480 Pixel und Thumbnails in 160 mal 120 Pixel. Es reicht aus, ein beliebiges Foto in ein Sharepoint-Netzwerklaufwerk zu kopieren, um in den Unterverzeichnissen _w und _t die verkleinerten Formen zu erstellen, siehe Bild 17[24].
Eine weitere grundsätzliche Funktionalität besteht aus Versionsverwaltung, sowie einem Check-in-Check-out-Mechanismus. Das macht Sharepoint als Grundlage für eine echtes Dokumentenmanagement interessant, etwa wenn Firmen jede Änderung an bestimmten Dateien dokumentieren und aufheben müssen. Zahlreiche Drittherstellerlösungen zum Dokumentenmanagement[25] sind als Sharepoint-Anwendung realisiert.
Backup und Transfer bei Joomla einfacher
Schwachstellen besitzt Sharepoint bei der Verwaltung der eigenen Websites. Ein Backup ist eine komplexe Angelegenheit. Das Verschieben einer Sharepoint-Site von einem Server auf einen anderen ist ein mittelgroßes IT-Projekt. Ein Blick auf die von Microsoft empfohlene Vorgehensweise[26] macht die Schwierigkeiten deutlich. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich der kostenlose SQL Server Express mit Bordmitteln nicht verwalten lässt. Die kostenpflichtige Vollversion ist dringend anzuraten.
Mit Joomla sind Backup und Transfer einfacher: Zum Backup oder Transfer auf einen anderen Server reicht es aus, den gesamte Joomla-Verzeichnisbaum zu sichern oder zu kopieren und die Datenbank mittels mysqldump in ein Skript zu verwandeln, das auf jedem anderen Server eine exakte Kopie erzeugt.
Joomla kann sich als erweiterbares Content-Management-System für Intranet- und Internet-Websites gut positionieren. Von der einfachen Website mit informativem Charakter bis hin zu einem echten sozialen Netzwerk lässt sich alles mit vertretbarem Aufwand realisieren. Schwächen hat das System jedoch bei der Rechtevergabe, die recht limitiert und statisch ist.
Wer viele Zusatzkomponenten integriert, muss sich außerdem mit den zahlreichen Administratormodulen der einzelnen Komponenten herumschlagen. Obwohl ein Single-Sign-on vorhanden ist, müssen Rechte für jede Komponente einzeln verwaltet werden.
Bei Sharepoint hat man hingegen größere Schwierigkeiten, ein möglichen Nutzen zu erklären. Für externe Websites gibt es keine geeigneten Templates. Um eigene zu erstellen, benötigt man mindestens den Microsoft Sharepoint Designer[27], den Microsoft allerdings vor kurzem zum kostenlosen Produkt gemacht hat.
Für Intranetsites muss sich Microsoft den Vorwurf gefallen lassen, dass Funktionen wie Dokumentbibliotheken und Bildergalerien auch als Netzwerklaufwerke realisiert werden können. Eine wirkliche Verbesserung der Bilderdarstellung im Gegensatz zu den Thumbnails im Windows-Explorer gibt es nicht. Im Bereich Termine und Kalender konkurriert Sharepoint mit Outlook.
Zudem dürfte Sharepoint für viele potenzielle Anwender ein Ausschlusskriterium erfüllen: Wer von seinem CMS erwartet, dass auch Browser, die nicht den Namen Internet Explorer tragen, vollständig unterstützt werden, für den kommt Sharepoint nicht in Frage.
Die Stärken von Sharepoint zeigen sich vor allem in Funktionen, die unter der Oberfläche liegen. Versionierung und Check-in-Check-out-Funktionalität machen die Sharepoint-Technologie vor allem für Dritthersteller interessant, Dokumentenmanagementlösungen zu schaffen, die Compliance-Anforderungen unterstützen.
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