Digitale Bilderrahmen: mehr als nur Gadgets

(http://www.zdnet.de/magazin/41503236/digitale-bilderrahmen-mehr-als-nur-gadgets.htm)

von Peter Marwan, 28. September 2009

Anfangs als teurer Elektroschrott geschmäht, haben sich Digitalbilderrahmen jetzt etabliert: Jeder siebte Haushalt besitzt schon einen. Aber auch Unternehmen entdecken allmählich die Möglichkeiten der Geräte.

Knapp sieben Prozent der deutschen Haushalte besitzen bereits einen digitalen Bilderrahmen, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Bitkom[1]. Im laufenden Jahr soll der Umsatz mit den Geräten in Deutschland um gut 50 Prozent auf mehr als 150 Millionen Euro anwachsen. 2008 legte das Marktsegment von 43 Millionen auf 102 Millionen Euro zu. Die abgesetzten Stückzahlen verdreifachten sich auf rund 1,1 Millionen.

Damit hat sich die Produktkategorie trotz einiger Unkenrufe[2] etabliert. Bester Beleg dafür ist, dass kürzlich Aldi Nord den 8-Zoll-Digitalbilderrahmen Medion Life E76003[3] für 65 Euro verkauft hat: Was Medion produzieren lässt und Aldi verkauft geht auf alle Fälle gut weg.

Harry Wang, Marktforscher bei Parks Associates[4], hat ein Wachstum des weltweiten Marktes von 2007 auf 2008 um 68 Prozent festgestellt. Für 2009 rechnet Wang mit einer Steigerung von etwas über 30 Prozent. 2013 sollen in Nordamerika, Asien und Europa rund 38 Millionen Stück verkauft werden. Aktuell hinken die Absatzzahlen in Deutschland denen in Frankreich und Großbritannien noch hinterher. Aber das Segment zieht auch hierzulande an: 2007 hatte der Verkauf in Deutschland einen Anteil von 13 Prozent am europäischen Markt, 2008 waren es bereits 17 Prozent.

Die Preise sind - auch dank der gestiegenen Nachfrage – in den vergangenen Monaten weiter gesunken. Beispielsweise hat Hama[5] im Dezember 2008 zwei digitale Bilderrahmen mit Bluetooth auf den Markt gebracht. Die 8-Zoll-Variante kostete damals 170 Euro. Inzwischen ist sie bei bekannteren Online-Händlern zwischen 130 und 140 Euro zu haben. Die 11-Zoll-Ausführung startete für 200 Euro im Markt. Sie kostet inzwischen im Durchschnitt um 160 Euro.

Bestimmt werden die Preise im Wesentlichen von der Displaygröße, der Speicherkapazität und der Bildschirmauflösung. Sie liegen derzeit meist zwischen 40 und 300 Euro. Ausreißer ist der erste OLED[6]-Digitalbilderrahmen von Kodak, der 899 Euro kostet. Der Durchschnittspreis der Geräte beträgt nach Angaben des Bitkom im Augenblick jedoch etwa 90 Euro.

Das Marktforschungsunternehmen In-Stat[7] hat kürzlich für 2013 den Verkauf von 50 Millionen Stück digitaler Fotorahmen weltweit prognostiziert. Die Herstellungskosten für die einfacheren Geräte sollen dann bei etwa 36 Dollar liegen. Der Großteil davon entfällt auf LCD, WLAN-Modul und das Gehäuse.

Für 2009 erwartet der Bitkom in Deutschland einen Absatz von über zwei Millionen digitalen Bilderrahmen. Besonders gerne werden die Geräte im Jahresendgeschäft gekauft. Beispielsweise gingen allein im Dezember 2008 mehr als 440.000 Stück über die Ladentheken.

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Digitale Bilderrahmen auf dem Weg ins Business[8]

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Mit deutlichen Preissenkungen rechnet Wang in der nächsten Zeit - besonders bei den kleineren Modellen - nicht. Seiner Ansicht nach hat sich der Preis für sieben und acht Zoll große Panels eingependelt. Er rechnet eher damit, dass die Hersteller immer merh Zusatzfunktionen, insbesondere WLAN, integrieren, um auch anspruchsvollere Kunden anzusprechen.

Stephanie Ethier, Analystin bei In-Stat, hält WLAN sogar für den Schlüsselfaktor für das weitere Marktwachstum des Marktsegmentes im kommenden Jahr. Einer In-Stat-Umfrage zufolge haben im Sommer rund 60 Prozent der Befragten US-Verbraucher, die sich mit dem Gedanken tragen, einen digitalen Fotorahmen zu erwerben, angegeben, beim Kauf auf die Möglichkeit einer drahtlosen Netzwerkanbindung achten zu wollen.

Harry Wang, Marktforscher bei Parks Associates, rechnet in nächtser Zeit nicht mit größeren Preisrückgängen bei Digitalbilderrahmen (Bild: Parks Associates).
Harry Wang, Marktforscher bei Parks Associates, rechnet in nächtser Zeit nicht mit größeren Preisrückgängen bei Digitalbilderrahmen (Bild: Parks Associates).

Der Verkauf WLAN-fähiger Modelle legt laut In-Stat derzeit doppelt so stark zu wie der Gesamtmarkt. "Die Preise für netzwerkfähige Geräte werden weiter sinken und mit der zunehmenden Aufklärung der Verbraucher durch die Hersteller werden auch immer mehr Konsumenten die Internetdienste nutzen wollen, die damit möglich sind", sagt Ethier.

Die Analystin denkt dabei beispielsweise an das Weitergeben und den Download von Bildern oder Zusatzfunktionen wie das Abspielen von Internetradio oder Videos von Sites wie YouTube. Möglich ist inzwischen auch die mit eigener E-Mail-Adresse ausgestatteten Modelle mit Fotos von Online-Fotoportalen zu versorgen.

Festzustellen, von wem digitale Fotorahmen gekauft und ob diese privat oder gewerblich genutzt werden, ist schwierig - besonders wenn es sich um kleinere Mengen handelt. Wang sieht jedoch eine anziehende Nachfrage durch Firmen. Projekte sind zwar noch die Ausnahme. Sie kommen aber immer häufiger vor. Das größte, Wang bekannte, ist eines von Focus Media, einer chinesischen Firma für Außenwerbung. Sie erwarb insgesamt 200.000 digitale Bilderrahmen, die sie zur Darstellung von Anzeigen in Aufzügen nutzt.

Es gibt aber auch andere, kleinere Beispiele. So nutzen etwa Museen die Geräte, um Besuchern Exponate aus weiteren Blickwinkeln zeigen zu können oder Zusatzinformationen zu vermitteln. Und Ladengeschäfte entdecken allmählich digitale Bilderrahmen als Blickfang im Schaufenster.

Arena One setzt digitale Bilderrahmen zur Dekoration und Information bei Buffets ein (Bild: Arena One).
Arena One setzt digitale Bilderrahmen zur Dekoration und Information bei Buffets ein (Bild: Arena One).

Der Münchener Veranstaltungs- und Gastronomiedienstleister Arena One[9] setzt die Geräte als hochwertigere, individuellere Alternative zu Papier-Speisekarten oder als auffälliges Deko-Element am Buffet ein. "In unserer Branche ist beim Thema Präsentation immer wieder Neues gefragt. Die Menschen wollen überrascht werden. Da versuchen wir natürlich, jede Technologie zu nutzen. Und digitale Bilderrahmen mit 'bewegtem' Bild bieten uns und unseren Kunden einfach mehr Raum zur Darstellung", sagt Geschäftsführer Alexander E. Gausmann.

Weitere Vorteile sieht er darin, dass bewegte Bilder ansprechender sind als reiner Text, dass sich auch andere Angebote bewerben lassen und schließlich, da digitale Bilderrahmen derzeit noch wenig verbreitet sind, ihre Nutzung sich positiv auf das Image sowohl des Dienstleisters als auch des Kunden bei Veranstaltungsbesuchern auswirkt.

Während bei der Nutzung in Museen, Verkaufsräumen und Veranstaltungen vor allem wichtig ist, dass das Design des digitalen Bilderrahmens zur Gestaltung der anderen Elemente passt, ist bei der Aufstellung im Schaufenster Größe gefragt. Heute bieten aber die meisten Modelle eine Bilddiagonale von sieben oder acht Zoll, 10,2 Zoll ist schon selten, 15 Zoll eine große Ausnahme. Wie eine Sprecherin von Hama gegenüber ZDNet erklärte, ist gerade an dieser Größe das Interesse stark. Wichtig für diese Nutzung seien auch eine integrierte Zeitschaltfunktion sowie Funktionen wie Zoom, Dia-Show und Bildrotation, um die Aufmerksamkeit der Passanten auf den Bildschirm zu ziehen. Zwar dominieren die großen Marken den jungen Markt noch nicht, aber Wang hat festgestellt, dass die großen, bekannten Namen auf Kosten der kleineren Marktanteile dazugewinnen. Beispielsweise hätten in Europa im vergangenen Jahr Kodak[10], Philips[11] und Telefunken[12] 38 Prozent der Marktanteile auf sich vereinigen können. Zusammen mit Sony[13], AgfaPhoto[14] und Samsung[15] waren es sogar 52 Prozent der Verkäufe in Europa. "Durch die Anpassung der Einkaufsstrategien der großen Retailer werden diese gut bekannten Marken die Möglichkeit haben, ihre Marktanteile weiter auszubauen", so Wang.

In den USA haben nach einer In-Stat-Untersuchung bei der Verbreitung Kodak und Philips die Nase vorn. Allerdings scheinen auch HP (dass seine Modelle in Deutschland gar nicht anbietet) und Sony gute Ausgangsvoraussetzungen zu haben. Diesen beiden Marken nannten die Befragten nämlich als weitere, denen sie in Bezug auf digitale Bilderrahmen Vertrauen entgegenbringen würden.

In Deutschland kommen eine ganze Reihe lokaler Anbieter hinzu. So bieten etwa der Foto-Zubehörspezialist Braun[16], die Jobo AG[17] aus Gummersbach oder Hama[18] digitale Fotorahmen an. Außerdem haben weitere asiatische Hersteller, zum Beispiel Acer[19], Aiptek[20], LG Electronic[21] und Lite-On[22], digitale Bilderrahmen im Portfolio.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.bitkom.org
[2] = http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_unternehmen_business_digitale_bilderrahmen_erweisen_sich_als_flop_story-39001020-39192446-1.htm
[3] = http://www.cnet.de/blogs/preisradar/41502361/digitaler+8_zoll_bilderrahmen+medion+life+e76003+bei+aldi+nord+fuer+65+euro.htm
[4] = http://www.parksassociates.com
[5] = http://www.hama.de
[6] = http://de.wikipedia.org/wiki/Organische_Leuchtdiode
[7] = http://www.in-stat.com
[8] = http://www.zdnet.de/galerie/41503313/digitale-bilderrahmen-auf-dem-weg-ins-business.htm#sid=41503236
[9] = http://www.arenaone.de/
[10] = http://shop.kodak.de/store/ekconseu/de_DE/list/Digitale_Bilderrahmen/categoryID.28918200
[11] = http://www.consumer.philips.com/c/digitale-bilderrahmen/17484/cat/de/
[12] = http://www.telefunken.com/de/
[13] = http://www.sony.de/hub/zubehor-fur-digitalkameras/block/5
[14] = http://www.agfaphoto.com/appc/content_manager/page.php?ID=194350
[15] = http://monitor.samsung.de/produkte/type22.aspx?type=Photo+Frame
[16] = http://www.braun-phototechnik.de/braunphototechnikDe/De/digiframe.htm
[17] = http://www.jobo.com/
[18] = http://www.hama.de/portal/choice*18826/action*512
[19] = http://www.acer.de
[20] = http://www.aiptek.eu/
[21] = http://www.lge.com/de/it-produkte/digitale-bilderrahmen/index.jsp
[22] = http://www.liteonit.eu/de/