Warum Open-Source-Handys die besseren Smartphones sind

(http://www.zdnet.de/magazin/41503177/warum-open-source-handys-die-besseren-smartphones-sind.htm)

von Jack Wallen, 24. September 2009

Open Source bringt dem Mobilmarkt eine ganze Menge Vorteile. Angefangen bei Kosteneinsparungen, über die höhere Sicherheit bis hin zu mehr Anpassungsmöglichkeiten und einer produktiveren Applikationsentwicklung.

Die Mobilbranche wird derzeit richtig interessant. Denn es ist der Zeitpunkt gekommen, an dem das Smartphone wirklich intelligent ist an dem und der durchschnittliche Anwender bei ernsthaft davon profitieren kann. Wie kam es dazu? Um es mit einem Wort zu sagen: Wettbewerb.

Als das iPhone[1] herauskam, rangen die Kunden darum, eines der ersten Smartphones von Apple zu bekommen, und die Wettbewerber rangen darum, ein Gerät zu bauen, das ebenso attraktiv war. Es brauchte zwar eine Weile, doch dann ist der Wettbewerb in Gang gekommen. Android-Handys[2], Palm Pre[3], Blackberry Bold[4] – sie sind allesamt hervorragende Neuankömmlinge auf dem Markt. Zwei dieser Neulinge dürften den Rest jedoch aus einem einfachen Grund in den Schatten stellen: Open Source. Wie trägt Open Source dazu bei, diese Handys von den Wettbewerbern abzuheben? Dafür gibt es zehn Gründe.

Offene Standards

Beim iPhone wird getan, was Apple sagt. Man folgt den Standards und verwendet nur von Apple genehmigte Applikationen (sofern das iPhone nicht per Jailbreak gehackt wurde). Sowohl bei Android-basierten Handys als auch beim Palm Pre sind offene Standards nicht nur ein Schlagwort - man hält sich tatsächlich an offene Standards. Und diese Entscheidung wird dauerhafte Auswirkung haben. Software wird einfacher zu entwickeln sein, Websites werden so geladen, wie sie sollen (außerdem werden sie einfacher für Mobilgeräte zu entwickeln sein), und Hardware-Zubehör wird leichter verfügbar sein.

Mehr Applikationen

Nach dem Stand der Dinge ist das iPhone der König der Applikationen. Es scheint, als habe Apple für fast alles die richtige Anwendung. Doch wenn Android-Handys und der Pre mehr Verbreitung finden, werden sich auch die Applikationen für diese Handys exponentiell vermehren. Warum? Zunächst einmal, weil der Applikationsentwicklungsprozess nicht wie bei Apple durch ein Genehmigungsverfahren verstümmelt wird. So gibt es zum Beispiel bei Apple keine Alternativen zum Safari-Browser. Mobilversionen von Firefox und Chrome hingegen dürften bald für den Pre und Android-basierte Handys erscheinen. Das wird so weitergehen, bis das Angebot an Applikationen eines (oder beider) dieser Geräte das Applikationsangebot von Apple überholt. Früher oder später wird Sicherheit ein großes Thema für Smartphones werden. Apple hat bereits gezeigt, wie quälend langsam die Freigabe von Updates für das iPhone ablaufen kann. Aufgrund des Open-Source-Charakters der Konkurrenz dauert es dort sicher nicht so lange, bis Updates kommen. Ist eine Sicherheitslücke oder eine Schwachstelle entdeckt, kann das entsprechende Update viel schneller zum Endanwender gelangen.

Natürlich geht es nicht wirklich nur um Updates. Die eigentliche Grundlage des Pre und der Android-basierten Handys ist Linux, daher bieten sie grundsätzlich eine höhere Sicherheit als etwa Windows-Mobile-Handys. Zwar ist die Sicherheit von Mobiltelefonen noch kein allgemeines Problem, aber da sich Smartphones breit durchsetzen, wird es schon bald eins werden.

Anpassung

Es gibt Leute, die besitzen iPhones, seit deren erste Generation auf dem Markt ist. Am stärksten beklagen sie, wie wenig man dieses Telefon individuell anpassen kann. Zum Beispiel können keine Themes verwendet werden. Für ein Gerät, das der Inbegriff von Lifestyle sein soll, ist dies eine schwere Schlappe. Bei der Open-Source-Version eines Smartphones kann man sicher sein, dass man Themes verwenden und es persönlich anpassen kann - siehe HTC Hero. Zudem sind schon die ersten entsprechenden Websites entstanden, wie etwa Pimp My Pre. Natürlich ist dies für IT-Profis nicht wirklich wichtig. Durchschnittliche Anwender (also diejenigen, die die größte Gruppe unter den Smartphone-Anwendern stellen)möchten jedoch in der Lage sein, ihr Handy zu personalisieren. Wird dadurch das Smartphone auch besser funktionieren? Nein. Aber diese Funktionalität wird Anwender anziehen, die ihr Smartphone gern individualisieren - etwa die Facebook-Generation.

Verbindungsmöglichkeiten

Es geht hier nicht um UMTS, EDGE oder WLAN, sondern um die Verbindungsmöglichkeiten mit dem PC - also um das Synchronisieren. Das iPhone kann man mit iTunes synchronisieren, und das war es im Wesentlichen auch schon. Wer bereit ist, sich für 79 Euro pro Jahr bei MobileMe anzumelden, bekommt eine umständliche Möglichkeit, das Handy mit dem Google-Mail-Konto abzugleichen. Aber was ist, wenn jemand etwas anderes als iTunes verwendet? Der Palm Pre dagegen wird vom Computer als Standard-Massenspeicher erkannt, sodass sich Dateien problemlos per Drag and Drop kopieren lassen. Deshalb wird die Open-Source-Gemeinschaft zahlreiche tolle Funktionen mit unterschiedlichen Synchronisierungsoptionen hervorbringen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich der Pre mit Evolution und Amarok (oder Rhythmbox) synchronisieren lässt. Und das Synchronisieren wird mit nahezu jeder Plattform funktionieren. So wird beim Pre und bei Android-Handys das Synchronisieren mit OS X, Windows und Linux möglich sein. Das müssen Apple und Microsoft mit Windows Mobile erst einmal besser machen.

Kosten

In den USA liegen die Unterschiede der Gesamtbetriebskosten zwischen dem iPhone und dem Palm Pre bei 550 Dollar, das sind rund 22 Dollar pro Monat. In Deutschland liegen die Gesamtbetriebskosten für das iPhone 3GS mit 16 GByte Speicher im günstigsten Tarif Complete XS (T-Mobile) bei 874 Euro. Beim G2 Touch im vergleichbaren Tarif fallen 764 Euro an. Also gut 110 Euro weniger. Im Complete-S-Tarif muss der Kunde für beide Geräte gleich viel zahlen und in den Tarifen Complete M und L sowie den G2-Pendants wird das iPhone billiger als das G2 Touch. Allerdings nur das mit 16 GByte Speicher. Wer 32 GByte will, zahlt in allen Tarifen mehr als beim Android-Smartphone. Einer der ärgerlichsten Aspekte beim iPhone ist Multitasking. Wer zum Beispiel mit dem EDGE-Netz verbunden ist und versehentlich den Mail-Knopf drückt, kann für eine Weile das Telefon nicht benutzen. Und häufig genug hat eine Warnmeldung schon ein Telefongespräch abgebrochen. Das iPhone beherrscht einfach kein Multitasking.

Android-Handys und der Palm Pre können das. Beim Pre lassen sich problemlos mehr als eine Applikation gleichzeitig öffnen. Das Betriebssystem, unter dem der Pre und Android-Handys laufen, ist Linux, und Linux wurde für Multitasking und Netzwerke geschaffen.

Push-Mail

Die meisten Google-Applikationen sind gleich in das Pre-Betriebssystem eingebaut. Daher ist nicht nur die Integration nahtlos, sondern man erhält auch seine Google-Mails auf das Handy zugestellt, ohne etwas tun zu müssen. Man braucht nicht mehr den Mail-Client zu öffnen und zu warten, bis die E-Mails heruntergeladen sind. Das Feature funktioniert auch bei den Android-Handys. Natürlich kann das iPhone so eingestellt werden, dass es das Google-Mail-Konto häufig auf neue Nachrichten überprüft, sodass es wie Push wirkt. Aber das ist eben kein echtes Push. Außerdem werden der Pre und Android-Handys eine viel umfassendere Integration mit Google-Mail bieten, da eine Open-Source-Google-Mail-API (Web Storage Portability Layer) bereits entwickelt wurde. Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis eines (oder beide) dieser Handys nahtlos in Tools wie eGroupware und Zimbra integriert ist.

Entwickler

Die Gesamtzahl von Open-Source-Entwicklern rund um die Welt ist nicht unbeträchtlich. Nun stelle man sich vor, sie alle würden daran arbeiten, interessante und praktische Applikationen zu entwickeln um das Gesamterlebnis mit dem Telefon zu verbessern. Genau dies steht dem Smartphone auf Basis der Open-Source-Technologie bevor. Dieses Modell hat sich schon beim Linux-Betriebssystem für PCs als effektiv erwiesen. Sobald ein Bug gefunden ist, wird er schnell und wirkungsvoll korrigiert. Das dürfte auch beim Pre und bei Android-Handys so sein. Wenn so viele Leute an einem gemeinsamen Ziel arbeiten, wird es auch rasch erreicht.

Kreativität

Die Open-Source-Gemeinschaft wird viele kreative Möglichkeiten finden, um den Palm Pre zu nutzen. Mail-Server, Content-Management-Systeme, Netzwerksicherheitstools - es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Wie lange wohl die Open-Source-Gemeinschaft braucht, um eine Superleichtversion von Apache zu schaffen, die auf dem Pre oder einem Android-Gerät läuft? Man stelle sich vor, man könnte seinen eigenen Web-Server mit sich herumtragen. Oder vielleicht gelingt es schon bald, den Standard-Linux-Desktop auf die mobilen Geräte zu portieren - nichts scheint unmöglich.

Stimmen Sie mit der Meinung des Autors überein, dass Open-Source-Geräte die besseren Smartphones sind? Oder wird Apple, vielleicht sogar Microsoft mit Windows Mobile 7, den Kampf um die Markanteile gewinnen? Schreiben Sie einen Kommentar zum Artikel.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/mobiles_arbeiten_mit_handheld_pda_handy_smartphone_das_iphone_3g_s_im_test_ist_es_wirklich_schneller_und_besser_review-20000153-41005490-1.htm
[2] = http://www.zdnet.de/mobiles_arbeiten_mit_handheld_pda_handy_smartphone_endlich_ein_iphone_konkurrent_android_handy_htc_hero_im_test_review-20000153-41500317-1.htm
[3] = http://www.zdnet.de/mobiles_arbeiten_mit_handheld_pda_handy_smartphone_getestet_palm_pre_mit_dem_neuen_betriebssystem_webos_review-20000153-41005058-1.htm
[4] = http://www.zdnet.de/mobiles_arbeiten_mit_handheld_pda_handy_smartphone_rims_erstes_hsdpa_smartphone_blackberry_bold_review-20000153-39197598-1.htm